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Die Saison der Unfallchirurgen

Die Unfallabteilungen der Landeskrankenhäuser haben derzeit Hochsaison. Für zahlreiche Sportler endet ein Skitag mit einer Verletzung. „Das größte Risiko ist oft der Mensch selbst, denn der Großteil der Unfälle ist ein Resultat von Selbstüberschätzung oder mangelnder körperlicher Fitness“, erklärt Primar René El Attal, neuer Leiter der Unfallchirurgie am LKH Feldkirch.

Kaum sind die Berge weiß angezuckert, zieht es viele Österreicher mit ihren Brettern auf den Berg. Dabei ist gerade bei wenig Schnee besondere Vorsicht geboten, weil Schneemangel häufiger zu schwereren Stürzen führen kann. Die häufigste im Krankenhaus behandelte Verletzungsart nach Ski- und Snowboard-Unfällen sind Knochenbrüche. „Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass die Anzahl der Verletzungen leicht rückläufig ist: Somit lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen, dass Carving-Skier heftigere Verletzungen hervorrufen. Dabei handelt es sich rein um ein subjektives Gefühl“, weiß der Unfallchirurg zu berichten. Vermutlich hängt diese Tatsache auch damit zusammen, dass das Qualitätsbewusstsein für die Ausrüstung unter den Wintersportlern gestiegen ist.

„Frauen verletzen sich doppelt so häufig auf der Piste, ihr Kreuzband ist dreimal so oft betroffen als jenes der Männer. Der weibliche Hormonhaushalt und die Anatomie spielen hier eine entscheidende Rolle. Schwerer sind jedoch die Verletzungen vor allem junger Männer. Dies liegt wohl unter anderem an der höheren Risikobereitschaft“, erklärt Primar El Attal. „Markante Unterschiede gibt es auch bei den jeweiligen Sportarten: Während Skifahrer einen höheren Anteil an Knieverletzungen und Verletzungen der unteren Extremitäten erleiden, trifft es die Snowboarder signifikant häufiger an der Schulter und den oberen Körperteilen.“ Zahlreiche Pistenunfälle ziehen auch Kopfverletzungen nach sich. Umso wichtiger ist daher – neben einer defensiven Fahrweise – der passende Helm. Abseits der Piste bekommen die Tücken des Winters oft ältere Menschen zu spüren: Besonders gefährdet sind er Oberschenkelhals und die Unterarme.

Mit Primar El Attal ist ein renommierter Kniespezialist ans Landeskrankenhaus Feldkirch gekommen. Zuvor leitete er seit 2013 das Team der Kniechirurgie an der Universitätsklinik in Innsbruck. Sein besonderer Fokus liegt neben der Sporttraumatologie auch auf der Endoprothetik des Knie- und Hüftgelenks. „Mein Ziel jedoch ist es, bei jedem Patienten das eigene Gelenk so lange als möglich zu erhalten“, betont der Fachmann. „Eine Knieprothese, eine implantierte Prothese, die das Kniegelenk ganz oder teilweise ersetzt, darf nur die letzte Konsequenz sein.“ Am LKH Feldkirch kann die gesamte Versorgung für das Knie angeboten werden: Angefangen bei der Behandlung von Rissen des vorderen und hinteren Kreuzbandes bis hin zur Kniescheibeninstabilität, Knorpelchirurgie und Meniskustherapie einschließlich Meniskustransplantation.

„Jeder Schwerverletzte muss in ganz Vorarlberg die gleiche Überlebenschance haben“, verdeutlicht der Experte. Bei Unfällen geht es oft um Zeit, auch „golden hour of shock“ genannt: Rasches Handeln ist gefragt. Als Leiter des Schockraums, in dem Schwerverletzte erstversorgt werden, ist es dem neuen Primar ein Anliegen, maximale Patientenorientierung bei optimaler Versorgung auf höchstem Stand des Wissens gewährleisten zu können. Dazu gehört in Zukunft auch die Etablierung eines zertifizierten, internationalen Traumanetzwerks für ganz Vorarlberg. Dieses Netzwerk hat unter anderem zum Ziel, die Kommunikation und die Abläufe zwischen den Krankenhäusern, den Leitstellen und den Notärzten zu optimieren.

Die Altersfrakturen verzeichnen einen Zuwachs von 40 Prozent. Um die Operationsrisiken zu senken, bedarf es eines speziellen Managements – nämlich einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit von Unfallchirurgen, Anästhesisten, Geriatern, Internisten und Orthopäden. Nur so kann eine präoperative Optimierung erreicht und eine passende, effiziente, postoperative Behandlung gefunden werden, um beispielsweise ein Delirium zu verhindern bzw. Mobilitätsschwierigkeiten zu umgehen.

In den nächsten Jahren soll österreichweit die Unfallchirurgie und Orthopädie zum Fach für Orthopädie und Traumatologie zusammengeführt werden. Am LKH Feldkirch wird es für diese Fachdisziplin zukünftig zwei Abteilungen mit unterschiedlichen Fachschwerpunkten geben. Durch diese internationale Anpassung bleibt man wettbewerbsfähig, viel Wissen wird auf diesem Wege zusammengeführt und verschmolzen. Im Zuge dessen wird auch die Facharztausbildung in diesem Bereich neu geregelt.

Factbox:

  • 72 Betten
  • 3300 stationäre Fälle
  • 35.100 ambulante Frequenzen
  • 2250 Operationen
  • 23 Ärzte
  • 35 Pfleger

04.02.2017

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Andrea Marosi-Kuster

(40), studierte Biologin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation der Vorarlberger Kranken­haus-Betriebsges.m.b.H.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

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