Sabine Barbisch
In der „Pizzaria Áustria“ in Goiânia servieren Manfred Nitz und seine Frau Eliane seit elf Jahren eine große Vielfalt an Pizzen und bieten den Gästen ein einzigartiges Ambiente.

Wie sich ein Vorarlberger mit Pizzen in die Herzen der Brasilianer bäckt

Oktober 2018

Manfred Nitz’ Leidenschaft fürs Reisen hat ihn in die Heimat seiner Frau Eliane gebracht: Seit 2007 lebt er in der zentralbrasilianischen Stadt Goiânia und beglückt in seiner „Pizzaria Áustria“ die Gaumen der Brasilianer mit einzigartigen Kreationen.

Goiânia ist eine Stadt mit rund 1,5 Millionen Einwohnern auf einer Hochebene in Zentralbrasilien. Die Stadt liegt gut 200 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Brasília und rund 950 Kilometer entfernt von São Paulo, dem wirtschaftlichen Mittelpunkt Brasiliens. Seit elf Jahren ist Goiânia auch die Heimat des gebürtigen Lochauers Manfred Nitz. Der Konditor war viele Jahre in seinem erlernten Beruf tätig, bevor er zur Privatkäserei Rupp wechselte. In seiner Freizeit kam das Reisen nie zu kurz. „Ich habe viele Länder Mittel- und Südamerikas bereist. In Brasilien war ich 1994 das erste Mal, zuvor hatte ich das Land wegen der hohen Kriminalität gemieden.“ Das Land hat ihn aber sofort fasziniert. Bei einer der folgenden Reisen an die Küste Brasiliens lernte Manfred Nitz seine heutige Frau Eliane kennen: „Wir verstanden uns auf Anhieb. Sie sprach Deutsch, weil sie einige Zeit in Deutschland gelebt hatte, so blieben wir in Kontakt.“ Die zufällige Begegnung der beiden prägte den weiteren Verlauf ihrer Lebensgeschichte entscheidend: Sieben Jahre lebte das Paar zusammen in Vorarlberg, wo die Idee entstand, in Elianes Heimat auszuwandern und sich dort selbstständig zu machen. „Ich bin immer schon gern gereist, das Leben in einem anderen Land konnte ich mir deshalb gut vorstellen. Klar war aber auch, dass es einen Plan dafür geben muss, der Hand und Fuß hat“, erzählt Nitz. „2005 haben wir mit dem Bau einer Pizzeria begonnen. Das Lokal ist neben dem Elternhaus meiner Frau angesiedelt, was bis heute ein großer Vorteil ist, weil fast die ganze Familie im Betrieb mitarbeitet. Dieser Zusammenhalt ist sehr wichtig.“

Eine Pizzeria in Zentralbrasilien

Das Ziel, als Vorarlberger eine Pizzeria in Zentralbrasilien zu eröffnen, mag originell klingen, fußt aber auf einer pragmatischen Erkenntnis, wie der Inhaber erklärt: „Hier gibt es viele Bäckereien, die Kuchen anbieten, da hätte ich als gelernter Konditor viel Konkurrenz gehabt.“ Für Stammgäste oder auf besonderen Wunsch bäckt Manfred Nitz aber gerne einen Kuchen oder serviert seinen Gästen einen ausgezogenen Apfelstrudel als besondere Überraschung. Sein Fokus liegt aber auf dem Backen einer Vielzahl unterschiedlicher Pizzen. Eine Herausforderung war es, den richtigen Geschmack der Brasilianer zu finden: „Die Pizzen dort sind ganz anders als in Italien oder italienischen Restaurants in Vorarlberg“, erklärt der Gastronom. „Pizzen mit Hühner- oder Trockenfleisch oder Ei sind sehr gefragt. Unsere Gäste lieben auch Varianten mit Schokolade, Bananen oder Palmenmark. Außerdem wird in Brasilien eine Pizza für eine ganze Gruppe bestellt – dementsprechend groß und vielfältig belegt sind sie. Auch Ketchup, Senf und Mayonnaise werden gerne dazu gegessen. Generell lieben es unsere Gäste üppig.“ Aber nicht nur bei den Zutaten, auch in der Speisekarte setzen Manfred Nitz und seine Frau Eliane auf das Besondere: „Unsere Speisen haben oft Namen mit einem Bezug zu Vorarlberg.“ So lassen sich die Gäste die Pizzen „Lochau“ und „Bodensee“ besonders gerne schmecken. Etwas Spezielles hat sich der Gastronom für die Erweiterung einfallen lassen: „Wir haben die Wände wie einen Weinkeller gestalten lassen – das sorgt für ein besonderes Flair und unsere Gäste nutzen den Hintergrund gerne als Fotomotiv.“ Das Gesamtpaket macht die „Pizzaria Áustria“ zu einem beliebten Treffpunkt in Goiânia. Am Wochenende arbeiten bis zu 15 Angestellte in Manfred Nitz’ Restaurant, unter der Woche sind es zehn. Fixer Bestandteil des Teams ist auch ein Wachmann. „Wir leben in einem guten Bezirk Goiânias, aber Wachpersonal ist wichtig. Auch bei uns wurde schon eingebrochen und in Außenbezirke bewegen wir uns nicht. Es gibt 800 Morde im Jahr, größtenteils im Drogenmilieu.“ Ein großes Problem sei auch die Korruption, denn beinahe wöchentlich lese man von verhafteten oder unter Anklage stehenden Politikern und das Vertrauen der Bürger in den Staat schwinde zusehends. Trotzdem ist Manfred Nitz die Begeisterung für Brasilien generell und seine Heimatstadt Goiânia im Speziellen deutlich anzumerken: „Ich liebe das Klima in diesem fußballbegeisterten Land und die freundlichen, offenen Menschen. Mit Elianes Verwandten sind wir hier eine große Familie. An Weihnachten kommen immer bis zu 50 Leute zu Besuch. Toll ist auch, dass viele Freunde und Verwandte aus Vorarlberg zu uns nach Goiânia reisen.“ Aber nicht nur bei Heimatbesuchen ist das Interesse an seiner Geschichte als Gastronom in Brasilien groß, auch Tageszeitungen in Brasilien haben schon über den „Vorarlberger Pizzabäcker in Goiânia“ berichtet: „Das besondere Ambiente in unserem Lokal, aber natürlich auch die speziellen Kreationen begeistern unsere Kunden: Auf einer beliebten Online-Plattform gehören wir zum besten Prozent von rund 5500 Restaurants.“

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