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E-Bikes – Bewegungsmotivatoren bei richtigem Umgang

Der Herbst beginnt und damit stimmen auch die Temperaturen wieder fürs intensive Radfahren. Der Trend zum E-Bike bringt nun auch weniger Sportliche dazu, sich mehr zu bewegen. Allerdings will der richtige Umgang mit dem Sportgerät gelernt sein, da bei Ungeübtheit und leichtfertigem Verhalten erhöhte Unfallgefahr besteht.

Das E-Bike bietet viele neue Möglichkeiten für Bewegung – auch für Bewegungsmuffel. So steigen immer mehr Autofahrer für kurze Strecken auf E-Bikes um; auch ältere Menschen können mit E-Bikes mobiler und sportlich aktiver sein. Grundsätzlich wird zwischen E-Bikes für den Stadtgebrauch und Mountain- oder Trekking-E-Bikes unterschieden. In den letzten Jahren sind bei allen E-Bikes die Verkaufszahlen massiv angestiegen. Da die Verwendung des E-Bikes eine wesentliche Erleichterung in der Möglichkeit zur Bewegung darstellt, kaufen sich auch viele ungeübte Radfahrer, untrainierte und ältere Menschen ein elektrisches Fahrrad. „So kann man zum Beispiel auch ohne große Anstrengung in die Berge fahren oder im Alltag mobiler sein. Das ist durchaus erfreulich, weil sich viele Menschen dadurch auch wieder mehr oder überhaupt erst wieder bewegen“, erklärt Oberarzt Dr. Alexander Gohm von der Unfallchirurgie am LKH Feldkirch. Allerdings rät der Arzt zum gezielten Kennenlernen des neuen Fortbewegungsmittels und zur umsichtigen Verwendung vor dem alltäglichen Gebrauch.

Gefahren erkennen – Risiko reduzieren

So viele Vorteile das E-Bike auch hat, die Gefahren und Risiken muss sich ein ungeübter Radfahrer trotzdem bewusst machen: Oft wird unterschätzt, dass das E-Bike selbst ein enormes Eigengewicht von bis zu 20 Kilogramm haben kann. Das führt dazu, dass es – wenn der Akku leer wird – ohne oder mit schlechter körperlicher Kondition schwierig ist, sich ohne Unterstützung des E-Bike-Motors fortzubewegen. Zudem erreicht man mit E-Bikes relativ schnell eine hohe Geschwindigkeit – eine Gefahrenquelle im Straßenverkehr, wenn der Fahrer ungeübt ist und die Kontrolle über das Bike verliert. Auch andere Verkehrsteilnehmer können die Geschwindigkeit der Radfahrer schlechter einschätzen – das Unfallrisiko an Ausfahrten und Kreuzungen ist erhöht. „Zum Beispiel sind Senioren oder Radfahrer mit Kinderanhängern nun viel schneller unterwegs als mit normalen Fahrrädern. Das kann so manchen Autofahrer überraschen und zu schweren Unfällen führen“, führt der Unfallchirurg aus. Die Möglichkeit zur Geschwindigkeit bewirkt bei manchen Radfahrern auch Leichtsinnigkeit – und motiviert zu riskanten Überholmanövern auf Radwegen. Dies sind alles potenzielle Unfallursachen und können zu mehr oder weniger schweren Verletzungen führen.

Verschiedene Verletzungsmuster

Die Unfallchirurgen am LKH Feldkirch beobachten verschiedene Verletzungsmuster der Patienten. „Gerade bei Verletzungen nach E-Bike-Unfällen beobachten wir, dass die Frakturen (Brüche) komplizierter geworden sind. Typische Verletzungen etwa sind Thorax-Verletzungen (im Brustkorb) beziehungsweise Brüche vor allem der oberen Extremitäten. Aber auch Schädel-Hirn-Traumen aufgrund von Unfällen mit E-Bikes kommen vor.“ Bei älteren E-Bikern sei etwa auch die Knochenbruchfestigkeit naturgemäß geringer und die Koordination und Reaktionsfähigkeit oft schlechter als bei jüngeren Radfahrern. Die meisten Unfälle passieren durch Fahrfehler wie dauerhaftes Bremsen und Überhitzen der Bremsen. Auch das Anfahren ist beim E-Bike nicht zu unterschätzen: Vor allem in Kurven beim Abwärtsfahren passieren viele Unfälle, da man durch das hohe Gewicht der E-Bikes schneller unterwegs ist und dies ein Wegrutschen in den Kurven durch die höhere Geschwindigkeit mit sich bringen kann.

Tipps vom Unfallchirurgen

Um die Gefahren und damit Unfälle zu reduzieren, rät Dr. Gohm: “Ich plädiere für eine generelle Helmpflicht beim Fahrradfahren, fahren Sie niemals ohne Fahrradhelm und schützen Sie so Ihren Kopf. Absolvieren Sie ein Fahrsicherheitstraining speziell für E-Bikes. Achten Sie beim Kauf eines E-Bikes auf die Laufzeit und Lademöglichkeiten des Akkus, sodass Sie nach einer ausgedehnten Radtour nicht vor dem Problem ,leerer Akku’ stehen. Zudem empfehle ich auch für geübte Biker, Hybrid-Pedale zu verwenden – mit und ohne Klicks bei Radschuhen. Und für die technische Sicherheit beziehungsweise zur Reduktion des Unfallrisikos in Kurven helfen breitere Reifen.“

Ist man sich der Gefahren und Risiken bewusst und begegnet ihnen mit dem richtigen Respekt, steht der Bewegung mittels E-Bike nichts im Wege. „Und es ist eine schöne Möglichkeit, unsere fantastische Umgebung zu ‚erfahren‘“, weiß Unfallchirurg Dr. Gohm, begeisterter und erfahrener E-Biker.

 

Achtung: Risiken bei E-Bike

  • Hohes Eigengewicht des E-Bikes von 17 bis 20 Kilogramm
  • Hohe Geschwindigkeit
  • Mangelnde Kondition und Reaktionsfähigkeit des Fahrers
  • Fehlende Erfahrungswerte anderer Verkehrsteilnehmer
  • Selbstüberschätzung

 

Tipps vom Unfallchirurgen für den richtigen Umgang

  • Helmtragepflicht für alle Fahrradfahrer
  • Fahrsicherheitstraining speziell für E Bikes
  • E-Mountain-Bike: Ausstattung mit einem Akku von 400-500 Watt, der auch beim Abwärtsfahren auflädt, um einen leeren Akku zu vermeiden
  • Hybrid-Pedale mit zwei Seiten (mit und ohne Klicks) für geübte oder ungeübtere Fahrer
  •  Breitere Reifen sorgen für technische Sicherheit

07.10.2017

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