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Der kleine Prinz wird erwachsen

Der Harder Andreas Wassner wagte, was wohl nur wenige Autoren wagen würden: Er erdachte und schrieb die Fortsetzung von Saint-Exupérys berühmtem Werk „Der kleine Prinz“ – und die ist derart gelungen, dass Wassner nun eingeladen wurde, auf der Leipziger Buchmesse zu lesen. Was aber brachte ihn auf die Idee? In „Thema Vorarlberg“ erklärt sich der 46-Jährige. Einer der Sätze aus seiner Fortsetzung lautet übrigens: „Du merkst, es ist Liebe, wenn deiner Freiheit Wurzeln wachsen.“

Im Oktober 2017 habe ich eine mögliche Fortsetzung zum Kultbuch „Der kleine Prinz“ herausgebracht. Seither wurde ich oft gefragt, wie man denn bitte auf so eine Idee kommt?
Dass ich einmal ein Buch schreiben würde, das wurde mir schon mit Anfang zwanzig klar. Bis dahin hatte ich selbst schon sehr viele Bücher verschlungen und durfte wunderschöne Stunden durch die Werke vieler verschiedener Autoren genießen. Mir wurde klar, dass ich das gerne irgendwann zurückgeben würde. Alleine die Vorstellung, dass Menschen eine schöne Zeit mit einem Buch von mir verbringen und durch von mir Geschriebenes berührt werden könnten, sprach mich sehr an. Ich wusste nur nicht, was genau ich schreiben sollte.

Während meines Wirtschaftsstudiums an der Wirtschaftsuniversität Wien begann ich damit, Firmenveranstaltungen zu organisieren. In diesem Kontext schrieb ich viele PR-Texte und befüllte Messezeitungen und -kataloge mit Leben. Ich begann, Werbetexte zu verfassen, schrieb Liedtexte und Kurzgeschichten. Doch eine spannende Idee für ein Buch war mir bis dahin noch nicht untergekommen.

Im Jahr 2008 erfüllte ich mir einen Jugendtraum, nachdem ich mich durch zu viel Arbeit im Eventbereich an den Rand eines gesundheitlichen Kollapses gebracht hatte. Ich fuhr drei Jahre zur See und arbeitete zuerst als Matrose auf Millionärsjachten im Mittelmeer und in der Karibik. Dann machte ich mein Hochseepatent und führte als Skipper Segeltörns durch.

2011 brachte mich die Liebe zurück nach Vorarlberg und ich hatte endlich eine Idee für mein Buch: „Sunburn statt Burnout“ war das Motto meiner Segelerfahrung und meine Idee für eine Abrechnung mit der sinnlosen Arbeitswut, bei der wir vergessen, dass es zwischen Schlafen und Arbeiten auch noch ein Leben geben sollte.

Das Buch war 2012 schon recht weit vorangeschritten, als ich in der Freizeit wieder einmal das Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry in die Hände bekam und in einem Zuge las. Dieses Mal fiel mir jedoch erstmalig auf, wie viele Fragen offengeblieben waren: Was wurde aus dem Prinzen, nachdem er seine Hülle in der Wüste zurückgelassen hatte? Was wurde aus dem Schaf und der Rose? Hatte der Prinz endlich Antworten auf seine vielen Fragen gefunden? Ich horchte in mich hinein und hatte relativ schnell ein paar spannende Ideen.

Aber durfte ich überhaupt eine Fortsetzung schreiben? Das war schließlich nicht irgendein Buch und die Urheberrechte sind sehr streng. Ich startete also unter dem Motto „Google weiß alles“ eine Recherche und fand schnell heraus, dass, wie durch einen großen Zufall, die Urheberrechte ein Jahr später auslaufen würden. Diese laufen nämlich 70 Jahre nach Erscheinen eines Buches aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass Saint-Exupéry aufgrund des großen Erfolges selbst eine Fortsetzung geschrieben hätte. Das war ihm aber nicht möglich, da er ein Jahr nach der Erscheinung des Buches im Jahr 1943 von einem deutschen Flieger vor Marseille abgeschossen wurde.

Mir war klar, dass eine Fortsetzung dieses Kultklassikers sehr gewagt war. Der kleine Prinz hat eine weltweite Fangemeinde und zählt zu den meistverkauften und meistgeliebten Büchern aller Zeiten. Seine Fans würden es mir sehr übelnehmen, wenn ich ihr Bild vom Prinzen oder sein Andenken verletzen oder gar zerstören würde.
Zwei Jahre lang schrieb ich gar nicht. Ich wusste nur, dass der Prinz nun ein Jugendlicher sein würde, aber mehr war mir über die Hintergründe noch nicht klar. Wo sollte das Buch spielen, was wären die Inhalte, wer ist Teil der Handlung? Diese Fragen wurden mir durch den nächsten „Zufall“ im Jahr 2014 beantwortet.

In diesem Jahr wurde ich Projektleiter eines neuen Jugendprojekts bei der Integra Vorarlberg. Wir halfen Jugendlichen bei der Erlangung einer geeigneten Ausbildung. Somit hatte ich täglich mit jungen Menschen, ihren Problemen, Ängsten und Herausforderungen zu tun. Ich erinnerte mich dadurch auch an meine eigene Jugend und mir wurde plötzlich klar, was der Aufhänger des Buches sein würde …

Denn eine der größten Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendlichen ist der Zugang. Egal ob als Lehrer, Elternteil oder Jugendbetreuer: Jugendliche oder, besser gesagt, Menschen im Allgemeinen, lernen nur schwer aus der Erfahrung anderer. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so sein. Als Projektleiter war ich „steinalt“ für die Kids und somit gar nicht glaubwürdig.

Mein Buch war nun die perfekte Plattform, um über Themen zu sprechen, die Jugendliche, aber auch Erwachsene angehen und uns alle betreffen. Dabei vertrat der Prinz die Position der Jugend und fand im Piloten einen einfühlsamen Mentor, mit dem er all seine Fragen behandeln konnte. So werden Themen wie Schule, Erziehung, Manieren, Konsum, Geld und Umwelt ebenso wie Krieg oder Gefühle besprochen.

Das größte Anliegen des Prinzen ist es jedoch herauszufinden, wie aus unseren tollen Kindern so oft seltsame große Leute werden, die dann gar nichts mehr verstehen. So sitzen die beiden auf einem Asteroiden und beobachten die Menschheit, diskutieren die vielen Fragen und genießen ihr Wiedersehen.

Den Rezensionen auf Amazon und LovelyBooks nach zu urteilen, habe ich es geschafft, auch skeptische Fans des kleinen Prinzen zu überzeugen, was mich unheimlich freut. Bereits nach drei Wochen wurde eine zweite Auflage in Auftrag gegeben und bei meiner ersten Lesung im Spielboden waren über 200 Menschen. Mitte März lese ich im Österreich-Kaffeehaus auf der Leipziger Buchmesse, was mich sehr stolz macht.

Wie es scheint, habe ich es geschafft, dass die Menschen von meinen Zeilen berührt werden.

03.02.2018

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Andreas Wassner

(46), wohnhaft in Hard. Arbeitet mit seiner Partnerin Susanne Marosch beim Verein „Geben für Leben“ und sucht Stammzellspender für leukämiekranke Menschen.

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