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Hochsaison für neapolitanische Blüten

Falschgeld „blüht“ in Vorarlberg. Die Zahl der bei uns aufgetauchten „Blüten“, wie man gefälschte Banknoten landläufig nennt, lag in den vergangenen Jahren jeweils deutlich über dem durchschnittlichen Wert. Die Fälscherwerkstätten befinden sich vorwiegend in Süditalien und wohl auch in Frankreich.

Seit der Einführung des Euro tauchen in Vorarlberg pro Jahr im Schnitt zwischen 200 und 250 Blüten auf, weiß Armin Schneider von der Oesterreichischen Nationalbank. 2016 waren es 445 falsche Scheine, der Spitzenwert wurde 2015 erreicht: Da wurden in Vorarlberg 468 selbst „gestrickte“ Banknoten aus dem Verkehr gezogen.

„Mehr als die Hälfte der Fälschungen betrifft die 50-Euro-Noten, dann folgen die 20er, schließlich die 100er“, sagt Schneider. Früher waren in fast 90 Prozent der Fälle professionelle Fälscher am Werk. Mit der Einführung der neuen Europa-Serie ist dieser Anteil in Vorarlberg aber deutlich auf 50 Prozent gesunken. „Dies lässt den Schluss zu, dass die Profis die neuen Sicherheitsmerkmale derzeit noch sehr schwer nachahmen können. Dafür versuchen viele Einzeltäter mit Drucker, Kopierer oder Scanner Scheine nachzumachen.“

Wenn heute jemand wissentlich eine Blüte verbreitet, dann kennt er den „Produzenten“ üblicherweise nicht. Saßen die Profifälscher früher in der Regel in Südosteuropa, so vermutet man sie heute – wenig überraschend – in und um Neapel. Ebenso sollen in Frankreich einige Fälscherwerkstätten existieren. Bis die Blüte jedenfalls zum „Endverbraucher“ gelangt, durchläuft sie noch die Hände des einen oder anderen Zwischenhändlers, der einerseits mitverdient, andererseits damit aber auch die Spuren zu den Hintermännern verwischt.

Darknet als Umschlagplatz

Es verwundert nicht, dass das so genannte Darknet eine bedeutende Drehscheibe für den Vertrieb von Falschgeld darstellt, darin werden die falschen „Fufzger“ – je nach Qualität – zu einem Drittel des aufgedruckten Wertes angeboten. Schließlich tauchen die Scheine beim Endverbraucher auf, der weder Hersteller noch die vielen anonymen Zwischenstationen kennt.
„Ameisen“ lautet der Insiderbegriff für jene, die das Falschgeld zu (schlechter) Letzt ausgeben. Ameisen heißen sie deshalb, weil es sich bei ihnen lediglich um die kleinen Fische im System handelt, die üblicherweise versuchen, ein Produkt von geringem Wert mit einem großen gefälschten Schein zu bezahlten, um dann legales Wechselgeld zu erhalten. Sie kundschaften genau aus, wo sie die Blüten am sichersten loswerden – etwa in Bars, in denen es relativ dunkel ist, bei Mautstellen, wo Eile herrscht, in Casinos oder auf Zeltfesten.

Banknotenprüfgeräte, die zahlreiche Geschäfte verwenden, helfen, Blüten herauszufischen. Billige Prüfstifte können aber unter Umständen trügerisch sein. Wenn beispielsweise ein echter Geldschein versehentlich in der Hosentasche mitgewaschen wurde, schlägt der Stift fälschlicherweise Alarm, weil er auf den Weichmacher des Waschmittels reagiert. Der unschuldig Betroffene hat dann Erklärungsbedarf – und wohl Muffensausen. Denn wer unwissentlich Falschgeld erhält, es jedoch wissentlich weitergibt, dem droht bis zu ein Jahr Haft. Auf die Herstellung von Blüten stehen sogar bis zu zehn Jahre „gesiebte Luft“.

Armin Schneider sieht in Banknotenprüfgeräten eher eine Maßnahme zur Prävention. Er erachtet es als zielführender, Geldscheine stets nach dem Motto „Fühlen, Sehen, Kippen“ genau anzuschauen, anzugreifen und so den Unterschied zu erkennen. Beim Kippen der 50er-Note der neuen Serie erscheint beispielsweise im silbernen Streifen rechts oben die mythologische Gestalt Europa in einem durchsichtigen Fenster, auf der Smaragdzahl links unten wandert ein Lichtbalken auf und ab. Übrigens: Das Grundmaterial für Banknoten ist Baumwolle, wie bei Jeans.

1,5 Prozent Anteil an Falschgeld

„Österreich hat europaweit einen Anteil von rund 1,5 Prozent bei gefälschtem Geld“, weiß Armin Schneider. „Von der Anzahl her treten die meisten Fälschungen in Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland auf.“

Im Jahr 2017 scheint die Blütenzahl in Vorarlberg etwas zu sinken. „Bisher verzeichnen wir einen Rückgang von ungefähr einem Drittel“, sagt Schneider. Als Grund dafür nennt er Fahndungserfolge der Polizei. Außerdem hätten die Hersteller mit Einführung der fälschungssichereren Europaserie ihre „Lager“ geräumt und den Inhalt an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht. Dies hatte in den letzten Jahren kurzfristig zum Anstieg der Blüten geführt.

In Vorarlberg befinden sich geschätzt 17 Millionen Stück echte Banknoten im Umlauf. Aufeinandergestapelt lässt sich dies mit der doppelten Höhe des Pfänders vergleichen. Um die Scheine auf einer ebenen Fläche auszulegen, bräuchte es 30 Mal das Altacher Fußballstadion.

Damit ist in unserem Bundesland nur ungefähr jede 45.000 Banknote gefälscht; anders ausgedrückt: lediglich 0,002 Prozent. In Österreich braucht man rein statistisch betrachtet zehn Leben lang, um mit Sicherheit mit einer Fälschung in Kontakt zu kommen. Dennoch rät Armin Schneider zu Wachsamkeit. Und für Betriebe bietet die Oesterreichische Nationalbank kostenlose Schulungen.

Link zur Europa-Serie samt ihren visuellen Sicherheitsmerkmalen:
http://www.neue-euro-banknoten.eu/Euro-Banknoten/Sicherheitsmerkmale/SEHEN/DIE-NEUE-50-€-BANKNOTE

04.11.2017

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