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Auch gegen Widerstände!

In einer Phase, in der es einem Unternehmen oder einer Organisation gut geht und alles quasi zum Selbstläufer wird, ist die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen, nicht allzu groß. Um seinen schärfsten Konkurrenten im Wettbewerb loswerden zu können, müsste man selbigem also eigentlich nur fünf hervorragende Jahre wünschen. Während man selbst wartet – darauf, dass der stete und scheinbar mühelos errungene Erfolg den Konkurrenten träge macht. Und müde. Und saturiert. Zu saturiert jedenfalls, um im steten Wandel auf neue Anforderungen und neue Herausforderungen rechtzeitig reagieren zu können. So schön, so notwendig Erfolg auch ist: Er verwöhnt. Alexandra Prammer, eine Wiener Führungsexpertin, skizziert in diesem Zusammenhang das Bild verwöhnter Organisationen. Und mahnt: „Verwöhnungstendenzen können existenzbedrohend sein.“

Ökonom Helmut Kramer schreibt in dieser Ausgabe, dass Österreich die Krise noch nicht überwunden habe, vielmehr deren Ausläufer noch lange Zeit spüren werde. Trotz derzeit positiver Wirtschaftslage. Aber gute Konjunktur mindere in Österreich eben regelmäßig den Elan, speziell den für längerfristige Reformen. Kramer will dies nicht als Kritik um der Kritik willen verstanden wissen, sondern als Feststellung, die seiner langjährigen beruflichen Erfahrung als Wirtschaftsforscher geschuldet ist. Unternehmen, Organisationen, Gebietskörperschaften: Wer will denn schon Änderungen in einer scheinbar mühelosen Zeit? Und sich ohne scheinbare Notwendigkeiten Widerständen stellen? Jack Welch, ein US-Manager, sagte einmal: „Die Veränderung hat keine Anhänger. Die Menschen hängen am Status quo. Man muss auf massiven Widerstand vorbereitet sein.“

Nur ist Veränderung leichter, wenn man selbst bestimmen kann; es sind zwei Welten, ob man aus einer Position der Stärke heraus agiert – oder, gefangen in einer sich immer schneller drehenden Spirale, gezwungen wird, zu reagieren. Gewiss, Neues braucht Mut. Neue Wege zu gehen, braucht immer Mut. Es braucht Mut, im Erfolg Gutes zu hinterfragen. Die grundlegende Frage ist aber eine andere: Will man ändern? Oder verändert werden? Die regionale, nationale und internationale Wirtschaftsgeschichte ist voll von Belegen für einstmals erfolgreiche Unternehmen, die die Zeichen neuer Zeiten nicht erkannt hatten. Das soll nicht ängstigen, sondern vielmehr Appell sein, sich auch im Erfolg Neuerungen nicht zu verschließen – und sich rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen. „Loslassen ist nicht das Ende“, sagt übrigens „Brand eins“-Journalist Wolf Lotter, „es ist der Anfang“.

03.02.2018

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Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

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