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Ein streitbarer Geist

„Ich würde mich über einen größeren Zulauf seitens der Bevölkerung freuen, denn ich bin der Meinung, dass die Leistung unserer Kulturschaffenden mehr gewürdigt gehört.“
Alwin Rohner

Der Lauteracher Alwin Rohner, Jahrgang 1939, kommt aus einer bodenständigen Unternehmerfamilie, hat sich seine Sporen in vielen Jahrzehnten mit seinem Betonwerk verdient und war auf zahlreichen Baustellen im ganzen Land zu Hause. Daneben ist Alwin Rohner aber etwas gelungen, das man nicht hinter der hemdsärmeligen Fassade vermuten würde: Sein privates Museum „Kunst im Rohnerhaus“ kommt bereits ins 18. Jahr seines Bestehens. Es beherbergt eine erkleckliche Anzahl von Werken heimischer Künstler, die Rohner im Laufe seines ereignisreichen Lebens gesammelt hat. Über 30 Vorarlberger – mehr oder weniger bekannt – bilden einen ansehnlichen Querschnitt über das regionale Kunstschaffen der letzten 200 Jahre.

Was aber treibt einen Mann der Tat, der im Bauhandwerk zu Hause war, der sich seinen Besitz mit seiner Hände Arbeit geschaffen hat, der eine Universität niemals von innen gesehen hat, dazu, sein Geld in mehr oder weniger hoffnungsvolle Künstler aus der Umgebung zu investieren? Und nein – als Kapitalanlage will er sein Investment nicht verstanden wissen. Vielmehr überantwortet er seine Sammlung 1996 einer Stiftung und gründet ein Museum, um die Werke einer breiten interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darüber hinaus lässt er sein Haus nicht zu einem Tempel der Selbstbeweihräucherung verkommen, sondern öffnet dessen Tore der Allgemeinheit, indem er jedes Jahr zwei umfassende Ausstellungen – auch zeitgenössischer Künstler, deren Werke nicht in seinem Besitz sind – präsentiert. Aktuell beherbergt das Rohnerhaus in Lauterach die Gegenüberstellung der Werke des Schwarzacher Künstlers Marco Spitzar mit den Porträts des Dornbirners Edmund Kalb.

Vernissage statt Disco

Doch wie kommt ein gestandener Unternehmer, Handwerker und Betonmensch dazu, Kunst zu sammeln, um Jahre später sein eigenes Museum zu bauen? Dazu müssen wir ein bisschen in die Jugend des Alwin Rohner blicken. Er war schon in jungen Jahren im Betrieb seines Vaters tätig. „Mein Arbeitstag begann morgens um vier Uhr und endete spät­abends. Zusätzlich war ich auch samstags im Betonwerk, um die zahlreichen Kundenaufträge zu erledigen.“ Da blieb wenig Zeit, soziale Kontakte zu pflegen. Er habe zwar immer gut verdient, erzählt er, hatte ein Boot im See, war bereits im Alter von 17 Jahren auf der Jagd. Doch irgendetwas fehlte dem jungen Mann. Deshalb kam er auf die Idee, Vernissagen, die am Samstagabend stattfanden, zu besuchen. Diese Beschäftigung gefiel ihm so gut, dass er bereits mit 22 Jahren erste Bilder erstand. Mit der Zeit gesellte sich das eine zum anderen, und so legte er den Grundstein für seine Sammlung. In der Region sprach es sich herum, dass es einen jungen Unternehmer gebe, der Geld in Bilder investiere. So wurden ihm in der Folge Kunstwerke und Nachlässe angeboten.

Eine weitere Quelle für seine Sammlung war das Ausland. Rohner machte es sich zu eigen, auf all seinen Reisen, die er mit Freunden unternahm, zumindest ein Kunstwerk mitzubringen. Und diese Reisen führten ihn nicht ins benachbarte Ausland, ihn zog es vielmehr in die weite Welt. Beispiele gefällig? Neben Nepal und Indien bereiste er Ecuador und Kolumbien, aber auch die Galapagosinseln zählten zu seinen Zielen. Zum Drüberstreuen besuchte er außerdem Florida, New York war ein Muss, und auch andere Ziele hatten es ihm angetan. Und wenn einer eine Reise tut, dann hat er etwas zu erzählen. Respektive bringt er eine erkleckliche Anzahl an Kunstwerken mit nach Hause, so geschehen bei Alwin Rohner.

So wuchs im Laufe der Zeit nicht nur die Sammlung im Hause Rohner, sondern auch sein Kunstverständnis. „Mit der Zeit erkannte ich, welche Künstler Potenzial hatten. Bilder von Rudolf Wacker waren damals zum Beispiel noch erschwinglich. Und zu Edmund Kalb kam ich durch seinen Neffen, der mir seinen Nachlass verkaufte“, erzählt Alwin Rohner von zwei Glücksfällen seiner Sammlertätigkeit.

„Mein Museum“

Doch damit ist noch nicht die Frage geklärt, was ihn antrieb, ein Museum zu gründen. Denn nicht viele Sammler machen ihre Kunst öffentlich. „Ich hege große Bewunderung für Künstler, die den Mut haben, zu ihrer Kunst zu stehen, auch wenn ihnen der Wind ins Gesicht bläst“, erklärt Rohner seine Beweggründe. „So wollte ich einen Kontrapunkt setzen und mich mit demselben Mut dem Anliegen widmen, regionale Kunst den Menschen, die hier leben, zu vermitteln.“

Sein Museum will er als offenes Haus und als Ort der Besinnung verstanden wissen. Es soll nicht nur ein offener, ästhetischer Lebensraum sein, vielmehr auch ein Lernort, der die Brücke schlägt zwischen der heimischen Kunst und dem historisch-wirtschaftlichen und politischen Zeitgeschehen. Damit soll die Basis für eine aktuelle Debatte aller Lebensfragen gelegt werden. „Gerade für die Jugend im schulpflichtigen Alter ist das Heranführen an die Kreativität der regionalen Kunst ein wichtiger Lernbeitrag. Es muss eine Gewohnheit, eine Selbstverständlichkeit werden, dass Kinder in Museen gehen, die Kunstwelt kennenlernen und so etwas über sich, die eigene Kultur und die eigene Lebenswelt erfahren“, betont Alwin Rohner. Und: „Ich möchte im Dialog eine Veränderung des Zeitgeistes bewirken: weg vom schnellen Konsum und hin zur bewussten Auseinandersetzung mit Inhalten, um Meinungsbildung und Toleranz zu fördern.“

Heute beherbergt das Museum eine ständige Sammlung von Werken Vorarlberger Künstler seit dem 17. Jahrhundert und veranstaltet Sonderausstellungen zur Kunstgeschichte Vorarlbergs. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden die bedeutenden künstlerischen Bewegungen Vorarlbergs im letzten Jahrhundert mit Werken von Oswald Baer, Albert Bechtold, Hubert Berchtold, Stefanie Hollenstein, Edmund Kalb, Angelika Kauffmann, Herbert von Reyl-Hanisch, Rudolf Wacker und vielen mehr.

Betrieben wird das Museum von der Rohner Privatstiftung, die von Alwin Rohner und seiner Familie im Jahre 1996 gegründet wurde. Auf die Frage, was er sich für sein Museum wünscht, meint Rohner: „Ich würde mich über einen größeren Zulauf seitens der Bevölkerung freuen, denn ich bin der Meinung, dass die Leistung unserer Kulturschaffenden mehr gewürdigt gehört.“

03.02.2018

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Klaus Feldkircher

(geb. 1967) lehrt an der FH Vorarlberg, ist als freier Journalist tätig und betreibt das Kommunikationsbüro althaus7. Als Autor, Texter und Konzepter hat er bereits zahlreiche Sachbücher veröffentlicht. Weiters ist er in der Erwachsenenbildung tätig und lehrt Deutsch und Latein an der Schule Riedenburg/Bregenz.

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