Zitate

Österreichisches Welttheater. Wie langweilig wäre es in Europa, wenn wir es nicht hätten.

David Schalko, Regisseur

 

Ich bin gegen das Hässliche, ist das schon Populismus?

Harald Martenstein, Kolumnist

Weite Teile der österreichischen Gesellschaft geben sich links oder linksliberal, ohne in ihren Standpunkten die totalitären Elemente zu erkennen.

Thomas Glavinic, Schriftsteller

Wir leben im Zeitalter des Bluffs.

Bernhard Heinzlmaier, Jugendforscher

Heute wird schon von den Kindern in der Volksschule verlangt, dass sie zu allem eine Meinung haben. Das erzeugt auf Dauer ein Klima, in dem jeder glaubt, über alles qualifiziert mitreden zu können.

Peter Strasser, Philosoph

 

Fein für die Politik: Wenn man offiziell nichts weiß, muss man nicht handeln.

Stefan Weber, Kommunikationswissenschaftler

 

Wenn wir einer Amtsperson begegnen, treten wir habituell in einen Dialog mit den Untoten.

Andrea Maria Dusl, Filmemacherin

Political Correctness ist ein raffinierter propagandistischer Trick, der alles aushebelt und ersetzt: Ethik, Moral, Rechtsstaatlichkeit.

Gottfried Helnwein, Künstler

Etwas weniger Aktionismus auf Seiten der Guten wäre mitunter ratsam.

Rosemarie Schwaiger, Journalistin

 

Die Inflation der Information erzeugt leider eine Deflation des Handelns: Je mehr man weiß, umso weniger passiert.

Franz Kühmayer, Trendforscher

in den Mund gelegt

Quergedacht

David Stadelmann
05.07.2019
Die Überalterung als Segen

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine...

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Auf immer weniger Beitragszahler drohen in Zukunft mehr Pensionsempfänger zu kommen. Oft wird die „Überalterung“ als nahezu unlösbares Problem dargestellt. Stattdessen sollten wir den demographischen Wandel als Segen verstehen und klug handeln. Die Bürger werden älter, weil sie länger körperlich und geistig vital bleiben. Altern heißt heute mehr gesunde Lebensjahre und ein damit verbundenes höheres Produktionspotenzial. Das bietet Chancen für unsere Gesellschaft, die durch mehr Altersarbeit zu ergreifen sind. Dabei dürfen die Alten nicht durch Regulierungen oder gar staatliche diktierte Altenquoten zur Mehrarbeit gezwungen werden. Stattdessen müssen sie für ihre Arbeit im Alter besser belohnt werden. Arbeitnehmer, die das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten, sollten beispielsweise nur mehr die halbe Einkommenssteuer zahlen müssen. Eine derartige Steuerreduktion setzt relevante Arbeitsanreize. Damit würde Altersarbeit attraktiver und Ältere würden weiter in berufsorientierte Bildung investieren.
Alte sind wertvolle Arbeitskräfte, wenn sie auf dem Stand der Technik bleiben und diesen mit ihrer Erfahrung kombinieren. Da sie nach Steuersenkung mehr Einkommen zur Verfügung haben, müssten sie nicht einmal mehr Vollzeit arbeiten, sondern könnten ihr Arbeitspensum leicht reduzieren. Vermutlich werden aber viele sogar freiwillig mehr arbeiten wollen. So oder so trägt jede von ihnen zusätzlich geleistete Arbeitsstunde zur Dynamik der Wirtschaft bei. Davon profitieren Alt und Jung. Zudem stiegen die Einnahmen des Staates, weil die Alten ja mehr Steuern und Abgaben leisteten, als wenn sie gar nicht mehr arbeiteten. Die Früchte der Überalterung wollen nur geerntet werden.

Sabine Morgenstern
05.07.2019
Kunst in Zeiten der Digitalisierung

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die...

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst wird deutlich, wenn ein Umbruch stattfindet. Und es wird viel geredet über Kreativität. Was bedingt „Kreativität“? Und welche Rolle spielt Kreativität im Zeitalter der Digitalisierung? Meine Erfahrungen als Kunstpädagogin, Kunstvermittlerin und Künstlerin zeigen mir, dass in jedem Menschen ein sehr hohes Potenzial an Kreativität steckt, die es zu fördern gilt. Die Hürde ist, sie zuzulassen! Sich die Freiheit nehmen, Gedanken einfach laufen zu lassen, ohne Druck und absichtslos. Kreativität keimt nicht, wenn Gedanken wie Optimierung im Vordergrund stehen. Dafür haben wir Maschinen und Algorithmen. Das kreative Denken und Tun unterscheidet uns vom Computer. Wenn wir den Schwerpunkt auf das legen, was den Menschen vom Computer unterscheidet, so wird es das „kreative Denken“ und die „Emotionalität“ sein. Kreativität, Emotionalität und Neugierde sind Tugenden, die in der Positiven Psychologie eine große Rolle spielen. Um diese Tugenden zu fördern, spielen der Kunst­unterricht an Schulen und künstlerische Projekte in den verschiedenen Institutionen der Kultur eine sehr große Rolle. Der Mehrwert von Kunstverständnis besteht darin, dass Kunst die Welt in einer erweiterten Weise erschließt. Kunst öffnet uns andere Perspektiven auf die Welt. Unser Schöpfergeist bricht Grenzen auf. Die Erfahrung von Selbstkompetenz durch gestalterisches Arbeiten stärkt das Ich. Wir brauchen die Freiheit, neugierig zu sein, um Neues zu schaffen und Emotionalität zuzulassen. Freiräume schaffen Möglichkeiten, etwas zu tun, was mit nichts anderem in Verbindung steht. Kreative Prozesse sind individuell und erlauben keinen Konformismus. Und Vorgaben jeglicher Art sind unüberwindbare Schranken für kreatives Tun. Ich denke, es ist an der Zeit, uns bewusst zu machen, wie wichtig die Förderung von Kreativität ist.

Hans-Peter Metzler
05.07.2019
„Ich habe mich geirrt!“

Kaum sind die teilweise überschwänglichen...

Kaum sind die teilweise überschwänglichen Stimmen zur (neuen) Übergangsregierung von Experten und Expertinnen aus der hohen Beamtenschaft verhallt, so holt uns die Realität mit flinken Schritten ein: 
Es wird eine Zeit des monatelangen Stillstandes kommen, die unötig viel Zeit und Geld kostet, sehr viel Geld – entgegen allen Beteuerungen der Parteien und Politiker, vor den kommenden Wahlen kein Steuergeld verschwenden zu wollen.
Ich erwarte, dass die Minister der Übergangsregierung nichts entscheiden werden, denn sie werden wohl keine große Legitimation empfinden. Aber Stillstand und Nicht-Entscheiden sind wie in jedem Unternehmen die untauglichsten und teuersten Mittel.
Wir werden durch dieses Interregnum wertvolle Zeit verlieren für die notwendigen und überfälligen Reformen in der Finanz- und Steuerpolitik, die uns Bürger, die Unternehmen und den Standort entlasten.
Es wäre schön, ich täuschte mich und ich müsste am Ende des Jahres sagen: „Ich habe mich geirrt!“

Udo Filzmaier
05.07.2019
Vom Mensch zur Maschine?

Die Digitalisierung ist in aller Munde....

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Vielerorts wird von Disruption und großen Herausforderungen gesprochen, jedoch eines wird übersehen. Wir befinden uns bereits seit Jahrzehnten mitten in der Digitalisierung, mitten in eben jener Redefinition menschlichen Denkens und Handelns. Die elektronische Datenverarbeitung hat bereits vielerorts zu grundlegenden Veränderungen und Verbesserungen geführt. Was ist also neu? Warum fällt uns der Wandel heute viel deutlicher auf als bereits schon vor zehn Jahren? Die Antwort ist leicht – die Geschwindigkeit hat sich verändert. Immer schneller und aus weltweit unterschiedlichsten Richtungen und Quellen eröffnen sich uns Möglichkeiten zur Veränderung, und neue Konzepte sprießen wie Pflanzen aus dem digitalen Nährboden. 
Durch die stetig steigende und mit normalem Menschenverstand beinahe gar nicht mehr erfassbare Rechenleistung ergeben sich ungeahnte Potentiale, so besitzen unsere Telefone heute bereits die zehnfache Leistung der vor zehn Jahren hochmodernen, sehr teuren Computer. Die Mondlandung klappte mit 12.000 Transistoren an Bord – moderne Smartphones verfügen über mehrere Billionen Transistoren, eine unvorstellbare Entwicklung. 
In der westlichen Welt ist beinahe jeder Mensch bereits mit einem digitalen Endgerät über das Internet erreichbar und als potentieller Kunde für neue Geschäftsmodelle erreichbar. Heute werden neue Anwendungen ganz einfach mit „software-as-a-service“-Konzepten, ohne umständliche zusätzliche Hardwareverkäufe erfolgreich. Blickt man auf diese Entwicklungen, lässt sich festhalten – Ja! Wir befinden uns in einem grundlegenden Wandlungsprozess wie auch in den letzten Jahrzehnten, jedoch eines dürfen wir nicht außer Acht lassen: Im Mittelpunkt jenes Wandels steht der Mensch und sein Wohlergehen, keine Maschine, kein Computer und kein künstliches System.​

Renate Hammerer
30.05.2019
Dialog als Antwort auf Komplexität?

In Organisationen beobachten wir...

In Organisationen beobachten wir Beschleunigung. Digitalisierung als Treiber, Überforderung der Menschen durch Innovation. Die Antwort ist noch höhere Taktung und Forderung nach raschen Entscheidungen. Zeit fehlt! Gleichzeitig wird nach Kooperation gerufen. Achtsamkeitstrainings und Entschleunigungs-Beratungen schießen aus dem Boden.
Ein Widerspruch in sich? Oder sollten wir mal querdenken? Erzählt von Heinz von Foerster: Der kleine Sohn kam tränenüberströmt von der Schule nach Hause. „Was gab’s?“ „Ich musste eine Stunde lang in der Ecke stehen!“ „Ja warum?“ „Die Lehrerin hat gesagt, ich sei frech.“ „Ja wieso?“ „Sie hat gefragt: „Wieviel ist 2 mal 3?“ Ich habe aufgezeigt. „Also wieviel?“ Ich sagte: „3 mal 2“. Alle haben gelacht, und ich musste in die Ecke.“ Ich hörte diese Trauerbotschaft und meinte, seine Antwort wäre ganz richtig, aber könnte er es auch beweisen? Er nahm ein Stück Papier, macht darauf zwei Reihen mit je drei Punkten: „Das ist 2 mal 3, sagte er, drehte das Blatt um 90 Grad. „Das ist 3 mal 2.“ Die Lehrerin wusste offenbar nicht um die Bedeutung des kommutativen Gesetzes der Multiplikation Bescheid.
Nicht Multiplikation, der Umgang mit Zeit ist das Thema in Organisationen. Überlegen wir daher, wann wir die Zeit als Time-Box nutzen und wann wir dem Thema die notwendige Zeit geben. Wann ist Diskussion zieldienlich und wann Dialog? Beim Dialog nehmen sich die Protagonisten die Zeit, die ein Gedankenaustausch braucht (Kairos): Er ist zu Ende, wenn er zu Ende ist. Bei der Diskussion haben sie bereits zu Beginn einen fixen Endpunkt für den Austausch (Kronos). 
Was Menschen berichten, die beides nutzen und für komplexe Fragen den Dialog als Format wählen: „Plötzlich hat uns die Lösung gefunden und die Entscheidung war klar.“

Christian Feurstein
30.05.2019
(Warum) braucht Vorarlberg ein Industriemuseum?

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind...

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind in Vorarlberg längst etabliert. Dagegen spielt die Industrie, welche das Land seit rund zwei Jahrhunderten prägt, ein bescheidenes Dasein. Anläufe zur Gründung eines Industriemuseums in den vergangenen Jahrzehnten verliefen im Sand. Immerhin wurde ein Wirtschaftsarchiv mit einem inzwischen beachtlichen Fundus aufgebaut. In jüngster Zeit sind die Bestrebungen nach einem Museum wieder aufgelebt.
Unbestritten ist, dass ein Industriemuseum nicht nur Technik vermitteln sollte. Soziale Wechselwirkungen, politische und kulturelle Zusammenhänge sind wichtige Aspekte. Und ebenso wenig dürfte man sich auf eine Präsentation der Historie beschränken. Das Industriemuseum böte idealerweise Raum für gegenwärtige Entwicklungen und Zukunftsperspektiven. Ein Ort für Themen, die derzeit aus Sicht vieler Menschen von Politik und Wirtschaft ausgehandelt werden und ein Gefühl der Ohnmacht auslösen.
Auszuloten ist, ob es einen zentralen Standort für ein Museum benötigt. Bereits jetzt widmen sich verschiedene Einrichtungen im Land industriegeschichtlichen Themen. In Hard gibt es ein Textildruckmuseum, in Frastanz ein Elektromuseum, Lustenau beschäftigt sich mit der Stickereigeschichte, die Mohrenbrauerei hat jüngst eine Biererlebniswelt eingerichtet etc. Hier kommt aber auch die Depotfrage für gesammelte Objekte ins Spiel, die ohne zentrale Stätte kaum zu lösen ist.
Entscheidend ist, dass Akteure und Betroffene von Industrie mit im Boot sind, also wir alle. Eine derzeit laufende Initiative des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg widmet sich genau diesem Punkt. Unter der Internetadresse meinindustrie.museum ist jeder eingeladen, mit einem kurzen Text und Foto einzutragen, was seiner Ansicht nach in ein Vorarlberger Industriemuseum gehört.

Erwin Mohr
30.05.2019
Der europäische Traum

Der amerikanische Erfolgsautor Jeremy Rifkin...

Der amerikanische Erfolgsautor Jeremy Rifkin beschreibt in seinem gleichnamigen Buch den europäischen Traum als erstrebenswerter als etwa den amerikanischen Traum (vom Tellerwäscher zum Millionär) oder irgendeine andere nationale Vision auf unserer Erde. Er geht sogar so weit zu sagen, dass es ein Segen für die ganze Welt wäre, wenn die europäische Vision einer „leisen Supermacht“ auch in anderen Kontinenten Platz greifen würde. Nicht Waffen, Aufrüstung und Krieg entsprechen dem europäischen Traum, sondern Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Solidarität und friedliches Zusammenleben vieler Völker und Nationen seit 70 Jahren! Dies alles entstand aus der blutigen Erfahrung von zwei Weltkriegen und 65 Millionen Toten. Der australische Historiker Christopher M. Clark sieht im europäischen Modell „einen Akt transnationalen politischen Willens, der zu den größten Errungenschaften der Geschichte der Menschheit gehört“. Am Beginn dieser Entwicklung standen sich die jahrhundertelangen Todfeinde Deutschland und Frankreich gegenüber und reichten sich die Hand zum Frieden. Persönlichkeiten wie Schumann, De Gaulle, Adenauer ermöglichten diesen Traum, der Europa Frieden und noch nie da gewesenen Wohlstand brachte. 
Heute stehen wir an einem Wendepunkt: Stirbt der europäische Traum? Gibt es eine Renaissance der Grenzen, Kleingeister und Nationalkaiser, welche die europäische Idee dem Nationalismus opfern? Fast scheint es so. 
Oder setzen sich doch jene durch, die an die große Idee eines geeinten Europas als Vorbild und eines Friedensstifters in der Welt glauben und daran arbeiten. Was würde es für unsere Erde bedeuten, wenn es in Afrika, Südamerika oder Asien ein ähnliches Modell gäbe? Das wäre vielleicht der ultimative Menschheits-Traum!

Andreas Salcher
30.05.2019
Kennen Sie Fauja Singh?

Fauja Singh wurde als Sohn eines Bauern in...

Fauja Singh wurde als Sohn eines Bauern in Indien geboren. Bis zum Alter von 81 Jahren bewirtschaftete er in seiner Heimat einen Kleinbauernhof unter schwierigsten Bedingungen. Nach dem Tod seiner Frau zog er zu seinen Kindern nach Großbritannien. Dort begann er zu laufen und er trainierte täglich. Im Jahre 2000, im Alter von 89 Jahren, bestritt er dann seinen ersten Marathon in London. 
Ich habe aus dieser Geschichte zwei Dinge gelernt:
Erstens: Wenn man mich, bevor ich diese Geschichte gelesen habe, gefragt hätte, ob es möglich ist, mit 89 Jahren seinen ersten Marathon zu laufen, hätte ich ziemlich sicher mit „NEIN!“ geantwortet. Ich hätte meine wenigen Vorstellungen von Menschen im Alter von 89 Jahren hervorgeholt und festgestellt, dass das Bild eines 89-jährigen Marathonläufers nicht mit meiner Wirklichkeit übereinstimmt. Ich habe gelernt, mir immer wieder der Grenzen der eigenen konstruierten Wirklichkeit bewusst zu werden und zuzulassen, dass es darüber hinaus noch mehr geben kann.
Zweitens: Fauja Singh hat so sehr an sich und seine eigenen Fähigkeiten geglaubt, dass ihm etwas Außerordentliches gelungen ist. Ich habe gelernt, dass mit der richtigen Einstellung und dem Glauben an sich selbst fast jeder Mensch in der Lage ist, Außerordentliches zu leisten. 
Mein Thema ist die Digitalisierung. Ich erlebe immer wieder Menschen, die Angst vor den Auswirkungen der Digitalisierung haben. Digitalisierung ist die Zukunft, die Gegenwart und war auch schon die Vergangenheit. Mein Appell ist, die eigenen Ängste zu überwinden und den gedanklichen Spielraum so zu erweitern, dass die Chancen erkennbar werden. Mit dem starken Glauben an sich selbst kann man neue Fähigkeiten erwerben, die einen in die Zukunft tragen können.

Julia Weger
06.05.2019
Freudvoll feiern: Für Mensch und Umwelt!

Feiern oder tagen und dabei die Umwelt schonen...

Feiern oder tagen und dabei die Umwelt schonen: Ist das nicht ein Widerspruch? Veranstaltungen haben einen nicht unerheblichen ökologischen Fußabdruck. Doch mittlerweile gibt es vielfältige Möglichkeiten, um auch hier nachhaltig zu handeln.
Bei einer nachhaltig organisierten Veranstaltung setzt man sich bewusst mit den einzusetzenden Ressourcen auseinander. Neben Klima- und Umweltschutz sind vor allem die regionale Wertschöpfung und Sozialverträglichkeit Elemente, die es zu beachten gilt. Man verlässt dabei die Straße der Gewohnheit und begibt sich auf neue Wege. Dass dies nicht immer einfach ist, ist klar. Sich auf Neues einzulassen bedeutet zu Beginn meist einen Mehraufwand. Doch genau diese Auseinandersetzung bietet große Chancen für einen ganzheitlich nachhaltigen Erfolg der Veranstaltung – für die Menschen, die Umwelt und die regionale Wirtschaft. Denn die Praxis zeigt, dass „grüne“ Veranstaltungen meist von einer Qualitätssteigerung profitieren und in weiterer Folge zufriedene Gäste zu Umsatzsteigerungen führen können. Und das wiederum widerspricht dem größten Gegenargument, das nachhaltig organisierte Veranstaltungen per se viel zu teuer sind.
Doch was genau macht es aus? Gerne hier ein paar Beispiele. Saisonale Produkte, gepaart mit Kreativität, bringen unvergessliche Gerichte auf den Tisch, ansprechende Angebote zur An- und Abreise fallen positiv auf und ein durchdachter Entsorgungsplan beziehungsweise das bewusste Vermeiden von Abfällen sorgen dafür, dass überfüllte Müllcontainer, mit Plastikbechern verschmutzte Festwiesen und horrende Entsorgungskosten der Vergangenheit angehören. 
Nachhaltig feiern und tagen ist somit keineswegs ein Widerspruch, sondern eine perfekte Kombination, die sich lohnt.

Rudolf Sagmeister
06.05.2019
Visionär Kalb, in Wien gefeiert

Quergedacht“ nennt sich diese Rubrik, ein...

Quergedacht“ nennt sich diese Rubrik, ein Querdenker war Edmund Kalb (1900-1952) zeitlebens. Ab Ende Mai ist nun im Leopold-Museum eine umfassende Werkschau zu sehen. Kalb zählt zu den faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk von über tausend Selbstbildnissen blieb der größeren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Von 1926 bis 1930 zwischen der Freiheit an der Kunstakademie München, der geistigen Enge seiner Heimatstadt Dornbirn und der Einsamkeit des Bergdorfs Ebnit pendelnd, entwickelte er sein zeichnerisches Können bis zur völligen Abstraktion. Kompromiss- und schonungslos arbeitete er, um alle Mittel der grafischen Darstellung auszuloten als „Konzeptkünstler“. Sein Ziel war, den Vorgang des Denkens selbst sichtbar zu machen und schlussendlich nur noch abstrakte „Energie“ auf das Papier zu bringen, um dann die bildende Kunst als reines Denken weiterzuführen. Zeitlebens verkaufte er kein Werk, dokumentierte aber fotografisch sein Schaffen und korrespondierte auf Esparento mit Künstlerkollegen weltweit. Mathematik, Mechanik, Wahrnehmungspsychologie, Atomphysik, Weltraumtechnik und Pflanzenzucht bestimmten ab 1930 sein Denken und prägten zuvor schon seine Selbstbildnisse. Hier finden sich Übereinstimmungen mit Künstlern der russischen Avantgarde. Mit Schiele verbindet ihn die Faszination am Selbstbildnis, die Kompromisslosigkeit und die Heftigkeit des Schaffens in kurzer Zeit. Seine Unnachgiebigkeit und Widerstand gegen jede falsche Autorität brachten ihm mehrere Monate Militärgefängnis in der NS-Zeit wegen Befehlsverweigerung und mehrere Monate Gefängnis mit verschärftem Kerker wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung in der Nachkriegszeit ein. Dies führte auch zu seinem frühen Tod 1952. Sein Schaffen wurde erst posthum entdeckt und gewürdigt. 

Autoren & Redaktion