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Im Notfall 1450 Wählen

Vor einem Jahr wurde in Vorarlberg nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten die telefonische Gesundheitsberatung 1450 eingeführt. Zeit, ein erstes Fazit über diese weitere Säule im heimischen Gesundheitssystem zu ziehen.

Gesundheitliche Beschwerden verunsichern Patienten und sie halten sich nicht an Öffnungszeiten. Vor allem bei Kindern oder älteren Menschen beunruhigen plötzlich auftretende Symptome. Die Betroffenen fragen sich, ob Schmerzen selbst behandelt werden können, ob ein Besuch beim Hausarzt oder eine Behandlung durch einen Facharzt erforderlich ist oder aber die Notfallambulanz die beste Adresse ist. Nach dem Vorbild von Ländern wie Großbritannien, Dänemark oder der Schweiz wurde dazu im April 2017 in Österreich die telefonische Gesundheitsberatung „Wenn’s weh tut! 1450“ eingerichtet. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, der Sozialversicherung und den Pilot-Bundesländern Vorarlberg, Wien und Niederösterreich. „Unser Ziel war und ist es, mit der Gesundheitstelefonnummer Ambulanzen und Ärzte zu entlasten und gleichzeitig den Bürgern ein wichtiges Informationsservice zu bieten. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg, wie die aktuellen Zahlen zeigen: Seit der Einführung im April 2017 wurden bis Ende März 2018 17.855 Anrufe unter 1450 gemacht. Im Tagesschnitt bedeutet das 29,5 Beratungen“, erklärt Landesrat Christian Bernhard. Das Ziel, in der zweijährigen Pilotphase 50.000 Anrufe zu verzeichnen, dürfte damit erreicht werden, prognostiziert Bernhard.
Mit „Wenn’s weh tut! 1450“ hat die Bevölkerung Vorarlbergs an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr die Möglichkeit, bei gesundheitlichen Problemen die Gesundheitsnummer anzurufen und dort Auskunft über die Dringlichkeit des Anliegens sowie eine medizinisch validierte Behandlungsempfehlung zu bekommen. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die telefonische Gesundheitsberatung weder eine Diagnose stellt noch eine ärztliche Behandlung ersetzt. Landesrat Bernhard: „Das Ziel dieser neuen Säule im Gesundheitsbereich ist es vielmehr, ein Wegweiser durch das große Angebot an Gesundheitsdienstleistern und erste Anlaufstelle bei neu aufgetretenen oder akut gewordenen Beschwerden zu sein, die keinen medizinischen Notfall darstellen.“

Mehrheit der Anrufer: An niedergelassenen Bereich verwiesen

Die häufigsten Anliegen der Anrufer waren zwischen April und September 2017 Insektenbisswunden, abdominale Schmerzen und Kleinkinder mit Fieber. Zwischen Oktober 2017 und März 2018 gehörten abdominale Schmerzen, Fieber bei Kleinkindern und Ohrenbeschwerden zu den vorrangigsten Themen bei der Gesundheitsnummer 1450. In den meisten Fällen (66 Prozent) verwies die Gesundheitsberatung an Ärzte im niedergelassenen Bereich. Bei 14 Prozent der Anrufe wurde an das Krankenhaus verwiesen, bei sechs Prozent konnte eine Selbstversorgung empfohlen werden und bei vier Prozent handelte es sich um echte Notfälle und die Rettung wurde hinzugezogen. Die restlichen Anrufe entfielen im ersten Jahr des Bestehens der telefonischen Gesundheitsberatung auf diverse Empfehlungen wie Weiterleitungen an die Apotheke, Zahnärzte, Physiotherapeuten, Notfallseelsorge, Vergiftungszentrale, Hebamme oder an die Polizei.

Ziele: Notfallambulanzen entlasten, Wartezeiten verkürzen

In Fällen, in denen selbst behandelt werden kann, können den Patienten durch eine Auskunft am Telefon unnötige Wartezeiten in Notfallambulanzen oder diensthabenden Arztpraxen erspart werden. „Mit 1450 verfolgen wir den Ansatz, Patienten am richtigen Ort zur richtigen Zeit und in der bestmöglichen Qualität zu versorgen“, sagt Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse. 50 Anrufer pro Tag im ersten Jahr – Tendenz steigend – würden bestätigen, dass der eingeschlagene Weg stimmt. Brunner: „Es ist uns ganz wichtig, dass es die Nummer 1450 noch mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung schafft. Anrufer haben den Vorteil, sofort zum „best point of service“ gelotst zu werden, was ihnen unnötige Fahrten und Wartezeiten ersparen kann. Die Folge ist eine Entlastung der Versorgungsstrukturen, was letztlich auch wieder den Patienten zugutekommt.“

Schnelle Hilfe am Telefon unter 1450

Die Mitarbeiter werden durch das Expertensystem unterstützt. Das bedeutet, dass anhand der mehr als 200 Fragebäumen gezielt schwerwiegende und zeitkritische Krankheitsbilder identifiziert beziehungsweise ausgeschlossen werden können und schließlich eine Empfehlung zur Art und Dringlichkeit der weiteren Vorgehensweise gegeben werden kann. Abhängig von Tageszeit und Aufenthaltsort wird dann gemeinsam die weitere Versorgung geplant. Das kann die Entsendung eines Visitenarztes sein, die Empfehlung zur Konsultation des Hausarztes oder die Empfehlung, eine Notfallaufnahme in einem Spital aufzusuchen.

So funktioniert die Gesundheitsberatung: Medizinisch geschultes, diplomiertes Krankenpflegepersonal lotst jeden Anrufer durch ein protokollgestütztes medizinisch-wissenschaftliches Expertensystem und gibt dann Verhaltensempfehlungen ab. Dabei wird auch der Wohnort des Anrufers berücksichtigt mit den nächstmöglichen Ärzten, Öffnungszeiten und so weiter. Damit bietet der Dienst zum einen Orientierung im Gesundheitswesen, zum anderen verschafft er schnelle Beruhigung. Handelt es sich um einen Notfall, kann sofort die Rettungskette in Gang gesetzt werden. Am Telefon können erste Hilfsanleitungen an den Anrufer bis zum Eintreffen des entsprechenden Rettungsmittels weitergegeben werden.

 

So funktioniert‘s
››    Sie haben plötzlich ein gesundheitliches Problem, das Sie beunruhigt.
››    Rufen Sie die Nummer 1450 ohne Vorwahl über das Handy oder Festnetz.
››    Eine besonders medizinisch geschulte diplomierte Krankenpflegeperson berät Sie gleich am Telefon und gibt Ihnen eine passende Empfehlung.
››    Keine Sorge: Sollte sich Ihr Problem als akut herausstellen, kann natürlich auch sofort der Rettungsdienst (mit/ohne Notarzt) entsendet werden.
››    Der Service ist kostenlos – Sie bezahlen nur die üblichen Telefonkosten gemäß Ihrem Tarif.

07.04.2018

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