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Werner Fend – vom Jäger zum Naturschützer

Werner Fend (1926 bis 1997) – ein klingender Name, der in Vorarlberg immer noch viele Erinnerungen auslöst. Waren es doch unvergessene Fernseherlebnisse der 1970er- und 80er-Jahre, die es möglich machten, den Großwildjäger und späteren Naturforscher auf seinen Expeditionen durch den Dschungel zu begleiten.

Werner Fend wurde am 9. August 1926 in Niederösterreich geboren und verbrachte dann seine Kindheit in Götzis. Da sowohl sein Großvater als auch sein Vater passionierte Jäger waren und daher eine Mitgliedschaft im Schützenverein eine Selbstverständlichkeit war, wusste er schon früh mit einer Waffe umzugehen. Doch zunächst schien er zielstrebig auf einen bürgerlichen Beruf hinzusteuern, da er schon vor dem Krieg mit einer Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Feldkirch begonnen hatte und diese nach einem kurzen Kriegseinsatz auch erfolgreich beendete. Er unterrichtete dann von 1946 bis 1952 an der Volkschule Bartholomäberg-Innerberg und später an der Hauptschule in Bludenz. Ein „Fullbright“-Stipendium ermöglichte es ihm, danach zwei Jahre in New York zu studieren und am dortigen Berlitz-Institut Deutsch zu unterrichten.

Der Wendepunkt in seinem Leben war eine Indienreise im Jahr 1952, in deren Verlauf er sich eher zufällig einer zoologischen Expedition der Universität Hamburg anschloss, die ihn wegen seiner Sprachkenntnisse und seiner Erfahrungen als Jäger engagiert hatte. Von den Eindrücken des Dschungels gefesselt, kehrte er bald wieder nach Indien zurück, um unter großen Strapazen Tiger in freier Wildbahn zu filmen, was vor ihm noch niemandem gelungen war. Dem Tierarzt und Herausgeber von Tierbüchern, Bernhard Grzimek, war zu verdanken, dass der Film mit großem Erfolg im Fernsehen gezeigt werden konnte. Da Fend wie kein Zweiter die Verhaltensweisen von Tigern studiert hatte, wurde er von offiziellen indischen Stellen beauftragt, im zentralindischen Hochland von Abutschmar einen menschenfressenden Tiger zu erlegen, der zuvor über 300 Menschen getötet hatte. Nach 60 Tagen auf der Lauer gelang es ihm schließlich, den „Man-Eater“ zur Strecke zu bringen und die Region von der Gefahr zu befreien.

Fend nutzte die steigende Popularität nicht, um sich weiterhin als Jäger zu betätigen: Er entwickelte sich immer mehr zum Tierfilmer, der den Schutz bedrohter Arten und Lebensräume in den Mittelpunkt seiner Produktionen stellte. Als ihm 1989 der Berufstitel „Professor“ verliehen werden sollte, fand sich im bekannten Vorarlberger Ökologen Georg Grabherr ein gewichtiger Fürsprecher: „Trotz mitunter reißerischer Titel hat Werner Fend die Ebene der sachlichen und fundierten Information nie verlassen, sein ausgeprägtes Gefühl und sein Wissen um ökologische Zusammenhänge haben seine Filme geprägt. Besonders unter dieser Akzentsetzung ist sein lehrendes Wirken zu sehen, das den Rahmen von Unterhaltung längst gesprengt hat.“

Werner Fend war nicht nur in tropischen Regenwäldern unterwegs, sondern auch in den Hochgebirgsregionen des indischen Himalayas. Dort sollte er im Auftrag der indischen Forstbehörde einen der äußerst seltenen Schneeleoparden einfangen. Nach zwei Jahren der erfolglosen Suche war es endlich soweit: „Es war kalt, der Wind heulte und die Nacht nahm und nahm kein Ende. Doch dann auf einmal: ein Tier im kurzen Auf­flammen meiner Handlampe, der Schneeleopard. Sehen, Erkennen und Durchziehen des Abzugs des Narkosegewehrs, das war alles, geschah beinahe gleichzeitig. Dann wieder Dunkelheit.“ (Werner Fend Originaltext) Am nächsten Morgen konnte das betäubte Tier nach langer Suche gefunden und mit einem Netz gefangen werden. Von der Schönheit des Tieres fasziniert, entschloss sich Fend entgegen seinem ursprünglichen Auftrag das Tier freizulassen und es dabei zu filmen. Aber dazu sollte es nicht kommen: Der Leopard hatte sich selbst aus dem Netz befreit oder wurde von den einheimischen Helfern in die Freiheit entlassen. „Wichtig war und ist, dass der Schneeleopard, dieses wunderschöne, leider so selten gewordene Tier in den Bergen des Himalayas weiterlebte …“

Gemeinsam mit seiner Frau Renate produzierte er zahllose Filme, Höhepunkt war die 27-teilige ZDF-Serie „Mein Dschungelbuch“. Die „Bunte“ berichtete in mehreren Reportagen über ihn und trug dazu bei, dass oft über 20 Millionen Fernsehzuseher gebannt die Expeditionen von Werner Fend am Bildschirm verfolgten. Die veröffentlichten Sendungen sind aber nur die Spitze des Eisbergs, denn der filmische Nachlass von Werner Fend umfasst mehr als 300 16-mm-Filme, die seit kurzer Zeit sicher in den Depots der Vorarlberger Landesbibliothek lagern. Renate Fend hatte sich fast 20 Jahre nach dem Tod ihres Gatten dazu entschlossen, den wertvollen Nachlass einer öffentlichen Institution zu übergeben. Sie war sich immer bewusst, dass das gemeinsame Lebenswerk nur so der Nachwelt erhalten werden kann. Dazu gehören circa 25.000 Dias, größtenteils von ihr selbst fotografiert. Die Aufgaben waren immer klar definiert: Werner Fend führte die Kamera, seine Frau war für den Ton und die Fotografie zuständig. Sie erinnert sich heute noch gerne an die erlebnisreiche Zeit, das Leben aus dem Koffer, wo eine Expedition auf die andere folgte. Sie hatte als 22-Jährige den mehr als 25 Jahre älteren Tierfilmer kennengelernt, ihn bald darauf geheiratet und dann viele Jahre auf seinen Reisen begleitet. Obwohl schon über 20 Jahre her, blickt Renate Fend wehmütig auf den plötzlichen Tod ihres Mannes zurück, denn es war ihm nicht vergönnt, den Lebensabend in seinem Haus in Röns zu verbringen. Im Alter von 71 Jahren verstarb Werner Fend nach vielen Jahren ununterbrochener Aktivität während des ersten gemeinsamen Urlaubs auf einem Kreuzfahrtschiff an einem Aortariss.

03.12.2017

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Thomas Feurstein

Studium der Germanistik und Geografie, Bibliothekar an der Vorarlberger Landesbibliothek, Schwerpunkte: Landeskunde, Schule und Bibliothek

(Foto: © Gerhard Kresser/Vorarlberger Landesbibliothek)

 

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