Zitate

Wir alle ziehen einen geistreichen Irrtum einer trivialen Wahrheit vor.

Joseph Schumpeter, Ökonom (1883-1950)

 

Ich habe nichts gegen Trachten. Widerwillen regt sich allerdings in mir, wenn ich politische Auftritte mit Lederhosen garniert sehe.

Peter Rosei, Autor

 

Die liberalen Eliten führen niemanden mehr, sie verhöhnen.

Nils Schniederjann, Philosoph

Gegenwärtig besiedeln Hobbyintellektuelle mit Halb­wissen gesellschaftliche Positionen.

Deborah Ryszka, Psychologin

 

Wenn man die Gesellschaft verstehen will, muss man den Trend Individualisierung verstehen.

Tristan Horx, Zukunftsforscher

 

Man könnte glauben, wir lebten im Zeitalter der Wahr­- heit; aber in Wahrheit wird so erfolgreich gelogen wie selten zuvor.

Karl-Markus Gauß, Schriftsteller

 

Wir reden viel über den Wert der Freiheit, aber in Wahrheit ist Freiheit für ängstliche Naturen eher Drohung denn Verheißung.

Jan Fleischhauer, Kolumnist

 

Je mehr wir wissen, desto deutlicher wird, wie viel wir nicht verstehen.

Didier Fassin, Soziologe

Es hat niemand in seinem Amt verdient, dass der Vorgänger irgendwo als Geist umherrumpelt.

Christian Bernhard, Ex-Gesundheitslandesrat

Es gibt Zeitgenossen, bei denen wäre künstliche Intelligenz ein Gewinn.

Harald Schmidt, Satiriker

 

in den Mund gelegt

Quergedacht

Sina Wagner
09.12.2019

Derzeit omnipräsent: Wie können wir...

Derzeit omnipräsent: Wie können wir authentische WeltverbessererInnen werden? Zu groß gedacht, anfangen im „Kleineren“: Wie können wir kompetente GestalterInnen unserer Gegenwart sein? 
Meine Profession ist die Kunstgeschichte und sonst: Veranstaltungsorganisation. Beides verbindet das Potenzial zur Begegnung. So dachte ich, als ich vor zwei Jahren begann, für den Verein um das neue biennale Lichtkunstfestival „Lichtstadt Feldkirch“ zu arbeiten. Im Oktober 2018 durften wir eine Premiere mit rund 30.000 BesucherInnen erleben. Von Jung bis Alt waren alle unterwegs, ließen das, was KünstlerInnen an öffentlichen Orten mit Licht zu erzeugen vermögen, auf sich wirken, machten mit, waren glücklich, fühlten sich verbunden im sonst Fremden.
Was mir in der Theorie geläufig war, zeigte sich in beeindruckender Weise: Öffentliche Orte werden von KünstlerInnen nicht nur illustriert oder spektakulär bestrahlt. Die inhaltliche Stärke lichtkünstlerischer Positionen und Arbeiten liegt darin, Themen unserer Gegenwart zu formulieren und zu artikulieren, indem sie Licht als Transportmittel nutzen. Ergebnis war ein friedliches, wertschätzendes Miteinander auf den Straßen, in eben dem öffentlichen Raum, wo unser Zusammenleben grundsätzlich verhandelt wird – und das nicht immer barrierefrei und frei. Doch hier ergibt sich eine Kraft des Dialogs, der im kulturellen Bereich trotz „Teilhabe“ und durch Schwellenängste häufig hinter seinen Möglichkeiten zurücksteht. Das Privileg der Chancenvielfalt und Grenzüberwindung durch Kunst sollten wir gemeinsam genießen, nutzen, weiterdenken und offen bleiben. Darauf freue ich mich im Oktober 2020 zur nächsten „Lichtstadt“! Und nun überlege ich mir den besten Ort für einen Laubhaufen, der Igel mag es schließlich warm und dunkel.

Simon Ender
09.12.2019

Wir kommunizieren heute mehr denn je, und mehr...

Wir kommunizieren heute mehr denn je, und mehr denn je verlieren wir auch den Blick fürs Wesentliche. In Tageszeitungen, Fachzeitschriften, E-Mails, Radio, TV, auf Facebook, WhatsApp, Instagram, YouTube, Snapchat, TikTok, Pinterest, Netflix, Amazon Prime, Spotify, und das waren noch nicht einmal alle, kann das passieren. In jedem Auto wird gewhatsappt, in jedem Restaurant für Insta posiert, an jeder Bushaltestelle ein Snap geschossen. Wir kommunizieren im Überfluss. Wir texten, filmen, knipsen. Nicht immer besser, aber immer mehr. 
Je leichter wir erreichbar sind, je öfter wir online sind und je mehr wir mithalten, desto lauter wird er, der Wunsch nach der digitalen Pause-Taste. Wir scrollen durch die Newsfeeds und lassen uns von Algorithmen mit Neuigkeiten füttern, bis die Stimme in uns schreit: „Stopp! Zu viel Info!“. Dann rudern wir zurück und suchen nach dem, was wir wirklich brauchen: Authentizität, Ehrlichkeit, Sinnhaftigkeit. Eine digitale Entgiftungskur mit mehr echten Gesprächen als Sprachnachrichten, mit ehrlichen Freundschaften, statt virtueller Community und mit dem guten alten Kopfkino in Form eines Buches, anstelle von Inszenierungen.
Das heißt nicht, dass wir für ein bisschen Ruhe zum digitalen Aussteiger werden müssen. Es reicht, den eigenen Verstand wieder in den Mittelpunkt zu rücken und selbst zu priorisieren. Wenn Designer ihr Werk betrachten, stellen sie sich die Frage: „Was kann weg?“. Erst wenn nichts mehr geht, ist es perfekt. Was kann im Alltag weg? Was ist zu viel Info? Wir könnten öfter mal auf „abmelden“ klicken, das Handy stumm schalten. Die Medien-Autobahn verlassen, einen Gang zurückschalten und zur Ruhe kommen. Die digitale Pause-Taste gibt es schon längst, nur finden wir sie nicht auf unseren Geräten, sondern in unseren Köpfen. Wir müssen nur den Schalter umlegen.

Andrea Niemann
09.12.2019

Kinder, die in einen Kindergarten oder in die...

Kinder, die in einen Kindergarten oder in die Schule gehen, müssen geimpft sein, sagt der deutsche Gesundheitsminister. Ab März 2020 soll in Deutschland das Masernimpfgesetzt in Kraft treten. Damit gibt es eine neue Facette in der Impfdiskussion. Die der Impfentscheidung. Wer soll entscheiden? Und darf der Staat dem Einzelnen die Entscheidung für das Gesamtwohl abnehmen? Es ist nicht leicht, eine Impfentscheidung zu treffen. Schon gar nicht, wenn es um Kinder geht. Zumal die Verunsicherung groß ist, denn Informationen und Expertenmeinungen widersprechen sich. Wie soll man da noch wissen, was stimmt? Deshalb hat der aks in Vorarlberg bereits 2018 ein Projekt gestartet, das Eltern bei der persönlichen Impfentscheidung unterstützt. Innerhalb von drei Jahren entwickeln Mütter und Väter gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Impfentscheidungshilfen. 
Dafür haben wir anfangs viel zugehört, um zu erfahren, was Eltern beim Thema Kleinkinderimpfungen verunsichert. Und haben ganz Vorarlberg aufgerufen, uns ihre wichtigsten Impffragen zu schicken, um die zehn häufigsten zu beantworten.
Nächstes Jahr, also 2020 werden die Impfentscheidungshilfen für MMR (Mumps, Masern und Röteln), Rotavirus, Pneumokokken und dem 6-fach Impfstoff (mit Kinderlähmung, Wundstarrkrampf, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus Influenza B und Hepatitis B) entwickelt. Leicht verständlich und auf Basis der besten wissenschaftlichen Studienlage. Ab 2021 werden allen Eltern und auch allen Expertinnen und Experten im Gesundheitsbereich in Vorarlberg diese Entscheidungshilfen auf www.rund-ums-impfen.at zur Verfügung stehen. Damit wird es Müttern und Vätern künftig leichter gemacht, eine Antwort auf die Frage „Impfen ja oder nein“ zu finden.

Franz-Paul Hammling
09.12.2019

Am 10. November 2019 wird im Hohenemser...

Am 10. November 2019 wird im Hohenemser Salomon-Sulzer-Saal die Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ eröffnet. Sie wirft den Blick auf die Geschichte der Zeitzeugenschaft des Holocaust von 1945 bis in die Gegenwart. Die Veranstaltung ist wieder – auch wenn man es schon lange wusste – ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass das Jüdische Museum der intellektuelle Hotspot des Landes ist! Bemerkenswert die von gedanklicher Durchdringung des Themas zeugenden Begrüßungsworte des Bürgermeisters Dieter Egger.
Jörg Skribeleit von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und Sonja Begalke von der Berliner Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“, vor allem aber Michael Köhlmeier in seiner Eröffnungsrede bestechen durch ihre Gedanken zu Fragen, wie „Warum erinnern?“ oder „Wo liegen die Grenzen von Zeitzeugenschaft?“
Köhlmeier versteht es – wie zu erwarten – meisterlich, „Erinnern“ mit „Erzählen“ zu verbinden und hält so gleichzeitig ein Plädoyer in ureigenster Sache. Gilt er doch längst nicht nur als großer Erzähler, sondern auch als führender Theoretiker des Erzählens. Eine seiner Leitthesen: Wir erzählen, um uns unsere Angst zu nehmen! Konnte man zunächst denken, nach Köhlmeiers Rede sei der Höhepunkt der Veranstaltung überschritten, so sah man sich in dieser Annahme aufs Angenehmste enttäuscht, als Anika Reichwald, leitende Kuratorin, ihre überaus klugen Anmerkungen zu Konzeption und Entstehung des Projektes und der kulturpolitischen Bedeutung und Wandlung des Themas „Zeitzeugenschaft“ vortrug.
Alles im allem: ein hochbeglückendes, bewusstseinsschärfendes Erlebnis an einem strahlenden Spätherbstsonntag!
PS: Für die hervorragende, ab April 2020 nach München und Berlin gehende Ausstellung nehme man sich am besten einen halben Tag lang Zeit!

Roland Jörg
04.11.2019

Der 70. Geburtstag Michael Köhlmeiers, den man...

Der 70. Geburtstag Michael Köhlmeiers, den man getrost zu den wichtigsten Autoren unserer Zeit zählen darf, soll Anlass sein, nicht nur ihn persönlich zu würdigen, sondern auch sein Metier: das Schreiben und damit das Buch als greifbares Medium.
Für das Schreiben braucht es die Dichterinnen und Dichter, für das Herausgeben die Verlage. Edieren, das kommt dem Besetzen eines faktischen, eines realen Raumes gleich, den es zu erobern gilt. Tradieren und Edieren stehen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis, sie richten sich gegen das Vergessen. „Materiality Matters“: So sieht es Anne Mangen von der Uni Stavanger. Für sie ist der Akt des Lesens eng mit der Tatsache verknüpft, dass wir Körper und Geist sind. Die sensorischen Erfahrungen führen dazu, dass Inhalte länger im Gedächtnis bleiben. 
Der virtuelle Raum dagegen ist wie ein Vakuum, ein Raum, den es gar nicht erst zu erobern gilt, sondern der vermittelt, so komm doch, tritt ein in die Flüchtigkeit! Ich wage zu behaupten, dass Schriftsteller wie etwa Kafka, Proust oder auch Joyce als E-Book wohl keine Aussichten gehabt hätten, in den Kanon der Weltliteratur Eingang zu finden. 
In einem Interview hat der Leiter der modernsten Bibliothek Dänemarks, das Dokk 1 in Aarhus, sinngemäß darauf hingewiesen, dass ein Buch, das in einem Jahr nur eine Entlehnung hat, sofort wieder aus den Beständen eliminiert wird. Ich habe noch den Satz eines alten Bibliothekars im Ohr, der besagte, dass sich der Ankauf eines Buches, das einmal in einem Jahrhundert ausgeliehen wird, bereits rentiert habe. Man sieht: Was vor einer Generation für ein Jahrhundert galt, zählt heute nur noch ein Jahr.
 In diesem Sinn: Alles Gute Michael Köhlmeier! Und danke für all die Bücher, die Du geschrieben hast!

Brigitta Amann
04.11.2019

… dann wäre Schule ein Raum, in dem jedes Kind...

… dann wäre Schule ein Raum, in dem jedes Kind gesehen wird, soziale Anerkennung in der Klasse erlebt und positive Zuwendung erfährt. Das klingt zunächst ein wenig wirklichkeitsfremd – und doch sind genau dies die Faktoren, die Lernen und die Motivation dafür ermöglichen.
Pisa hat uns alle wachgerüttelt. Wir dürfen kein Kind verlieren, so lautet die Devise. Stimmt, jedes Kind ist nach seinen Möglichkeiten bestmöglich zu fördern. Ausgefeilte Fördermodelle sind aber nur ein Teil der Antwort. Der andere Teil unterstützt die Entwicklung der Persönlichkeit und das soziale Miteinander. „Auf Schatzsuche bei unseren Kindern gehen“, nennen der Hirnforscher Gerald Hüther und die Kinderpsychologin Irina Prekop ihre Schlussfolgerung, wie Kinder ihre Persönlichkeit mit allen Facetten am besten entwickeln können.
Dies ist notwendig, um den Herausforderungen der Zeit („passiver Medienkonsum, Überreizung, Vernachlässigung, Verwöhnung, Liebesentzug“) entgegenzuwirken. Was hilft dem „Wirrwarr im Hirn“ Klärung zu verschaffen von Lehrpersonen, die ganz bewusst eine persönliche Beziehung zu den Schülern und Schülerinnen aufbauen wollen. Personen, die SchülerInnen lehren, bei sich zu bleiben, ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst, auf den Moment und auf ihre Aufgaben zu lenken, genau wahrzunehmen, statt zu beurteilen.
Die Konzepte der Achtsamkeit (MBSR, MSC) könnten LehrerInnen und SchülerInnen, aber auch Eltern und anderen beteiligten Personen dabei wertvolle Anregungen bieten. So kann zum Beispiel auch die Aufmerksamkeit gezielt gesteuert werden – weg von Dingen, die anders sein sollten, bewusst hin zu Dingen, die sich gut entwickelt haben. Dadurch verändert sich der Umgang miteinander manchmal wie von selbst. 

Michael Lederer
04.11.2019

Kaum ein anderes Thema wie das Klima bestimmte...

Kaum ein anderes Thema wie das Klima bestimmte die politische Agenda in den letzten Monaten so stark. Zu Recht. Aber nur wie? Viel von: Wer hat Schuld? Wer hat Recht? Wer ist besser? Und wer ist glaubwürdig? Oft klingt durch, wir müssen bessere Menschen werden, aber eigentlich müssen wir nur besser leben. Ob ich jetzt fliege und weniger Fleisch esse, macht das den Unterschied? Natürlich hat es Wirkung, aber wie kommen wir hier zu einer kritischen Masse? Jedenfalls macht es oftmals schlechtes Gewissen und miese Stimmung, ein bisschen Ohnmacht …, nichts davon können wir brauchen, wenn wir die Welt „retten“ wollen. Und stattdessen müssten wir es nur machen wie bei der DSGVO. „Design by default“ heißt das Prinzip und bedeutet, dass standardmäßig meine Daten geschützt sind und dass bei einer weiteren Verarbeitung meiner Daten ich die explizite Zustimmung geben muss. Klimaschutz als Default also – der regionale Gemüseteller ist günstiger und besser beworben als das Einrichtungshaus-Schnitzel um €4,-. Kostenwahrheit statt Moralappell. 
Was aber ist ein guter Standard für den Klimaschutz und in welchen Bereichen setzen wir diesen durch? Eine dringende Frage, die eines Aushandlungsprozesses bedarf. Und schauen wir in die Welt, können wir sehen, dass in vielen Ländern „Citizen Assemblies“ nach dem irischen Modell stattfinden. Zufallsbürger entwickeln gemeinsam mit Wissenschaft und Politik mögliche Standards und Maßnahmen. Und in der Verhaltensökonomie finden sich viele Beispiele für wirksame Anpassungen von Rahmenbedingungen, um letztlich Verhalten zu ändern. Ohne den moralischen Zeigefinger, dafür mit starker demokratischer Legitimation. Das wäre doch ein interessanter Weg für Vorarlberg, oder nicht? Und es macht uns nicht zu besseren Menschen, aber vielleicht leben wir dann einfach besser. 

Monika Wohlmuth
04.11.2019

Reife- oder Persönlichkeitsentwicklung sind...

Reife- oder Persönlichkeitsentwicklung sind mir, seit ich denken kann, ein wichtiges Anliegen. Fast täglich treffe ich Menschen, die mich mit ihrem Verhalten und ihrem Wirken beeindrucken und mir neue Lernwege zeigen. Dieses Interesse und diese Leidenschaft an Weiterentwicklung sind gleichzeitig auch Basis meiner beruflichen Tätigkeit. Unter dem Motto: „Jeden Tag entscheiden wir neu, wie wir auf Situationen reagieren, was wir zu anderen sagen, wie wir über Menschen denken“, begleite ich Menschen, die spüren, dass es eine Veränderung braucht und diese Veränderung auch sie selbst inkludiert. Weil: „Vom Reife-Niveau eines Menschen hängt es ab, wofür er seine Kompetenzen und Intelligenzen einsetzt.“
(Boglarka Hadinger)
Ja – und ganz nebenbei möchte ich in dieser Persönlichkeitswerdung auch Vorbild sein. Für meine eigenen Kinder, die mir anvertrauten Jugendlichen und die Menschen in den Unternehmen, die wir begleiten. 
Wenn mich da nicht diese Augenblicke des Unfugs übermannen würden. Da ein Mail an jemanden, den ich gar nicht kenne, und trotzdem …, da diese eine Stunde zu lang, obwohl morgen …, dann dieser eine Satz, der zwar ehrlich, aber nicht ganz …, außerdem schon wieder, obwohl … und dann noch diese Idee, die so gar nicht zu meinen Kompetenzen und überhaupt … oder dieser Kommentar.
Eine sehr weise Frau, von der ich viel lernen durfte, hat mir folgenden Satz geschenkt: „Reife und Bereitschaft zu gelegentlichem Unfug schließen sich nicht aus!“ Seither weiß ich, dass ein Tag dann gut für mich ist, wenn ich ein wenig Reife üben durfte, aber auch etwas Unfug Platz bekommen hat. Ich glaube ganz fest daran – und hoffe, meine Mitmenschen auch! Ein Hoch auf die „unfugbereite“ Reife!

Peter Bußjäger
01.10.2019

Der Freispruch der wegen Verstößen gegen das...

Der Freispruch der wegen Verstößen gegen das Wahlgesetz angeklagten Beamten der Bezirkshauptmannschaft Bregenz ist eine gewaltige Klatsche für die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSTA). Volle drei Jahre ermittelte die in Wien angesiedelte Spezialeinheit, bis sie eine wacklige Anklage gegen die Beamten erstellt hatte. Das Gericht benötigte dagegen nur wenige Wochen für einen Freispruch. 
Möglicherweise hat die WKSTA nicht verstanden, dass es einen Unterschied macht, ob der Verfassungsgerichtshof eine Wahl wegen Formfehlern aufhebt oder ob dieser Formfehler auch eine strafbare Handlung darstellt. Wenn die WKSTA in Zukunft jeden Bürgermeister und jedes Verwaltungsorgan anklagen will, der Formvorschriften verletzt, ohne dass öffentliche Interessen verletzt oder Private geschädigt werden, bekommt sie viel zu tun.
Die Angelegenheit ist jedoch, ganz abgesehen davon, dass die WKSTA den Freispruch womöglich bekämpft, nicht ausgestanden: Die Republik Österreich hat eine Organhaftungsklage gegen zahlreiche Mitglieder von Wahlkommissionen in der Höhe von 36.000 Euro pro Person eingebracht. Dabei handelt es sich um Beamte, die weder eine Wahl manipuliert noch die Auszählung sonst in irgendeiner Weise beeinflusst haben. Sie haben allenfalls Rechtsvorschriften missachtet, um schneller ein Ergebnis liefern zu können.
Das Innenministerium selbst kommt übrigens ungeschoren davon. Keine Anklage, keine Organhaftung. Obwohl sich die Beamten dort nicht darum geschert haben, dass ihre Vorschriften kaum vollzogen werden konnten und sie Gesetzes­änderungen ablehnten, obwohl ihnen der Druck der Wahlbehörden, bei der Auszählung möglichst schnell zu sein, bekannt war. Das ist der Vorteil jener, die nur Vorschriften erlassen müssen, die andere zu vollziehen haben. 

Jimmy Heinzl
01.10.2019

Digitale Technologien beeinflussen unser Leben...

Digitale Technologien beeinflussen unser Leben auf eindrucksvolle Art und Weise. Internetbasierte mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets haben unseren Alltag nachhaltig verändert. Neuartige Technologien zur Sammlung und Analyse von Daten leisten dieser Entwicklung weiter Vorschub. Das Potenzial für die Generierung zusätzlicher Wertschöpfung für einen Wirtschaftsstandort ist enorm.
Um die Potenziale für Vorarlberg nutzbar zu machen, sind entsprechende strategische Weichenstellungen notwendig. Ein einfaches Kopieren von Konzepten anderer erfolgreicher Digitalstandorte, wie z.B. Berlin oder dem Mekka der Hightech IT-Industrie, dem Silcon Valley, greift allerdings zu kurz. Obwohl man von diesen Standorten sehr viel lernen kann, beispielsweise im Bereich der Startup-Ökologie, gibt es eben auch Bereiche, in denen wir hierzulande besser sind. Ein solcher Bereich ist die Kompetenz, physische Produkte zu entwickeln und diese insbesondere auch zu wettbewerbsfähigen Kosten zu produzieren. Jeder, der schon einmal versucht hat, ein Produkt im Silicon Valley fertigen zu lassen, weiß, wovon ich spreche. Basis für diese Fähigkeit sind die Fertigkeiten der Beschäftigen. Die duale Ausbildung gewährleistet, dass Wissen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vermittelt wird, und entwickelt damit genau diese Fertigkeiten. Und darin sind wir Weltspitze! Nicht zuletzt die Erfolge der Vorarlberger Lehrlinge bei den unlängst ausgetragenen Berufsweltmeisterschaften stellen das unter Beweis. 
Für eine erfolgreiche Zukunft gilt aber nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“: Die Kombination dieser handwerklichen Fertigkeiten mit neuen digitalen Fertigkeiten, Technologien, Services und Geschäftsmodellen erlaubt eine einzigartige Positionierung des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg als digitaler Produktionsstandort.

Matthias Ammann
01.10.2019

Noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass das...

Noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass das Zitat „homo homini lupus“ (der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) eine weltweit derart dramatische Intensivierung erfährt. 
Ich wage deshalb einige globale Thesen: Noch nie gab es eine so hohe Dichte an verantwortungslosen Staatenlenkern. Noch nie gab es ein so dichtes Netz von skrupellosen Geschäftemachern. Noch nie gab es einen derart menschenverachtenden Umgang mit der Natur. Noch nie wurde die gute bäuerliche Lebensmittelerzeugung so gnadenlos verdrängt. 
Finale Grande: Wir rufen tief bewegt: „ Ave Universum – Morituri te salutant!“ (Zitat). Alternative: Die Weltpolitik und wir alle wagen einen Umkehrschub-Jetzt! Schluss mit der entwürdigenden Abwertung der Menschen zu reinen Konsumrobotics. Schluss mit der zukunftsbremsenden wirtschaftspolitischen Standardhaltung: „Wasche mir den Pelz, aber mach mich ja nicht nass! Schluss mit der mutlosen Verschanzung von Politikern und Beamten hinter hausverstandslosen Gesetzen! 
Es ist höchste Zeit, dass Politiker gemeinsam mit ihren Bürgern hausverstandsleere Regelwerke höchstgerichtlich auf deren volkswirtschaftlichen Nutzen prüfen. Es ist höchste Zeit, der ausgerufenen Energieautonomie mehr Vortrieb zu geben. Es ist höchste Zeit, eine regionale Ernährungsautonomie wenigstens anzustreben. Es ist höchste Zeit, eine gesellschaftliche Erkenntnisautonomie auf den Weg zu bringen, um gefährlichen politischen oder religiösen Inszenierungen Einhalt zu gebieten. 
Diese drei Autonomieziele, getragen von Hausverstand und Mut, würden unser Zusammenleben zukunftsfähiger, lebensbejahender und gerechter machen. Ganz nach dem Motto: „Goht’s mim Nochbur guat, goht’s miar o guat!“ Also: Kollektiver Mutausbruch jetzt! Vorarlberg hat dafür gutes Potential!

Martina Gasser
01.10.2019

Die Leistungen unseres Sozialsystems wirken...

Die Leistungen unseres Sozialsystems wirken kostensenkend. Diese Aussage würde vermutlich nicht jeder unterschreiben, doch ich bin von deren Richtigkeit überzeugt.
Der Sozialbereich stellt einen wichtigen ökonomischen Faktor dar, der unsere Wirtschaft belebt, zu deren Erfolg und Stabilität beiträgt. Die Sozialwirtschaft schafft nicht nur Arbeitsplätze, sie trägt auch dazu bei, dass die Arbeitsfähigkeit und Kaufkraft gesteigert werden. Vor allem präventiv angelegte soziale Dienstleistungen stellen eine sinnvolle Investition in die Zukunft dar. Diese verfolgen das Ziel, Menschen frühzeitig Hilfe anzubieten und somit einer Chronifizierung und Verfestigung von Problemen vorzubeugen. Das ist kostensparend, da Folgekosten wie Krankenstände, Arbeitslosigkeit etc. vermieden werden können. Unternehmen, die Wirtschaft, unsere gesamte Gesellschaft profitieren von (psychisch) gesunden Menschen, die verantwortungsbewusst mit sich selbst und anderen umgehen, arbeiten, Steuern zahlen und damit ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten. Und nicht zuletzt sichert unser Sozialsystem den sozialen Frieden. 
Soziale Institutionen wie das ifs bieten den Menschen ein Sicherheitsnetz. Nicht nur die professionelle Unterstützung in psychosozialen Krisensituationen wirkt entlastend, sondern alleine die Präsenz sozialer Einrichtungen und das Wissen, bei Problemen auf deren Hilfe zurückgreifen zu können, bieten Sicherheit. 
Der Mensch ist trotz aller technischer Errungenschaften noch immer unsere wichtigste Ressource. Deshalb ist es wichtig, diesen weiterhin in den Mittelpunkt zu stellen und dafür Sorge zu tragen, dass alle ein menschenwürdiges Leben führen können. Und vielleicht stellen wir uns hin und wieder die Frage, wie lebenswert die Region Vorarlberg ohne Soziallandschaft wäre.

Gerhard Siegl
06.09.2019

Auf den ersten Blick haben Wirtschaft und...

Auf den ersten Blick haben Wirtschaft und Geschichte nichts gemeinsam. Wie soll das zusammengehen? Wirtschaft auf der einen Seite, die sich gewinnorientiert dem täglichen Konkurrenzdruck stellt, Güter und Dienstleistungen produziert und verkauft. Und Geschichte auf der anderen Seite, eine Geisteswissenschaft, die wertvolle Kulturleistungen erbringt, aber wenig Verkaufbares herstellt. Erstere verschafft den Menschen Arbeit und Brot, zweitere gilt mitunter als „brotlose Kunst“. Treffen hier zwei unvereinbare Welten aufeinander?
Keineswegs, denn diese klischeehaften Zuschreibungen greifen viel zu kurz. Wirtschaften ist mehr als nur produzieren und verkaufen, und ebenso ist auch Geschichte weder Last noch Luxus. Die vermeintlichen Gegensätze haben sich jüngst auf dem Feld der „Public History“ neu entdeckt. Wirtschaftsbetrieben wird verstärkt bewusst, dass ihnen Geschichte ein Alleinstellungsmerkmal verleiht, dass Geschichte Sympathie, Verlässlichkeit und Seriosität vermittelt. Diese Attribute machen sich in Werbung und PR gut, „history sells“. Und mit der Aufarbeitung auch dunkler Flecken ihrer Geschichte beweisen Unternehmen zudem gesellschaftliche Verantwortung. Für manche Unternehmer ist Geschichte allerdings noch immer ein rotes Tuch, weil sie das „Herumstochern“ in ihren Archiven und eine seriöse Aufarbeitung der Firmengeschichte eher als Bedrohung denn als Gewinn empfinden. Die eigene Geschichte zu negieren, hieße aber, auf ihre Inwertsetzung zu verzichten und ihr Potential zu verkennen. Denn moderne Geschichtsschreibung will weder moralisch aburteilen noch richten, sondern erklären, verstehen helfen und versöhnen. Mit dieser Lesart werden Wirtschaft und Geschichte künftig noch öfter erfolgreich kooperieren und voneinander profitieren.

Klaus Kofler
06.09.2019

Während die einen noch über die...

Während die einen noch über die Digitalisierung nachdenken, beginnen die anderen sich langsam über die Klimaveränderung ihre Köpfe zu zerbrechen. Allein daran sieht man, wie lange wir brauchen, um das Tempo des Wandels zu verstehen. Die Frage, ob das jetzt mit Nichtkönnen oder Nichtwollen zu tun hat, ist eigentlich egal, denn beide Szenarien führen letztlich in den Abgrund und in den Untergang.
Gerade dieses langsame Fortschreiten ist der eigentliche Wahnsinn. Diese Gangart richtet weit mehr Schaden an als die wahren Herausforderungen, vor denen wir stehen. Allesamt leiden wir unter einem gigantischen Angstkomplex der Erneuerung und einer Art krampfhafter Aufrechterhaltung der Ordnung. Egal wie, es muss weitergehen. Alles haben wir darauf ausgerichtet und dahin ausgelegt. Das Bekannte und Bewährte ist unser Freund, selbst dann noch, wenn schon alles den Bach runter zu gehen droht.
Wann wollen wir endlich ausbrechen aus einer Welt der Zukunftsignoranz? Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten wir bessere Chancen und Möglichkeiten, die Dinge nicht nur grundlegend neu, sondern weitaus besser machen zu können als jemals zuvor. Wie sagte Thomas Straubhaar (Ökonom Uni Hamburg): „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ 
Wir leben in einer neuen Welt, besetzt mit alten Zukunftsbildern. Nein, nicht die Welt steckt in einer Krise. Es sind unsere Konzept-, Strategie- und Mutlosigkeit, die uns lähmen. Dieses unermüdliche Festhalten am Bestehenden, verbunden mit einem konsequenten „Weiter-so“. Wenn’s sein muss, bis zum Kollaps. Früher sagte man, Zukunft ist schwer zu identifizieren. Heute finden wir sie vor unseren Füßen. Vielleicht sollten wir endlich mal lernen, genauer hinzusehen.

Miriam Kathrein
06.09.2019

Design hat das Potential zu einem positiven...

Design hat das Potential zu einem positiven Wandel in unsere Gesellschaft beizutragen. Diese Aussage begleitet mich schon lange in meiner Arbeitspraxis. Im Social Design verankert, lässt sie sich auf das Design allgemein ausweiten und, wie ich meine, gleichermaßen auf das Handwerk, wenn wir uns des Begriffs der neuen kreativen Arbeit annehmen. 
Das IDRV – Institute of Design Research Vienna hat in ihrem New Design Manifesto 2017 festgeschrieben, dass neues Design durch selbstorganisierte Zusammenarbeit Gleichgesinnter entsteht und Inklusion und Kollaboration den Wettbewerb ersetzen. Seit kurzem leite ich den Werkraum Bregenzerwald, einen Verein, bestehend aus Bregenzerwälder Handwerksbetrieben, die genau das schon lange erkannt haben: dass die Stärke im Miteinander liegt, in der Kooperation und den kollaborativen Momenten, obwohl die Unternehmen eigentlich in einem konkurrierenden Verhältnis zueinander stehen müssten. 
Denn das Potential, das im regionalen Handwerk steckt, lässt sich daran festmachen, dass unter anderem qualitativ hochwertigere Arbeit und attraktive Arbeitsplätze entstehen, dass ressourcenschondender und lokal produziert werden kann, langfristige Beziehungen zu den ProduzentInnen aufgebaut werden und KonsumentInnen dadurch ein neues Verständnis für die Produkte entwickeln, bei denen Nachhaltigkeit und Langlebigkeit eine tragende Rolle spielen.
Wenn DesignerInnen Agents of Change sein können, so sind es hier die HandwerkerInnen. Indem sie sich über die konkurrierende Situation erheben und Wissen und Ressourcen teilen, wird dieser Ansatz zum Innovationsmotor, nicht nur für die Betriebe selbst. Dies hat außerordentlich positive Auswirkungen auf die regionale Entwicklung und Steigerung der Lebensqualität in der Region.

Thomas Summer
06.09.2019

Cybermobbing ist eine Ausgeburt der digitalen...

Cybermobbing ist eine Ausgeburt der digitalen Gesellschaft. Die Macht der Cybermobber rührt von ihrer Anonymität im Netz, der Größe des Publikums, der Hilflosigkeit ihrer Opfer und der Hemmungslosigkeit des Sprach- und Bildgebrauchs. Und beeindruckend ist: So wie uns eine liebevolle SMS oder eine gut gemeinte WhatsApp stärken können, so niederschmetternd, nachhaltig und verletzend wirken Blossstellungen, Anfeindungen und Ausgrenzungen, auch wenn sie mittelbar digital gesendet werden.
Eine 14-jährige Patientin erzählt, wie ihr wiederholter Ausschluss aus der WhatsApp-Gruppe der Mitschüler schmerzhaft und beschämend ist. Eine Kollegin berichtet, wie lange sie über einen Vorwurf eines Mitarbeiters in einer Mail an das ganze Team gebrütet hat. Ein Gymnasiast kündigt einen Suizid an, nachdem seine frühere Freundin intime Aufnahmen an ihre Mitschülerinnen geschickt hat und diese dann in der gesamten Schule kursieren. 
Die meisten kennen mittlerweile Fälle von Cybermobbing, manche haben es schon am eigenen Leib erfahren; die mittelbare Botschaft wirkt unmittelbar kränkend.
Wirksame Hilfe ist auch unmittelbar: Die Patientin vertraut sich mit ihren Gefühlen einer Nachbarin an, aus den häufiger werdenden Treffen wird eine Freundschaft, die direkt und spürbar ist. Meine Kollegin erfuhr, dass der Mitarbeiter Mails mit mehreren Empfängern schon öfters als Blitzableiter verwendet hat, um Frust abzubauen und Kollegen zu beschuldigen. Auf Initiative der Lehrerschaft und einer Fachärztin wurde das Verbreiten herabwürdigender Bilder in der Schule angezeigt. Das Unrecht wird geahndet werden. Digitale Kommunikation braucht die Balance des Respekts und der Menschlichkeit. Mitmenschlichkeit ist unmittelbar.

David Stadelmann
05.07.2019

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine...

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Auf immer weniger Beitragszahler drohen in Zukunft mehr Pensionsempfänger zu kommen. Oft wird die „Überalterung“ als nahezu unlösbares Problem dargestellt. Stattdessen sollten wir den demographischen Wandel als Segen verstehen und klug handeln. Die Bürger werden älter, weil sie länger körperlich und geistig vital bleiben. Altern heißt heute mehr gesunde Lebensjahre und ein damit verbundenes höheres Produktionspotenzial. Das bietet Chancen für unsere Gesellschaft, die durch mehr Altersarbeit zu ergreifen sind. Dabei dürfen die Alten nicht durch Regulierungen oder gar staatliche diktierte Altenquoten zur Mehrarbeit gezwungen werden. Stattdessen müssen sie für ihre Arbeit im Alter besser belohnt werden. Arbeitnehmer, die das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten, sollten beispielsweise nur mehr die halbe Einkommenssteuer zahlen müssen. Eine derartige Steuerreduktion setzt relevante Arbeitsanreize. Damit würde Altersarbeit attraktiver und Ältere würden weiter in berufsorientierte Bildung investieren.
Alte sind wertvolle Arbeitskräfte, wenn sie auf dem Stand der Technik bleiben und diesen mit ihrer Erfahrung kombinieren. Da sie nach Steuersenkung mehr Einkommen zur Verfügung haben, müssten sie nicht einmal mehr Vollzeit arbeiten, sondern könnten ihr Arbeitspensum leicht reduzieren. Vermutlich werden aber viele sogar freiwillig mehr arbeiten wollen. So oder so trägt jede von ihnen zusätzlich geleistete Arbeitsstunde zur Dynamik der Wirtschaft bei. Davon profitieren Alt und Jung. Zudem stiegen die Einnahmen des Staates, weil die Alten ja mehr Steuern und Abgaben leisteten, als wenn sie gar nicht mehr arbeiteten. Die Früchte der Überalterung wollen nur geerntet werden.

Sabine Morgenstern
05.07.2019

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die...

Menschen erfreuen sich an Kunst. Die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst wird deutlich, wenn ein Umbruch stattfindet. Und es wird viel geredet über Kreativität. Was bedingt „Kreativität“? Und welche Rolle spielt Kreativität im Zeitalter der Digitalisierung? Meine Erfahrungen als Kunstpädagogin, Kunstvermittlerin und Künstlerin zeigen mir, dass in jedem Menschen ein sehr hohes Potenzial an Kreativität steckt, die es zu fördern gilt. Die Hürde ist, sie zuzulassen! Sich die Freiheit nehmen, Gedanken einfach laufen zu lassen, ohne Druck und absichtslos. Kreativität keimt nicht, wenn Gedanken wie Optimierung im Vordergrund stehen. Dafür haben wir Maschinen und Algorithmen. Das kreative Denken und Tun unterscheidet uns vom Computer. Wenn wir den Schwerpunkt auf das legen, was den Menschen vom Computer unterscheidet, so wird es das „kreative Denken“ und die „Emotionalität“ sein. Kreativität, Emotionalität und Neugierde sind Tugenden, die in der Positiven Psychologie eine große Rolle spielen. Um diese Tugenden zu fördern, spielen der Kunst­unterricht an Schulen und künstlerische Projekte in den verschiedenen Institutionen der Kultur eine sehr große Rolle. Der Mehrwert von Kunstverständnis besteht darin, dass Kunst die Welt in einer erweiterten Weise erschließt. Kunst öffnet uns andere Perspektiven auf die Welt. Unser Schöpfergeist bricht Grenzen auf. Die Erfahrung von Selbstkompetenz durch gestalterisches Arbeiten stärkt das Ich. Wir brauchen die Freiheit, neugierig zu sein, um Neues zu schaffen und Emotionalität zuzulassen. Freiräume schaffen Möglichkeiten, etwas zu tun, was mit nichts anderem in Verbindung steht. Kreative Prozesse sind individuell und erlauben keinen Konformismus. Und Vorgaben jeglicher Art sind unüberwindbare Schranken für kreatives Tun. Ich denke, es ist an der Zeit, uns bewusst zu machen, wie wichtig die Förderung von Kreativität ist.

Hans-Peter Metzler
05.07.2019

Kaum sind die teilweise überschwänglichen...

Kaum sind die teilweise überschwänglichen Stimmen zur (neuen) Übergangsregierung von Experten und Expertinnen aus der hohen Beamtenschaft verhallt, so holt uns die Realität mit flinken Schritten ein: 
Es wird eine Zeit des monatelangen Stillstandes kommen, die unötig viel Zeit und Geld kostet, sehr viel Geld – entgegen allen Beteuerungen der Parteien und Politiker, vor den kommenden Wahlen kein Steuergeld verschwenden zu wollen.
Ich erwarte, dass die Minister der Übergangsregierung nichts entscheiden werden, denn sie werden wohl keine große Legitimation empfinden. Aber Stillstand und Nicht-Entscheiden sind wie in jedem Unternehmen die untauglichsten und teuersten Mittel.
Wir werden durch dieses Interregnum wertvolle Zeit verlieren für die notwendigen und überfälligen Reformen in der Finanz- und Steuerpolitik, die uns Bürger, die Unternehmen und den Standort entlasten.
Es wäre schön, ich täuschte mich und ich müsste am Ende des Jahres sagen: „Ich habe mich geirrt!“

Udo Filzmaier
05.07.2019

Die Digitalisierung ist in aller Munde....

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Vielerorts wird von Disruption und großen Herausforderungen gesprochen, jedoch eines wird übersehen. Wir befinden uns bereits seit Jahrzehnten mitten in der Digitalisierung, mitten in eben jener Redefinition menschlichen Denkens und Handelns. Die elektronische Datenverarbeitung hat bereits vielerorts zu grundlegenden Veränderungen und Verbesserungen geführt. Was ist also neu? Warum fällt uns der Wandel heute viel deutlicher auf als bereits schon vor zehn Jahren? Die Antwort ist leicht – die Geschwindigkeit hat sich verändert. Immer schneller und aus weltweit unterschiedlichsten Richtungen und Quellen eröffnen sich uns Möglichkeiten zur Veränderung, und neue Konzepte sprießen wie Pflanzen aus dem digitalen Nährboden. 
Durch die stetig steigende und mit normalem Menschenverstand beinahe gar nicht mehr erfassbare Rechenleistung ergeben sich ungeahnte Potentiale, so besitzen unsere Telefone heute bereits die zehnfache Leistung der vor zehn Jahren hochmodernen, sehr teuren Computer. Die Mondlandung klappte mit 12.000 Transistoren an Bord – moderne Smartphones verfügen über mehrere Billionen Transistoren, eine unvorstellbare Entwicklung. 
In der westlichen Welt ist beinahe jeder Mensch bereits mit einem digitalen Endgerät über das Internet erreichbar und als potentieller Kunde für neue Geschäftsmodelle erreichbar. Heute werden neue Anwendungen ganz einfach mit „software-as-a-service“-Konzepten, ohne umständliche zusätzliche Hardwareverkäufe erfolgreich. Blickt man auf diese Entwicklungen, lässt sich festhalten – Ja! Wir befinden uns in einem grundlegenden Wandlungsprozess wie auch in den letzten Jahrzehnten, jedoch eines dürfen wir nicht außer Acht lassen: Im Mittelpunkt jenes Wandels steht der Mensch und sein Wohlergehen, keine Maschine, kein Computer und kein künstliches System.​

Renate Hammerer
30.05.2019

In Organisationen beobachten wir...

In Organisationen beobachten wir Beschleunigung. Digitalisierung als Treiber, Überforderung der Menschen durch Innovation. Die Antwort ist noch höhere Taktung und Forderung nach raschen Entscheidungen. Zeit fehlt! Gleichzeitig wird nach Kooperation gerufen. Achtsamkeitstrainings und Entschleunigungs-Beratungen schießen aus dem Boden.
Ein Widerspruch in sich? Oder sollten wir mal querdenken? Erzählt von Heinz von Foerster: Der kleine Sohn kam tränenüberströmt von der Schule nach Hause. „Was gab’s?“ „Ich musste eine Stunde lang in der Ecke stehen!“ „Ja warum?“ „Die Lehrerin hat gesagt, ich sei frech.“ „Ja wieso?“ „Sie hat gefragt: „Wieviel ist 2 mal 3?“ Ich habe aufgezeigt. „Also wieviel?“ Ich sagte: „3 mal 2“. Alle haben gelacht, und ich musste in die Ecke.“ Ich hörte diese Trauerbotschaft und meinte, seine Antwort wäre ganz richtig, aber könnte er es auch beweisen? Er nahm ein Stück Papier, macht darauf zwei Reihen mit je drei Punkten: „Das ist 2 mal 3, sagte er, drehte das Blatt um 90 Grad. „Das ist 3 mal 2.“ Die Lehrerin wusste offenbar nicht um die Bedeutung des kommutativen Gesetzes der Multiplikation Bescheid.
Nicht Multiplikation, der Umgang mit Zeit ist das Thema in Organisationen. Überlegen wir daher, wann wir die Zeit als Time-Box nutzen und wann wir dem Thema die notwendige Zeit geben. Wann ist Diskussion zieldienlich und wann Dialog? Beim Dialog nehmen sich die Protagonisten die Zeit, die ein Gedankenaustausch braucht (Kairos): Er ist zu Ende, wenn er zu Ende ist. Bei der Diskussion haben sie bereits zu Beginn einen fixen Endpunkt für den Austausch (Kronos). 
Was Menschen berichten, die beides nutzen und für komplexe Fragen den Dialog als Format wählen: „Plötzlich hat uns die Lösung gefunden und die Entscheidung war klar.“

Christian Feurstein
30.05.2019

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind...

Museen für Kunst, Natur- und Landeskunde sind in Vorarlberg längst etabliert. Dagegen spielt die Industrie, welche das Land seit rund zwei Jahrhunderten prägt, ein bescheidenes Dasein. Anläufe zur Gründung eines Industriemuseums in den vergangenen Jahrzehnten verliefen im Sand. Immerhin wurde ein Wirtschaftsarchiv mit einem inzwischen beachtlichen Fundus aufgebaut. In jüngster Zeit sind die Bestrebungen nach einem Museum wieder aufgelebt.
Unbestritten ist, dass ein Industriemuseum nicht nur Technik vermitteln sollte. Soziale Wechselwirkungen, politische und kulturelle Zusammenhänge sind wichtige Aspekte. Und ebenso wenig dürfte man sich auf eine Präsentation der Historie beschränken. Das Industriemuseum böte idealerweise Raum für gegenwärtige Entwicklungen und Zukunftsperspektiven. Ein Ort für Themen, die derzeit aus Sicht vieler Menschen von Politik und Wirtschaft ausgehandelt werden und ein Gefühl der Ohnmacht auslösen.
Auszuloten ist, ob es einen zentralen Standort für ein Museum benötigt. Bereits jetzt widmen sich verschiedene Einrichtungen im Land industriegeschichtlichen Themen. In Hard gibt es ein Textildruckmuseum, in Frastanz ein Elektromuseum, Lustenau beschäftigt sich mit der Stickereigeschichte, die Mohrenbrauerei hat jüngst eine Biererlebniswelt eingerichtet etc. Hier kommt aber auch die Depotfrage für gesammelte Objekte ins Spiel, die ohne zentrale Stätte kaum zu lösen ist.
Entscheidend ist, dass Akteure und Betroffene von Industrie mit im Boot sind, also wir alle. Eine derzeit laufende Initiative des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg widmet sich genau diesem Punkt. Unter der Internetadresse meinindustrie.museum ist jeder eingeladen, mit einem kurzen Text und Foto einzutragen, was seiner Ansicht nach in ein Vorarlberger Industriemuseum gehört.

Erwin Mohr
30.05.2019

Der amerikanische Erfolgsautor Jeremy Rifkin...

Der amerikanische Erfolgsautor Jeremy Rifkin beschreibt in seinem gleichnamigen Buch den europäischen Traum als erstrebenswerter als etwa den amerikanischen Traum (vom Tellerwäscher zum Millionär) oder irgendeine andere nationale Vision auf unserer Erde. Er geht sogar so weit zu sagen, dass es ein Segen für die ganze Welt wäre, wenn die europäische Vision einer „leisen Supermacht“ auch in anderen Kontinenten Platz greifen würde. Nicht Waffen, Aufrüstung und Krieg entsprechen dem europäischen Traum, sondern Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Solidarität und friedliches Zusammenleben vieler Völker und Nationen seit 70 Jahren! Dies alles entstand aus der blutigen Erfahrung von zwei Weltkriegen und 65 Millionen Toten. Der australische Historiker Christopher M. Clark sieht im europäischen Modell „einen Akt transnationalen politischen Willens, der zu den größten Errungenschaften der Geschichte der Menschheit gehört“. Am Beginn dieser Entwicklung standen sich die jahrhundertelangen Todfeinde Deutschland und Frankreich gegenüber und reichten sich die Hand zum Frieden. Persönlichkeiten wie Schumann, De Gaulle, Adenauer ermöglichten diesen Traum, der Europa Frieden und noch nie da gewesenen Wohlstand brachte. 
Heute stehen wir an einem Wendepunkt: Stirbt der europäische Traum? Gibt es eine Renaissance der Grenzen, Kleingeister und Nationalkaiser, welche die europäische Idee dem Nationalismus opfern? Fast scheint es so. 
Oder setzen sich doch jene durch, die an die große Idee eines geeinten Europas als Vorbild und eines Friedensstifters in der Welt glauben und daran arbeiten. Was würde es für unsere Erde bedeuten, wenn es in Afrika, Südamerika oder Asien ein ähnliches Modell gäbe? Das wäre vielleicht der ultimative Menschheits-Traum!

Andreas Salcher
30.05.2019

Fauja Singh wurde als Sohn eines Bauern in...

Fauja Singh wurde als Sohn eines Bauern in Indien geboren. Bis zum Alter von 81 Jahren bewirtschaftete er in seiner Heimat einen Kleinbauernhof unter schwierigsten Bedingungen. Nach dem Tod seiner Frau zog er zu seinen Kindern nach Großbritannien. Dort begann er zu laufen und er trainierte täglich. Im Jahre 2000, im Alter von 89 Jahren, bestritt er dann seinen ersten Marathon in London. 
Ich habe aus dieser Geschichte zwei Dinge gelernt:
Erstens: Wenn man mich, bevor ich diese Geschichte gelesen habe, gefragt hätte, ob es möglich ist, mit 89 Jahren seinen ersten Marathon zu laufen, hätte ich ziemlich sicher mit „NEIN!“ geantwortet. Ich hätte meine wenigen Vorstellungen von Menschen im Alter von 89 Jahren hervorgeholt und festgestellt, dass das Bild eines 89-jährigen Marathonläufers nicht mit meiner Wirklichkeit übereinstimmt. Ich habe gelernt, mir immer wieder der Grenzen der eigenen konstruierten Wirklichkeit bewusst zu werden und zuzulassen, dass es darüber hinaus noch mehr geben kann.
Zweitens: Fauja Singh hat so sehr an sich und seine eigenen Fähigkeiten geglaubt, dass ihm etwas Außerordentliches gelungen ist. Ich habe gelernt, dass mit der richtigen Einstellung und dem Glauben an sich selbst fast jeder Mensch in der Lage ist, Außerordentliches zu leisten. 
Mein Thema ist die Digitalisierung. Ich erlebe immer wieder Menschen, die Angst vor den Auswirkungen der Digitalisierung haben. Digitalisierung ist die Zukunft, die Gegenwart und war auch schon die Vergangenheit. Mein Appell ist, die eigenen Ängste zu überwinden und den gedanklichen Spielraum so zu erweitern, dass die Chancen erkennbar werden. Mit dem starken Glauben an sich selbst kann man neue Fähigkeiten erwerben, die einen in die Zukunft tragen können.

Julia Weger
06.05.2019

Feiern oder tagen und dabei die Umwelt schonen...

Feiern oder tagen und dabei die Umwelt schonen: Ist das nicht ein Widerspruch? Veranstaltungen haben einen nicht unerheblichen ökologischen Fußabdruck. Doch mittlerweile gibt es vielfältige Möglichkeiten, um auch hier nachhaltig zu handeln.
Bei einer nachhaltig organisierten Veranstaltung setzt man sich bewusst mit den einzusetzenden Ressourcen auseinander. Neben Klima- und Umweltschutz sind vor allem die regionale Wertschöpfung und Sozialverträglichkeit Elemente, die es zu beachten gilt. Man verlässt dabei die Straße der Gewohnheit und begibt sich auf neue Wege. Dass dies nicht immer einfach ist, ist klar. Sich auf Neues einzulassen bedeutet zu Beginn meist einen Mehraufwand. Doch genau diese Auseinandersetzung bietet große Chancen für einen ganzheitlich nachhaltigen Erfolg der Veranstaltung – für die Menschen, die Umwelt und die regionale Wirtschaft. Denn die Praxis zeigt, dass „grüne“ Veranstaltungen meist von einer Qualitätssteigerung profitieren und in weiterer Folge zufriedene Gäste zu Umsatzsteigerungen führen können. Und das wiederum widerspricht dem größten Gegenargument, das nachhaltig organisierte Veranstaltungen per se viel zu teuer sind.
Doch was genau macht es aus? Gerne hier ein paar Beispiele. Saisonale Produkte, gepaart mit Kreativität, bringen unvergessliche Gerichte auf den Tisch, ansprechende Angebote zur An- und Abreise fallen positiv auf und ein durchdachter Entsorgungsplan beziehungsweise das bewusste Vermeiden von Abfällen sorgen dafür, dass überfüllte Müllcontainer, mit Plastikbechern verschmutzte Festwiesen und horrende Entsorgungskosten der Vergangenheit angehören. 
Nachhaltig feiern und tagen ist somit keineswegs ein Widerspruch, sondern eine perfekte Kombination, die sich lohnt.

Rudolf Sagmeister
06.05.2019

Quergedacht“ nennt sich diese Rubrik, ein...

Quergedacht“ nennt sich diese Rubrik, ein Querdenker war Edmund Kalb (1900-1952) zeitlebens. Ab Ende Mai ist nun im Leopold-Museum eine umfassende Werkschau zu sehen. Kalb zählt zu den faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk von über tausend Selbstbildnissen blieb der größeren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Von 1926 bis 1930 zwischen der Freiheit an der Kunstakademie München, der geistigen Enge seiner Heimatstadt Dornbirn und der Einsamkeit des Bergdorfs Ebnit pendelnd, entwickelte er sein zeichnerisches Können bis zur völligen Abstraktion. Kompromiss- und schonungslos arbeitete er, um alle Mittel der grafischen Darstellung auszuloten als „Konzeptkünstler“. Sein Ziel war, den Vorgang des Denkens selbst sichtbar zu machen und schlussendlich nur noch abstrakte „Energie“ auf das Papier zu bringen, um dann die bildende Kunst als reines Denken weiterzuführen. Zeitlebens verkaufte er kein Werk, dokumentierte aber fotografisch sein Schaffen und korrespondierte auf Esparento mit Künstlerkollegen weltweit. Mathematik, Mechanik, Wahrnehmungspsychologie, Atomphysik, Weltraumtechnik und Pflanzenzucht bestimmten ab 1930 sein Denken und prägten zuvor schon seine Selbstbildnisse. Hier finden sich Übereinstimmungen mit Künstlern der russischen Avantgarde. Mit Schiele verbindet ihn die Faszination am Selbstbildnis, die Kompromisslosigkeit und die Heftigkeit des Schaffens in kurzer Zeit. Seine Unnachgiebigkeit und Widerstand gegen jede falsche Autorität brachten ihm mehrere Monate Militärgefängnis in der NS-Zeit wegen Befehlsverweigerung und mehrere Monate Gefängnis mit verschärftem Kerker wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung in der Nachkriegszeit ein. Dies führte auch zu seinem frühen Tod 1952. Sein Schaffen wurde erst posthum entdeckt und gewürdigt. 

Clarissa Steurer
06.05.2019

Eltern, Tanten, Bruder – mit Unternehmern bin...

Eltern, Tanten, Bruder – mit Unternehmern bin ich aufgewachsen. Früh lernt man die Höhen und Tiefen kennen. Ich war neugierig und beeindruckt, was sie leisten. Bald war klar: Das will auch ich. Mein eigenes Unternehmen. An Ideen hat es nicht gemangelt, gezündet hat keine so wirklich, das hat mich oft enttäuscht. Aber um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, muss eine Idee schon Funken schlagen. Wenn man sich von hochgezogenen Augenbrauen abbringen lässt, stimmt etwas wohl noch nicht ganz. Skeptische Blicke sind auch bei dem Wunsch, Korkteppich zu entwickeln, nicht ausgeblieben. Für mich war es aber DIE Idee und die fragenden Gesichter waren mir plötzlich egal.
Viele wissen früh, was sie konkret machen möchten – ich musste mich erst auf eine Reise begeben. Eine lange Reise. Und ganz ehrlich: Ich hatte viele Jobs. Mit den Visitenkarten könnte ich ein kleines Büchlein füllen. Meistens waren sie spannend und wenn nicht: Dazugelernt habe ich immer.
Man muss aufmerksam bleiben, oft sind es die kleinen Dinge, die irgendwann wichtig werden. Sei es nur die Erkenntnis, wo die eigenen Schwächen liegen. Ich bin auch für die negativen Erfahrungen dankbar, denn gelegentliches Hinfallen bringt einen weiter, als „Everybody’s Darling“ zu sein. Mir war klar: Irgendwann werde ich meine eigene Idee umsetzen, nicht die der anderen. Konzerne und Start-ups finden sich auf meinem Weg ebenso wie die Medienwelt und Werbeagenturen. Was ich dabei vor allem gelernt habe? Alle kochen nur mit Wasser. Wenn du etwas machen willst, glaub daran. Wenn dir eine Idee fehlt, halt die Augen offen. Gute Einfälle kommen oft, wenn man nicht damit rechnet. Wie bei mir – am Abend auf der Couch beim Fernsehen. Denn bis dahin war Kork für mich auch nichts anderes als ein Flaschenverschluss.

Matthias Neustädter
06.05.2019

Was haben Barbara Kappl, Georg Mayer und Paul...

Was haben Barbara Kappl, Georg Mayer und Paul Rübig gemeinsam? Sie sind Abgeordnete im Europaparlament. Das wussten Sie nicht? Ich auch nicht. Wahrscheinlich macht das auch nichts. Am 26. Mai werden wieder Menschen gewählt, von denen wir nichts mehr hören werden. Aber dabei wäre es doch wichtig, dass wir erfahren, wie sie sich für uns einsetzen. 
Verhält es sich auf regionaler Ebene anders? Setzen sich die Landtagsabgeordneten für uns ein? Das hieße zuerst einmal: Hören sie uns wirklich zu? Und sagen Sie jetzt bloß nicht, die Bürger sind so politverdrossen, denen ist eh alles wurscht. Das stimmt nicht. Ich habe durch meine Arbeit viel mit den Menschen zu tun, sie sagen mir ihre Meinung. Natürlich gibt es Nörgler, aber gerade die wissen oft sehr gut Bescheid. Menschen sind allenfalls parteiverdrossen, aber sie sind interessiert und informiert.
Wir Radioleute haben einen wichtigen Grundsatz: Unterschätze niemals den Hörer. Diesen Rat gebe ich gerne an unsere Volksvertreter weiter: Unterschätze niemals deine Wähler. Hör ihnen zu, aktiv und interessiert: Was wollen die Menschen? Sie wollen Lösungen von Problemen, Antworten auf ihre Fragen und Sicherheit für die Zukunft. Ein gutes Beispiel ist die Problematik der Kälbertransporte. Da verstehen die Menschen in Vorarlberg keinen Spaß. Wer Tierleid verhindert, der gewinnt. Ehrliches, erkennbares Bemühen ist mehr wert als jedes Wahlplakat.
Bei den Landtagswahlen im Herbst bekommt die schwarz-grüne Landesregierung ihr Zeugnis. Haben Wallner, Rauch und Co. den Menschen zugehört und zumindest versucht, ihre Probleme zu lösen? Überteuerte Mieten, Migration, Grünzone und Bodenknappheit fallen mir als erstes ein. Leider ist zu befürchten, dass auch der Wahlkampf diese Fragen nicht beantworten wird.

Marion Reichart
05.04.2019

Tagtäglich werden wir mit Schreckensbildern...

Tagtäglich werden wir mit Schreckensbildern konfrontiert: Zugemüllte Strände, quadratkilometergroße Plastikteppiche im Meer, qualvoll verendete Meerestiere und Vögel – mittlerweile ist so ziemlich jedem klar, dass uns unser Konsumverhalten in eine brenzlige Lage gebracht hat. Drei Viertel des Abfalls, der in den Meeren treibt, besteht aus Plastik. Derzeit liegt die Jahresproduktionsmenge von Plastikverpackungen bei etwa 78 Millionen Tonnen und obwohl die Gefahr mittlerweile erkannt wurde, ist die Tendenz weiter steigend. Eine einfache Plastikflasche benötigt 450 Jahre, bis sie vollständig zersetzt sein wird, eine Plastiktüte etwas weniger. Experten gehen davon aus, dass der größte Teil des jemals produzierten Kunststoffs noch immer existiert. Auf seinem jahrhundertelangen Weg bis zur vollständigen Zersetzung zerfällt Plastik zu immer kleineren Partikeln, welche man sekundäres Mikroplastik nennt. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Die kleinen Teilchen werden von Meerestieren und Vögeln aufgenommen und stellen eine große Bedrohung für sämtliche marinen Ökosysteme und auch für uns Menschen dar, da sie über die Nahrungskette schließlich auf unseren Tellern landen. Forscher haben mittlerweile Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen gefunden. Ob und wie diese Plastikpartikel in unserem Körper wirken, kann niemand mit Gewissheit sagen. Nachdem China im letzten Jahr beschlossen hat, nicht länger die Müllkippe der Welt sein zu wollen – seit 1992 hat das Land etwa 45 Prozent des weltweiten, recycelbaren Kunststoffmülls aufgenommen –, werden wir in den kommenden Jahren umso mehr gefordert sein, die Plastikflut einzudämmen. Das Fazit muss in jedem Fall lauten: Wir müssen weniger Müll produzieren! Vermeiden, reduzieren und Unvermeidliches konsequent recyceln – jeder einzelne ist gefordert.

Elmar Zech
05.04.2019

Jeder von uns ist mit Situationen konfrontiert...

Jeder von uns ist mit Situationen konfrontiert, die er als bürokratisch empfindet. Wenn wir dem begegnen wollen, ist eine wichtige Voraussetzung, das Problem und die Verantwortlichkeit klarzustellen. Wer beispielsweise den Vorwurf erhebt, dass bei einem Betriebsanlagenverfahren zu viele Sachverständige beigezogen sind, ist eingeladen, das direkt der Behörde im konkreten Verfahren mitzuteilen. Der Kreis der Sachverständigen ist sorgfältig gewählt. Eine seriöse Behörde wird aber im Fall einer Beschwerde den gesetzlichen und inhaltlichen Spielraum neuerlich prüfen, die Auswahl begründen oder gegebenenfalls Änderungen vornehmen. 
Zu Recht kritisieren wir die Normenflut. Beispielsweise umfasst allein das Veterinärrecht 72 Gesetze oder Verordnungen. Die aktuelle Kodex-Ausgabe, die nur die Gesetzes- und Verordnungstexte ohne Kommentar enthält, weist 1072 Seiten auf. Hinzu kommen zahlreiche europäische Rechtsvorschriften, die teilweise unmittelbar anzuwenden sind.
Geregelt sind dabei nicht nur die „klassischen“ Themen des Veterinärrechts wie Tierhaltung, Tierschutz, Tiertransporte, Tierseuchenbekämpfung, Tierkennzeichnung und die Fleischuntersuchung. Komplexe Bestimmungen gelten auch für den Umgang mit tierischen Abfällen und regeln die Anforderungen für das internationale und innerstaatliche Inverkehrbringen von Samen, Eizellen und Embryonen. Die Gesetzesflut ist auch Ausdruck unserer komplexen Lebenssachverhalte.
Anregungen an den Gesetzgeber zur Vereinfachung oder Streichung von Normen sind für den Bürger sehr schwer umzusetzen. 
Einen gewissen Trost darf uns die Erkenntnis geben, dass gesetzliche Regelungen der notwendige Preis dafür sind, unser hohes Gut der Rechtsstaatlichkeit sicherzustellen.

Ingrid Böhler
05.04.2019

Als im Februar in den Medien zu lesen war,...

Als im Februar in den Medien zu lesen war, dass die Ländle-SPÖ dafür eintritt, Vorarlberg zum Universitätsstandort aufzuwerten, rief dies bei jenen, die mit der jüngeren Geschichte der hiesigen Bildungspolitik vertraut sind, wohl Erinnerungen an frühere Vorstöße wach. Schon in den 1970ern initiierte die SPÖ eine intensive Debatte über die Gründung von Hochschuleinrichtungen. Dass bis auf das Studienzentrum Bregenz, das sehr zum Missfallen der Landesregierung als „Vorposten“ der Fernuni Hagen 1981 seine Türen öffnete, nichts aus dem Plan wurde, universitäre Ausbildungsstätten in Vorarlberg zu etablieren, lag vor allem am Widerstand der ÖVP.
Bekanntermaßen wiederholt sich die Geschichte nicht. Heute argumentiert die SPÖ anders als damals. Sie fordert die Ergänzung der regionalen Bildungslandschaft um ein universitäres Angebot, damit junge dynamische Menschen, die das wirtschaftsstarke Vorarlberg in Zeiten rapiden Wandels benötigt, nicht abwandern. In den 1970ern ging es auch um das Dableiben, aber nicht um das Dableiben-Sollen, sondern das Dableiben-Müssen. Für Jugendliche aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten, für die das kostspielige Studium außerhalb des Landes nicht infrage kam, sollten Möglichkeiten vor Ort geschaffen werden. Dass die Chancengleichheit – damals ein zentraler Bezugspunkt der SPÖ-Konzepte für den Hochschulausbau – nicht mehr ins Treffen geführt wird, liegt nicht zuletzt an einer veränderten Ausgangslage. Seit den 1990ern können an der FHV in Dornbirn und seit 2007 an der PHV in Feldkirch akademische Abschlüsse erworben werden. Da die heutige Konkurrenz- und Ellenbogen-Gesellschaft auch den tertiären Bildungssektor der Kommerzialisierung aussetzt, ist das Thema Chancengleichheit aber weiterhin nicht vom Tisch.

Beate Fetz
05.04.2019

Seit fünf Jahren müssen am Gymnasium Schoren...

Seit fünf Jahren müssen am Gymnasium Schoren Schülerinnen und Schüler in Container ausquartiert werden. Für 36 Klassen stehen 28 Räume zur Verfügung. Der laufende Schulbetrieb kann nur durch etliche Wander- und vier Containerklassen mühevoll aufrechterhalten werden. Die Schule platzt aus allen Nähten, es mangelt an Computerarbeitsplätzen und sie bietet kein räumliches Potenzial für moderne Pädagogik, digitale Unterrichts- oder Prüfungsformen oder Ganztagesmodelle. Man hangelt sich von einem Provisorium zum anderen. Trauriges Detail am Rande: Vorarlberg weist eine extrem hohe Dichte an Containerklassen an Bundesschulen auf.
Etliche Bildungsministerinnen und -minister kamen und gingen, Landesrätinnen und -räte für Bildung ebenso. Die Jahre vergingen. Ich frage jetzt nicht, warum der Bund so lange nicht reagiert hat. Auch nicht, warum die Verantwortlichen im Land sich erst jetzt in aller Deutlichkeit und öffentlich für eine Aufstockung aussprechen, seit wir Eltern fast 800 Unterschriften gesammelt, dem Minister übergeben und medial Druck gemacht haben. Im Gegenteil, es freut mich, dass die Interessen der Schulen jetzt auch im Ministerium verstanden wurden und Bewegung in die Thematik gekommen ist. 
Die bisher diskutierte Clusterschule mit dem Sportgymnasium Dornbirn wird es aus diversen Gründen nicht geben. Deshalb wird unsere jahrelange Forderung nach einer Aufstockung erneut laut. Die Alternative wäre schmerzhaft: Weniger Schülerinnen und Schüler im Gymnasium Schoren. Konkret: Ab September 2019 könnten dann nur mehr drei erste Klassen aufgenommen werden. 
Unser Gymnasium ist eine einzigartige Schule, die sich über Jahre sehr erfolgreich entwickelt hat. Wir Eltern hoffen auf die einzig vernünftige und alternativ­lose Lösung: Eine Aufstockung und Erweiterung am Schoren!​

Daniela Egger
01.03.2019

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter...

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter Mensch mit innovativen Ideen, Sie sind eine der Zugkräfte für die Weiterentwicklung Ihres Bereichs. Das bedeutet, Sie starten Projekte, die manchmal nicht gleich vom Fleck kommen, die aber ein großes Potential besitzen. Sie wollen, dass Ihr Unternehmen zu den Gewinnern gehört und Sie sind selbst eine oder einer davon.

Neuerdings hat aber die Regierung Ihres Landes beschlossen, sich in die Unternehmenspolitik einzumischen und Ziffernnoten statt Mitarbeitergespräche anzuordnen. Sie erhalten also kurz vor Ihrem Sommerurlaub ein Zeugnis mit Noten anstatt des jährlichen Gesprächs. Diese Ziffer beschäftigt Sie, während Sie am Strand liegen. Sie haben hart gearbeitet und viel geleistet, fast alles ist gelungen, manches nicht – und Sie wissen sehr genau, warum eines der Projekte nicht funktioniert hat. Im Jahr davor haben Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten darüber ausgetauscht, welche Maßnahmen man allgemein ergreifen könnte, Sie haben von ihm gehört, dass er Ihre Anstrengung gesehen hat und dass er Ihren Wert kennt.

Diesmal haben Sie eine DREI erhalten, kein Gespräch. Ihr Vorgesetzter wird demnächst in Pension gehen, sein Nachfolger wird sich die Unterlagen ansehen und die DREI zur Kenntnis nehmen. Sie wissen gleichzeitig, dass der Kollege nebenan, der nie im Leben etwas Innovatives entwickeln wird, eine EINS bekam. Er hat ja auch nichts riskiert. Der Nachfolger ihres Vorgesetzten wird die beiden Noten vergleichen, und Ihr Sommer­urlaub wird immer mehr zu einem Strategieworkshop. Sie werden eventuell auf der Strandliege beschließen, im nächsten Jahr lieber kein Risiko mehr einzugehen und es Ihrem Kollegen gleichzutun – schließlich möchten Sie Ihren Job behalten. Vorerst.

www.prim-online.at

Johann Punzenberger
01.03.2019

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“...

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“ oder billiger Schuldenablass sein soll, braucht es zwei gesicherte Wirkungen: Einerseits gilt es, eine Dynamik im Aufbau einer regionalen CO2-neutralen Wirtschaft zu sichern, andererseits ist der Druck für die politischen Rahmenbedingungen zum Ausstieg aus der atomaren/fossilen Energieversorgung zu stärken. Der KlimaCent der AEEV kombiniert beide Anliegen.

Freiwillige Ersatzzahlungen für selbst verursachte CO2-Emissionen sind derzeit in Mode, fallen jedoch unter die Kategorie „greenwashing“: Mit teilweise lächerlichen Geldbeträgen wird der Eindruck vermittelt, dass man alle „Hausaufgaben“ erfüllt habe. Über Zertifikate mit verschiedenen „Qualitätssiegeln“ werden Zahlungen für teilweise fragwürdige Projekte im Ausland geleistet, anstatt die Energiewende vor Ort zu beschleunigen.

Die Plattform KlimaCent geht einen wirkungsvolleren Weg: regional, innovativ und ehrlich. Es gilt, vorrangig die wirtschaftliche Grundlage für regionale Klimaschutzprojekte zu verbessern – und gleichzeitig eine politische Getragenheit für die Beseitigung der Marktverzerrungen zu schaffen: Denn noch immer werden Atomkraftwerke ohne Haftpflichtversicherung betrieben – und noch immer werden 50-mal mehr öffentliche Steuergelder für Öl/Gas/Kohle ausgeschüttet als für die Förderung von erneuerbarer Energie. Wenn die Innovationskraft und die Dynamik der Wirtschaft für den Klimaschutz aktiviert werden soll, dann brauchten wir nur eines: echte und große Schritte zur Kostenwahrheit. Wir brauchen keine Förderprogramme, sondern einen fairen Wettbewerb. Der Markt schafft ganz von alleine das effektivste und effizienteste Energiesystem. Dann wird die Eigenversorgung mit regionaler erneuerbarer Energie der logische und kostengünstige Selbstläufer.

www.klimacent.at

Ulrike Willam–Kinz
01.03.2019

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das...

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das Betrachten. Das nah Hingehen und Hinunterbeugen zu dem Text in wuzikleiner Schrift, der mir sagt, wer das Bild gemalt hat und wie es heißt. Die 1A-Brille hilft da leider auch nicht. Schaue ich mich im Raum um, stelle ich fest, dass auch andere Museumsbesucher vor den Texten in die Knie gehen und mit der Nase fast daran anstoßen. Vor allem jene, die halt nicht mehr ganz so jung sind. 

Mir ist klar, dass Ausstellungsgestaltende um Ästhetik bemüht sind. Kleine Texte oder Schildchen, rechts oder links unten neben dem Bild wirken elegant. Aber muss die Schrift so klein sein, muss der Text so platziert sein, dass sich das Auge mit dem Fokussieren schwer tut? An einer Führung teilzunehmen geht sich nicht immer aus. Man könnte sich auch alles erzählen lassen, vom Audioguide oder von der Museums-App. Ungern. Viel netter ist es doch, sich mit seiner Begleitung beim Anschauen der Exponate auszutauschen. Leise, versteht sich.
Es ist einfach so, mit 50+ lassen Sehkraft und Sehschärfe nach. Das trifft nahezu alle Menschen, auf der ganzen Welt, sagt der Augenarzt. Auch die beste Brille kann das nicht mehr ausgleichen. Leider hat sich dieses Faktum bei vielen Ausstellungsgestaltenden noch nicht herumgesprochen. Bei einigen Zeitungs- und Magazinmachenden übrigens auch nicht. 

Egal? Nein! Wir 50+ sind die Baby­Boomer-Generation. Wir sind ganz viele. Viele von uns sind reisefreudig, kulturinteressiert. Einige von uns gehen bald in Pension oder sind es schon. Dann haben wir noch mehr Zeit, zum Beispiel für Museumsbesuche. Also bitte, werte Ausstellungsgestaltende: Denkt an uns, brieft eure Grafiker. Mit größeren, auf Sichthöhe angebrachten Bildbeschriftungen erleichtert ihr uns den Kunstgenuss ungemein!

Bettina Steindl
01.03.2019

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht...

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht, Frau Steindl.“ Diesen Satz habe ich im letzten Jahr ständig gehört. Ich bin anderer Meinung. Ich denke anders über das Haben nach, über das Können und das Wollen. Ich finde, der einzelne Mensch und die Gesellschaft sollten sich noch viel mehr mit Kunst und Kultur auseinandersetzen. Dabei geht es uns im Bewerbungsprozess vor allem um die Alltagskulturen. Die Kultur des miteinander Lebens, Arbeitens, Redens und Seins zum Beispiel. Eine Kultur der Wissensvermittlung zwischen den Generationen, die offen mit Themen wie Integration, Migration, Diversität und Nachhaltigkeit umgeht.

Gestern wurde mir die Frage gestellt, wann ich in meinem Beruf diesen ganz besonderen Glücks- und Zufriedenheitsmoment erlebe. Immer dann, wenn ich umsetzen kann, was ich während meines Wirtschaftsstudiums als USP meiner selbst definiert habe: Ich erkenne und spüre den Sinn von Kunst und Kultur deutlich und kann ihn für andere übersetzen. Die positiven Kennzahlen, die Kulturwirtschaft für Städte, Regionen, Länder, Institutionen, Vereine und letztlich jeder und jedem Einzelnen bringen, sind wissenschaftlich erhoben. Sie belegen, was wir im Rahmen unserer Bewerbung behaupten: Kunst und Kultur sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, wenn es darum geht, Lebensraum zu schaffen, Zukunft zu gestalten, einen Standort zu positionieren und letztlich auf der großen Bühne Europas eine Rolle zu spielen. Deshalb und aus vielen weiteren Gründen stehe ich mit voller Überzeugung, mit Tatendrang und Mut persönlich und als Professionalistin hinter der Bewerbung von Dornbirn plus Feldkirch, Hohenems und dem Bregenzerwald als Kulturhauptstadt Europas 2024: Begehen wir gemeinsam einen „Outburst of Courage“! Zeigen wir Europa, dass wir unsere Zukunft aktiv gestalten – über und mit den Mitteln der Kunst! Europa, wir kommen!

Manfred Hämmerle
04.02.2019

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der...

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der HAK Bregenz, erhielt kürzlich von der Nationalbank 1000 Euro, weil sie fleißig, zielstrebig und sozial engagiert ist. Eine Lehrperson aus der Mittelschule Lochau empfahl ihr damals, die Handels­akademie zu besuchen. Darüber ist sie froh, denn sie hätte sich das nicht zugetraut.

Jetzt beginnt wieder die Anmeldezeit für weiterführende Schulen. Insbesondere für Eltern, deren Kinder die vierte Klasse Volksschule besuchen, ist diese Zeit mit einem gewissen Stress verbunden. „Wird es mein Kind ins Gymnasium schaffen?“, ist die Frage. Dabei zeigen die Daten der Berufsbildenden Schulen, dass diese Frage überschätzt wird. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen sind wie Samra: Sie bewähren sich in unseren Schulen und sie haben – bei entsprechenden Noten – die Möglichkeit, in alle Oberstufenformen Vorarlbergs zu wechseln. Man kann also die Zehnjährigen mit gutem Gewissen in ihrer bewährten Umgebung eine gute Mittelschule besuchen lassen. Es ist wichtig für diese Schulen, dass sie Zugpferde in der Klasse haben. Die Politik hat die Verantwortung, die Mittelschulen zu stärken und nicht durch zusätzliche Angebote weitere Konkurrenz zu schaffen.

Übrigens: Samras Vater ist aus Bosnien zugezogen. Er arbeitet seit vielen Jahren in einem Vorarlberger Industriebetrieb. Man darf zusätzlich noch von einer gelungenen Integrationsgeschichte erzählen und außerdem berichten, dass viele junge Menschen mit Migrationshintergrund den Weg Neue Mittelschule und dann BHS wählen. Und das ist gut so, weil Samra und alle anderen einen Beruf erlernen und zusätzlich eine höhere Bildung erhalten. Durch die neue Reife- und Diplomprüfung ist die Vergleichbarkeit mit Absolventinnen und Absolventen der AHS garantiert.

Marion Kaufer
04.02.2019

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt...

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt umfassend die Mechanismen der digitalen Transformation sowie geplante Strategien und Ziele auf. Gesellschaft und Wirtschaft gilt es auf den Medienwandel, disruptive Technologien und anstehende Änderungen vorzubereiten. Ich sehe in dem Strategiepapier an vielen Stellen die ausdrücklichen Kompetenzen von Bibliotheken angesprochen – lese das Wort aber nicht ein einziges Mal.

Bibliotheken traf und trifft der Medienwandel unmittelbar und allumfassend. Die hybride Bibliothek fasst digitale und analoge Angebote unter einem virtuellen wie physischen Dach zusammen. Datenverarbeitung und -aufbereitung sind wesentliche Fertigkeiten von Bibliotheken. Es ist das ureigenste Aufgabengebiet von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, sich der Sammlung, Strukturierung, Hierarchisierung, Präzisierung und Auswertung von Daten zu widmen. Bibliotheken leisteten bereits seit Anfang der 1980er-Jahre beispielsweise mit ersten Datenbankabfragen Pionierarbeit im Bereich der Digitalisierung.

Allerdings erscheinen Bibliotheken als Nachzügler in puncto Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit an AHS ist die Vorarlberger Landesbibliothek beispielsweise im Lehrplan verankert – offensichtlich aber nicht in den Köpfen. In meinen Augen kann eine Digitalisierungsoffensive nur dann gelingen, wenn sie alle Ressourcen im Lande fördert und fordert. Gerade Bibliotheken können zur Verbesserung der Medienkompetenz, zum Umgang und zur Bewertung digitaler Informationen, zur Befähigung einer Übersicht, Filterung und Strukturierung der Datenflut beitragen. Insofern sollte die Digitalisierungsoffensive auch zu einer Bibliotheksoffensive werden – die Kompetenzen von Bibliotheken nutzend und ihre Infrastruktur fördernd.

Armin Paul
04.02.2019

Macht Besitz glücklich oder ist es eine...

Macht Besitz glücklich oder ist es eine Illusion? Die Frage nach dem Verhältnis zu Konsum und Besitz ist in unserer Wohlstandsgesellschaft nach wie vor aktuell. Laut Medienberichten können sich immer mehr Menschen viel mehr leisten, sie werden aber dadurch nicht zufriedener. Im Gegenteil: Seelische Erkrankungen werden unter anderem auf übermäßigen Konsum zurückgeführt. Fordert die Erfüllung unserer materiellen Wünsche ihren Tribut? Auf das soeben gestillte Bedürfnis folgt der nächste Wunsch. Unweigerlich setzt sich eine Spirale nach immer mehr und mehr in Gang. Übrig bleibt oft nur eine Leere.

Als Kind konnte ich mit dem Märchen „Hans im Glück“ der Brüder Grimm nichts anfangen. Für mich war Hans ein Tölpel, der sich von jedem über den Tisch ziehen lässt. Dabei musste Hans doch recht klug gewesen sein – hätte ihn sein Herr sonst so reichlich mit einem großen Goldstück belohnt? Hans tauschte bis ans Ende der Geschichte jeden Gegenstand gegen einen wertminderen, bis er nur noch zwei Steine hatte, die er scheinbar durch Ungeschicklichkeit verlor. Danach fühlte er sich glücklich und befreit, als er zu seiner Mutter nach Hause heimkehrte.
Heute sehe ich Hans anders. Er erkennt, dass Besitz allein nicht glücklich macht. Vor lauter kaufen verliert sich der Blick auf das Wesentliche: Familie, Freunde, Freiräume. Hans spürte, dass wenig Besitz und Bedürfnisreduktion auch Wohlempfinden verursachen können.

Gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft fällt uns Verzichten, einen Wunsch aufgeben, vielleicht besonders schwer. Wenn wir lernen, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu kontrollieren, kann diese Befreiung auch bei uns Glücksgefühle auslösen. Denn gute Gefühle lassen sich nicht „erkaufen“, indem wir was bekommen, sondern durch die Zuwendung zu anderen Menschen.

Manfred Tschaikner
04.02.2019

Keine Sorge, ich schreibe nicht wieder gegen...

Keine Sorge, ich schreibe nicht wieder gegen die Verbrennungen von Hexen auf den Funken, obwohl man sie in Kürze auch heuer auf gewohnt pietät- und geschmacklose Weise zelebrieren wird. Nein, hier soll vielmehr erklärt werden, wie der bedeutendste Vorarlberger Brauch eigentlich zu seinem Namen kam, denn laut Duden sind Funken erstens glühende Teilchen, die bei der Verbrennung durch die Luft fliegen, und zweitens Figuren beim Kölner Karneval. Kein Wunder also, dass man in weiten Teilen des deutschen Sprachraums nicht einmal versteht, was in Vorarlberg Funken sind.

Hierzulande bezog sich dieser Begriff ursprünglich auf die Fackeln. Dem Funkenbrennen als einem Fackelschwingen kam in der Fasnacht bis ins 19. Jahrhundert hohe Bedeutung zu. Das wilde Treiben mit dem bewegten Feuer passt gut zur ersten Wortbedeutung, die der Duden anführt. Es blieb allerdings nicht bei diesem Wortsinn, denn im Laufe der Zeit setzte sich der Begriff „Fackel“ durch.
Zuvor aber bezeichnete man in Vorarl­berg auch die militärischen Kreifeuer als „Funken“, da sie einer übergroßen Fackel glichen. Damit konnte durch Lichtsignale über weite Strecken hinweg vor drohender Feindesgefahr gewarnt werden, indem man von Burg zu Burg oder von Anhöhe zu Anhöhe „funkte“, wie die Informationsübertragung damals genannt wurde. 

Als dieses Alarmierungssystem seine Bedeutung verloren hatte, ging die Bezeichnung „Funken“ im 18. Jahrhundert schließlich auch auf die – den Kreifeuern ähnlich sehenden – Fasnachtsfeuer über, denn sie bestanden ursprünglich nicht aus hohen Holztürmen, sondern stets aus dürren Bäumen mit beigegebenem Brennmaterial. Außerdem brannten sie im Gefolge einer Kalenderreform gar nicht mehr in der Fasnacht, sondern zum Missfallen der Kirche am ersten Sonntag in der Fastenzeit. 

Benno Elbs
29.11.2018

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment....

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment. Alles, was man dafür braucht, ist eine Straße. Dort stelle man sich an den Gehsteig und beobachte. Fünf Minuten lang. Rasant und zügig sind die meisten unterwegs. Sie müssen irgendwo hin. Sie haben ein Ziel. Ernst wirken sie. Andere telefonieren gerade. Hektisch wird eine Fußgängerin über den Zebrastreifen gewinkt. Dann ist die kleine Feldstudie auch schon wieder vorbei. Was fällt auf? Das Tempo ist schneller geworden, der Ton schärfer und das Rücksichtnehmen auf den oder die andere/n ist eine schöne Tugend, die aber oft auf der Strecke geblieben ist. 

Ich bin kein Pessimist, was unsere Zeit und unsere Gesellschaft betrifft. Und doch frage ich mich, was es denn heute wohl ist, das diese Welt im Innersten noch zusammenhält. Was macht das Zusammenleben denn wirklich aus? Ganz egal, welche Schleife ich dann in meine Gedankengänge auch einlege, immer wieder stoße ich auf ein und dasselbe Prinzip: Empathie, das Sich-Kümmern, das „Mir ist nicht egal, wie es den anderen geht“. 

Das klingt heute, wo Selbstoptimierung und Ich-Marketing die beherrschenden Begriffe sind, vielleicht altbacken. Wie viel leichter sagt es sich da, dass jeder nur an sich denken muss, damit an alle gedacht ist. Und wie viel schneller erleidet man damit Schiffbruch. Das Ganze ist immer mehr als die Summe der einzelnen Teile. Egal, welchen Namen man dem Kind auch gibt: Die einen nennen es Solidarität, die anderen Rücksichtnahme, ich nenne es Nächstenliebe. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Und eines kommt für mich noch dazu: Gott, der größer ist als unsere kleine Welt und unsere Augen öffnet für die Not anderer. 

Deshalb: Rufen wir in unseren „Ich AGs“ doch einfach einmal Betriebsurlaub aus. Ich bin gespannt, was dann passiert.

Robert Merz
29.11.2018

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben...

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben Internet. Das ist toll. Mein Kühlschrank schreibt mir täglich eine E-Mail und erzählt, was in meinem Haus so los ist. Und er mined Bitcoins, kühlen tut er nicht mehr. Mein Rasenroboter postet Fotos auf Facebook, wie er mit der Katze des Nachbarn spielt. Das macht er, um den Staubsauger meines besten Freundes zu ärgern. Dessen Katze ist schon zu alt und spielt nicht mehr so gerne. Meine Waschmaschine hat dies geliked. Die hat einen Blog und ist Influencerin für Waschmittel und Weichspüler. Neulich hat mein Kühlschrank versucht, mich dringend zu erreichen, ich war verhindert. Mein neuer Roboter hat dann mit ihm geskyped und mir in Gestensprache erklärt, was der Kühlschrank wollte. Eigentlich spricht der Roboter Java, damit er hoch komplexe Aufgaben lösen kann. Das versteh ich nicht, da muss ich erst ein Informatikstudium und eine vierwöchige Einschulung machen. Bis dahin kommunizieren der Roboter und ich mit einfacheren Mitteln. Oder vielleicht kaufe ich eine Kaffeemaschine, die sich mit ihm beschäftigen kann. Jedenfalls bekommt mein Kühlschrank jetzt zu wenig Strom, seit mein Elektroauto das Autopiloten-Upgrade bestellt, sich selbstständig gemacht und einen Exklusivvertrag mit der Photovoltaikanlage abgeschlossen hat. Mein Auto ist jetzt Taxiunternehmer. Mit eigener Steuernummer. Auch wenn keiner mehr am Steuer sitzt. Ich hoffe, dass mein Auto bald die ganze Familie ernähren wird. Mein Reisepass ist jetzt auch online und chattet mit seinen Kollegen. Ich habe gleich alle personenbezogenen Daten geschwärzt, verpixelt und verschlüsselt. Einfach nur aus Vorsicht. Nur damit nix passieren kann. Ich will ja keine Probleme mit der Datenschutzbehörde bekommen. Willkommen in einer schönen, neuen Welt.

Dr. Frieda Wisch & Weg
29.11.2018

Die CliniClowns sind rezeptfrei, haben nur...

Die CliniClowns sind rezeptfrei, haben nur positive Nebenwirkungen und verschreiben nur eines: Lachtherapie. So schöpfen die kranken Patienten neue Lebenskraft und für einige Zeit treten Schmerzen, Angst, Trauer und Verzweiflung in den Hintergrund.

Lachen ist Leben und bedeutet Hoffnung!

Es gibt kein Patentrezept, bei jedem Patienten ist es etwas anderes, das ihn aufheitert und ihn eine Zeit lang aus der Eintönigkeit des Wartens und aus der Welt der Schmerzen heraus zaubert. In eine fröhlich bunte Welt, wo er wieder gesund ist. Und auch wenn die Clowns weg sind, lächelt er noch und schöpft neue Kraft, seiner Krankheit den Kampf anzusagen. Eine Woche später stehen die CliniClowns mit neuen Geschichten, Tricks und einem Lächeln vor der Türe.

Lachen ist die beste Medizin

Das Phänomen Lachen bewirkt im menschlichen Körper wahre Wunder. Während wir lachen, bildet unser Körper glücksbringende Endorphine und jede Minute schallendes Gelächter ersetzt 45 Minuten Entspannungstraining!

Denn Lachen …
… nimmt die Angst und vertreibt den … Schmerz
… stärkt das Immunsystem
… fördert entspannendes Atmen
… setzt heilende Kräfte frei
… schafft Freu(n)de
… beschleunigt den Genesungsprozess
… gibt neuen Lebensmut
… und steigert so die Lebensqualität.

Durch eine sorgfältige Erstausbildung und kontinuierliche Trainingsprogramme sichern wir unsere wichtigsten Fähigkeiten: Neugier, Menschenliebe, Feingefühl, Beobachtungsgabe, Improvisationstalent. 

Thomas Klagian
29.11.2018

Ich lese für mein Leben gern und bin ein...

Ich lese für mein Leben gern und bin ein Vielleser schon von Berufs wegen. Am liebsten würde ich den ganzen Tag Fachliteratur wälzen und in meinem Archiv mit ledergebundenen Folianten und uralten Pergamenten hantieren, um vergessene Geschehnisse aus ferner Vergangenheit ans Tageslicht zu ziehen. Der Berufsalltag sieht freilich zumeist anders aus, aber das ist eine andere Geschichte.
In der Freizeit fröne ich meiner Leidenschaft, wann immer es geht. Ich lese quer durch die Literaturgenres, Romane, Erzählungen, Novellen, Gedichte, Balladen, Memoiren, Thriller, Krimis, historische Fachliteratur sowieso, aber auch andere über Astronomie, Physik und Paläontologie. Und ich lese Comics: Asterix, Lucky Luke, und Isnogud sind meine erklärten Favoriten. Und, ich gesteh’s, ich lese Walt Disneys „Lustige Taschenbücher“. Jedoch nur die frühen Bände, als Dagobert noch ein griesgrämiger Geizkragen sein durfte und Donald ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Donald und sein knallrotes Cabrio mit der Autonummer 313 sind eine Reminiszenz an meine Kindheit. Zum begeisterten Leser gemacht hat mich Karl May mit seinen beiden Alter Egos Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Karl May habe ich bis tief in die Nacht verschlungen, verbotenerweise, wie es sich gehört. Verboten wegen der nächtlichen Stunde, nicht wegen des Inhalts. Später folgte Stefan Zweig, von dem ich alles gelesen habe und der mich in die Weltliteratur eingeführt hat.
In meiner kleinen Bibliothek hat jedes Buch seinen Platz. Meine Bücher sind geordnet nach einem Prinzip, das vor allem ästhetischen Kriterien folgt und sich nur mir erschließt. Oft lasse ich meinen Blick über die Buchrücken streifen, und schon werden die Inhalte wieder lebendig. Wie gesagt: Ich lese für mein Leben gern.

Isabella Pipal
01.11.2018

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich...

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich bisher durchwegs positive Erfahrungen gemacht, Menschen unterschiedlicher Kulturen sind mir stets offen und herzlich begegnet. Ich bin fest der Überzeugung, dass meine Aufgeschlossenheit und mein grundsätzliches Vertrauen in das Positive in jedem Menschen wesentlich dazu beigetragen haben.

Oft erlebe ich, dass Menschen dazu neigen, rasche Urteile zu fällen, sie kategorisieren, beurteilen, und machen es dem Gegenüber schwer, der Schublade, der man zugeteilt wurde, wieder zu entschlüpfen. Dabei wird doch insbesondere in Mitteleuropa großer Wert auf individuelle Entfaltung gelegt. In meinem Beruf als Juristin ist es notwendig, jeden Fall einzeln zu beurteilen. Diesen Ansatz sollten wir auch im alltäglichen Leben verfolgen.

Die Akzeptanz, die man sich für sich selbst wünscht, sollte auch den Mitmenschen entgegengebracht werden. Wir wissen nicht, welche Erfahrungen unsere Mitmenschen zu deren Anschauungen oder Handlungen gebracht haben, und wollen selbst auch nicht in jeder Lebenslage einem Urteil unterzogen werden. 

Angst und Neid sind schlechte Ratgeber, ich bin der Meinung, dass negative Erlebnisse oft das Resultat aus einer negativen Erwartungshaltung sind. Gegenseitige Achtung und das Vertrauen darauf, dass mein Gegenüber „es gut mit mir meint“, können uns helfen, die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen. Dazu gehört auch, jeder Person eine Chance zu geben und sie nicht aufgrund ihres Kleidungsstils, ihrer Herkunft oder ihrer Kulturzugehörigkeit vorschnell in eine Schublade zu stecken. Schließlich vertrat schon Immanuel Kant die Meinung: „Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.“

Josef Burtscher
01.11.2018

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche...

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche Strecke) öfter tanken. Wer öfter tankt, produziert mehr CO2, und zwar direkt proportional mehr. Inklusive Energieaufwand für die Herstellung entstehen bei Diesel pro Liter 3,08 Kilogramm CO2, bei Benzin 2,73. Für die Stickoxide gilt diese lineare Abhängigkeit nicht, denn sie steigen aufgrund der höheren thermischen Belastung beim Kolbenmotor mit zunehmender Leistung überproportional an. Somit können die CO2-Emissionen an der Tankuhr „beobachtet“ werden, die des NOx-Ausstoßes jedoch nicht.

Als leidenschaftlicher Energieoptimierer ist „100 oder 130?“ für mich nicht nur keine Frage, sondern eine Herausforderung: Mit wie wenig Gas (ich fahre Erdgas beziehungsweise Biomethan) schaffe ich die Strecke Hard nach Stallehr (58 Kilometer)? Ich brauche für die Strecke (mit 130 km/h, dort wo es erlaubt ist) 33 Minuten, mit Tempo 100 anstatt 130 exakt fünf Minuten mehr, also 38 Minuten, oder eben 15 Prozent länger. Effekt: eine Sprit- und somit CO2-Einsparung von 20 Prozent. Oder umgekehrt: Würde ich 130 statt 100 fahren, ergäbe das bei mir einen Mehrverbrauch von 25 Prozent und damit auch 25 Prozent CO2-Mehrausstoß bei fünf Prozent kürzerer Fahrzeit. Übrigens: Die fünf Minuten gelten auch, wenn ich von Hohenweiler auf die Bielerhöhe fahre! 

Selbstredend ergeben sich weitere Vorteile bei Tempo 100: Der Abstand zum vorderen Auto vergrößert sich (weil alle schneller fahren), das Einfahren in den Fließverkehr ist leichter und sicherer, die Fahrt ist für mich entspannter, ich steige erholter aus, oft komme ich ohne Verlangsamung und ohne Beschleunigung von Lauterach bis Bings. Abgesehen davon: Rund ein Fünftel meiner Stallehr-Fahrten lege ich mit Zug und Rad zurück. Diese Fahrt dauert exakt 67 Minuten von Tür zu Tür – für meine Gesundheit und die Umwelt die beste Variante.

Katharina Leissing
01.11.2018

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So...

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So wird es jedenfalls oft verkauft und tatsächlich ist das kulturelle Geschehen hier im Land vergleichbar mit jenem einer Großstadt. Angebote gibt es zahlreiche – vom freien Theater, zeitgenössischen Zirkus über Tanz und Figurentheater, Poetry Slams, bis hin zum Angebot der großen Häuser und Museen.

Damit Kunst und Kultur nicht nur von einer, nennen wir sie mal (kulturellen) Elite konsumiert wird, dafür sorgen vor allem die Kulturinitiativen, die sich unermüdlich darum bemühen, jeder und jedem die Welt der Kunst und Kultur zu eröffnen. Es sind diese Initiativen, die Partizipation auch von sogenannten Randgruppen ermöglichen. Die anders als so manche Politikerinnen und Politiker stets daran arbeiten, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten, anstatt einen Keil in die Mitte zu treiben. Damit erweisen sie uns einen großen Dienst, der oft viel zu wenig Anerkennung erfährt. Von finanziellen Mitteln ganz zu schweigen. Prekariat ist in der Kultur Alltag. Und das ist keine Frage von Sparzwängen, es ist keine Budget-, es ist lediglich eine Verteilungsfrage. Unser neoliberales System hat diese klar für sich beantwortet. Es wird eher bei Sozialem, Bildung und Kultur gespart, als etwa leistungsfreies Einkommen wie Erbe zu besteuern. Dass sich dies unter der aktuellen Bundesregierung nicht zum Besseren wenden wird, lässt sich erahnen. Umso wichtiger sind und werden in den kommenden Jahren starke Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und jenen Initiativen und Häusern, die sich um die kulturelle Grundversorgung kümmern. Die Sache ist: Das wissen wir alles schon längst.

Zeigen wir endlich Solidarität und investieren in eine lebenswerte Zukunft. Das wird sich lohnen. Auch oder gerade, weil die Erträge nicht finanzieller Natur sein werden.

Verena Brunner-Loss
01.11.2018

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und...

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und Kulturkompetenz. Lesen fördert die Empathie. Buchhandlungen und andere kleine Unternehmen sperren zu, Innenstädte sterben aus. Da passt doch etwas nicht zusammen?

Seit Jahren wird überall die Bedeutung von Lesen für den Einzelnen und von Buchhandlungen für den öffentlichen Raum gesprochen. Getan hingegen wird nichts gegen die Wettbewerbsverzerrung, die durch das unbesteuerte Geschäft von Amazon in Österreich verursacht wird. So führt dieses Unternehmen keine Steuern ab, beschäftigt keine Mitarbeiter in Österreich und macht immer wieder durch seine prekären Arbeitsbedingungen von sich reden. Hier ist eindeutig die Politik gefordert, den wettbewerbsverzerrenden Spielraum einzuschränken, der Amazon und anderen Internetgiganten geboten wird. Die Konsequenzen dieses Missverhältnisses spüren wir jeden Tag: Als geistiger Nahversorger in Vorarlberg bemühen wir uns täglich um jeden einzelnen Kunden. Die Devise lautet: besser sein als die Riesen mit ausgezeichneter Beratung und überragendem Service. Hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszubilden und anzustellen hat für uns Priorität. So wurden wir vergangenes Jahr von der WKV zum „Ausgezeichneten Lehrbetrieb“ gekürt. 

Aber auch hier werden uns Steine in den Weg gelegt: BHS-Absolventen dürfen nur mit einer Sondererlaubnis nur mehr ein Jahr Ausbildung bei uns machen – als ob Bildung eine Strafe wäre. Dabei muss jedem klar sein, dass innerhalb eines Jahres keine solide Ausbildung möglich ist: In einem Jahr hat der Auszubildende vielleicht alles gesehen, aber sein Wissen festigen kann er nur mit Übung und Wiederholung. Wie sonst wollen wir es schaffen, jene Fachkräfte zu entwickeln, die im Moment in jeder Branche so dringend gesucht werden?

Autoren & Redaktion