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Die Wirtschaft das unbekannte Wesen

Jeder Österreicher hat zuletzt viel über die Wahl gelesen und gehört. Über Wählerströme und Koalitionsvarianten, über Wahlkarten und Ministerposten, über Ursachen und Folgen – nur über einen zentralen Aspekt hat er gar nichts gehört.

Das sind alle Fragen, die mit Wirtschaft und Finanzen zu tun haben. Dabei sind das – neben dem Migrationsthema – die für die Zukunft zweifellos wichtigsten Themen. Aber es sind nicht nur die Parteien, es sind auch die Wähler selber, die das nicht begreifen. Eine der vielen jetzt gemachten Umfragen hat erforscht, welche Themen die Menschen rund um den Wahlkampf diskutiert haben. Da finden sich Asyl und Integration, Dirty Campaigning und Sicherheit, Korruption und Kontrolle, Sozialleistungen und Arbeitsplätze. Aber absolut nichts zu den Problemen der Wirtschaft.

Gewiss: Die Themen „Sozialleistungen und Arbeitsplätze“ haben natürlich viel mit Wirtschaft zu tun. Aber die meisten Menschen meinen damit nur eine angebliche Pflicht des Staates, für ausreichend Arbeitsplätze zu sorgen; sie meinen ihren persönlichen Anspruch auf Sozialleistungen und den Ärger über Missbrauch durch Unberechtigte.

Hingegen sind die eigentlich entscheidenden Fragen für Unternehmer und Selbstständige so gut wie nicht vorgekommen. Zwar haben fast alle Parteien umfangreiche Wirtschaftsprogramme produziert, aber in Wahrheit ist das selbst für die Parteispitzen ungelesenes Papier.

Dabei sind etwa Deregulierung, Wettbewerb, Innovation und Belastungsabbau fast das Entscheidende, damit es künftig ausreichende Unternehmen gibt, die die benötigten Arbeitsplätze schaffen könnten. Aber dieser fundamentale Zusammenhang ist den meisten Menschen gar nicht mehr bewusst. Für sie kommt der Job, ebenso wie alle Sozialleistungen, einfach vom Staat.

Selbst der simple Satz: „Der Staat kann nur verteilen, was zuerst Unternehmen geschaffen haben“ ist den meisten Menschen nicht klar. Wahrscheinlich entdecken sie solche Zusammenhänge immer erst dann, wenn der Staat dazu nicht mehr imstande ist, wenn es eine größere Wirtschaftskrise gibt.

Aber die Parteien haben in ihrer Logik Recht, wenn sie Wirtschaftsthemen im Wahlkampf ausklammern. Sie würden damit nämlich kaum eine Wählerstimme gewinnen.
Was tun? Man kann auf die nächste Krise warten, die sofort größeres Wirtschaftsinteresse schaffen würde. Aber dann ist es für sinnvolle Maßnahmen meist zu spät. Oder aber man kann mit dem anfangen, was ganz versteckt in einem der Wahlprogramme steht: mit echter Wirtschaftserziehung in den Schulen, um den jungen Menschen zentrale Zusammenhänge nahezubringen.

Aber der oft geforderte Einmarsch arbeitsloser Politologen in die Schulen würde das Wirtschaftsverständnis der jungen Menschen ja nur noch weiter verschlechtern, wenden zu Recht viele ein. Da gibt es eine fast perfekte Lösung: Lassen wir doch ehemalige Manager diesen Unterricht gestalten. Das wäre lebens- und praxisnahe.

Es können ja schließlich nicht alle Berater werden.

www.andreas-unterberger.at

04.11.2017

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Andreas Unterberger

67, ist Kolumnist und schreibt seit sieben Jahren unter www.andreas-unterberger.at Österreichs meistgelesenen Internet-Blog. Er ist Jurist und hat zehn Jahre an der Universität Wien Politikwissenschaft vorgetragen. Er war 20 Jahre Außenpolitik-Journalist und 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ und „Wiener Zeitung“. Sein jüngstes Buch heißt „Schafft die Politik ab“.

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