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Falsches Schulterklopfen

Historischer Durchbruch“, „Große Chance für Vorarlberg“, „Ende einer 100-jährigen Bildungsblockade“ – Politiker von ÖVP, SPÖ und Grünen klopften sich nach der Einigung in Sachen Bildungsreform, die eine Gesamtschul-Modellregion Vorarlberg prinzipiell ermöglicht, gegenseitig auf die Schulter und ließen sich als Wegbereiter für mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem feiern. So weit, so gut. Oder besser gesagt: so weit, so nicht gut.

Denn was bedeutet diese Einigung für eine mögliche Modellregion Vorarlberg tatsächlich? Diese Einigung ist alles andere als eine klare Entscheidung für oder gegen eine Gesamtschul-Modellregion. Sie bedeutet nur, dass die Entscheidung - wieder einmal – um Jahre hinausgeschoben wird. Frühestens 2025 könnte, Betonung auf „könnte“, die Systemumstellung erfolgen. Die ÖVP hat einige Schikanen (Eltern und Lehrer jeder Schule müssen mehrheitlich zustimmen) hineinreklamiert, um die Modellregion Vorarlberg doch noch verhindern zu können.

Das war – aus Sicht der Bundes-ÖVP – notwendig, um die Bildungs-Ideologen in den eigenen Reihen zu beschwichtigen. So nach dem Motto: „Es ist ja eh noch nix passiert, jetzt haben wir mal ein paar Jahre Zeit gewonnen, und dann können wir die Modellregion ja immer noch verhindern. Das „Horror-Szenario“ Gesamtschule würde ja bedeuten, dass angesehene Bürger ihre zehnjährigen Sprösslinge in ein und dieselbe Klasse mit Türken, Asylwerber-Kindern und Kindern der einheimischen Unterschicht schicken müssten. Dann wäre die Zeit vorbei, in der man es sich richten kann und das eigene Kind mit zehn Jahren ins Gymnasium schickt.

Offiziell sagt das natürlich niemand, weil das politisch nicht korrekt wäre. Da werden andere Argumente angeführt, die mitunter auch ihre Berechtigung haben, aber meist nicht der wahre Grund für das Verhindern-Wollen der Gesamtschule sind.

01.07.2017

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Gernot Hämmerle

Redakteur im ORF Landesstudio Vorarlberg

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