Wehe, es wird das Buch

Sie räume nur noch ein- bis zweimal im Jahr auf. Man lerne etwa Kochen, jedoch richtiges Aufräumen nicht. Und wenn ich hier den Schreibtisch ansehe und dort Kunstwerke mit Hochdruck gereinigt werden, dürfte sie wohl recht haben. Die, dem Anschein nach, leicht neurotische Japanerin, die aus ihrem Ordnungswahn eine Profession machte und nunmehr Millionen Menschen hilft, Ordnung in ihr Leben zu bringen. Ein amüsanter Buchtipp, „the life-changing magic of tidying up“ von Marie Kondo.

Man müsse sich erst von Dingen trennen, die einem keine Freude bereiten und sich nur noch mit jenen umgeben, die eben dies tun. „Does it spark joy“, solle man sich fragen. Ich gehe also durch die Wohnräume und verabschiede mich dankend – mit betenden Händen und Verneinung – von dem einen oder anderen Teil. Die Kinder rätseln, meinen Mann wundert schon gar nichts mehr. Tatsächlich finde ich gar nicht allzu viele Dinge, die wir loswerden sollten. So muss ich insgeheim doch meinem Gatten recht geben, der sagt, unser Problem seien nicht zu viele Sachen, sondern vielmehr der Post­eingang.

Dennoch, der kleine Rundgang führt zu jenen Dingen, die wirklich und am meisten Freude bereiten: die Kunst. Jedes Kunstwerk erinnert zurück an das Künstleratelier, den Flohmarkt, den Ausstellungsraum, die Galerie, die freudigen, leicht aufgeregten Verkäufer. Ein Glücksmoment. Es gibt in Wahrheit nahezu nichts Schöneres, als sich für ein Kunstwerk zu entscheiden. Frei von allen möglichen Überlegungen für sich selbst ein Werk auszusuchen. Ein Traum. Weder Instagram auf Alu/Dibond noch ein Städtefoto auf Leinwand vermag es, auf Dauer derartige Freude zu bereiten. Ein Original kann das. Muss es aber nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.