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Der Krampf mit den Adern

Venenerkrankungen zählen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Grund genug, um Krampfadern am Bein, auch krumme Adern (aus dem Althochdeutschen) genannt, ernst zu nehmen und nicht bloß als Schönheitsmakel oder gar Banalität abzutun. „Immerhin können Krampfadern auch zu schwerwiegenden Ereignissen wie Beingeschwüren oder Thrombosen führen“, erklärt Primar Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Hofmann, Leiter der Abteilung für Gefäßchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch.

Man nimmt sie als oberflächlich stark geschlängelte, dunkelviolette Venen an den Beinen wahr: Die Varizen sind unschöne Anzeichen dafür, dass die Venenklappen nicht funktionieren, das Blut nicht mehr herzwärts, sondern zurück ins Bein strömt, sich dadurch die Venen erweitern und auf Dauer unübersehbar werden. Die Kombination mit schweren, müden Beinen, Schwellneigung, Spannungsgefühlen, ziehenden Schmerzen, Hautveränderungen am Unterschenkel, oberflächlichen Geschwüren oder offenen Wunden erfordert medizinische Hilfe. „Krampfadern und die damit einhergehenden Beschwerden sollten nicht auf die leichte Schulter genommen und unbedingt abgeklärt werden. Die Früherkennung und in Folge die Anwendung geeigneter Behandlungsmethoden beugt Komplikationen vor“, betont Prim. Hofmann.

Woher kommen sie, die Krampfadern?

Krampfadern sind tatsächlich kein schöner Anblick. Dass sie ein rein ästhetisches Problem sind, ist allerdings eine Mär. Die WHO hat die Venenerkrankungen, an denen ein Drittel der Weltbevölkerung leidet, als eigene Krankheit klassifiziert und in unterschiedliche Ausprägungen unterteilt. Unsere westliche Lebensweise trägt viel zu dieser Häufigkeit bei: Langes Sitzen, Übergewicht und Bewegungsmangel beeinflussen Gefäßerkrankungen negativ. Überhaupt keinen direkten Einfluss auf die Entwicklung von Krampfadern hat die Ernährungsweise. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen: Hormonelle Umstellungen während Schwangerschaft und Geburt führen zu Elastizitätsverlust des Bindegewebes, zusätzlich übt  das ungeborene Kind zusätzlichen Druck auf die Beckenvenen aus. Da bei den Männern diese Risikofaktoren wegfallen, leiden nur zehn Prozent von ihnen an der durchaus erblich bedingten Neigung zu Varizen.

Rechtzeitige Diagnose – frühzeitige Behandlung

„Mittels einer Duplexsonografie (eine Ultraschalluntersuchung der Gefäße) können die nicht funktionierenden Venen­klappen und der Schweregrad der Varikose bestimmt werden. Neben den beiden oberflächlichen Leitvenen können auch die aus der Tiefe kommenden Perforansvenen (Verbindungen zwischen den oberflächlichen und den tiefen Venen) und oberflächliche Seitenäste erweitert und insuffizient sein. Besenreißer sind Erweiterungen der Hautvenen“, erläutert der Experte das Diagnoseverfahren, das auch von niedergelassenen Angiologen (Internisten mit Spezialfach) und Hautärzten durchgeführt wird. Bei kleinen Venen empfiehlt in der Regel der Hausarzt Beschwerden lindernde Medikamente wie zum Beispiel Weinlaubextrakt, das den Gefäßtonus erhöht und den Lymphabfluss steigert.

Vielseitige moderne Behandlungsmethoden

Grundsätzlich ist eine Therapie bei Krampfadern in Erwägung zu ziehen – und zwar nicht nur aus kosmetischen Gründen, sondern auch um das Thromboserisiko sowie die Möglichkeit von späteren Hautschäden zu minimieren. Wie sich die beste Behandlung jeweils gestaltet, hängt vom Typ der Varizen ab, von Ort und Ausmaß der Gefäßveränderung sowie von den individuellen Beschwerden.

Die älteste, konservative Methode zur Behandlung venöser Erkrankungen ist die Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfe und Verbände). Die Verödung stellt einen kleinen Eingriff zur Ausschaltung der Besenreißer und der kleinen Seitenastkrampfadern dar, der ambulant durchführt wird: Hierbei wird die Veneninnenwand chemisch zerstört und in weiterer Folge die nicht mehr durchströmte Vene vom Körper resorbiert. Dieses Verfahren ist grundsätzlich durch Verwenden von Schaum auch für größere Krampfadern anwendbar (mit Ultraschall gezielte Schaumsklerosierung). Außerdem ist bei starken Krampfadern die operative Methode mittels „Stripping“ vorgesehen – die Vene wird oben und unten durchtrennt und der abgetrennte Gefäßabschnitt auf einer Sonde herausgezogen. Als neuere Methoden haben sich in den letzten Jahren das „Laserstripping“ bzw. das Radiofrequenzverfahren etabliert: Ein Teil der Vene wird hier durch Hitze zerstört und wandelt sich zu einem narbigen Strang um. Grundsätzlich gelten die operativen Eingriffe als risikoarm, trotzdem können Wundheilungsstörungen oder Nachblutungen auftreten. Es ist daher von großer Bedeutung, die ärztlichen Anweisungen vor und nach der Venenbehandlung strikt zu befolgen.

Gefäßzentrum: Expertise in allen gefäßmedizinischen Belangen

Primar Hofmann und sein Team sind für die Vorarlberger Bevölkerung chirurgische Ansprechpartner in allen gefäßmedizinischen Fragen. Vor elf Jahren wurde gemeinsam mit den Angiologen, den Neurologen und den Radiologen des Schwerpunktkrankenhauses Feldkirch das Gefäßzentrum gegründet. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht die Behandlung sämtlicher Gefäßerkrankungen (beispielsweise: Verschluss oder Enge der Halsschlagader, Verschlusskrankheit der Becken- und Beingefäße, Aneurysmen, Katheter, Krampfadern) auf höchstem medizinischen Niveau.

05.12.2015

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Andrea Marosi-Kuster

(40), studierte Biologin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation der Vorarlberger Kranken­haus-Betriebsges.m.b.H.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

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