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Den Feind benennen und gezielt bekämpfen

In Österreich erkranken jedes Jahr knapp 40.000 Menschen neu an Krebs. Je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird beziehungsweise je effizienter die Krebstherapie geplant ist, umso besser sind die Heilungschancen. Heute können fast 60 Prozent der Krebspatienten geheilt werden. „Biomarker tragen erheblich zu den Erfolgen in der modernen Krebstherapie bei“, erklärt Primar Univ.-Prof. Dr. Felix Offner, Leiter des Instituts für Pathologie am LKH Feldkirch.

Die Qualität der Krebsmedizin steigt: Krebspatienten haben heutzutage gute Heilungschancen. Ein Grund dafür ist der rasante medizinische Fortschritt, der zielgerichtete Therapien und personalisierte Medizin Realität werden lässt. „Biomarker beispielsweise, die die molekularbiologischen Eigenschaften einer Krebserkrankung aufdecken und es möglich machen, Tumore immer präziser zu behandeln, bringen Krebspatienten einen großen Nutzen“, betont Primar Offner.

Biomarker – hilfreiche Informationsquellen

Biomarker sind Indikatoren für Krankheiten: In der Krebsmedizin handelt es sich bei Biomarkern um Genveränderungen oder Veränderungen von Proteinen (Bausteinen) der Tumorzellen, die objektiv gemessen werden können. Aus diesen wesentlichen Informationen lässt sich herausfiltern, ob überhaupt eine Krebserkrankung vorliegt, zudem kann auf den weiteren Krankheitsverlauf geschlossen werden. „Dem Patienten kommt diese Entwicklung durch eine Steigerung der Diagnose- und Therapiequalität direkt zugute: Zielgerichtete Medikamente sorgen für eine bessere Lebensqualität, verringern die Nebenwirkungen, sind lebensverlängernd und führen eher zur Heilung“, verdeutlicht Primar Offner.

Den Feind erkennen

In einem ersten Schritt wird immer eine mikroskopische Identifikation des Tumors durch den Pathologen gemacht. Anschließend werden - je nach Tumortyp - die verschiedensten Biomarker-Analysen (Proteinnachweis, Gensequenzierung, et cetera) durchgeführt: Diese Untersuchungen erfolgen einerseits direkt morphologisch, mit dem Mikroskop, andererseits durch Gen-Sequenzierungsverfahren. Spezifisch therapeutisch-relevante DNA-Mutationen des Tumors werden nachgewiesen und parallel untersucht. „Diese hochkomplexen Analysen von Tumorzellen helfen uns zu beurteilen, mit welchen Medikamenten ein Tumor bestmöglich und möglichst zielgerichtet behandelt werden kann“, beschreibt Primar Offner.

Lungenkrebs im Fokus

„In Österreich zählt Lungenkrebs zur zweithäufigsten Krebserkrankung bei Männern und zur dritthäufigsten bei Frauen. Laut Statistik Austria kann man von 31 Lungenkrebs-Neuerkrankungen pro 100.000 Personen und Jahr ausgehen. Für Vorarlberg mit knapp 400.000 Einwohnern bedeutet das pro Jahr 124 bösartige Lungentumore, die neu diagnostiziert werden“, betont Primar Dr. Peter Cerkl, Leiter der Pulmologie im LKH Hohenems. In den letzten zehn Jahren konnten neue Therapiekonzepte entwickelt werden, die zum Teil erstaunliche Erfolge bringen: Diese positiven Veränderungen sind vielfältig und reichen von präziseren bildgebenden Verfahren bis hin zu sanfteren chirurgischen Eingriffen. Sie umfassen ebenso neue interdisziplinäre therapeutische Strategien. „Eine wesentliche Voraussetzung für diesen enormen Fortschritt ist das wachsende Verständnis der Zusammenhänge zwischen der molekularen Analyse spezieller Gene – Biomarker -, der Entstehung und dem Wachstum von Tumoren“, erklärt Primar Offner. „Durch den Einsatz von arzneimittelbezogenen Biomarkern kann präzise analysiert werden, welche Therapie momentan die beste für den Erkrankten ist: entweder der Einsatz eines neu entwickelten, zielgerichteten Medikaments oder die klassische Chemotherapie“, erläutert Primar Dr. Peter Cerkl den entscheidenden Vorteil in der Lungenkrebstherapie.

Stetiger interdisziplinärer Austausch

In keinem Bereich der Medizin vollzieht sich derzeit ein größerer Wandel wie in der Krebsmedizin. Diese sehr rasche Entwicklung verlangt ein hohes Maß an Fort- und Weiterbildungsenthusiasmus der Krebsmediziner, um sich den täglichen Herausforderungen stellen zu können. Aus diesem Grund etablierte Primar Offner das „Biomarker-Symposium“ im Akademischen Lehrkrankenhaus Feldkirch, das alle zwei Jahre stattfindet.  Hochkarätige, international angesehene Experten diskutieren die Neuheiten auf dem Gebiet der Krebsdiagnose und -therapie. Die Gästeliste ist jedes Mal bunt durchmischt, ist doch das interdisziplinäre Zusammenspiel in der Krebsmedizin von großer Relevanz.

03.06.2017

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Andrea Marosi-Kuster

(40), studierte Biologin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation der Vorarlberger Kranken­haus-Betriebsges.m.b.H.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

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