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Susanne Wimmer: „Ich will die Welt schöner machen“

Wie sie ihren Weg in die Künstlerszene und zum eigenen Modelabel in Augsburg gefunden hat und was ihr großer Traum ist, erzählt die in Hard aufgewachsene Susanne Wimmer im „Thema Vorarlberg“-Gespräch.

Als Kind war ich mit dem Kopf immer in den Wolken und habe schon damals viel gezeichnet“, erzählt Susanne Wimmer. Naheliegend, dass sie die Textilschule in Dornbirn besuchte: „Ich habe dort vor allem das Zeichnen von Mode geliebt, nicht so sehr das Schneidern.“ Diese Passion wollte die junge Frau anschließend mit einem Lehrgang für Modegrafik professionalisieren, doch leider klappte die Bewerbung nicht und sie arbeitete die folgenden zwei Jahre als Grafikassistentin in Dornbirn. „Für den Job gab es nur eine Bedingung: Ich sollte die wöchentlichen Zeichenabende von Edgar Leissing besuchen.“ Das nahm sie sehr ernst – Wimmer erzählt, dass sie keinen Termin ausließ. Dabei schätzte sie vor allem, dass sie schon mit 17 Jahren die Chance bekam, in diesen Künstlerkreis einzutauchen. Nach zwei Jahren mit diesem Arrangement löste ihr Arbeitgeber sein Büro auf und eine Handleserin prägte Susanne Wimmers weiteren Lebensweg entscheidend mit: „Meine Mama schickte mich zu dieser Frau, die meine Zukunft in Süddeutschland sah – dort liegt auch die Modeschule, an der ich beim ersten Versuch nicht angenommen wurde. Mit den Worten der Handleserin im Hinterkopf machte ich die Aufnahmeprüfung erneut – diesmal aber sehr selbstbewusst, weil ich mir sicher war, dass es die richtige Ausbildung für mich ist.“ Das ging auf und Susanne Wimmer zog mit 19 Jahren nach München, wo sie an der Meisterschule für Mode studierte. Dort lernte sie auch ihre heutige Geschäftspartnerin Gabriele Obermeier kennen und gestaltete mit ihr die Abschlusskollektion des Lehrgangs. Danach trennten sich die Wege der beiden, weil die Harderin als Au-pair nach London ging.

Über London nach Augsburg

Von 1994 bis 1996 lebte sie in England und arbeitete unter anderem als Modeillustratorin für die Broschüre eines Herrenausstatters. Aber der große Durchbruch blieb aus: „Man muss ein absolut extrovertierter, kontaktfreudiger Mensch sein, um in einer Stadt wie London weiterzukommen. Und ohne Berufserfahrung war es ohnehin sehr schwierig“, fasst sie ihre Erfahrung in Großbritannien zusammen. Während dieser Zeit intensivierte sich der Kontakt zu ihrer Studienkollegin Gabriele Obermeier und immer, wenn sie über München nach Vorarlberg reiste, legte sie einen Zwischenstopp in Augsburg bei ihr ein. „Seitdem liebe ich diesen Ort, weil dort ein toller Mix zwischen einer größeren Stadt und einer sehr familiären Stimmung herrscht. So kam die Idee auf, zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Das war 1996 und der Startschuss für unser eigenes Modelabel SAMOBIE – ein Mix aus unseren Kosenamen Sam und Obie – fiel.“ Mit der Ausarbeitung des Konzepts ließen sich die kreativen Frauen Zeit, bis sie schließlich in ihrer damaligen Wohngemeinschaft in einem Augsburger Altbau eine Werkstatt mit Showroom einrichteten. Mit der Zeit kristallisierte sich aber heraus, dass die unmittelbare Kombination von Wohnen und Arbeiten weder für die Kunden noch für sie selbst ideal war. „Wir brauchten etwas Öffentliches, einen Showroom für unsere Kleider.“ Seit 20 Jahren haben sie einen solchen sowie zwei Werkstätten und leben dort ihre Passion als Modegestalterinnen aus: „Wir entwickeln unsere Ideen und setzen diese in Kleinserien um. Dazu haben wir bewährte Grundschnitte, die wir variieren und die immer weiterentwickelt werden. Oft steckt da meine Vorliebe für Grafisches dahinter, wenn etwa Stoffe mit Falten oder Blumen veredelt werden. Wir machen Mode, die einem Typ zugeordnet ist und keine, die einem schnellen Trend folgt“, bringt es Susanne Wimmer auf den Punkt.

„Ich bin eine Ästhetin“

Nicht nur ihre Leidenschaft für Mode, auch ihre Liebe zur Kunst lebt die 44-Jährige in Augsburg aus: „Ich bewege mich in einem Kreis von Künstlern, besuche etwa Kunstwochenenden und nehme an Aktzeichenabenden teil.“ Susanne Wimmer ist es wichtig, neben ihrer Tätigkeit als Modemacherin für SAMOBIE etwas Eigenes zu haben. Ihre ganz persönliche künstlerische Ausdrucksform hat sie im Schaffen von Collagen gefunden: „Zuerst habe ich Collagen in Form von Postkarten als Werbung für unseren Laden gemacht, indem ich Figuren als alten Zeitungen und Magazinen zerlegte und in neuen Formen zusammenbaute.“ Mit dieser Kunstform stellte sie unter anderem im vergangenen März bei der von Edgar Leissing kuratierten Ausstellung „COLLAGE/DECOLLAGE“ in Feldkirch aus. „Es begeistert mich, damit neben der Mode eine andere Welt aufzubauen.“ Die Kunst zu ihrem Beruf zu machen, kann sie sich aber nicht vorstellen: „Ich bin eine Ästhetin und will mich einbringen, die Welt schöner zu machen. Das ist bereichernd, zehrt aber auch an den Kräften, weil ich immer sehr aufmerksam bin.“ Susanne Wimmer legt in ihrem Tun – sei es als Modegestalterin oder Künstlerin – großen Wert darauf, nachhaltig zu agieren und aus wenig sehr viel zu machen: „Ein Traum wäre es, vielleicht irgendwann in der Natur zu leben, etwa auf einer kleinen Berghütte im Bregenzerwald, und kreativen Menschen dort eine Bühne zu bieten, sich künstlerisch zu entfalten und zu verwirklichen.“

Lebenslauf
Am 2. August 1972 in Dornbirn geboren, verbrachte Susanne Wimmer ihre Kindheit und Jugend in Hard. Nachdem sie die Textilschule in Dornbirn absolvierte, arbeitete sie von 1989 bis 1991 als Grafikassistentin und besuchte parallel Aktzeichenabende bei Edgar Leissing in Bregenz. Von 1991 bis 1994 studierte sie an der Meisterschule für Mode in München, wo sie ihre heutige Geschäftspartnerin kennenlernte. Bevor die beiden Frauen 1996 ihr eigenes Modellabel SAMOBIE in Augsburg gründeten, lebte Susanne Wimmer zwei Jahre lang in London. Neben ihrer Arbeit als Modegestalterin ist sie Illustratorin und gestaltet einzigartige Collagen.

01.07.2017

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