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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Diese Frage hat Paul Watzlawick, der berühmte österreichisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler, Mitte der 1970er-Jahre in seinem gleichnamigen Buch gestellt. Kurz gesagt ging es Watzlawick als Vertreter des radikalen Konstruktivismus darum, darzulegen, dass jeder Mensch auf der Basis seines individuellen Standpunktes die Realität um ihn herum wahrnimmt und interpretiert. Berühmt geworden sind lustige Geschichten, mit denen Watzlawick seine theoretischen Ausführungen illustriert. Zum Beispiel die Geschichte der Laborratte, die einer anderen Ratte erklärt: „Ich habe den Laborleiter so trainiert, dass er mir immer Futter bringt, wenn ich den Hebel drücke.“ Der Laborleiter würde die Situation vermutlich genau andersherum beschreiben. Die gleiche Situation wird also aus verschiedenen Blickwinkeln ganz unterschiedlich interpretiert.

Wir kennen diese Phänomene auch im Alltag. Stellen Sie sich vor, sie haben ein neues Auto der Marke XY gekauft. Plötzlich sehen Sie im ganzen Land diese Marke und halten sie für eine weit verbreitete. Bevor wir uns für diese Marke interessierten, ist uns dieser Wagen gar nicht aufgefallen.

In Zeiten von Facebook und Twitter explodieren nun die Möglichkeiten der Weitergabe dieses unseres eigenen Standpunkts. Kürzlich las ich von einer Befragung der Bevölkerung europäischer Staaten, die angeben sollten, wie hoch der Anteil von Muslimen in ihrem Staat sei. Interessanterweise wichen die Einschätzungen der Bevölkerung erheblich vom IST-Wert ab, zum Beispiel gaben Deutsche an, 21 Prozent der Bevölkerung wären Muslime, tatsächlich sind es aber lediglich 3,7 Prozent! Das ist eine Abweichung um den Faktor 5,7!

Was können wir daraus lernen: Traue niemanden, vor allem nicht deiner eigenen Wahrnehmung!

04.02.2017

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Tanja Eiselen

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