Zitate

Kann Journalismus bitte wieder mehr sein, als die schnellste Mutmaßung zu äußern und das erste Foto zu veröffentlichen?

Patricia Cammarata, Bloggerin

 

Für Fans abgehobener Regierungsstile und für geborene Untertanen sind dies gewiss fantastische Zeiten.

Christoph Winder, Kolumnist

Das Attraktive an der Empörung ist, dass sie stets den anderen gilt, niemals sich selbst.

Wolfgang Müller-Funk, Kulturwissenschafter

Den wenigsten scheint es um die Sache zu gehen, sondern vielmehr darum, schon immer recht gehabt zu haben.

Christian Demand, Philosoph und Publizist

Manchmal führen Dialoge auch zur Erkenntnis, dass Unterredungen trotz guter Absichten sinn- und zwecklos sind.

Paul Sailer-Wlasits, Philosoph

 

Ideologien lösen sich auf und mit dem Populismus ent­steht noch einmal ein ganz neues Koordinaten­system.

Paul Nolte, Historiker

Manchmal ist das alte Leben besser als ein erträumtesneues.

 Daniel Silva, Schriftsteller

Wer immer das letzte Wort hat, der läuft Gefahr, dass es das dümmste ist.

Peter Turrini, Schriftsteller

Ich bin immer gegen Kleidung, die eine Ideologie transportiert. Und die Tracht ist zur Uniform geworden, sie transportiert für mich etwas Reaktionäres.

Andreas Vitasek, Kabarettist

Sobald die Öffentlichkeit zuhört, kriecht wie radioaktiver Nebel die politische Korrektheit in die Diskussionen.

Roger Köppel, Journalist und Politiker

 

in den Mund gelegt

Quergedacht

Benno Elbs
29.11.2018
Die einzelnen Teile und ihre Summe

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment....

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment. Alles, was man dafür braucht, ist eine Straße. Dort stelle man sich an den Gehsteig und beobachte. Fünf Minuten lang. Rasant und zügig sind die meisten unterwegs. Sie müssen irgendwo hin. Sie haben ein Ziel. Ernst wirken sie. Andere telefonieren gerade. Hektisch wird eine Fußgängerin über den Zebrastreifen gewinkt. Dann ist die kleine Feldstudie auch schon wieder vorbei. Was fällt auf? Das Tempo ist schneller geworden, der Ton schärfer und das Rücksichtnehmen auf den oder die andere/n ist eine schöne Tugend, die aber oft auf der Strecke geblieben ist. 

Ich bin kein Pessimist, was unsere Zeit und unsere Gesellschaft betrifft. Und doch frage ich mich, was es denn heute wohl ist, das diese Welt im Innersten noch zusammenhält. Was macht das Zusammenleben denn wirklich aus? Ganz egal, welche Schleife ich dann in meine Gedankengänge auch einlege, immer wieder stoße ich auf ein und dasselbe Prinzip: Empathie, das Sich-Kümmern, das „Mir ist nicht egal, wie es den anderen geht“. 

Das klingt heute, wo Selbstoptimierung und Ich-Marketing die beherrschenden Begriffe sind, vielleicht altbacken. Wie viel leichter sagt es sich da, dass jeder nur an sich denken muss, damit an alle gedacht ist. Und wie viel schneller erleidet man damit Schiffbruch. Das Ganze ist immer mehr als die Summe der einzelnen Teile. Egal, welchen Namen man dem Kind auch gibt: Die einen nennen es Solidarität, die anderen Rücksichtnahme, ich nenne es Nächstenliebe. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Und eines kommt für mich noch dazu: Gott, der größer ist als unsere kleine Welt und unsere Augen öffnet für die Not anderer. 

Deshalb: Rufen wir in unseren „Ich AGs“ doch einfach einmal Betriebsurlaub aus. Ich bin gespannt, was dann passiert.

Robert Merz
29.11.2018
Schöne neue Welt

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben...

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben Internet. Das ist toll. Mein Kühlschrank schreibt mir täglich eine E-Mail und erzählt, was in meinem Haus so los ist. Und er mined Bitcoins, kühlen tut er nicht mehr. Mein Rasenroboter postet Fotos auf Facebook, wie er mit der Katze des Nachbarn spielt. Das macht er, um den Staubsauger meines besten Freundes zu ärgern. Dessen Katze ist schon zu alt und spielt nicht mehr so gerne. Meine Waschmaschine hat dies geliked. Die hat einen Blog und ist Influencerin für Waschmittel und Weichspüler. Neulich hat mein Kühlschrank versucht, mich dringend zu erreichen, ich war verhindert. Mein neuer Roboter hat dann mit ihm geskyped und mir in Gestensprache erklärt, was der Kühlschrank wollte. Eigentlich spricht der Roboter Java, damit er hoch komplexe Aufgaben lösen kann. Das versteh ich nicht, da muss ich erst ein Informatikstudium und eine vierwöchige Einschulung machen. Bis dahin kommunizieren der Roboter und ich mit einfacheren Mitteln. Oder vielleicht kaufe ich eine Kaffeemaschine, die sich mit ihm beschäftigen kann. Jedenfalls bekommt mein Kühlschrank jetzt zu wenig Strom, seit mein Elektroauto das Autopiloten-Upgrade bestellt, sich selbstständig gemacht und einen Exklusivvertrag mit der Photovoltaikanlage abgeschlossen hat. Mein Auto ist jetzt Taxiunternehmer. Mit eigener Steuernummer. Auch wenn keiner mehr am Steuer sitzt. Ich hoffe, dass mein Auto bald die ganze Familie ernähren wird. Mein Reisepass ist jetzt auch online und chattet mit seinen Kollegen. Ich habe gleich alle personenbezogenen Daten geschwärzt, verpixelt und verschlüsselt. Einfach nur aus Vorsicht. Nur damit nix passieren kann. Ich will ja keine Probleme mit der Datenschutzbehörde bekommen. Willkommen in einer schönen, neuen Welt.

Dr. Frieda Wisch & Weg
29.11.2018
Lachen ist eine großartige Medizin

Die CliniClowns sind rezeptfrei, haben nur...

Die CliniClowns sind rezeptfrei, haben nur positive Nebenwirkungen und verschreiben nur eines: Lachtherapie. So schöpfen die kranken Patienten neue Lebenskraft und für einige Zeit treten Schmerzen, Angst, Trauer und Verzweiflung in den Hintergrund.

Lachen ist Leben und bedeutet Hoffnung!

Es gibt kein Patentrezept, bei jedem Patienten ist es etwas anderes, das ihn aufheitert und ihn eine Zeit lang aus der Eintönigkeit des Wartens und aus der Welt der Schmerzen heraus zaubert. In eine fröhlich bunte Welt, wo er wieder gesund ist. Und auch wenn die Clowns weg sind, lächelt er noch und schöpft neue Kraft, seiner Krankheit den Kampf anzusagen. Eine Woche später stehen die CliniClowns mit neuen Geschichten, Tricks und einem Lächeln vor der Türe.

Lachen ist die beste Medizin

Das Phänomen Lachen bewirkt im menschlichen Körper wahre Wunder. Während wir lachen, bildet unser Körper glücksbringende Endorphine und jede Minute schallendes Gelächter ersetzt 45 Minuten Entspannungstraining!

Denn Lachen …
… nimmt die Angst und vertreibt den … Schmerz
… stärkt das Immunsystem
… fördert entspannendes Atmen
… setzt heilende Kräfte frei
… schafft Freu(n)de
… beschleunigt den Genesungsprozess
… gibt neuen Lebensmut
… und steigert so die Lebensqualität.

Durch eine sorgfältige Erstausbildung und kontinuierliche Trainingsprogramme sichern wir unsere wichtigsten Fähigkeiten: Neugier, Menschenliebe, Feingefühl, Beobachtungsgabe, Improvisationstalent. 

Thomas Klagian
29.11.2018
Ich bin ein Leser

Ich lese für mein Leben gern und bin ein...

Ich lese für mein Leben gern und bin ein Vielleser schon von Berufs wegen. Am liebsten würde ich den ganzen Tag Fachliteratur wälzen und in meinem Archiv mit ledergebundenen Folianten und uralten Pergamenten hantieren, um vergessene Geschehnisse aus ferner Vergangenheit ans Tageslicht zu ziehen. Der Berufsalltag sieht freilich zumeist anders aus, aber das ist eine andere Geschichte.
In der Freizeit fröne ich meiner Leidenschaft, wann immer es geht. Ich lese quer durch die Literaturgenres, Romane, Erzählungen, Novellen, Gedichte, Balladen, Memoiren, Thriller, Krimis, historische Fachliteratur sowieso, aber auch andere über Astronomie, Physik und Paläontologie. Und ich lese Comics: Asterix, Lucky Luke, und Isnogud sind meine erklärten Favoriten. Und, ich gesteh’s, ich lese Walt Disneys „Lustige Taschenbücher“. Jedoch nur die frühen Bände, als Dagobert noch ein griesgrämiger Geizkragen sein durfte und Donald ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Donald und sein knallrotes Cabrio mit der Autonummer 313 sind eine Reminiszenz an meine Kindheit. Zum begeisterten Leser gemacht hat mich Karl May mit seinen beiden Alter Egos Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Karl May habe ich bis tief in die Nacht verschlungen, verbotenerweise, wie es sich gehört. Verboten wegen der nächtlichen Stunde, nicht wegen des Inhalts. Später folgte Stefan Zweig, von dem ich alles gelesen habe und der mich in die Weltliteratur eingeführt hat.
In meiner kleinen Bibliothek hat jedes Buch seinen Platz. Meine Bücher sind geordnet nach einem Prinzip, das vor allem ästhetischen Kriterien folgt und sich nur mir erschließt. Oft lasse ich meinen Blick über die Buchrücken streifen, und schon werden die Inhalte wieder lebendig. Wie gesagt: Ich lese für mein Leben gern.

Isabella Pipal
01.11.2018
Vertrauen vor Vorurteil

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich...

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich bisher durchwegs positive Erfahrungen gemacht, Menschen unterschiedlicher Kulturen sind mir stets offen und herzlich begegnet. Ich bin fest der Überzeugung, dass meine Aufgeschlossenheit und mein grundsätzliches Vertrauen in das Positive in jedem Menschen wesentlich dazu beigetragen haben.

Oft erlebe ich, dass Menschen dazu neigen, rasche Urteile zu fällen, sie kategorisieren, beurteilen, und machen es dem Gegenüber schwer, der Schublade, der man zugeteilt wurde, wieder zu entschlüpfen. Dabei wird doch insbesondere in Mitteleuropa großer Wert auf individuelle Entfaltung gelegt. In meinem Beruf als Juristin ist es notwendig, jeden Fall einzeln zu beurteilen. Diesen Ansatz sollten wir auch im alltäglichen Leben verfolgen.

Die Akzeptanz, die man sich für sich selbst wünscht, sollte auch den Mitmenschen entgegengebracht werden. Wir wissen nicht, welche Erfahrungen unsere Mitmenschen zu deren Anschauungen oder Handlungen gebracht haben, und wollen selbst auch nicht in jeder Lebenslage einem Urteil unterzogen werden. 

Angst und Neid sind schlechte Ratgeber, ich bin der Meinung, dass negative Erlebnisse oft das Resultat aus einer negativen Erwartungshaltung sind. Gegenseitige Achtung und das Vertrauen darauf, dass mein Gegenüber „es gut mit mir meint“, können uns helfen, die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen. Dazu gehört auch, jeder Person eine Chance zu geben und sie nicht aufgrund ihres Kleidungsstils, ihrer Herkunft oder ihrer Kulturzugehörigkeit vorschnell in eine Schublade zu stecken. Schließlich vertrat schon Immanuel Kant die Meinung: „Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.“

Josef Burtscher
01.11.2018
Fünf Minuten für 20 Prozent weniger

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche...

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche Strecke) öfter tanken. Wer öfter tankt, produziert mehr CO2, und zwar direkt proportional mehr. Inklusive Energieaufwand für die Herstellung entstehen bei Diesel pro Liter 3,08 Kilogramm CO2, bei Benzin 2,73. Für die Stickoxide gilt diese lineare Abhängigkeit nicht, denn sie steigen aufgrund der höheren thermischen Belastung beim Kolbenmotor mit zunehmender Leistung überproportional an. Somit können die CO2-Emissionen an der Tankuhr „beobachtet“ werden, die des NOx-Ausstoßes jedoch nicht.

Als leidenschaftlicher Energieoptimierer ist „100 oder 130?“ für mich nicht nur keine Frage, sondern eine Herausforderung: Mit wie wenig Gas (ich fahre Erdgas beziehungsweise Biomethan) schaffe ich die Strecke Hard nach Stallehr (58 Kilometer)? Ich brauche für die Strecke (mit 130 km/h, dort wo es erlaubt ist) 33 Minuten, mit Tempo 100 anstatt 130 exakt fünf Minuten mehr, also 38 Minuten, oder eben 15 Prozent länger. Effekt: eine Sprit- und somit CO2-Einsparung von 20 Prozent. Oder umgekehrt: Würde ich 130 statt 100 fahren, ergäbe das bei mir einen Mehrverbrauch von 25 Prozent und damit auch 25 Prozent CO2-Mehrausstoß bei fünf Prozent kürzerer Fahrzeit. Übrigens: Die fünf Minuten gelten auch, wenn ich von Hohenweiler auf die Bielerhöhe fahre! 

Selbstredend ergeben sich weitere Vorteile bei Tempo 100: Der Abstand zum vorderen Auto vergrößert sich (weil alle schneller fahren), das Einfahren in den Fließverkehr ist leichter und sicherer, die Fahrt ist für mich entspannter, ich steige erholter aus, oft komme ich ohne Verlangsamung und ohne Beschleunigung von Lauterach bis Bings. Abgesehen davon: Rund ein Fünftel meiner Stallehr-Fahrten lege ich mit Zug und Rad zurück. Diese Fahrt dauert exakt 67 Minuten von Tür zu Tür – für meine Gesundheit und die Umwelt die beste Variante.

Katharina Leissing
01.11.2018
Der Kultur ihr Prekariat

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So...

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So wird es jedenfalls oft verkauft und tatsächlich ist das kulturelle Geschehen hier im Land vergleichbar mit jenem einer Großstadt. Angebote gibt es zahlreiche – vom freien Theater, zeitgenössischen Zirkus über Tanz und Figurentheater, Poetry Slams, bis hin zum Angebot der großen Häuser und Museen.

Damit Kunst und Kultur nicht nur von einer, nennen wir sie mal (kulturellen) Elite konsumiert wird, dafür sorgen vor allem die Kulturinitiativen, die sich unermüdlich darum bemühen, jeder und jedem die Welt der Kunst und Kultur zu eröffnen. Es sind diese Initiativen, die Partizipation auch von sogenannten Randgruppen ermöglichen. Die anders als so manche Politikerinnen und Politiker stets daran arbeiten, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten, anstatt einen Keil in die Mitte zu treiben. Damit erweisen sie uns einen großen Dienst, der oft viel zu wenig Anerkennung erfährt. Von finanziellen Mitteln ganz zu schweigen. Prekariat ist in der Kultur Alltag. Und das ist keine Frage von Sparzwängen, es ist keine Budget-, es ist lediglich eine Verteilungsfrage. Unser neoliberales System hat diese klar für sich beantwortet. Es wird eher bei Sozialem, Bildung und Kultur gespart, als etwa leistungsfreies Einkommen wie Erbe zu besteuern. Dass sich dies unter der aktuellen Bundesregierung nicht zum Besseren wenden wird, lässt sich erahnen. Umso wichtiger sind und werden in den kommenden Jahren starke Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und jenen Initiativen und Häusern, die sich um die kulturelle Grundversorgung kümmern. Die Sache ist: Das wissen wir alles schon längst.

Zeigen wir endlich Solidarität und investieren in eine lebenswerte Zukunft. Das wird sich lohnen. Auch oder gerade, weil die Erträge nicht finanzieller Natur sein werden.

Verena Brunner-Loss
01.11.2018
Apple aus – Birne an!

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und...

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und Kulturkompetenz. Lesen fördert die Empathie. Buchhandlungen und andere kleine Unternehmen sperren zu, Innenstädte sterben aus. Da passt doch etwas nicht zusammen?

Seit Jahren wird überall die Bedeutung von Lesen für den Einzelnen und von Buchhandlungen für den öffentlichen Raum gesprochen. Getan hingegen wird nichts gegen die Wettbewerbsverzerrung, die durch das unbesteuerte Geschäft von Amazon in Österreich verursacht wird. So führt dieses Unternehmen keine Steuern ab, beschäftigt keine Mitarbeiter in Österreich und macht immer wieder durch seine prekären Arbeitsbedingungen von sich reden. Hier ist eindeutig die Politik gefordert, den wettbewerbsverzerrenden Spielraum einzuschränken, der Amazon und anderen Internetgiganten geboten wird. Die Konsequenzen dieses Missverhältnisses spüren wir jeden Tag: Als geistiger Nahversorger in Vorarlberg bemühen wir uns täglich um jeden einzelnen Kunden. Die Devise lautet: besser sein als die Riesen mit ausgezeichneter Beratung und überragendem Service. Hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszubilden und anzustellen hat für uns Priorität. So wurden wir vergangenes Jahr von der WKV zum „Ausgezeichneten Lehrbetrieb“ gekürt. 

Aber auch hier werden uns Steine in den Weg gelegt: BHS-Absolventen dürfen nur mit einer Sondererlaubnis nur mehr ein Jahr Ausbildung bei uns machen – als ob Bildung eine Strafe wäre. Dabei muss jedem klar sein, dass innerhalb eines Jahres keine solide Ausbildung möglich ist: In einem Jahr hat der Auszubildende vielleicht alles gesehen, aber sein Wissen festigen kann er nur mit Übung und Wiederholung. Wie sonst wollen wir es schaffen, jene Fachkräfte zu entwickeln, die im Moment in jeder Branche so dringend gesucht werden?

Martin Bereuter
08.10.2018
Die Lehre könnte mehr sein

Für eine Lehre muss sich ein Jugend­licher im...

Für eine Lehre muss sich ein Jugend­licher im Alter von 15 Jahren entscheiden. Viele stellen sich nach der Lehrabschlussprüfung mit 18 die Frage nach der weiteren Berufslaufbahn. Da die Meisterprüfung an Attraktivität verloren hat, ist die Lehrabschlussprüfung zum „allgemein gesellschaftlich wahrgenommenen“ Abschluss einer Berufsausbildung geworden. Ein potenzieller Akademiker hat sich erst nach der Matura für sein Studienfach zu entscheiden. Die Anforderungen in der Berufswelt sind beim Großteil der Berufe derart komplex, dass mit dem Lehrabschluss im besten Fall ein Überblick über die möglichen Aufgaben und Anforderungen gegeben ist. Im Idealfall wird man nach einer Einarbeitungsphase von mehreren Jahren mit Überzeugung von sich sagen: „Ich bin Tischler“, „Ich bin Optiker“, „Ich bin Koch“ ... Das Modell „Lehre mit Matura“ kann aktuell auch als Ausweg aus dem „Arbeiterleben“ wahrgenommen werden. Die vielfach geforderte Durchlässigkeit der Bildungssysteme darf nicht zur Einbahn werden. Eine gegenseitige Belebung sollte das Ziel sein. Dazu scheint es notwendig, dem dualen Bildungsweg längeren Atem zu verleihen. Wege zu finden, die Gesellenjahre und die Meisterprüfung vermehrt in den Fokus der Bildungspolitik zu rücken, scheint eine Möglichkeit zu sein, um einerseits langfristige Perspektiven zu schaffen, und gleichzeitig sich einzugestehen, dass es eben auch Zeit benötigt, um ein Handwerk, eine Dienstleistung fundiert ausüben zu können.
Ein junger Mensch sieht sich mit dem Abschluss der Matura, dem Erhalt des Bachelorzeugnisses oder dem Masterdiplom gesellschaftlich breit bestätigt. Dies von den Personalabteilungen in der Wirtschaftswelt gleichermaßen wie vom sozialen Umfeld. Was hindert uns daran, ähnliche Eckpfeiler für eine praxisorientierte Berufslaufbahn zu schlagen? Warum nicht das duale System um einen aufbauenden, zweiten und dritten Teil erweitern?

Robert Sturn
08.10.2018
Warum ist eine Zusammenarbeit so schwer?

Die Welt verändert sich so rasch wie nie zuvor...

Die Welt verändert sich so rasch wie nie zuvor, die Digitalisierung entwickelt sich exponentiell. Die neuesten Entwicklungen sind meist ein Ergebnis vom Zusammenführen von bestehenden Alltäglichkeiten mit der digitalen Welt. Generell gilt es: Was kann wie digitalisiert werden und was bringt das für einen Vorteil für die Kunden? Es wird in Zukunft daher immer wichtiger, die unterschiedlichen Player zusammenzubringen. Vorarlberg war einmal ein großes Textilland und in der Blütezeit hat man es verabsäumt, rechtzeitig auf die Bedrohungen zu reagieren. Vermutlich hätte man es abwenden können, wenn man die Zusammenarbeit gesucht und gemeinsame Entwicklungen vorangetrieben hätte. In der Hochzeit war aber kein Druck vorhanden, etwas zu ändern und dann ging es einfach zu schnell nach unten. Zudem war vermutlich der Wettbewerbsdruck zu groß. Es war einfach das eigene Hemd näher als der Rock. Die jetzige Situation ist ähnlich. Die Wirtschaft brummt. Es besteht eigentlich kein Grund, etwas zu ändern; es ist kein Druck vorhanden. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Digitalisierung alle unsere Bereiche ordentlich verändern wird. Einmal mehr heißt daher das Gebot der Stunde: Zusammenarbeit. Warum ist das aber so schwer? Viele gut gemeinte Initiativen scheitern, weil die Gruppen zu groß sind. Es muss eine Vertrauensbasis mit einer hohen Wertschätzung untereinander geschaffen werden. Die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen, um auf neue Lösungen zu kommen, unterstützt derartige Prozesse ungemein. Wichtig dabei ist, dass das Gemeinsame im Mittelpunkt steht; ein Rosinenpicken funktioniert dabei nicht. Vorarlberg hat durch die „Kleinheit“ den großen Vorteil, dass das Zusammenkommen und das Sich-Verstehen bereits gut funktioniert. Am Rest muss noch gearbeitet werden. Nutzen wir doch gemeinsam die sich bietenden Möglichkeiten.

Autoren & Redaktion