Einen Konflikt zu ignorieren, erscheint oft einfacher, als ihn auszutragen. Bleiben Spannungen im Team oder in Projekten aber unausgesprochen, können Missverständnisse, Frustrationen und Unzufriedenheit im Verborgenen wachsen. Langfristig führt das zu einem schleichenden Vertrauensverlust. Dieses Risiko ist nicht zu unterschätzen, denn negierte Konflikte wirken wie ein schwelendes Feuer: Sie brechen häufig zu einem späteren Zeitpunkt in heftigerer Form aus, was die Lösung noch schwieriger und für die Beteiligten emotional belastender macht. Dabei liefern Differenzen in Organisationen nützliche Hinweise auf Probleme und Schwachstellen. Praktischerweise halten Konflikte auch die notwendige Handlungsenergie bereit, um schwierigen Situationen oder Widerständen zu begegnen. Zum Beispiel, wenn im Zuge einer Umstrukturierung gefordert ist, Funktionen und Schnittstellen neu zu regeln. Wer macht was in seinem Arbeitsbereich zusätzlich (oder nicht mehr) und wer ist ab sofort in welcher Rolle tätig? Wo sind Zuständigkeiten zwischen Abteilungen neu zu verhandeln, wer adressiert Aufgabenpakete und wer trifft welche Entscheidungen? Ob Groß- oder Kleinbetrieb: Die strittigen Themen gleichen sich. Aber es zeigt sich immer wieder, dass selbst festgefahrene Beziehungskonflikte auf Sachkonflikten aufbauen. In der Denkweise der Mediation geht es deshalb nicht um Vergangenheitsbewältigung, sondern um die Frage, wo die Schnittmenge der Interessen liegt und wo der Lösungsraum, den man gemeinsam und als Team bearbeiten will.
Wer den Mut hat, Konflikte offen anzusprechen, reduziert Stress, schafft Klarheit und gewinnt an Resilienz. Und setzt damit auf eine wichtige Ressource, um flexibel und adaptiv auf Veränderungen, Krisen oder unerwartete Herausforderungen zu reagieren.
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