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Leben 110 Kilometer südlich des Polarkreises

Sein Wunsch nach Freiheit, Abenteuer und dem Leben in der Natur führten Elmar Muxel in die nördlichste Provinz Schwedens. Dort genießt er die „maximal mögliche Freiheit und ein Leben in und mit der Natur“. Wie es sich 110 Kilometer südlich des Polarkreises lebt und warum Vorarlberg trotzdem seine „erste Heimat“ bleibt, verrät er im Gespräch mit „Thema Vorarlberg“.

Norrbottens län ist die nördlichste Provinz Schwedens, hat eine Fläche von 98.245 Quadratkilometern und etwa 250.000 Einwohner. Elmar Muxel lebt in Arvidsjaur, einer Kleinstadt 110 Kilometer südlich vom Polarkreis. Die Kommune Arvidsjaur ist 6123 Quadratkilometer groß und hat insgesamt 6500 Einwohner. Der Großteil davon – 4500 Menschen – lebt im Städtchen Arvidsjaur auf rund fünf Quadratkilometern, die restlichen 2000 Einwohner leben über ein Gebiet von 6118 Quadratkilometer verteilt. Im Städtchen selbst gibt es eine umfassende Versorgung mit allem, was ein Mensch benötigt. Dazu gehören Kindergärten, Schulen, eine Apotheke und ein Krankenhaus. Der Flughafen ist zwölf Kilometer entfernt und bietet fast täglich eine Anbindung an Stockholm und im Winter auch Direktflüge nach Deutschland. „Verlässt man das Städtchen, ist man aber gleich in der Wildnis und auf sich gestellt. Hier führt man ein Leben ohne Zäune, mit der Natur und den Jahreszeiten“, berichtet Elmar Muxel, der 2010 einen Hof in Arvidsjaur gekauft hat. Er ist dort gelandet, weil er schon lange den Drang verspürte, in der Wildnis und in direktem Kontakt zu Flora und Fauna zu leben: „Das hätte an vielen Orten sein können. Durch Zufall bin ich im Internet auf eine Immobilienseite für Häuser in Lappland gestoßen. Die Preise sind dort noch sehr moderat und der Plan war, so nahe als möglich an die Basis des (Über-)Lebens heranzukommen, ohne ganz auf Sicherheit oder den gewohnten Standard verzichten zu müssen.“

Von der ersten und der zweiten Heimat

Eine Umstellung war es trotzdem: Muxel ist in Alberschwende und Wolfurt aufgewachsen und hat danach viele Jahre in Dornbirn und Schwarzach gelebt. Beruflich war er ab Mitte der Siebzigerjahre bis 1991 bei der Firma Doppelmayr weltweit in unterschiedlichen Positionen tätig. 1992 machte er sich mit der Einkaufsgemeinschaft POOL-Alpin selbstständig und widmete sich dieser Aufgabe als Alleingesellschafter und alleiniger Geschäftsführer zwei Jahrzehnte lang. Vor vier Jahren verkaufte er seine Firma und absolvierte einen Universitäts-Lehrgang und eine Ausbildung zum akademischen Mentalcoach. „Ich wollte nie ganz weg aus Vorarlberg, denn es ist die lebenswerteste Gegend, die ich kenne“, erzählt Muxel, der dennoch immer auf der Suche nach Abwechslung und etwas Neuem war. „Dabei habe ich meine zweite Heimat, Schwedisch Lappland, gefunden. Hier gibt es die maximal mögliche persönliche Freiheit und ein Leben in und mit der Natur in einem sicheren Umfeld. Freiheit und Naturverbundenheit sind meine höchsten persönlichen Werte – da war es in Arvidsjaur schnell um mich geschehen.“

Auch wenn er sein Unternehmen verkauft hat und seit nunmehr einem Jahr in Pension ist – zurücklehnen will er sich nicht. „Derzeit führe ich ein Leben abseits von Stress und Druck. Meine Karriere habe ich hinter mir, ich brauche kein Geld zu verdienen und arbeite nur so viel, wie ich möchte.“ Seine Zeit investiert er in den Ausbau von Miethäusern in Lapp­land und den Aufbau eines Mentalcenters in Schwarzach und Lappland. Ab 2019 soll sich das Ganze in die Einkommenszone bewegen, so sein Plan. Vergangenes Jahr hat er außerdem die Internetplattform „Great Lappland“ gegründet. Damit will Elmar Muxel den Menschen „zu Hause“ Schwedisch Lappland näherbringen. Er erklärt den Hintergrund: „Derzeit besteht die überwiegende Mehrheit der Gäste aus Autotestern aller Marken und solchen, die an Fahrevents teilnehmen. Neue Zuwanderer setzen aber auf die Vermietung von Wohnungen und Häusern, und Angebote wie Hunde- und Motorschlittenfahrten, Fischen und Trekkingtouren. Für diese kleinen Unternehmen gab es bis dahin keine regionale Plattform, um sich zu präsentieren, »Great Lappland« füllt diese Lücke und die Gäste können aus dem regionalen Komplettangebot der Umgebung Arvidsjaur ihre persönlichen Highlights aussuchen.“

Das Leben geprägt von den Jahreszeiten

Spricht man mit Elmar Muxel über Lappland, ist seine Begeisterung für das Land unverkennbar: „Ich liebe diese Menschen, die Natur und die Freiheit, denn Zäune gibt es nirgends. Hier gibt es keine Hektik und kein Muss.“ So zeigen sich auch große Unterschiede bei der Lebensweise der Schweden, wie Muxel berichtet: „Vor allem außerhalb der Stadt ist das Leben noch vom Wetter und den Jahreszeiten geprägt. Und die Menschen nehmen sich viel Zeit. Hektik und Druck sind verpönt.“ Was heute nicht fertig werde, an dem werde morgen oder übermorgen weitergearbeitet. Besonders fasziniert ihn, dass der einzelne Mensch vermehrt im Vordergrund steht, ohne aber, dass sich jemand in den Mittelpunkt drängt.

Komplett in Schwedisch Lappland zu leben, kann er sich aber nicht vorstellen: „Den tiefsten Winter möchte ich nicht immer hier verbringen und den späten Lebensabend auf jeden Fall in Vorarlberg erleben.“

07.10.2017

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