Zitate

Erkenntnis ist immer noch das Ergebnis eines analogen Nachdenkprozesses und keine Suchfunktion bei Google.

Andrea Schurian, Autorin

Ich blicke eher mit Verachtung auf die Politisierbarkeit von allem.

Marco Wanda, Musiker

 

Der Fußball soll ja die Menschen zu Weltbürgern erziehen. In Österreich ist das super, da kann man schon wegen der Ergebnisse kein Chauvinist sein.

Josef Hader, Kabarettist

Die Grenzüberschreitungen der Gegenwart bilden die Grundlage der neuen Grenzziehungen von morgen.

Joan Kristin Bleicher, Medienwissenschaftlerin

Es hat sich ein elender Trend entwickelt: Die Leute reden übereinander statt miteinander.

Johann Beran, Arbeitspsychologe

 

Kann man von Politikern verlangen, dass sie Gesetze schaffen, die sich dann maßgeblich gegen sie selbst richten? Man kann. Man muss.

Michael Nikbakhsh, Journalist

 

Politik als Brutalo-Entertainment ist das Programm, und es funktioniert rings um die Welt.

Josef Joffe, Publizist

Die politisch korrekten Menschen, die ich bisher getroffen habe, schienen von Vorn-­ herein nicht viel Sinn für Humor zu haben.

John Cleese, Komiker

Ich tät‘ die Vernunft unter Artenschutz stellen. Oft siehst die nicht mehr.

Klaus Eckel, Kabarettist

 

Die Unterdrückung von Kritik ist nicht nur unmenschlich, sie ist auch für den Fortschritt tödlich.

Carlo Strenger, Philosoph

in den Mund gelegt

Quergedacht

Gerhard Siegl
06.09.2019
History sells!

Auf den ersten Blick haben Wirtschaft und...

Auf den ersten Blick haben Wirtschaft und Geschichte nichts gemeinsam. Wie soll das zusammengehen? Wirtschaft auf der einen Seite, die sich gewinnorientiert dem täglichen Konkurrenzdruck stellt, Güter und Dienstleistungen produziert und verkauft. Und Geschichte auf der anderen Seite, eine Geisteswissenschaft, die wertvolle Kulturleistungen erbringt, aber wenig Verkaufbares herstellt. Erstere verschafft den Menschen Arbeit und Brot, zweitere gilt mitunter als „brotlose Kunst“. Treffen hier zwei unvereinbare Welten aufeinander?
Keineswegs, denn diese klischeehaften Zuschreibungen greifen viel zu kurz. Wirtschaften ist mehr als nur produzieren und verkaufen, und ebenso ist auch Geschichte weder Last noch Luxus. Die vermeintlichen Gegensätze haben sich jüngst auf dem Feld der „Public History“ neu entdeckt. Wirtschaftsbetrieben wird verstärkt bewusst, dass ihnen Geschichte ein Alleinstellungsmerkmal verleiht, dass Geschichte Sympathie, Verlässlichkeit und Seriosität vermittelt. Diese Attribute machen sich in Werbung und PR gut, „history sells“. Und mit der Aufarbeitung auch dunkler Flecken ihrer Geschichte beweisen Unternehmen zudem gesellschaftliche Verantwortung. Für manche Unternehmer ist Geschichte allerdings noch immer ein rotes Tuch, weil sie das „Herumstochern“ in ihren Archiven und eine seriöse Aufarbeitung der Firmengeschichte eher als Bedrohung denn als Gewinn empfinden. Die eigene Geschichte zu negieren, hieße aber, auf ihre Inwertsetzung zu verzichten und ihr Potential zu verkennen. Denn moderne Geschichtsschreibung will weder moralisch aburteilen noch richten, sondern erklären, verstehen helfen und versöhnen. Mit dieser Lesart werden Wirtschaft und Geschichte künftig noch öfter erfolgreich kooperieren und voneinander profitieren.

Klaus Kofler
06.09.2019
Weiter so …

Während die einen noch über die...

Während die einen noch über die Digitalisierung nachdenken, beginnen die anderen sich langsam über die Klimaveränderung ihre Köpfe zu zerbrechen. Allein daran sieht man, wie lange wir brauchen, um das Tempo des Wandels zu verstehen. Die Frage, ob das jetzt mit Nichtkönnen oder Nichtwollen zu tun hat, ist eigentlich egal, denn beide Szenarien führen letztlich in den Abgrund und in den Untergang.
Gerade dieses langsame Fortschreiten ist der eigentliche Wahnsinn. Diese Gangart richtet weit mehr Schaden an als die wahren Herausforderungen, vor denen wir stehen. Allesamt leiden wir unter einem gigantischen Angstkomplex der Erneuerung und einer Art krampfhafter Aufrechterhaltung der Ordnung. Egal wie, es muss weitergehen. Alles haben wir darauf ausgerichtet und dahin ausgelegt. Das Bekannte und Bewährte ist unser Freund, selbst dann noch, wenn schon alles den Bach runter zu gehen droht.
Wann wollen wir endlich ausbrechen aus einer Welt der Zukunftsignoranz? Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten wir bessere Chancen und Möglichkeiten, die Dinge nicht nur grundlegend neu, sondern weitaus besser machen zu können als jemals zuvor. Wie sagte Thomas Straubhaar (Ökonom Uni Hamburg): „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ 
Wir leben in einer neuen Welt, besetzt mit alten Zukunftsbildern. Nein, nicht die Welt steckt in einer Krise. Es sind unsere Konzept-, Strategie- und Mutlosigkeit, die uns lähmen. Dieses unermüdliche Festhalten am Bestehenden, verbunden mit einem konsequenten „Weiter-so“. Wenn’s sein muss, bis zum Kollaps. Früher sagte man, Zukunft ist schwer zu identifizieren. Heute finden wir sie vor unseren Füßen. Vielleicht sollten wir endlich mal lernen, genauer hinzusehen.

Miriam Kathrein
06.09.2019
HandwerkerInnen als Agents of Change

Design hat das Potential zu einem positiven...

Design hat das Potential zu einem positiven Wandel in unsere Gesellschaft beizutragen. Diese Aussage begleitet mich schon lange in meiner Arbeitspraxis. Im Social Design verankert, lässt sie sich auf das Design allgemein ausweiten und, wie ich meine, gleichermaßen auf das Handwerk, wenn wir uns des Begriffs der neuen kreativen Arbeit annehmen. 
Das IDRV – Institute of Design Research Vienna hat in ihrem New Design Manifesto 2017 festgeschrieben, dass neues Design durch selbstorganisierte Zusammenarbeit Gleichgesinnter entsteht und Inklusion und Kollaboration den Wettbewerb ersetzen. Seit kurzem leite ich den Werkraum Bregenzerwald, einen Verein, bestehend aus Bregenzerwälder Handwerksbetrieben, die genau das schon lange erkannt haben: dass die Stärke im Miteinander liegt, in der Kooperation und den kollaborativen Momenten, obwohl die Unternehmen eigentlich in einem konkurrierenden Verhältnis zueinander stehen müssten. 
Denn das Potential, das im regionalen Handwerk steckt, lässt sich daran festmachen, dass unter anderem qualitativ hochwertigere Arbeit und attraktive Arbeitsplätze entstehen, dass ressourcenschondender und lokal produziert werden kann, langfristige Beziehungen zu den ProduzentInnen aufgebaut werden und KonsumentInnen dadurch ein neues Verständnis für die Produkte entwickeln, bei denen Nachhaltigkeit und Langlebigkeit eine tragende Rolle spielen.
Wenn DesignerInnen Agents of Change sein können, so sind es hier die HandwerkerInnen. Indem sie sich über die konkurrierende Situation erheben und Wissen und Ressourcen teilen, wird dieser Ansatz zum Innovationsmotor, nicht nur für die Betriebe selbst. Dies hat außerordentlich positive Auswirkungen auf die regionale Entwicklung und Steigerung der Lebensqualität in der Region.

Thomas Summer
06.09.2019
Unmittelbar

Cybermobbing ist eine Ausgeburt der digitalen...

Cybermobbing ist eine Ausgeburt der digitalen Gesellschaft. Die Macht der Cybermobber rührt von ihrer Anonymität im Netz, der Größe des Publikums, der Hilflosigkeit ihrer Opfer und der Hemmungslosigkeit des Sprach- und Bildgebrauchs. Und beeindruckend ist: So wie uns eine liebevolle SMS oder eine gut gemeinte WhatsApp stärken können, so niederschmetternd, nachhaltig und verletzend wirken Blossstellungen, Anfeindungen und Ausgrenzungen, auch wenn sie mittelbar digital gesendet werden.
Eine 14-jährige Patientin erzählt, wie ihr wiederholter Ausschluss aus der WhatsApp-Gruppe der Mitschüler schmerzhaft und beschämend ist. Eine Kollegin berichtet, wie lange sie über einen Vorwurf eines Mitarbeiters in einer Mail an das ganze Team gebrütet hat. Ein Gymnasiast kündigt einen Suizid an, nachdem seine frühere Freundin intime Aufnahmen an ihre Mitschülerinnen geschickt hat und diese dann in der gesamten Schule kursieren. 
Die meisten kennen mittlerweile Fälle von Cybermobbing, manche haben es schon am eigenen Leib erfahren; die mittelbare Botschaft wirkt unmittelbar kränkend.
Wirksame Hilfe ist auch unmittelbar: Die Patientin vertraut sich mit ihren Gefühlen einer Nachbarin an, aus den häufiger werdenden Treffen wird eine Freundschaft, die direkt und spürbar ist. Meine Kollegin erfuhr, dass der Mitarbeiter Mails mit mehreren Empfängern schon öfters als Blitzableiter verwendet hat, um Frust abzubauen und Kollegen zu beschuldigen. Auf Initiative der Lehrerschaft und einer Fachärztin wurde das Verbreiten herabwürdigender Bilder in der Schule angezeigt. Das Unrecht wird geahndet werden. Digitale Kommunikation braucht die Balance des Respekts und der Menschlichkeit. Mitmenschlichkeit ist unmittelbar.

David Stadelmann
05.07.2019
Die Überalterung als Segen

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine...

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Auf immer weniger Beitragszahler drohen in Zukunft mehr Pensionsempfänger zu kommen. Oft wird die „Überalterung“ als nahezu unlösbares Problem dargestellt. Stattdessen sollten wir den demographischen Wandel als Segen verstehen und klug handeln. Die Bürger werden älter, weil sie länger körperlich und geistig vital bleiben. Altern heißt heute mehr gesunde Lebensjahre und ein damit verbundenes höheres Produktionspotenzial. Das bietet Chancen für unsere Gesellschaft, die durch mehr Altersarbeit zu ergreifen sind. Dabei dürfen die Alten nicht durch Regulierungen oder gar staatliche diktierte Altenquoten zur Mehrarbeit gezwungen werden. Stattdessen müssen sie für ihre Arbeit im Alter besser belohnt werden. Arbeitnehmer, die das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten, sollten beispielsweise nur mehr die halbe Einkommenssteuer zahlen müssen. Eine derartige Steuerreduktion setzt relevante Arbeitsanreize. Damit würde Altersarbeit attraktiver und Ältere würden weiter in berufsorientierte Bildung investieren.
Alte sind wertvolle Arbeitskräfte, wenn sie auf dem Stand der Technik bleiben und diesen mit ihrer Erfahrung kombinieren. Da sie nach Steuersenkung mehr Einkommen zur Verfügung haben, müssten sie nicht einmal mehr Vollzeit arbeiten, sondern könnten ihr Arbeitspensum leicht reduzieren. Vermutlich werden aber viele sogar freiwillig mehr arbeiten wollen. So oder so trägt jede von ihnen zusätzlich geleistete Arbeitsstunde zur Dynamik der Wirtschaft bei. Davon profitieren Alt und Jung. Zudem stiegen die Einnahmen des Staates, weil die Alten ja mehr Steuern und Abgaben leisteten, als wenn sie gar nicht mehr arbeiteten. Die Früchte der Überalterung wollen nur geerntet werden.

Sabine Morgenstern
05.07.2019
Kunst in Zeiten der Digitalisierung

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die...

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst wird deutlich, wenn ein Umbruch stattfindet. Und es wird viel geredet über Kreativität. Was bedingt „Kreativität“? Und welche Rolle spielt Kreativität im Zeitalter der Digitalisierung? Meine Erfahrungen als Kunstpädagogin, Kunstvermittlerin und Künstlerin zeigen mir, dass in jedem Menschen ein sehr hohes Potenzial an Kreativität steckt, die es zu fördern gilt. Die Hürde ist, sie zuzulassen! Sich die Freiheit nehmen, Gedanken einfach laufen zu lassen, ohne Druck und absichtslos. Kreativität keimt nicht, wenn Gedanken wie Optimierung im Vordergrund stehen. Dafür haben wir Maschinen und Algorithmen. Das kreative Denken und Tun unterscheidet uns vom Computer. Wenn wir den Schwerpunkt auf das legen, was den Menschen vom Computer unterscheidet, so wird es das „kreative Denken“ und die „Emotionalität“ sein. Kreativität, Emotionalität und Neugierde sind Tugenden, die in der Positiven Psychologie eine große Rolle spielen. Um diese Tugenden zu fördern, spielen der Kunst­unterricht an Schulen und künstlerische Projekte in den verschiedenen Institutionen der Kultur eine sehr große Rolle. Der Mehrwert von Kunstverständnis besteht darin, dass Kunst die Welt in einer erweiterten Weise erschließt. Kunst öffnet uns andere Perspektiven auf die Welt. Unser Schöpfergeist bricht Grenzen auf. Die Erfahrung von Selbstkompetenz durch gestalterisches Arbeiten stärkt das Ich. Wir brauchen die Freiheit, neugierig zu sein, um Neues zu schaffen und Emotionalität zuzulassen. Freiräume schaffen Möglichkeiten, etwas zu tun, was mit nichts anderem in Verbindung steht. Kreative Prozesse sind individuell und erlauben keinen Konformismus. Und Vorgaben jeglicher Art sind unüberwindbare Schranken für kreatives Tun. Ich denke, es ist an der Zeit, uns bewusst zu machen, wie wichtig die Förderung von Kreativität ist.

Hans-Peter Metzler
05.07.2019
„Ich habe mich geirrt!“

Kaum sind die teilweise überschwänglichen...

Kaum sind die teilweise überschwänglichen Stimmen zur (neuen) Übergangsregierung von Experten und Expertinnen aus der hohen Beamtenschaft verhallt, so holt uns die Realität mit flinken Schritten ein: 
Es wird eine Zeit des monatelangen Stillstandes kommen, die unötig viel Zeit und Geld kostet, sehr viel Geld – entgegen allen Beteuerungen der Parteien und Politiker, vor den kommenden Wahlen kein Steuergeld verschwenden zu wollen.
Ich erwarte, dass die Minister der Übergangsregierung nichts entscheiden werden, denn sie werden wohl keine große Legitimation empfinden. Aber Stillstand und Nicht-Entscheiden sind wie in jedem Unternehmen die untauglichsten und teuersten Mittel.
Wir werden durch dieses Interregnum wertvolle Zeit verlieren für die notwendigen und überfälligen Reformen in der Finanz- und Steuerpolitik, die uns Bürger, die Unternehmen und den Standort entlasten.
Es wäre schön, ich täuschte mich und ich müsste am Ende des Jahres sagen: „Ich habe mich geirrt!“

Udo Filzmaier
05.07.2019
Vom Mensch zur Maschine?

Die Digitalisierung ist in aller Munde....

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Vielerorts wird von Disruption und großen Herausforderungen gesprochen, jedoch eines wird übersehen. Wir befinden uns bereits seit Jahrzehnten mitten in der Digitalisierung, mitten in eben jener Redefinition menschlichen Denkens und Handelns. Die elektronische Datenverarbeitung hat bereits vielerorts zu grundlegenden Veränderungen und Verbesserungen geführt. Was ist also neu? Warum fällt uns der Wandel heute viel deutlicher auf als bereits schon vor zehn Jahren? Die Antwort ist leicht – die Geschwindigkeit hat sich verändert. Immer schneller und aus weltweit unterschiedlichsten Richtungen und Quellen eröffnen sich uns Möglichkeiten zur Veränderung, und neue Konzepte sprießen wie Pflanzen aus dem digitalen Nährboden. 
Durch die stetig steigende und mit normalem Menschenverstand beinahe gar nicht mehr erfassbare Rechenleistung ergeben sich ungeahnte Potentiale, so besitzen unsere Telefone heute bereits die zehnfache Leistung der vor zehn Jahren hochmodernen, sehr teuren Computer. Die Mondlandung klappte mit 12.000 Transistoren an Bord – moderne Smartphones verfügen über mehrere Billionen Transistoren, eine unvorstellbare Entwicklung. 
In der westlichen Welt ist beinahe jeder Mensch bereits mit einem digitalen Endgerät über das Internet erreichbar und als potentieller Kunde für neue Geschäftsmodelle erreichbar. Heute werden neue Anwendungen ganz einfach mit „software-as-a-service“-Konzepten, ohne umständliche zusätzliche Hardwareverkäufe erfolgreich. Blickt man auf diese Entwicklungen, lässt sich festhalten – Ja! Wir befinden uns in einem grundlegenden Wandlungsprozess wie auch in den letzten Jahrzehnten, jedoch eines dürfen wir nicht außer Acht lassen: Im Mittelpunkt jenes Wandels steht der Mensch und sein Wohlergehen, keine Maschine, kein Computer und kein künstliches System.​

Renate Hammerer
30.05.2019
Dialog als Antwort auf Komplexität?

In Organisationen beobachten wir...

In Organisationen beobachten wir Beschleunigung. Digitalisierung als Treiber, Überforderung der Menschen durch Innovation. Die Antwort ist noch höhere Taktung und Forderung nach raschen Entscheidungen. Zeit fehlt! Gleichzeitig wird nach Kooperation gerufen. Achtsamkeitstrainings und Entschleunigungs-Beratungen schießen aus dem Boden.
Ein Widerspruch in sich? Oder sollten wir mal querdenken? Erzählt von Heinz von Foerster: Der kleine Sohn kam tränenüberströmt von der Schule nach Hause. „Was gab’s?“ „Ich musste eine Stunde lang in der Ecke stehen!“ „Ja warum?“ „Die Lehrerin hat gesagt, ich sei frech.“ „Ja wieso?“ „Sie hat gefragt: „Wieviel ist 2 mal 3?“ Ich habe aufgezeigt. „Also wieviel?“ Ich sagte: „3 mal 2“. Alle haben gelacht, und ich musste in die Ecke.“ Ich hörte diese Trauerbotschaft und meinte, seine Antwort wäre ganz richtig, aber könnte er es auch beweisen? Er nahm ein Stück Papier, macht darauf zwei Reihen mit je drei Punkten: „Das ist 2 mal 3, sagte er, drehte das Blatt um 90 Grad. „Das ist 3 mal 2.“ Die Lehrerin wusste offenbar nicht um die Bedeutung des kommutativen Gesetzes der Multiplikation Bescheid.
Nicht Multiplikation, der Umgang mit Zeit ist das Thema in Organisationen. Überlegen wir daher, wann wir die Zeit als Time-Box nutzen und wann wir dem Thema die notwendige Zeit geben. Wann ist Diskussion zieldienlich und wann Dialog? Beim Dialog nehmen sich die Protagonisten die Zeit, die ein Gedankenaustausch braucht (Kairos): Er ist zu Ende, wenn er zu Ende ist. Bei der Diskussion haben sie bereits zu Beginn einen fixen Endpunkt für den Austausch (Kronos). 
Was Menschen berichten, die beides nutzen und für komplexe Fragen den Dialog als Format wählen: „Plötzlich hat uns die Lösung gefunden und die Entscheidung war klar.“

Christian Feurstein
30.05.2019
(Warum) braucht Vorarlberg ein Industriemuseum?

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind...

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind in Vorarlberg längst etabliert. Dagegen spielt die Industrie, welche das Land seit rund zwei Jahrhunderten prägt, ein bescheidenes Dasein. Anläufe zur Gründung eines Industriemuseums in den vergangenen Jahrzehnten verliefen im Sand. Immerhin wurde ein Wirtschaftsarchiv mit einem inzwischen beachtlichen Fundus aufgebaut. In jüngster Zeit sind die Bestrebungen nach einem Museum wieder aufgelebt.
Unbestritten ist, dass ein Industriemuseum nicht nur Technik vermitteln sollte. Soziale Wechselwirkungen, politische und kulturelle Zusammenhänge sind wichtige Aspekte. Und ebenso wenig dürfte man sich auf eine Präsentation der Historie beschränken. Das Industriemuseum böte idealerweise Raum für gegenwärtige Entwicklungen und Zukunftsperspektiven. Ein Ort für Themen, die derzeit aus Sicht vieler Menschen von Politik und Wirtschaft ausgehandelt werden und ein Gefühl der Ohnmacht auslösen.
Auszuloten ist, ob es einen zentralen Standort für ein Museum benötigt. Bereits jetzt widmen sich verschiedene Einrichtungen im Land industriegeschichtlichen Themen. In Hard gibt es ein Textildruckmuseum, in Frastanz ein Elektromuseum, Lustenau beschäftigt sich mit der Stickereigeschichte, die Mohrenbrauerei hat jüngst eine Biererlebniswelt eingerichtet etc. Hier kommt aber auch die Depotfrage für gesammelte Objekte ins Spiel, die ohne zentrale Stätte kaum zu lösen ist.
Entscheidend ist, dass Akteure und Betroffene von Industrie mit im Boot sind, also wir alle. Eine derzeit laufende Initiative des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg widmet sich genau diesem Punkt. Unter der Internetadresse meinindustrie.museum ist jeder eingeladen, mit einem kurzen Text und Foto einzutragen, was seiner Ansicht nach in ein Vorarlberger Industriemuseum gehört.

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