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Der erfolgreiche Lustenauer Weg

Einen neuen Weg eingeschlagen hat der EHC Lustenau, einer von drei Vorarlberger Vertretern in der Alps Hockey League (AHL): Idole zum Anfassen, der Kern des Teams aus der Region und das Ziel, möglichst viele junge Spieler auf Nationalliga-Niveau bringen. Der Plan scheint aufzugehen.

Der EHC darf durchaus als österreichischer Traditionseishockeyverein angesehen werden. In der Saison 1981/82 holte der Klub den Nationalliga-Meistertitel und stieg erstmals in die Bundesliga auf. In der höchsten österreichischen Spielklasse lehrte später – nach einem zwischenzeitlichen Abstieg – eine mit Stars gespickte Truppe unter Trainerlegende Gerhard Kießling die Gegner das Fürchten. Rick Cunningham, Mike Shea und der – inzwischen leider verstorbene – Steve Stockman wirbelten die Konkurrenz ordentlich durcheinander.

In den vergangenen Jahren wurde in der INL, der zweitklassigen österreichisch-slowenischen Liga, dem Puck nachgejagt – und das ziemlich erfolgreich. So holte sich der Verein 2014/15 den neunten Nationalliga-Titel. Im aktuellen Team ist der Trainer der einzige Star. Der gebürtige Villacher Gerald Ressman, der mehr als 1000 Spiele in der höchsten österreichischen Liga absolvierte, an zehn Weltmeisterschaften und drei olympischen Spielen teilnahm, hat seit den Play-offs der vergangenen Saison die Funktion des sportlichen Leiters und Trainers in Lustenau inne.

80 Prozent der Spieler sind Amateure

Zusammen mit Präsident Herbert Oberscheider steht er für den neuen Weg der Löwen. „Stars oder Egoisten haben wir keine. Jeder ist bereit, auch Drecksarbeit auf dem Eis zu übernehmen“, sagt der ehemalige Stürmer.
80 Prozent der Spieler sind Amateure, zwei Linien bestehen ausschließlich aus Lustenauern. Die Aufgabe, die der EHC zu bewältigen hat, wirkt schwierig, treten die Löwen doch in der neuen Alps Hockey League nicht nur gegen Vorarlberger, nationale und slowenische Konkurrenz, sondern auch gegen renommierte Mannschaften aus Italien an.

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen, das Ziel, die Play-offs zu erreichen, scheint absolut realistisch zu sein. „Im Hinterkopf haben wir, die Liga als bestes österreichisches Team zu beenden“, sagt Trainer Ressmann – eine Ansage, die den Ehrgeiz der traditionsreichen VEU Feldkirch, Mitbewerber in der AHL, sicher wachsen lässt.

Die Derbys im Ländle hält Präsident Oberscheider, früher selbst als Stürmer in Lustenau aktiv, für extrem wichtig. Er betont jedoch, dass sich die Vorarlberger Klubs in der AHL – neben Lustenau und Feldkirch noch der EC Bregenzerwald – gut verstehen.

Bei der AHL gerät er ins Schwärmen. „Hier wird Spitzeneishockey geboten“, sagt Oberscheider. „Und unsere Mannschaft tritt auf wie ein Profiteam“, freut sich Gerald Ressmann. Einzelne Akteure herausheben will er ausdrücklich nicht und verweist auf die Ausgewogenheit innerhalb der Truppe. „Unsere Ausländer liegen in der Punkteliste etwa gleichauf mit den Einheimischen“, sagt der Villacher. Chemie und Atmosphäre passten, jeder Spieler kämpfe mit großem Einsatz. Diese Einstellung strahle im gesamten Verein aus – bis hinunter zu den Kindern. Und obwohl fast alle der Idole einem Brotberuf nachgehen, helfen Cracks aus der ersten Mannschaft beim Nachwuchs als Trainer aus – ein Beispiel für den neuen Weg.

Mehr Eiszeiten nötig

Basis für ein erfolgreiches Eishockey ist auch ein adäquates Stadion – nicht nur für die Matches, sondern gleichfalls, und nicht weniger bedeutend, für das Training. In dem Zusammenhang denken Präsident und sportlicher Leiter vor allem an die Jugendlichen. 16 Uhr lautet der frühestmögliche Zeitpunkt für eine EHC-Eiszeit in der Rheinhalle. Da fallen die Schüler, die abends verständlicherweise nicht zeitlich unbegrenzt trainieren können, leicht durch den Rost. „Schule und Sport zu vereinen, wird generell immer schwieriger“, bedauert Ressmann. Die Absicht, sich als Österreichs Nummer eins in der AHL zu etablieren, haben die Lustenauer im Hinterkopf. Über der AHL steht freilich die erstklassige EBEL, wo sich Vorarlbergs derzeit einziger Vertreter, der Dornbirner EC, heuer alles andere als mit Ruhm bekleckert. Vom heimischen AHL-Konkurrenten VEU Feldkirch vernimmt man immer wieder Aufstiegsambitionen. Will der EHC Lustenau da mitziehen?

Präsident Oberscheider winkt in dem Punkt ebenso spontan wie entschlossen ab: „Wir bleiben am Boden, die AHL stellt unser höchstes Niveau dar.“ Die finanziellen Voraussetzungen seien einfach nicht zu vergleichen. Für die EBEL bräuchte es einen großen Gönner, sprich Sponsor. Ein Aufstieg sei definitiv kein Ziel. Die Lustenauer sehen sich hingegen als erfolgreicher Ausbildungsverein. Dies bestätigt ein Blick zurück in die Klubgeschichte. „Wir haben über zehn Spieler für das Nationalteam hervorgebracht“, freut sich der Präsident. Dazu zählen unter anderem EHC-Legende Sigi Haberl und Torhüter René Swette.

Wenn Oberscheider in der EHC-Chronik zurückblättert, dann zeigt er sich auch glücklich darüber, dass Lustenau in einer ganz speziellen Statistik österreichweit unter den Top drei zu finden ist: Der traditionsreiche KAC, der VSV und eben der EHC sind jene Klubs in Österreich, die zeit ihres Bestehens nie Konkurs anmelden mussten. Andere Negativschlagzeilen sucht man bei den Löwen ebenfalls vergeblich.
Kein Wunder also, dass am Status des vorbildlichen Ausbildungsvereins nicht gerüttelt werden soll.

05.11.2016

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Kommentare

..wenn mehrere Vereine so arbeiten und wieder auf unsere Jugend setzen würden, käme wieder der alte Schwung ins österreichische Eishockey und die Kunden (sprich das Publikum) würden es sicher danken! Da Publikum will nämlich die eigene Jugend sehen und das ist den Lustenauern offensichtlich ein Anliegen.

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