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Freerider auf rasanter Fahrt

Der Bikepark Brandnertal in Bürserberg boomt, die Szene der Freerider, die mit ihren für flotte Abwärtsfahrten geeigneten Mountainbikes unterwegs sind, wächst kontinuierlich. Der Tourismus und die Bergbahnen profitieren von dem Trend.

Die Spinner mit den Vollvisierhelmen“ – dieses Bild haben viele von jenen Bikern, die auf Steigen und Wegen durch Wald und Wiesen hinunterrasen. Und dies scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste.

„Dabei handelt es sich um eine falsche Einschätzung“, sagt Michael Marte, Vizeobmann des Freeride- und Downhillvereins Vorarlberg und einer der Betreiber des Bikeparks Brandnertal. Die verwegenen Downhiller, die weite Teile der Bevölkerung im Kopf haben, seien nur eine sehr kleine Gruppe. Außerdem würden diese Sportler lediglich auf gesperrten Strecken rennmäßig abwärtsfahren. Stark im Kommen seien dagegen die sogenannten Freerider, die sich von einer Bergbahn nach oben bringen lassen, um dann gemütlich in einem Flow ins Tal zu kurven.

Michael Marte gehört zu den Bike-Pionieren im Land. Bis vor einigen Jahren galt der Bikepark in Leogang (Salzburg) als das Mekka der Vorarlberger Downhiller. „Praktisch alle reisten dorthin“, erinnert sich der Bludenzer. Denn wirklich legale Möglichkeiten, den Sport in Vorarlberg auszuüben, gab es keine. Die Szene wuchs kontinuierlich, der Verein kontaktierte verschiedene Gemeinden mit dem Ziel, im Land eine Strecke einzurichten – ohne Erfolg. Bewegung in das Thema kam dann, als Marte mit Philipp Kettner und Christian Speckle begann, eine weit größere Idee zu verfolgen: Die Errichtung eines eigenen Bikeparks mit Strecken für verschiedene Zielgruppen – von der Familie bis hin zu den tollkühnen Downhillern.

Bergbahnen Brandnertal an Bord

Für die Verwirklichung eines solchen Parks braucht es eine Bergbahn an Bord. Die Bergbahnen Brandnertal in Person von Geschäftsführer Markus Comploj hatten ein offenes Ohr für die Pläne und stiegen in das Projekt ein. Der Bikepark Brandnertal war geboren, startete 2014 in seine erste Saison, um sofort rasant Fahrt aufzunehmen. Quasi von null auf hundert in ganz kurzer Zeit.

Unter anderem eine leichte, eine mittelschwere und eine schwere Downhillstrecke locken dort Besucher an. „Wir freuen uns über ein gemischtes Publikum“, sagt Marte. Der Großteil setzt sich aus der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen zusammen. Familien und Kinder gehören aber ebenso zu den Gästen wie ältere Sportler. Marte: „Ich erinnere mich noch gut an einen 76-jährigen Schweizer, der alle drei Strecken bewältigte.“ Wer glaubt, Anfänger hätten in der Anlage nichts verloren, der irrt. Es kommt häufig vor, dass beispielsweise vermeintlich unbedarfte Urlauber schon nach einem kurzen Einführungskurs in der Lage sind, mit einem Guide die blaue Strecke zu schaffen. Beim zweiten Mal klappt es meist bereits ohne Unterstützung. (Schutz)-Ausrüstung und spezielle Downhillfahrräder können vor Ort ausgeliehen werden.

Als absoluter Renner hat sich auch die Funsportstrecke erwiesen. Die Monsterroller und Mountainkarts ziehen besonders Familien stark an. Der Bikepark hat sich in den wenigen Jahren seines Bestehens als Erfolgsmodell entpuppt und den Sommertourismus im Brandnertal mitangekurbelt. Mehr als 100.000 Bergfahrten zählte die Einhornbahn II im Sommer 2016 – die meisten davon gingen auf das Konto der Bikeparkgäste.

Was macht den Sport aus? „Man gerät in einen Flow, ähnlich wie beim Skifahren“, schwärmt Michael Marte. Die Gedanken bleiben im Hier und Jetzt, der Fokus liegt allein auf der Strecke. Downhillen und gleichzeitig gedanklich abschalten – nur auf den ersten Blick ein Widerspruch.

Bürserberg, Bludenz, Lech

In Vorarlberg gibt es bisher lediglich den Bikepark Brandnertal, den Singletrail am Muttersberg in Bludenz sowie den Burgwald-Trail in Lech. In anderen Bundesländern hingegen setzen die Bergbahnen inzwischen bereits stark auf den – nach wie vor relativ neuen – Sporttrend. Im Tiroler Ötztal zum Beispiel stellt bahngestütztes Biken einen wichtigen Bestandteil des touristischen Sommerangebots dar. Mit der Bahn hinauf, mit dem Bike hinunter und zu einer anderen Bahn, wo das Auf und Ab von Neuem beginnt. Auf diese Art und Weise lässt sich an einem Tag ein größeres Gebiet erkunden. Diese sportliche Kombination beinhaltet auch ein Natur- und Bergerlebnis. Enduro-Biken ist eine weitere Facette des modernen Sports, die laufend an Bedeutung gewinnt. Damit sind Touren gemeint, die einerseits eine ordentliche Menge an Höhenmetern beinhalten, bei denen aber andererseits der Spaß am zügigen Abwärtsfahren nicht zu kurz kommt.

Michael Marte bedauert, dass in Vorarlberg – im Gegensatz zur benachbarten Schweiz – viele Wege und Trails für Biker nach wie vor gesperrt sind. Er wünscht sich hier mehr Möglichkeiten. In der Schweiz funktioniere dies auf Basis des gegenseitigen Respekts zwischen Bikern und Wanderern. Davon scheint man in Vorarlberg ein Stück entfernt zu sein. Noch zu gut sind Nagelbretter oder gespannte Seile, errichtet von Bikegegnern, als üble Hindernisse in Erinnerung. Bremsen lässt sich der Sport jedenfalls nicht mehr.

03.06.2017

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