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„Wir sind auf dem Weg in die Vollbeschäftigung“

Der Vorarlberger Arbeitsmarkt und seine zwei Welten: Der steigende Bedarf an Fachkräften kann mit den als arbeitslos Vorgemerkten nicht gedeckt werden, zu stark differenzieren – gesamthaft betrachtet – nachgefragte und angebotene Qualifikation. Dennoch gibt es Positives zu vermelden: Das Land ist dank seiner dynamischen Wirtschaft auf dem Weg in die Vollbeschäftigung, der Standort bietet attraktive Jobs in attraktiven Unternehmen.

Ein steter Zuwachs war auch in der Vergangenheit die Regel, pro Jahr waren im Land zwischen 1500 und 2000 neue Beschäftigungsverhältnisse entstanden. Aber die Entwicklung im heurigen Jahr ist noch eine weit positivere – der ständig wachsenden, dynamischen Wirtschaft sei Dank: Mit Ende Juli gab es im Land bereits 165.103 unselbstständig Beschäftigte – 3700 mehr als im entsprechenden Monat des Vorjahres, ein Rekordwert. „Wir sind im Land Vorarlberg auf dem Weg in die Vollbeschäftigung“, sagt Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser, „wegen der deutlich steigenden Beschäftigung“.

Binnen Jahresfrist erreichbar?

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 5,2 Prozent, hält der Zuwachs bei den Beschäftigungsverhältnissen weiter an, wäre das Ziel Vollbeschäftigung laut Rüdisser „bereits innerhalb eines Jahres zu erreichen“. In Österreich, und diese Definition ist hier wesentlich, gilt eine Arbeitslosenquote von unter 3,5 Prozent als Vollbeschäftigung. Fällt die aktuelle Quote auf oder unter dieses Niveau, wäre das durchaus historisch zu nennen; Anfang der 1980er-Jahre war die Arbeitslosenquote in Vorarlberg letztmalig derart niedrig gewesen. Und doch sind die Zeiten nicht zu vergleichen: 1981 hatte es im Land ganze 857 (!) Arbeitslose gegeben, bei insgesamt 117.400 unselbstständigen Erwerbstätigen entsprach dies damals einer Arbeitslosenquote von 0,73 Prozent (siehe Grafik unten)

Die Diskrepanz am Arbeitsmarkt

Aus den einst 857 Jobsuchenden sind aktuell 9110 Arbeitslose geworden – so viele waren beim Arbeitsmarktservice Ende Juli als arbeitslos vorgemerkt – bei insgesamt 3140 gemeldeten offenen Stellen. Und das ist der negative Teil, das Charakteristikum, das besondere Merkmal des Vorarlberger Arbeitsmarktes: Der steigende Bedarf der Vorarlberger Wirtschaft an Fachkräften kann mit den als arbeitslos vorgemerkten Personen schon lange nicht mehr gedeckt werden; zu stark differieren geforderte und angebotene Qualifikationen. Um nochmals AMS-Daten zu verwenden: Statistisch gerechnet entfallen im Land Vorarlberg 2,9 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Wirtschaftskammer-Direktor Helmut Steurer spricht in diesem Zusammenhang von einem „Miss-Match zwischen Nachfrage- und Angebotsprofil“ in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, im Übrigen auch auf allen Qualifikationsstufen. Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser sagt: „Wir haben einen Mangel an qualifizierten Fachkräften – und gleichzeitig eine relativ hohe Zahl vorgemerkter Arbeitsloser, die zu einem überwiegenden Teil nicht oder nur sehr gering qualifiziert sind.“

Eine zentrale Herausforderung

Dennoch scheint auch hier Besserung in Sicht oder zumindest leise Hoffnung angebracht: Von den erwähnten 9110 aktuell als arbeitslos Vorgemerkten haben laut AMS immerhin bereits 1357 eine Einstellungszusage. Würde man diese bereits wegrechnen, sagt Rüdisser, wäre beinahe schon Vollbeschäftigung erreicht: „Nach Maßstäben und Kriterien von Eurostat, auch nach anderen Definitionen liegen wir eigentlich schon dort.“ Trotz allem ist und bleibt es die zentrale Herausforderung, das erwähnte Miss-Match zwischen nachgefragter und angebotener Qualifikation bestmöglich zu schließen. Wie soll das gehen? „Es gibt nur einen einzigen Weg“, sagt Rüdisser, „und dieser Weg ist Bildung.“ AMS-Daten zeigen auch hier den engen Zusammenhang: In Vorarlberg haben rund 50 Prozent aller vorgemerkten Arbeitslosen zwischen 15 und 24 Jahren maximal einen Pflichtschulabschluss. Und für diese Personen, heißt es in einer AMS-Aussendung, „ist der Berufseinstieg weiterhin schwierig, da neben den formalen Schulabschlüssen auch Kenntnisse in den wesentlichen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen mangelhaft sind“. Die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe liegt im Land derzeit bei rund 5 Prozent. Also: Es gibt Herausforderungen am Arbeitsmarkt, die Entwicklung der vergangenen eineinhalb, zwei Jahre ist allerdings durchaus erfreulich; abgesehen prinzipiell einmal auch von der Tatsache, dass der Arbeitsmarkt im Land ja auch sehr viel Positives zu bieten hat. „Wir haben ein expandierendes Angebot an attraktiven Jobs auf allen Ebenen, in allen Bereichen, in äußerst interessanten und wachsenden Unternehmen“, sagt Direktor Steurer, „der Vorarlberger Arbeitsmarkt hat Strahlkraft, weit über die Landesgrenzen hinaus“.

02.09.2017

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