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Wintersportbegeisterte Chinesen locken Hersteller aus Vorarlberg

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel in China zeigt sich auch im Freizeitverhalten der Einwohner: Immer mehr Chinesen begeistern sich für Wintersport. Für Ski-Hersteller aus Vorarlberg bedeutet das attraktive Marktchancen für ihre Produkte.

China zählt zu den dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. Das Wachstum der vergangenen Jahre brachte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen. Dieser Wandel ist vor allem im Konsumverhalten sichtbar: „Speziell die junge Bevölkerung strebt immer mehr nach Individualität und Selbstverwirklichung. Diese Bedürfnisse lassen den Sport- und Freizeitsektor boomen wie nie zuvor und immer mehr Menschen wollen ihre gewonnene Freizeit aktiv nutzen, wovon vor allem der Tourismus- und Sportsektor profitieren“, weiß Martin Glatz, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Peking. Innerhalb des Dienstleistungssektors weise die Branche schon heute eine der höchsten Wachstumsraten auf. „Trendsportarten, neuerdings besonders der Wintersport, werden immer beliebter. Intensiviert wird diese Dynamik durch den Zuschlag der Region um Peking als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022“, erklärt Glatz. Auf diesen Trend wird mit erheblichen Investitionen in den Tourismus reagiert: Seit 2000 sind mehrere Hundert Skigebiete in China entstanden, die Tendenz ist laut dem Außenwirtschaftscenter in Peking steigend. Auch Hotel- und Wellnessbetreiber erkennen die Marktchancen und viele Skigebiete im Norden und Nordosten Chinas werden zu komplexen Wintersportlandschaften entwickelt.

Trotz dieser positiven Entwicklungen entsprechen viele Skigebiete noch nicht internationalen Standards. Vor dem Hintergrund des wachsenden Wettbewerbs und um anspruchsvolle und zahlungskräftige Kunden auf die Pisten zu locken, wird daher vermehrt auf importierte Technologien und Produkte gesetzt. Wirtschaftsdelegierter Glatz: „Neben Marktchancen im B2B-Bereich ist der chinesische Markt vor allem für Hersteller von Sportartikeln attraktiv. Während bislang das Verleihgeschäft die Nachfrage nach Wintersportgeräten und Funktionskleidung bestimmten, sind es heute zunehmend passionierte Wintersportler, die eine professionelle Ausstattung nachfragen.“ Noch steckt der Wintersportmarkt in China aber in den Kinderschuhen. Nach Schätzungen der „Chinese Skiing Association“ gibt es derzeit rund sechs Millionen Skifahrer, knapp ein Prozent der chinesischen Bevölkerung. Im Vergleich: In Österreich ist rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung wintersportlich aktiv. Der chinesische Markt bietet daher in fast allen Sektoren langfristiges Wachstumspotenzial, von dem insbesondere Unternehmen aus Österreich mit ihrer langen Tradition, ihrer hervorragenden Qualität und ihren innovativen Technologien profitieren können.

Hoffnungsmarkt China

Raik Brauns, Wintersport-Kommunikationsdirektor bei Head, berichtet, dass „China definitiv ein Zukunftsmarkt ist, der mit Hinblick auf Olympia sicher noch interessanter wird.“ Auch wenn China derzeit eher ein Entwicklungsland sei, was das Skifahren betreffe, ist das Kennelbacher Unternehmen bereits mit einem eigenen Importeur gut aufgestellt und registriert die vielen Infrastrukturprojekte vor Ort mit Wohlwollen. Die Exportquote von Head liegt bei etwa 90 Prozent, generell sieht Brauns Staaten wie Polen, Tschechien, Slowakei aber auch Russland im Aufwind: „Hier entwickelt sich der Skisport sehr gut und die Leute haben Spaß am Wintersport.“ Auch bei Kästle in Hohenems steht China als Wachstumsmarkt im Fokus, wie Geschäftsführer Bernd Knünz in Hinblick auf die Winterolympiade 2022 in China erklärt: „Wir haben ein weltweites Vertriebsnetz und dafür eigene Niederlassungen in der Schweiz und den USA. Der Umsatz verteilt sich zu einem Drittel auf Österreich, einem Drittel auf die USA und das restliche Drittel auf Länder wie Frankreich, Schweiz, Norwegen, Kanada, Deutschland bis hin zu Australien und seit heuer auch Japan.“ In China sieht Knünz prozentuell gesehen das größte Wachstumspotenzial: „Sowohl die Wirtschaft als auch die Politik forcieren den Wintersport aufgrund der bevorstehenden Winterolympiade massiv. Um diese Chance zu nutzen, arbeiten wir bereits mit einem Importeur für den chinesischen Markt zusammen.“

Österreichs Skiindustrie: Stabiles Weltmarktvolumen

Nicht nur die Vorarlberger Top-Marken sind im Wintersport international gut aufgestellt und haben neue Wachstumsmärkte im Blick – die österreichische Skiindustrie bewegt sich trotz Wetterkapriolen und Klimawandel auf einem stabilen Niveau. Das zeigt sich in einem annähernd gleichbleibenden Weltmarktvolumen: Dieses liegt für Alpinski unverändert bei rund drei Millionen Paar und für Skischuhe bei 3,3 Millionen Paar. Auch für Langlaufski und -schuhe zeichnet sich eine stabile Entwicklung ab. Unter Beweis gestellt wird die Erfolgsgeschichte der heimischen Skiindustrie auch durch eine außerordentlich hohe und stabile Exportquote von rund 80 Prozent sowie durch eine beständige Mitarbeiteranzahl der Skiindustrie von rund 2000 Mitarbeitenden in ganz Österreich. Was den Hoffnungsmarkt China mit Blick auf die Winterolympiade 2022 betrifft, gibt es mittlerweile auch zahlreiche Initiativen zur Verstärkung des Marktzugangs – zum Beispiel ein Kooperationsübereinkommen zwischen dem Österreichischen und dem Chinesischen Skiverband. Weiters wurde ein Austauschprojekt im schulischen Bereich mit chinesischen Schülern initiiert für einen Know-how-Transfer in touristischer und sportlicher Hinsicht. Die hohe politische Priorität des Wintersportsektors zeigt auch ein von der chinesischen Regierung erteilter Auftrag zur Ausbildung von 1000 Skilehrern jährlich. Wichtiger Bestandteil dieser Initiative ist Know-how aus Österreich.

03.12.2017

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