Zitate

Meine Empathie mag manchmal gespielt sein, meine Sympathie ist es nie.

Andrea Petkovic, deutsche Tennisspielerin

Da kommt irgendein Schnösel und erklärt die Welt.

Manfred Matzka, Jurist

Die Verschandelung durch Architektur ist ein Verbrechen, mit dem man sich nicht versöhnen sollte.

Harald Naegeli, Graffiti-Künstler

Ein einziger irrationaler Funke genügt, um eine ganze Welt in Brand zu setzen.

Andreas Öhler, Soziologe

Die Anzahl der beeindruckenden Parlamentarier ist sehr klein geworden.

Fritz Plasser, Politikwissenschaftler

Wer die Welt verstehen will, braucht nicht nur guten Willen, sondern auch Geduld.

Wolf Lotter, Publizist

Ich wünsche mir in unseren Debatten mehr Mut zur Wahrhaftigkeit und weniger Vermeidungssprache.

Matthias Politycki, Schriftsteller

Das Denken läuft der Existenz immer einen Schritt hinterher.

Eberhard Rathgeb, Schriftsteller

Wer heute von der politisch-moralischen Generallinie abweicht, kommt in Teufels

Ulrich Tukur, Schauspieler

Je stärker der Zeitgeist, desto schwächer der einzelne Mensch.

Hermann Hiery, Historiker

in den Mund gelegt

Quergedacht

Florian Dünser
01.09.2022

Tausende Abmahnschreiben hat der...

Tausende Abmahnschreiben hat der selbsternannte Datenschutzanwalt Marcus Hohenecker im August im Namen seiner Mandantin Eva Z. an österreichische Unternehmen verschickt. Der Vorwurf: Die Website des jeweiligen Unternehmens verstoße mit der Einbindung von Google Fonts gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), seine Mandantin fühle sich auf den besuchten Websites „unwohl“. Der dadurch entstandene Gefühlsschaden sei mit 190 Euro wieder gut zu machen.
So weit, so absurd. Womit der Anwalt aber nicht gerechnet hat, war die Welle der Empörung, die damit losgetreten wurde. Hunderte Betroffene blockierten Tage lang das Telefon des Anwalts, er wurde in der Kanzlei, auf der Straße und in seinem Zuhause mit dem Abmahnschreiben konfrontiert, teils sogar bedroht. Ein eigenes Crowdfunding mit dem Ziel wurde initiiert, dem Anwalt möglichst viele kleine Buchungszeilen auf das Kanzleikonto zu buchen. Und: Ein Disziplinarverfahren der Rechtsanwaltskammer Niederösterreich sowie Anzeigen von Berufskollegen rundeten die Bumerang-Aktion schließlich ab. 
Eine Welle der Empörung wegen 190 Euro? Mitnichten geht es hier ums Geld. UnternehmerInnen haben alle Hände voll damit zu tun, ihren Betrieb auf die großen Herausforderungen der Zeit einzustimmen – Störfeuer wie Pandemie, Energiekrise und Ressourcenverfügbarkeit nicht einkalkuliert. Der bürokratische Aufwand, mit dem diese tagtäglich konfrontiert sind, ist zu einem Dschungel undurchschaubarer Aufgaben mutiert – die unsägliche DSGVO, die auch vier Jahre später de facto niemand wirklich verstanden hat, ist nur der i-Punkt auf einer Entwicklung, die konstant an der Wettbewerbsfähigkeit Europas sägt. Dass die Abmahnwelle einer Datenschutz-Banalität das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringen kann, überrascht daher nicht. 

Christof Germann
01.09.2022

Über Jahrzehnte waren wir gewohnt, Energie im...

Über Jahrzehnte waren wir gewohnt, Energie im Überfluss und zu verhältnismäßig günstigen Preisen zur Verfügung zu haben. Das starke Wirtschaftswachstum nach den ersten Coronawellen, der Krieg in der Ukraine, die Nichtverfügbarkeit von französischen Kernkraftwerken und die anhaltende Trockenheit haben aber nicht nur die Großhandelspreise für Energie massiv steigen lassen. 
Ob die Versorgung mit Erdgas oder Strom in diesem Winter uneingeschränkt funktionieren wird, kann heute niemand wirklich seriös beantworten.
Umso wichtiger ist es, gut vorbereitet zu sein und Verantwortung für den jeweiligen Gestaltungsbereich zu übernehmen. 
›› Die Politik ist gefordert. Durch direkte Unterstützungen für Menschen mit geringem Einkommen, durch praxisnahe Gesetze und im Notfall – das muss ganz offen ausgesprochen werden – auch durch gut durchdachte Energielenkungsmaßnahmen in einer akuten Mangellage.
›› Als Energieunternehmen haben wir die Aufgabe, mit allen Kräften eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten und unseren Kund:innen Energie und innovative Energiedienstleistungen zu marktkonformen Preisen anzubieten. Investitionen in eine erneuerbare Energiewende sind darüber hinaus der Garant für mehr Energieunabhängigkeit und zukunftssicheren Klimaschutz.
›› Auf Ebene der Haushalte und Unternehmen besteht schließlich die Verantwortung, alle Spielräume auszuschöpfen, um Energie – wo immer dies sinnvoll möglich ist – einzusparen. Das Bewusstsein, dass Energie ein wertvolles Gut ist, muss die Grundlage für jede persönliche Entscheidung sein. 
So kann es uns als Gesellschaft gelingen, die aktuellen Herausforderungen als Aufbruch in eine unabhängigere und klimaschonendere Energiezukunft zu nutzen.

Monika Frick
01.09.2022

Warum funktioniert es nicht mehr wie früher...

Warum funktioniert es nicht mehr wie früher beziehungsweise um es zielorientiert zu formulieren: Was braucht Mensch für Wohlbefinden?
Wir leben in einer Zeit der Unsicherheiten, der fehlenden Perspektiven und Orientierung, der Angst vor Krankheiten und Krieg. In den Schulen erkranken die Lehrpersonen, in Krankenhäusern/Pflegeheimen die Angestellten, Handwerker fehlen überall. Dasselbe gilt für Handel und Gastronomie und bestimmt noch viele andere Sparten. Auch bei den Jugendlichen zeigt sich immer mehr eine Situation, die man so bisher nicht in dieser Ausprägung kannte. Obwohl es offene „Lehr“stellen und Möglichkeiten wie nie zuvor gibt, entscheiden sich immer mehr junge Leute nicht dafür. Woran kann das liegen? Ist es unser System? Spielen Süchte mit? Menschen spüren sich selbst nicht mehr, denken nicht darüber nach, was ihnen wichtig ist, wofür sie leben. Eine Vision oder Mission ist oft nicht vorhanden. Bedeutet das, dass Sinn fehlt? Ist es fehlende Wertschätzung oder Dankbarkeit? Oder ist es das Gegenteil, nämlich eine Art soziale Inkompatibilität, Rückzug und „Da mach ich nicht mit“-Haltung? Hier ein tägliches Selbstreflexions-Experiment zum Test:
Morgenfragen
Worüber in meinem Leben bin ich glücklich? Worauf in meinem Leben bin ich stolz? Wofür in meinem Leben bin ich dankbar? Wofür kann ich mich in meinem Leben begeistern? Was in meinem Leben finde ich aufregend und spannend? Wofür in meinem Leben stehe ich ein? Wen liebe ich und von wem werde ich geliebt? Was ist zu tun und was davon möchte ich heute tun?
Abendfragen
Was habe ich heute alles getan? Was habe ich heute für mich, mein Leben getan? Welchen Beitrag habe ich für Andere geleistet? Was habe ich heute gelernt?
Try it for a while to know the difference.

Klaus Drexel
01.09.2022

Die Digitalisierung ist längst schon in der...

Die Digitalisierung ist längst schon in der Bergwelt und im Freizeitsektor angekommen. Fluch oder Segen? Täglich werden wir im Netz mit einer Flut an Bildern und Informationen konfrontiert. Viele Social Media Kanäle zeigen uns Bilder von Sonnenaufgängen in den Bergen, waghalsigen Unternehmungen, Tiefschneeabfahrten in unverspurten Hängen – meist begleitet von spektakulären Selfies. Natürlich kann das motivieren, dies nachzuahmen.
Daneben gibt es eine Vielzahl an Apps mit Routen- und Tourenvorschlägen, die User hochladen und mit ihren persönlichen Eindrücken über Anforderung und Schwierigkeit beschreiben. Am besten selten begangene Wege und Strecken – auch inoffizielle und deshalb nicht gewartete Routen. Solch individuelle Beschreibungen können für den einzelnen sehr gefährlich werden. Jeder Mensch hat ein eigenes Empfinden: Kinderspiel für den einen – unüberwindbares Hindernis für den anderen. Durch diesen Umstand muss die Bergrettung immer häufiger Personen aus unwegsamem Gelände retten. Unser Apell lautet daher: seriöse Auskunft sollte immer über offizielles Kartenmaterial, bestenfalls auch über Bergführerbüros oder Tourismusinformation eingeholt werden.
Auf der anderen Seite stellt uns das Internet und die Digitalisierung eine Vielzahl an nützlichen Diensten zur Verfügung. Auch die Bergrettung nutzt natürlich das Internet auf vielen Ebenen. Es ist die Art und Weise, wie man mit diesen vielen Informationen umgeht. Die Summe aller Informationen führt zum Ziel.
Und schlussendlich kann das Handy Leben retten. Dies sollte man sich immer vor Augen halten. Wir empfehlen vor und während der Wanderung oder Bergtour den P.E.A.K Bergcheck: P(lanung), E(inschätzung), A(usrüstung), K(ontrolle).

Marie-Rose Rodewald-Cerha
01.07.2022

Ich soll über Literatur schreiben und was...

Ich soll über Literatur schreiben und was meine Motivation ist, mich mit ihr zu beschäftigen. Mehr noch. Anderen weiterzugeben und zu vermitteln, was in ihr steckt.
„Ich kann nicht anders“, liegt mir auf der Zunge und im Herzen. Doch wen überzeugt das schon? Die Linguistin Naomi Baron, die unter anderem zu digitalem und analogem Lesen forscht, zeigt sich nach verschiedenen Studien besorgt über die Tatsache, dass es Menschen gibt, die nie zu ihrem Vergnügen lesen, die sich nicht für andere Standpunkte oder andere Lebenswelten interessieren. Das sei demokratiegefährdend, schreibt sie. Tatsächlich sehen wir allzu deutlich, wie sich in der Gesellschaft die Fronten verhärten. 
Literatur ist Sprache. Und ich glaube an die Wirkmächtigkeit der Sprache. Je mehr ich mich mit ihr beschäftige, umso geübter werde ich, sie auszudeuten und zu verstehen. Literatur ist empathisch. Daher wird die Empathiefähigkeit der Leser:in geschult. In einer Gesellschaft von Leser:innen führt dies zu mehr Diskurs und Toleranz. Und ist es nicht das, was heute mehr denn je nottut, die Anhörung und Akzeptanz des anderen (gut begründeten) Standpunkts? 
Als Geschäftsführerin der literatur:vorarlberg und Vorstandsmitglied im Theater am Saumarkt bin ich an unzähligen Literaturvermittlungsprojekten beteiligt. Besonders wichtig als ehemalige Lehrerin ist mir, Jugendliche für Literatur zu begeistern und sie zum Lesen zu animieren. Die Beschäftigung mit Texten ist immer auch ein Akt der Emanzipation. Was sagt mir der Text? Wie verhält er sich zu meinen eigenen Lebensumständen? Bin ich damit einverstanden? Literatur zeigt uns, wie etwas sein kann und dass es sein kann, in all seiner Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit. Sie ist, wie Marcel Proust einmal sagt „das wahre Leben“.

Maria Strolz
01.07.2022

Das ist einer der Ansätze, die der Schulcampus...

Das ist einer der Ansätze, die der Schulcampus Sacré Cœur Riedenburg in Bregenz verfolgt. Und das seit über 150 Jahren. Unser Ziel: Wir wollen unsere Absolvent:innen als ganzheitlich gebildete Persönlichkeiten in die Welt entlassen. Sie befähigen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für die werteorientierte und weltoffene Wissens- und Persönlichkeitsbildung junger Menschen ein.
Dabei bedienen wir uns unter anderem der „Five Goals“ unseres Ordens: soziale Verantwortung, Intellekt, Glaube, inneres Wachstum und Gemeinschaft. Sie bilden in unserem weltweiten Bildungsnetzwerk die Basis für die Ausbildung junger Menschen. Doch unser Bildungsauftrag geht weit über die Ausbildung von Einzelnen hinaus: Wir sehen es nicht nur als unsere Pflicht und Aufgabe, starke Impulse für eine nachhaltige Entwicklung unserer Umwelt zu geben. Wir geben auf gegenwärtige globale Herausforderungen grundlegende Antworten und wichtige Perspektiven, indem wir ab Herbst 2022 die Höhere Lehranstalt für Humanökologie starten.
Damit wollen wir unseren Teil zum Erhalt einer intakten Umwelt beitragen. Denn Bewusstseinsbildung findet nun einmal auch in unseren Schulen und Bildungseinrichtungen statt. Was liegt also näher, brandaktuelle Entwicklungen und Tendenzen aufzunehmen und sie im Lehrplan zu etablieren. Schnell, effizient, unbürokratisch. Dabei reagieren wir auf Trends und Megatrends, die uns in den nächsten Jahren bewegen werden. Die Welt zukunfts- und enkelfit zu machen – das sind die Herkulesaufgaben, die von jedem Einzelnen von uns, insbesondere aber von den Bildungseinrichtungen – nicht nur des Landes – wahrgenommen werden müssen. Und dieser Verantwortung stellen wir uns. Mit all unseren Kräften.

Silke Glüsenkamp
01.07.2022

Urlaubsflüge fallen aus, weil Bodenpersonal...

Urlaubsflüge fallen aus, weil Bodenpersonal fehlt. Renommierte Gasthäuser schließen ihre Pforten, weil ihnen die Köche oder Servicemitarbeiter ausgegangen sind. Schulen sind gefährdet, weil sie keine Lehrer finden. Von den Gesundheits- und Pflegeberufen ganz zu schweigen. Der Fachkräftemangel ist lange bejammert, der Arbeitsmarkt wird relevanter als der Absatzmarkt. Ein Mythos?
Die Wahrheit: Die demografische Entwicklung ist real. Es treten mehr Arbeitskräfte in den Ruhestand als Neueinsteiger ins Berufsleben starten. Diese Rahmenbedingungen gelten für alle. Trotzdem gibt es Unternehmen, denen es leicht fällt, potenzielle Mitarbeitende anzuziehen. Ist der Fachkräftemangel doch ein Mythos? Nein, eher eine hausgemachte Angelegenheit. Oft suchen Unternehmen noch die eierlegende Wollmilchsau statt auf die Potenziale zu reagieren, die sich ihnen bieten. Sei es intern, wenn Mitarbeitende sich weiterentwickeln möchten oder extern, wenn Bewerbende keinen „perfekten“ Lebenslauf haben, aber viele Talente mitbringen. Das Gute ist oft näher als man denkt.
Was macht Arbeitgeber attraktiv? Motivierende Arbeitswelten sind gefragt, auf Lebensphasen der Mitarbeitenden abgestimmt. Die Lösung liegt bestimmt nicht in der Kaffee-Flatrate oder beim Tischkicker, sondern eine differenzierte Herangehensweise ist gefordert. Das könnten flexible Arbeitszeitmodelle und -orte sein, Bildungsauszeiten oder Betreuungsunterstützung bei Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten, um ein paar Beispiele zu nennen. 
Ein Umdenken ist erforderlich. Statt Personalressourcen zu verwalten ist es an der Zeit, dass sich HR als Manager eines Wandels versteht. Nicht zuschauen, sondern Gestalten ist gefragt. Also Schluss mit dem Fachkräftemangel-Jammer. Einfach mal machen, vor allem anders machen.

Marei Döhler
01.07.2022

Die Anforderungen für mehr Nachhaltigkeit,...

Die Anforderungen für mehr Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und Klimaschutz kommen aus allen Richtungen. Unternehmen werden in Zukunft besonders darauf achten müssen, um den Kundenbedürfnissen und gesetzlichen Entwicklungen in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz gerecht zu werden. Allein die Umsetzung der EU-Taxonomie wird in vielen großen Unternehmen eine Herausforderung und benötigt vor allem personelle Ressourcen aus unterschiedlichsten Disziplinen des Unternehmens. Während sich Umweltmanagement in der Vergangenheit hauptsächlich mit der Einhaltung der umweltrelevanten Auflagen und Gesetze beschäftigt hat, gehen die zukünftigen Erfordernisse weit darüber hinaus. Denn Nachhaltigkeit wird zusätzlich immer häufiger zu einem Entscheidungskriterium bei der Wahl des Arbeitgebers.
Als Umwelt- und Energiebeauftragte bei der illwerke vkw bin ich froh, dass diese Themen im Unternehmen nicht neu sind. Messbare und konkrete Umweltziele zur Reduktion der CO2-Emissionen sind bereits seit einigen Jahren definiert. Umweltauflagen beim Bau von Kraftwerken werden durch ökologische Baubegleitungen überwacht, interne Energieverbräuche sind auf Knopfdruck verfügbar, in den Betriebsrestaurants wird regional und saisonal gekocht, Anreize für eine umweltfreundliche Anreise zum Arbeitsplatz wird gefördert – die Liste der bereits umgesetzten Maßnahmen ist lang.
Um ein Unternehmen glaubwürdig in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz auszurichten, muss es zur Selbstverständlichkeit – also zu einem Kultur­element – werden. Für Unternehmen, die sich bisher nicht ernsthaft mit diesen Themen beschäftigt haben, ist jetzt die Zeit reif, um Umweltschutz an die oberste Stelle der aktuellen Agenda zu stellen.

Andrea Huber
03.06.2022

Im Jahr 1997, nach dem Abschluss des Studiums...

Im Jahr 1997, nach dem Abschluss des Studiums der Verfahrenstechnik an der TU Graz, begann ich in einem Chemiewerk zu arbeiten, als erste und einzige Frau in der Abteilung „Technologie“. 
25 Jahre später und nach zwei Jahren als MINT-Koordinatorin in Vorarlberg, sehe ich, dass Frauen in vielen, früher als „Männerberufe“ titulierten Berufen oder Ausbildungen angekommen sind, dass es nur mehr wenige „einzige Frauen“ gibt. Wenn man sie fragt, warum sie in einen technischen Beruf gegangen sind, dann bekommt man fast in allen Fällen als Antwort: „Ich wollte immer schon wissen, wie Dinge funktionieren!“ Also mit einem Wort, sie sind neugierig. 
Diese Neugierde bringt Wissen. Wissen über die Vorgänge in Technik und Natur. Das ist der Motor für Innovation und Entwicklung. In der Geschichte der vergangenen 200 Jahre gab es viele Entwicklungen, die von neugierigen Frauen gemacht wurden. Vom ersten Computeralgorithmus, der von Ada Lovelace 1843 geschrieben wurde, von der Entdeckung der Radioaktivität durch Marie Curie, der Erforschung der Doppelhelixstruktur der DNA durch Rosalin Franklin, dem Frequenzspreizungsverfahren von Hedi Lamarr (die Basis für unser Wlan) oder der ersten Computersoftware von Grace Hopper reicht der Bogen. Sie alle wollten Dinge gestalten, erforschen, wissen, wie sie funktionieren, sie waren neugierig. 
Die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte brauchen all unsere Kräfte. Auf die Beiträge der Frauen und Mädchen in der Entwicklung neuer Technologien können wir dabei nicht verzichten. 
Mädchen in ihrer Neugierde zu bestärken, ist wichtig. Sie brauchen Vorbilder und Role-Models, die sie motivieren und in ihren Ambitionen unterstützen. Räume, die ihre Kreativität entfalten lassen, die ihnen Möglichkeiten geben, sich mit Technik auseinanderzusetzen und eigene Entwicklungen entstehen zu lassen.

Dominic Mayer
03.06.2022

Als Koch arbeitet man natürlich mit einem...

Als Koch arbeitet man natürlich mit einem extremen Spektrum an Lebensmitteln in den verschiedensten Häusern und Regionen. Respekt und Produktwertschätzung brachten mich auf den Weg der Regionalität und zum Nachhaltigkeitskonzept, das ich nun in meinem Wirtshaus umsetze. Durch die Globalisierung haben wir Zugriff auf fast jedes Produkt, aber für den Endverbraucher ist die Qualität nie die gleiche wie in der Region, in der sie angebaut werden.
Die besten Geschmackserlebnisse hatte ich mit jeweils regionalen Produkten. Alles was bis zum Endverbraucher sehr kurze Wege zurück legt, wird reif geerntet, verfügt über wesentlich mehr Inhaltsstoffe und ist auch um einiges haltbarer.
Durch den regionalen Einkauf und direkten Kontakt mit den Produzenten habe ich bessere Produktkenntnisse, weiß über Anbaumethoden Bescheid und kann somit auch nicht durch verschiedenste Gütesiegel getäuscht werden. Besonders wichtig ist mir das im Bereich der Tierhaltung. In Vorarlberg ist das Angebot an regionalen Lebensmitteln sehr groß, was eine flexible Speisenzubereitung erfordert. Regionaler Einkauf bedeutet saisonale und abwechslungsreiche Ernährung. Wie wir uns ernähren, spiegelt sich teils ja auch in unserer Gesundheit wieder: „Du bist was du isst.“
Bei unseren Nachbarn in der Schweiz ist der Stolz und die Vermarktung der heimischen Produkte noch etwas ausgeprägter. Es liegt an uns, all diese Trends beizubehalten und weiter zu entwickeln.
Eine der größten Hürden sehe ich in der Logistik. Wir scheitern noch daran, für jeden zu geregelten Zeiten einen zentralen Zugang zu regionalen Produkte zu schaffen. Eine zentral gelegene Markthalle würde für Produzenten und Konsumenten gleichermaßen Synergien schaffen und wesentlich dazu beitragen, regionale Produkte besser in einen geregelten Wirtschafskreislauf zu bringen.

Nikola Furtenbach
03.06.2022

Für viele Frauen ist das Wohnzimmer kein Ort...

Für viele Frauen ist das Wohnzimmer kein Ort der Geborgenheit. Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen, sondern kommt viel zu häufig vor. In Österreich erfährt jede fünfte Frau im eigenen Zuhause körperliche oder sexuelle Gewalt. Täter ist zumeist der eigene (Ex-)Partner. Um der hohen Dunkelziffer entgegenzuwirken, braucht es neben institutionellen Angeboten vor allem funktionierende soziale Netzwerke, die auf Partnerschaftsgewalt reagieren und betroffene Frauen unterstützen. Die gestärkte Nachbarschaft ist eine wichtige Präventionsmaßnahme und rettet vielleicht sogar Leben. Hier setzt das Projekt „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ an, das seit Juni vergangenen Jahres in Bregenz und nun auch in der Stadt Hohenems umgesetzt wird. 
StoP zielt darauf ab, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und Menschen zu ermutigen, bei Gewalt nicht wegzuschauen, sondern diese wahrzunehmen und zu helfen. Es werden kooperierende Netzwerke geschaffen, um die Veränderungsarbeit an kulturellen Leitvorstellungen voranzutreiben. Dadurch entsteht eine Nachbarschaft, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzt, der Stigmatisierung von Opfern entgegenwirkt und die Zivilcourage steigert.
Wenn wir als Gesellschaft Gewalt nicht akzeptieren, wird sie sich verringern. Frauen huschen dann nicht mehr mit Sonnenbrille durchs Treppenhaus, weil sie sich schämen, sondern klingeln bei Nachbar:innen, holen sich Rat und Hilfe. Sie wissen, sie werden auf Verständnis und Unterstützung treffen. Häusliche Gewalt wird zum öffentlichen Thema. Das ist keine Utopie, denn StoP Stadtteile Projekte leisten bereits an vielen Orten in Deutschland und Österreich einen wichtigen Beitrag dazu, das Gemeinwesen zu verbessern für eine friedliche und sich gegenseitig unterstützende Nachbarschaft.

Annabell Pehlivan
03.06.2022

Ohne Zweifel erleben wir aktuell einen seit...

Ohne Zweifel erleben wir aktuell einen seit Jahrzehnten nicht dagewesenen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Zeitenwende steht nicht nur bevor, wir sind bereits mittendrin. Klimakrisen, eine Pandemie, Kriege, Preisexplosionen und technologischer „High-Speed“-Fortschritt treffen uns sowohl auf persönlicher Ebene als auch als Gesellschaft und Wirtschaftsstandort. Als unternehmerische Interessenvertretung wird die WKV ihre Mitglieder aktiv im Erforschen und Finden einer nachhaltigen Zukunft begleiten. Mit der Innovationsoffensive TRAVO wurde eine Anlaufstelle und Möglichkeitenraum geschaffen, um gezielt an Ideen zu arbeiten. TRAVO ist in der Postgarage in Dornbirn angesiedelt. Die interessierten Unternehmen werden in der Bearbeitung und Weiterentwicklung ihrer individuellen Fragestellung unterstützt und mit relevanten Partnern vernetzt. TRAVO bietet drei Progammlinien an – IDEATE, MATCHING und EXPLORE. Ideate ist ein Workshopformat, bei dem das aktuelle Geschäftsmodell auf Zukunfts- und Überlebensfähigkeit hin geprüft werden kann. Zudem werden gemeinsam mit interdisziplinären Expert:innen Ansätze für innovative Produkte und Services entwickelt. Ein Programm, das erstmalig in Vorarlberg angeboten wird, ist das sogenannte „MATCHING“. Hierbei werden heimische Betriebe zu definierten Themen mit internationalen Start-ups zusammengeführt. Dafür wurde bereits ein Pool aus Start-ups unter anderem in Tel Aviv aufgebaut, um das innovative Synergiepotenzial über die Grenzen hinweg bestmöglich nutzen zu können. Des Weiteren kann im „EXPLORE“ Programm an Workshops rund um Themen, wie Innovationsmanagement, Geschäftsmodellentwicklung, Kreativitätstechniken, und vielen mehr teilgenommen werden. Auch werden Innovationsreisen zur In­spiration und Events mit spannenden Speakern geboten. 

Judith Thurnher
06.05.2022

In Deutschland wird seit längerer Zeit die...

In Deutschland wird seit längerer Zeit die Wahlaltersenkung auf 16 Jahre auf Bundesebene diskutiert. Neben der AfD spricht sich auch die CDU/CSU klar dagegen aus. Den jungen Menschen wird von diesen Parteien das nötige Interesse und somit politische Reife abgesprochen. Zu Recht? Österreich hat sich bereits 2007 für das (aktive) Wahlrecht ab 16 Jahren entschieden. So führt das Bundeskanzleramt auf seiner Website an, dass „Wählen in einer Demokratie die grundlegende Form der politischen Beteiligung“ ist. Jugendliche ab 16 Jahren haben damit das Recht „in politische Entscheidungsprozesse miteinbezogen zu werden und über ihren Lebensraum und ihre Zukunft mitzuentscheiden“.
Vor 15 Jahren hat das aha, die Jugendinfo Vorarlberg, Jugendliche befragt, was sie brauchen, um dieses neu erworbene Recht auszuüben. Die damals geäußerten Wünsche und Bedürfnisse haben nach wie vor Aktualität: Jugendliche wünschen sich von den Politiker:innen wertgeschätzt und ernst genommen zu werden. Politische Themen aus der jugendlichen Lebenswelt sollen zur Sprache kommen. Politik soll für die Jugendlichen „greifbar“ sein. Daraus entstanden ist der FrageRaum Politik. Eine Dialogveranstaltung speziell für jugendliche (Erst-)Wähler:innen. Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, mit Politiker:innen der fünf im Landtag vertretenen Parteien zu diskutieren und sich aus erster Hand über die Parteienlandschaft und die Landespolitik zu informieren. Es ist spannend zu beobachten, dass der Anstoß zu einem FrageRaum Politik häufig von den Jugendlichen ausgeht. Vor allem die Schülervertreter:innen haben den Eindruck, dass sie in ihrem schulischen Alltag zu wenig politische Bildung erfahren und es von ihrer Seite einen sehr klaren Bedarf an objektiver, politischer Bildung gibt. Von fehlendem Interesse an der Politik kann hier keine Rede sein! Im Gegenteil.

Andreas Prenn
06.05.2022

In der Pubertät müssen Jugendliche eine...

In der Pubertät müssen Jugendliche eine Vielzahl an herausfordernden Entwicklungsaufgaben meistern. Neben der Bewältigung der körperlichen Entwicklung, gilt es sich vom Elternhaus abzulösen, die eigene Schul- und Berufskarriere zu planen und zu entscheiden, Freundschaften und sexuelle Beziehungen aufzubauen, ein eigenes Werte- und Normensystem und selbstständige Konsummuster zu entwickeln. Die Covid-19-Pandemie hat viele Jugendliche in diesen – für die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit – notwendigen Entwicklungsschritten beeinträchtigt. Die gewohnte Tagesstruktur ging verloren, Freizeitbeschäftigungen wie Sport, Vereine, Ausgehen und Freunde treffen waren nur bedingt möglich. Viele Bildungs- und Berufsentscheidungen mussten getroffen werden, ohne ausreichend Möglichkeiten sich „vor Ort“ zu informieren oder zu „schnuppern“.
Gleichzeitig waren digitale Medien omnipräsent. Die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones und anderen digitalen Geräten ist gestiegen, Computerspiele wurden zum wichtigsten Zeitvertreib.
Mehrere wissenschaftliche Studien kommen zum Ergebnis, dass die pandemiebedingten psychischen Belastungen für viele Kinder und Jugendliche enorm sind. Depressive Symptome, Ängste, Schlafstörungen sind die Folge. Dies wiederum resultiert nicht selten in einem problematischen Konsum von Alkohol, Cannabis und anderen psychoaktiven Substanzen – insbesondere Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmedikamente, Angstlöser). Bei Mädchen nehmen Essstörungen überproportional zu.
Was Kinder und Jugendliche jetzt vor allem brauchen, ist Verständnis für ihre mitunter nicht einfache Situation. Es liegt an uns Erwachsenen, aber vor allem an der Politik, ihnen das notwendige Maß an Sicherheit und Halt zu geben, damit ihr Grundvertrauen wieder steigt, sie wieder Sinn und Perspektiven erkennen.

Lisi Hutter
06.05.2022

Emotionale Intelligenz, unser wichtigstes Gut...

Emotionale Intelligenz, unser wichtigstes Gut, hat leider kaum noch Stellenwert in unserer Gesellschaft. Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, wie wir uns selbst und anderen begegnen. Bewusst hinzuschauen, auf sein Innenleben und auf das der anderen, zu erkennen, was im Selbst und im Gegenüber vorgeht, Bedürfnisse bewusst anzunehmen und darauf zu reagieren, das ist nur etwas für ganz Mutige. Es heißt, für sich einzustehen, auszubrechen aus der ewigen Schon- und Opferhaltung, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Wohlbefinden, die Angst vor dem Ungewissen und vor Ablehnung zu überwinden.
Emotionale Intelligenz heißt: Verstehen, wer wir sind. Bewusst auf zwischenmenschliche Signale achtgeben. Leider vergessen wir das viel zu oft, denn unsere Welt dreht sich gefühlt viel schneller als noch vor einigen Jahren. Unser Zeitalter ist geprägt von Schnelllebigkeit, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit, auch bekannt unter dem Namen VUCA Welt. Keiner von uns weiß, was morgen kommt. Leistungsdruck, Überforderung, Existenzängste und Dauerstress sind gängige Begleiterscheinungen dieses Wandels. Social Media und andere Medien gaukeln uns eine Welt des Perfektionismus vor. 
Somit haben wir mehr denn je das Gefühl, funktionieren zu müssen. Die Phänomene nicht gut genug zu sein, nicht richtig zu sein, sind normale gesellschaftliche Begleiterscheinungen. Auch da ist soziale emotionale Intelligenz ein wichtiger Schlüssel, um das Konstrukt unserer Weltanschauung zu hinterfragen und endlich zu durchbrechen. Dieses Bewusstsein gibt uns die Fähigkeit, Kraft zu tanken aus den eigenen Ressourcen und das wiederum steigert unsere Resilienz-Fähigkeit. Wir können das Außen nicht verändern – allerdings können wir täglich aufs Neue entscheiden, was es mit uns macht und wie wir damit umgehen.

Gert Gröchenig
06.05.2022

Schockanrufe, falsche Polizisten und dann noch...

Schockanrufe, falsche Polizisten und dann noch völlig fremde Personen, die sich als Enkel oder Neffen ausgeben – das alles nur mit dem Ziel, so leicht wie möglich an so viel Geld wie möglich zu gelangen. Die derzeit gängigen Betrugsmaschen haben sich als wahre Gelddruckmaschine erwiesen. Dabei ist der Aufwand, der hier betrieben wird, gar nicht ohne: Die straff organisierten, kriminellen Banden unterhalten ganze Call Center, Mitarbeiter in der „Kundenakquise“, die aus Telefonbüchern potenzielle Opfer herausfiltern und „Außendienstler“ vor Ort, die die Opfer um ihr Erspartes bringen. Und wie kann man sich schützen? Ganz einfach – Wissen schützt! Bei Anrufen von unbekannten Personen einfach das Telefon auflegen! Die Polizei wird nie nach Bankkonten, Bargeld oder Schmuck fragen! Wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich an nahe Angehörige oder direkt an die Polizei.
Die Polizei führt regelmäßig Vorträge zu diesen Themen durch und klärt über die Betrugsmaschen auf. Sie können auf jeder Polizeidienststelle nach den Spezialisten der Kriminalprävention fragen und mit uns Kontakt aufnehmen! Außerdem findet am 26. August beim Bildungszentrum der Sicherheitsexekutive in Gisingen ein „Seniorenaktionsnachmittag“, mit allen Blaulichtorganisationen statt. Das Thema Sicherheit für Senior:innen steht im Mittelpunkt. Jede Beratungs- und Vortragstätigkeit der Polizei ist für Sie natürlich gratis – aber sicher nicht umsonst! Kontakt: jede Polizeidienststelle 059133 oder lpd-v-lka-­kriminalpraevention@polizei.gv.at oder gemeinsamsicher-v@polizei.gv.at 

Lisa Weiß
01.04.2022

Die Pandemie beherrscht uns nun schon seit...

Die Pandemie beherrscht uns nun schon seit zwei Jahren. Und seit zwei Jahren müssen sich Kulturinstitutionen und –initiativen die Frage stellen: Was kann, soll oder darf Kultur in Zeiten wie diesen? Kultur hat immer den Anspruch auch die Krisen zu bearbeiten, Missstände aufzuzeigen, für soziale Gerechtigkeit und vor allem auch für Frieden einzustehen. Die Pandemie hat uns gezwungen, in vielen Bereichen die Kultur abrupt zu stoppen. Somit wird auch der Kultur ihre Aufgabe genommen, sich mit Themen wie einer Pandemie in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir müssen uns viele Fragen wieder neu stellen – was kann Kultur? Wozu brauchen wir Kunst und Kultur? Ist Kultur systemrelevant? Am Publikum, das sich langsam wieder in Kulturveranstaltungen wagt, sehen wir – Kultur ist wichtig für die Gesundheit der Menschen, Kultur nährt uns. Wir brauchen Kultur, um zu überleben. Kultur ist viel wichtiger, als die meisten Menschen begreifen können. Und ja, Kultur ist sehr wohl auch relevant für das Funktionieren unserer Gesellschaft, unseres „Systems“.
Nach über zwei Jahren Kulturpause scheint ein großer Teil der Kulturkonsumenten vergessen zu haben, was Kultur mit ihnen macht, wie Kultur berührt. 
Und die, die kommen, die erkennen: Leben ohne Kultur ist trauriger, macht müde, zieht Energie. Sie haben es über die Schwelle geschafft – die Schwelle, das erste Mal wieder im Theater zu sitzen, im Konzert im Rhythmus mitzuschwingen. Deshalb mein Aufruf an Sie: wagen Sie es. Gehen Sie über diese Schwelle. Gehen Sie ins Konzert, besuchen sie wieder mal das Theater. Spüren Sie wieder die Magie, die Kunst und Kultur über Sie legt. Geben Sie sich eine Chance zu erkennen, was sie vermisst haben. Und wachen Sie am nächsten Morgen zufrieden, dankbar, voller Energie und ein bisschen weniger müde auf.

Frauke Kühn
01.04.2022

Eigentlich gehe ich Lyrik möglichst immer aus...

Eigentlich gehe ich Lyrik möglichst immer aus dem Weg!“ Hinter diesem Satz einer Studentin verbirgt sich die Lyrikskepsis mehrerer Generationen. Dabei werden wir doch alle vom Kleinkind- bis ins Volksschulalter mit bildlich wie klanglich originellen Schüttel- oder auch Abzählreimen in Berührung gebracht und zum Spiel mit der Sprache aufgefordert. Doch plötzlich hört der pure Sprach-Spaß auf. Wir bestimmen Reimschema und Metrum, ordnen Gedichte in literaturgeschichtliche Kontexte ein und lernen, dass es ein Richtig und ein Falsch in der Deutung von Lyrik gibt. Nicht selten lassen diese kognitiv analytischen Zugänge langfristige Lyrik-Hürden entstehen.
Wie aber können wir den Puls der Lyrik spürbar machen? Wo sind, abseits der Instagram-Poetry und Poetry Slams, die Bühnen für klassische und zeitgenössische Lyrik, die ein junges Publikum anziehen?
Als künftiges Literaturhaus Vorarlberg, das 2024 in Hohenems eröffnet, schlagen wir diese Bühnen dort auf, wo junge Menschen längst sind. Nachdem wir unseren Instagram Account mit den Stimmen zeitgenössischer Lyriker:innen in eine Hörbühne verwandelt haben, wagen wir jetzt auf TikTok den nächsten Schritt. Der Vorarlberger Schauspieler Nico Raschner, die TikTok-Germanistik-Ikone Teresa Reichl und mehrere Schulklassen der BHAK/BHAS Lustenau inszenieren und analysieren auf unseren TikTok-Kanal @literaturhaus lässig lebendig mehrmals in der Woche Lyrik von Else Lasker-Schüler, Rainer-Maria Rilke, Nora Bossong oder auch Cem Yilmaz. Wie wir die Klassen aus Lustenau gewinnen konnten? Ganz sicher mit der Überzeugungskraft ihrer engagierten Lehrerinnen – und mit dieser Frage: „Finde dein Lieblingsgedicht. Stell dir vor, du könntest in das Gedicht hineingehen. Was möchtest du dort tun?“ Jetzt Sie!

Michael Hellwig
01.04.2022

Die vergangenen Jahre haben verdeutlicht, wie...

Die vergangenen Jahre haben verdeutlicht, wie schnell sich Lebensumstände verändern können. Auch wirtschaftliche Entwicklungen sind dabei zunehmend unvorhersehbaren Fluktuationen ausgesetzt (Klimawandel, Corona, Ukrainekonflikt), die es den Unternehmen erschweren, sich mit etablierten Geschäftsmodellen zu behaupten. Existierende Entscheidungswerkzeuge sind mit solch dynamischen wirtschaftlichen Situationen oft überfordert. Um diese Herausforderungen zu meistern, orientieren sich Unternehmen daher an neuen dynamischen Geschäftsmodellen. Diese wiederum benötigen innovative Verfahren, um den Marktveränderungen gerecht zu werden.
Robuste und nachhaltige Entscheidungen sollten nicht allein auf statischen Zielsetzungen beruhen, sondern erfordern das Erlernen flexibler Anpassungen dieser Zielvorgaben. Marktunsicherheiten können sich beispielweise unmittelbar auf die Ressourcenverfügbarkeit und damit auf die Planung der Produktion auswirken. Unternehmen sind daher an der Absicherung gegenüber solchen Unsicherheiten interessiert. Das JR-Zentrum für Robuste Entscheidungen entwickelt innerhalb des Forschungszentrums Business Informatics der FH Vorarlberg entsprechende Lösungsansätze mit seinen regionalen Projektpartnern. Dazu analysieren wir unter Verwendung von mathematischen Methoden die bereitgestellten Prozessdaten und entwickeln robuste Verfahren zur Unterstützung der Entscheidungsträger. Die Fragestellungen umfassen sowohl die Analyse von Unsicherheitsfaktoren und zugehörigen Risikoabschätzungen als auch das Erlernen von Zusammenhängen in den Daten und die robuste Optimierung der Prozesse.
Mit unserer Forschungsarbeit beabsichtigen wir zur Widerstandsfähigkeit der Partnerunternehmen und somit zur Wahrung der Konkurrenzfähigkeit der Region Vorarlberg beizutragen.

Bettina Steindl
01.04.2022

Sicher nicht! Wir müssen alles uns zur...

Sicher nicht! Wir müssen alles uns zur Verfügung Stehende nutzen, um aus einer Krise andere Schlüsse zu ziehen, als bisher. Jetzt geht es um Wissen, um Sichtbarkeit und um LERNEN!“ Kurz nach Kriegsausbruch sollte ich einen Vortrag über „Mehr Sichtbarkeit für Frauen“ halten. Ein Thema, das mich als Professionalistin, als eine von vier Schwestern und Kind emanzipierter Eltern von jeher begleitet. Plötzlich, unter dem Gesichtspunkt von Krieg, einer menschlichen, politischen und wirtschaftlichen Katastrophe dieses Ausmaßes, fehlte der Sinn. Ich wusste nicht mehr, ob ich soll, was ich will. Ich fragte mich und andere, ob wir uns für die falschen Inhalte stark machen und für unwahre Werte und Haltungen Überzeugungsarbeit leisten. SICHER NICHT ist die Antwort von Ruth Swoboda, Direktorin der inatura. SICHER NICHT denke ich: Ich glaube unerbittlich an die Kraft von Solidarität und an den Willen von Menschen zur Gemeinschaft.
Als Geschäftsführerin der CampusVäre transformieren wir gemeinsam mit Partner:innen und Pionier:innen ehemalige Industriehallen (Gerard Mortier nannte sie „Kathedralen der Industriekultur“) und sagen „Werkstatt zur Entwicklung der Zukunft“ dazu. Wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Umbruch, der mit humanistischen und kreativen Werkzeugen bearbeitet werden sollte. Aus einer Spinnerei wird ein Hub für Kreative und Start-ups, für Unternehmen und Studierende, für Künstler:innen und Innovative. Warum? Weil wir davon überzeugt sind, Kreative sind der Rohstoff der Zukunft und ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für Regionen in Europa.
Um solche (Frei)Räume und „Vereinshäuser“ für uns Zukunftsschaffenden zu ermöglichen, müssen wir gemeinsam für Sichtbarkeit sorgen, wir müssen unser Wissen teilen und vor allem: noch viel lernen!

Janine Hämmerle
03.03.2022

Als Erwachsener haben wir bereits viele...

Als Erwachsener haben wir bereits viele Lerndestinationen erkundet. Der Reisekoffer an Erfahrungen und Expertisen ist gut befüllt, und Neues hat wenig Platz. Aktuell erleben wir eine Zeit intensiver Veränderungen. Was geschieht, wenn der Reisekoffer umgepackt werden muss? Was braucht die Reise ins Land des verLERNENS? 
Beim gezielten Loslassen von überholten Konzepten helfen Gruppenreisen. Das Gehirn als Energiesparer hält an bereits vorhandenen Vorstellungen und Routinen fest. Stellen Sie sich das wie einen inneren Algorithmus vor, der hilft Informationen zu filtern. Es werden die Inputs bevorzugt, die Ihr aktuelles Mindset unterstützen. Diese Filter können wir mit Diversität in Gruppen mitgestalten. Ein Perspektivenwechsel in einem Umfeld von unterschiedlichen Mindsets und Expertisen unterstützt das kollektive Finden von Lösungen. Der individuelle Algorithmus wird angereichert und erlaubt ein verLERNEN mit- und voneinander.
Die Motivation zur Veränderung ist ein weiterer wichtiger Reisefaktor. Wenn das individuelle „Wofür“ der Destination klar ist, fühlen wir uns nicht wie ein Opfer der Umstände. Machen wir Menschen zum Teil des Prozesses, nehmen wir sie auf die Reise mit! Anstelle von traditionellem Training bietet sich hier Facilitation von verLERN Themen an. Die/Der Facilitator gibt Teilnehmenden Raum und Struktur, sich wertschätzend mit ihrem aktuellen Mindset zu befassen. Die „Reiseleitung“ aktiviert kollektives Reflektieren und hilft neue Herangehensweisen zu erarbeiten, die in der neuen Destination wichtig sind. 
Meine Reiseempfehlung zum VerLERNEN: Geführte Gruppenreisen. Wertschätzendes Hinterfragen und die Kraft der Gemeinschaft helfen, Vorhandenes zu ehren, Neues zu begrüßen und Hinderliches loszulassen.

Angelika Schwarz
03.03.2022

Einer meiner Lieblingsmenschen ist kürzlich...

Einer meiner Lieblingsmenschen ist kürzlich schwer verunglückt. In einem EU-Land im Süden. In Vorarlberg wäre der Rettungseinsatz samt Bergung per Hubschrauber schnellstmöglich erfolgt, eine anschließende Notoperation und die medizinische Betreuung im Krankenhaus hätten den Leidensweg auf ein Minimum verkürzt und die gesundheitlichen Folgen deutlich gemildert. Ein solcher Ablauf wäre hierzulande als selbstverständlich gewertet worden.
Einige Kilometer weiter weg, wo das Gesundheitswesen offiziell ebenfalls „europäischem Standard“ entspricht, erfolgte die Bergung nach Stunden. Zu Fuß und per Trage, bewegt von zwei Freiwilligen. Und wer denkt, dass ein Kissen im Spitalsbett oder ein Kleidungswechsel bei Schwerverletzten zu besagtem „Standard“ gehören, der irrt.
Wer keine Angehörigen hat, die pflegerische Tätigkeiten am Bett übernehmen, der muss sich – Vorarlberger Betreuung gewohnt – auf einen hygienischen und psychischen Horrortrip gefasst machen. Von der medizinischen Behandlung ganz zu schweigen. 
Dass wir in unserem Land in der privilegierten Situation sind, auf höchster Stufe gesundheitlich versorgt zu werden, war mir als Mitglied einer Ärzte-, Krankenschwester- und Radiologietechno­log:innen-Familie schon als Kind bewusst. Dass auch bei uns kritisch an Verbesserungen gefeilt werden darf und muss, ebenso. Aber dass diese Kritik auf einem derart hohen Niveau geschieht, habe ich selten so deutlich gesehen.
Seit etwas mehr als einem Jahr habe ich die Möglichkeit, beruflich hinter die Kulissen unseres Gesundheitssystems zu blicken. Und das während einer Pandemie, in der dieses System in den Mittelpunkt gerückt ist. Die Innensicht hat mich bestärkt: Kritisch zu sein ist gut. Wichtig ist dabei nur, sich des Niveaus bewusst zu sein, auf dem man sich bewegt.

Beate Nadler-Kopf
03.03.2022

Zu Beginn meines Architekturstudiums hatte ich...

Zu Beginn meines Architekturstudiums hatte ich eigentlich Glück. Ich drückte mich vor jenem Entwurfsprofessor, dessen Studenten sich mit phantastischen Gebilden überboten und dockte lieber bei Instituten mit den unaufgeregten Namen „Raumgestaltung“ und „Gebäudelehre“ an. Dort lernte man Orte und Räume zu lesen und zu analysieren, bevor man einen Bleistift in die Hand nahm. Die Nachbesetzung meiner Lehrer folgte dann, dem Zeitgeist entsprechend, eher dem ästhetischen Prinzip der Vielfalt. Die Einordnung von Entwürfen in den städtebaulichen Kontext war nicht mehr gefragt. Die Auswirkungen sind mittlerweile an unserer Baulandschaft ablesbar. Wir stehen hier in Vorarlberg vermutlich ganz oben, was die Ästhetik betrifft – bestgekleidete und zu Recht hochgelobte Solitäre, aber eben oft ohne Bezug zur Umgebung. Der Bruch zu den Dörfern und Städten mit ihren Identität und Orientierung stiftenden Ortsbildern ist von jedermann spürbar. Die Sehnsucht nach Authentizität stillt die moderne Konsumgesellschaft eben in den Seelenräumen der historisch gewachsenen Zentren, wo der öffentliche Raum noch als „Ort“ erlebbar ist.
Baukultur war aber immer Spiegel der Gesellschaft. Wenn heute Individualismus und Diversität als Leitbild der Gesellschaft fungieren, ist das an der Baukultur ebenso ablesbar wie Monotonie und Beziehungslosigkeit. Was heißt das fürs Bauen? Wenn eine Gemeinschaft – und als solche sind auch Siedlungen zu sehen – funktionieren soll, müssen wir uns eine gemeinsame Basis aus Überzeugungen und Regeln zurechtlegen. Abseits von Dichtezahlen brauchen wir im Städtebau mehr Analysen, Visionen und Leitlinien für übergreifende Siedlungsstrukturen. Scheinbarer Individualismus hat sich hier einer tragenden Homogenität unterzuordnen – zugunsten eines großen Ganzen. PS: Ortsbildinventare sind mögliche Instrumente der Siedlungsentwicklung. (Beispiel Ortsbildinventar Bregenz Dorf)

Roswitha Fessler
03.03.2022

Vielfach herrscht immer noch die Meinung vor,...

Vielfach herrscht immer noch die Meinung vor, dass Frauen zur Kultur-, Wissenschafts- und Politikgeschichte einen geringeren Beitrag geleistet hätten als Männer. Der neueren Forschung ist es zu verdanken, dass dieser Irrtum aufgedeckt werden konnte und überkommene Vorstellungen und Klischees über die historische Rolle der Frau infrage gestellt werden müssen. Die offizielle Geschichtsschreibung ist aber leider noch weit davon entfernt.
Mit Hilfe neuer Analysemethoden konnte zwar belegt werden, dass in manchen Fürstengräbern, bestattet mit ihren Waffen und Streitwagen, Fürstinnen ruhen, deren Skelette man automatisch Männern zugeordnet hatte, trotzdem wird immer noch ausschließlich von Herrschern gesprochen. Man weiß inzwischen, dass Bilder von Künstlerinnen ihren Vätern, Ehemännern oder Kollegen zugeschrieben wurden, dass Kompositionen von Frauen in Archiven zu entdecken wären, ihre Namen sind aber immer noch nur wenigen geläufig. 
Der Anteil der Frauen an Literatur, Philosophie oder den Naturwissenschaften wurde lange geleugnet oder marginalisiert, ihre Entdeckungen und Erfindungen negiert, im besten Fall als Ausnahmeerscheinungen abgetan. Mathematikerinnen wie Ada Lovelace, die schon 1834 das erste Programm für eine Rechenmaschine schrieb, sind weiten Teilen der Bevölkerung auch heute noch unbekannt, weil sie in keinem Schulbuch erwähnt werden. Solange die Leistungen dieser Frauen nicht als selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts gelten, sie in Medien und Museen unterrepräsentiert sind, bleiben sie unsichtbar. Um sie ans Licht zu holen, ist ein anderer Blick auf die Geschichte notwendig, auch, weil Mädchen und Frauen Vorbilder brauchen, die ihnen bei ihrer Lebensgestaltung Orientierung verleihen und neue Wege für ihre Entwicklung aufzeigen.

Brigitte Eggler-Bargehr
04.02.2022

Unser gesellschaftliches Leben stellt uns alle...

Unser gesellschaftliches Leben stellt uns alle – gefühlt schon viel zu lang – vor große Herausforderungen. In­stitutionen müssen unter Unsicherheit oft weitreichende Entscheidungen fällen, Menschen weiterhin mit Verunsicherung leben. Es fällt schwer, das zu akzeptieren, schafft Unbehagen, macht Angst. Angesichts sehr komplexer Themen, wie der Pandemie, kapituliert unser rationales, logisches und langsames System-2-Denken und wir wechseln unbewusst in das intuitive, automatisch funktionierende System-1-Denken. Anstatt mühsam eine große Bandbreite an Informationen und Expertenwissen zu sammeln und zu verarbeiten, neigen wir zu Vereinfachungen. Wir verlassen uns vor allem auf Erinnerungen und Analogien, viel zu gern auf solche, die unsere bestehenden Sichtweisen stützen. Diese Erkenntnis hat bereits der Nobelpreisträger Daniel Kahneman beschrieben.
Nur wenn Institutionen sorgsam darauf achten, möglichst keinen Wahrnehmungsverzerrungen zu unterliegen, können sie Sachverhalte objektiv darstellen und für Transparenz sorgen. Beides, ein hohes Maß an Sachlichkeit und umfassende Transparenz, schafft Glaubwürdigkeit. Und diese ist entscheidend für Wirksamkeit. Das gilt für staatliche Institutionen und natürlich auch für den Landes-Rechnungshof. Wesentlich ist, in welchem Ausmaß gute und verlässliche Datengrundlagen vorhanden sind und wie nachvollziehbar daraus Schlüsse abgeleitet werden. Aufbau und Pflege aussagefähiger Daten sind daher wichtig – nicht nur während der Pandemie.
Daten mit unterschiedlichen Definitionen, Detailgraden oder Auswertungszeitpunkten schwächen das Vertrauen der Bevölkerung in deren Richtigkeit und in die Akzeptanz daraus abgeleiteter Maßnahmen. Dieses gesellschaftliche Vertrauen brauchen wir für eine funktionierende Demokratie.

Dieter Bitschnau
04.02.2022

Die Pandemie hat uns vieles vor Augen geführt...

Die Pandemie hat uns vieles vor Augen geführt. Auch die Auswirkungen missglückter Kommunikation. Erfolgreiche Krisenkommunikation basiert auf Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Dafür müssen einige Grundprinzipien eingehalten werden. 1. Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Das, was gesagt wird, muss stimmen. Auch wenn der öffentliche und mediale Druck nach Antworten hoch ist: Was ich nicht halten kann, hat in meinen Aussagen nichts zu suchen, denn es holt mich später wieder ein. 2. Die Verantwortlichen müssen Handlungsfähigkeit vermitteln, auch wenn nach einem Krisenausbruch die Ursachen und – erst recht – die Lösung für das Problem in der Regel nicht auf der Hand liegen. Der Schwerpunkt der Kommunikation liegt dann im Kommunizieren der strukturierten Vorgehensweise und der nächsten Schritte, die zur Aufklärung führen. 3. Die Entscheidungen müssen nachvollziehbar und wirkungsvoll sein, ansonsten schwindet der Rückhalt. Eine Sperrstundenverlegung von 23 auf 22 Uhr zählt weniger dazu. Die Menschen verlangen nach klaren Regeln. Auch oder gerade in einer Krise. Ständige im Tagesrhythmus wechselnde Vorgaben und neue Verordnungen hingegen spielen nur den Kritikern in die Hände. 4. Mit einer Stimme sprechen. Zugegeben, das ist oftmals leichter gesagt als getan. Aber zumindest sollten es die engagierten Berater und Experten der politischen Entscheidungsträger schaffen, nicht durch Überraschungsinterviews vom gemeinsamen Kurs abzukommen. Das betrifft auch öffentlich getätigte Mutmaßungen zum 4. Stich zu einem Zeitpunkt, bei dem sich alle Kräfte darauf fokussieren, Unentschlossene überhaupt zu einer Immunisierung zu bewegen. Fehler in der Kommunikation erschweren nicht nur das Pandemiemanagement, sondern haben das Potenzial für weitere Krisen. In der aktuellen Situation nämlich für eine Gesellschaftskrise.

Katrin Löning
04.02.2022

Der sehr dehnbare Begriff Nachhaltigkeit als...

Der sehr dehnbare Begriff Nachhaltigkeit als Grundlage vieler Entscheidungen muss in seiner Gewichtung neu überdacht werden! Klimawandel, Ressourcenknappheit und Verlust der Biodiversität (das berühmt-berüchtigte Dreieck) sind als bisher oft vernachlässigter Gegenpart zu Ökonomie und Sozialem nicht mehr verhandelbar. Wir müssen den Klima- und Ressourcenschutz sowie die Sicherung der Biodiversität als unbedingte Prämissen, als unverrückbaren Rahmen unserer Entscheidungen und als lebenswichtige Herausforderung für unser Tun verstehen. Hier ein Beispiel: Unsere Basis in der Siedlungsentwicklung und -planung ist der Erd-Boden, der den Grund für Gebäude und Straßen darstellt und auch die Schlüsselrolle in einer klimaresilienten Siedlung einnimmt. Natürlich gewachsener, lebendiger Boden speichert Wasser und Kohlenstoff, bietet schattenspendenden Bäumen und Sträuchern Platz für ihre Wurzeln und außerdem Lebensraum für Milliarden von Organismen. In unseren Siedlungen werden solche „originalen“ Böden in Zukunft ein rares Gut sein, denn Österreich und auch Vorarlberg sind Europameister in Bodenversiegelung. Und ist ein Stück Erd-Boden erst einmal versiegelt, gehen seine über Jahrhunderte entstandenen, als selbstverständlich angesehenen multifunktionalen Gratisleistungen für uns verloren.
Für die Zukunft ist daher zu überlegen, den humosen Boden verbindlich in die Planung mit einzubeziehen und Ver- sowie Überbauung auf schon versiegelten und befestigten Flächen vorzunehmen. Gebäude, Plätze und Straßen sind in erster Linie mit unbedingter Rücksicht auf den gewachsenen Boden, einen eventuellen Baumbestand, auf größtmöglichen Wasserrückhalt und natürlicher Kühlung zu platzieren. Eine Herausforderung, der sich auch in gewerblichen und privaten Bereichen gestellt werden sollte, weil sie Lebensqualitäten in unseren Siedlungen sichert.

Janine Gozzi
04.02.2022

Erst kürzlich wurde ich im Interview gefragt,...

Erst kürzlich wurde ich im Interview gefragt, was einen Rotkreuzler auszeichnet, was ihn zu dem macht, was er ist und lebt. „Es ist kein Geheimnis, vielmehr die Selbstverständlichkeit, sich für den Nächsten einsetzen zu wollen“, lautete damals meine spontane Antwort.
Spontan, denn verinnerlicht. Schon mein Leben lang begleiten mich Menschen, die sich beim Roten Kreuz engagieren. So durfte ich von Kindesbeinen an erfahren, dass Helfen an keine Bedingung geknüpft ist, dass Hinschauen eine Notwendigkeit ist, dass Mensch einfach Mensch ist und dass eine Notsituation keine Unterschiede kennt.
Eine Wertevorstellung, die gerade in diesen ungewöhnlichen Corona-Zeiten an Relevanz nicht zu übertreffen ist und doch von unserer gesamten Mannschaft kompromisslos mitgetragen wird. Auch wenn die Herausforderungen noch so groß und die zusätzlichen Anforderungen noch so aufwendig waren, unsere beruflichen wie auch ehrenamtlichen Mitarbeiter stellten sich der Aufgabe, packten an und meisterten schluss­endlich die Challenge.
Ja, ich schwelge absichtlich in Superlativen, denn was in den zwei Jahren der Pandemie geleistet wurde, ist immens und in Zahlen erst gar nicht zu belegen: So viele ehrenamtliche Stunden liegen hinter unserer Mannschaft, so viel Enthusiasmus, so viel Durchhaltevermögen, so viel Kampfgeist.
Und ja, ich verwende bewusst die Vergangenheitsform. Denn mit den fortschreitenden Zahlen der Geimpften und Genesenen sowie der Maske als unseren ständigen Begleiter steigt mein Optimismus, meine Zuversicht, dass das Virus an Bedeutung und vor allem an Bedrohung verliert. In diesem Sinne richten wir den Blick Richtung Zukunft – eine gute, in der wir als Institution Rotes Kreuz unser Kranken- und Rettungssystem optimieren, unser Bildungsangebot erweitern wollen und somit unsere beruflichen wie auch ehrenamtlichen Mitarbeiter entlasten können. Wir wollen weitermachen. Wir wollen weitergehen. Wir wollen weiterhelfen.

Melanie Greußing
09.12.2021

Vorarlberg beweist immer wieder...

Vorarlberg beweist immer wieder Innovationskraft. Ein Land, das sich durch eine besonders bunte Kulturlandschaft auszeichnet und von mutigen, tatkräftigen wie idealistischen Menschen belebt wird. Menschen mit großem Herzen und klarem Blick für das Wesentliche.
Ich war 16 Jahre weg und staune nun ob der großen Dichte dieser Menschen. Sie finden sich unter anderem in der Kunst- und Kulturszene, der Jugendarbeit, in der Kulturvermittlung, unter Pädagog:innen, wie auch in der Bildungsdirektion und der Kulturabteilung. Letztere haben gemeinsam kürzlich „Double Check. Netzwerk für Kultur und Bildung in Vorarlberg“ gegründet. Den Beweggrund hat unsere Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink – Mitglied unseres Vereins – auf den Punkt gebracht: „Die aktive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur ist ein Teil der Menschwerdung.“ Kultur als wesentlichen Faktor einer chancenreichen Zukunft für Kinder und Jugendliche auch im Verständnis der Marke Vorarlberg – Kooperationspartner von Double Check.
Getragen von Land und Bund – auch der OeaD ist in unserem Verein vertreten – gibt es nun mehr finanzielle und personelle – das bin ich – Ressourcen. Double Check ist Service-, Anlauf-, Koordinations- und Fördersstelle. Viele Kräfte werden gebündelt, stärken sich gegenseitig und wirken gemeinsam. Ziel ist es, Kunst und Kultur nachhaltig in unserem Bildungssystem zu verankern. Wir vernetzen, ermöglichen, initiieren, bauen Barrieren ab, sind unbürokratisch. Kultur und Bildung gehen aufeinander zu, nehmen ihre Verantwortung wahr, kooperieren, befruchten sich gegenseitig. Im Fokus stehen Kinder vom Elementarschulalter bis hin zu Heranwachsenden in höheren Schulen und Lehrlinge. Ein lustvolles Miteinander, das enorme Potenziale birgt und unser Leben reicher macht. 

Pater Martin Werlen
09.12.2021

solidarität ist der Schlüssel, um aus der...

solidarität ist der Schlüssel, um aus der Schlinge der Pandemie herauszukommen. Nur miteinander gelingt es. Wer einfach auf sein ICH pocht und den Blick zum WIR verpasst, steht diesem Miteinander im Weg. Solidarität ist auch der Schlüssel zum Geheimnis des Weihnachtsfestes. Es ist ein Fest des WIR von Gott und Mensch, von Mensch und Mensch, von Mensch und Schöpfung.

Es stimmt mich sehr traurig, wenn Menschen – zudem Getaufte – vom Staat zur Solidarität verpflichtet werden müssen. Was ich dabei leicht vergesse: Die Mehrheit der Bevölkerung trägt in großer Solidarität die Situation mit – über alle Generationen, Erfahrungshintergründe, Religionszugehörigkeiten und Kulturen hinweg.

Wir können hoffen und dazu beitragen,

›› dass die Menschen, die in verschiedenen Bereichen – vor allem im Gesundheitswesen – jetzt oft über ihre Kräfte gefordert sind, die ihnen zustehende Anerkennung erfahren.

›› dass nicht mehr Menschen in politische Verantwortung gewählt werden, die durch ihr respektloses Verhalten in aller Öffentlichkeit ungestraft gezielt zur Spannung in der Gesellschaft beitragen.

›› dass Algorithmen in den sozialen Medien nicht mehr ungehindert den wissenschaftlichen Diskurs in Kreisen der Bevölkerung verhindern und stattdessen abstruseste Theorien verbreiten können.

Ein großes „Vergelt’s Gott“ an alle, die in den vergangenen Monaten auch durchs Impfen ihre Verantwortung in der Gesellschaft wahrgenommen haben. Die Übrigen ermutige ich, diesen Schritt jetzt sofort zu tun. Was ich denke von Menschen, die in einer solchen dramatischen Situation vom Staat zur Solidarität gezwungen werden müssen, behalte ich wohl besser für mich … Damit viele Menschen das Geheimnis von Weihnachten erfahren dürfen.

Magdalena Rauter
09.12.2021

Wir befinden uns momentan in einer Zeit, die...

Wir befinden uns momentan in einer Zeit, die voller Herausforderungen ist. Das liegt daran, dass sich die Umweltbedingungen verändern. Ressourcen werden knapp, die Umweltverschmutzung nimmt zu. Trends und Modelle werden entwickelt, um diese Dynamiken zu verstehen und um adäquat handeln zu können. Die große Herausforderung in Bezug auf diese verschiedensten Umweltprobleme sieht man anhand von unterschiedlichen Handlungsmustern. Die Wissenschaft bezieht sich auf eine Reihe von Klimaszenarien, um die Thematik zu kommunizieren, während die Wirtschaft vermehrt den Nachhaltigkeitsgedanken leben muss. Doch wo positioniert sich die Gesellschaft? Die Gesellschaft befindet sich genau an der Schnittstelle: Es gilt, die Zukunft gemeinsam zu gestalten und dabei vorausschauend und lösungsorientiert zu denken und zu agieren. Denn durch Konsum steuert die Gesellschaft einerseits die Wirtschaft, andererseits lenkt sie durch ihre Interessen auch die Politik. 
Fest steht, wir dürfen uns nicht von alten Handlungsmustern einschränken lassen, sondern müssen Innovation herbeiführen. Bouncing forward, statt bouncig back, eben. Um Transformation in Richtung Nachhaltigkeit herbeizuführen, sind alle Akteure gefragt. Das liegt daran, dass es so viele unterschiedliche Ansatzpunkte gibt. Verantwortung muss in allen Bereichen übernommen werden. Wenn das passiert, kann gesellschaftlicher Wandel stattfinden. 
Wir als Gesellschaft müssen also umdenken. Um dies zu ermöglichen, ist ein vernetzendes Denken notwendig. Die Bildung trägt einen maßgeblichen Teil dazu bei, Kompetenzen in diesem trans- und interdisziplinären Umfeld zu schaffen. Nur so kann es gelingen, dass Nachhaltigkeit nicht nur systemisch mitgedacht wird, sondern auch effiziente Lösungen für Umweltprobleme umgesetzt werden. 

Armin Fidler
09.12.2021

In den zwei Jahren der Pandemie wurde die...

In den zwei Jahren der Pandemie wurde die Komplexität des nationalen und internationalen Krisenmanagements sichtbar. Neben der epidemiologischen Herausforderung sind ethische, ökonomische, gesellschaftspolitische Fragen aufgetaucht. Trotz der schnellen Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffs bleibt die Situation – auch aus globaler Perspektive – prekär. Impfskeptizismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und nationalistischer Egoismus in reichen Ländern, und marode Gesundheitssysteme, sowie das Fehlen von Ressourcen in Staaten mit niedriger Wirtschaftsleistung stellen den Erfolg der globalen Pandemiebewältigung in Frage. Die vergangenen Monate haben die Bedeutung von Leadership in öffentlichen (nationalen und supranationalen) Institutionen im Pandemiemanagement aufgezeigt, aber auch die zentrale Rolle der forschenden Pharmaindustrie, sowie von Nicht-Regierungs-Institutionen (Rotes Kreuz).
Der Effekt von Pandemien reicht in alle gesellschaftlichen Bereiche und Wirtschaftssektoren, damit sind Gesundheitskrisen gleichzeitig Wirtschafts- und soziale Krisen. Fehleinschätzungen haben gezeigt, dass im Gesundheitssektor und in der Wirtschaft ein effektives Pandemiemanagement die jeweiligen Interessen aller Beteiligten abstimmen muss. Und die Bereitschaft der Menschen, Einschränkungen und Verhaltensveränderungen zu akzeptieren, ist auch davon abhängig, inwieweit sie in Entscheidungen eingebunden sind und ob grundsätzliches Vertrauen in Wissenschaft und Politik besteht. 
In Debatten um die Effektivität des Pandemiemanagements fehlt die Erkenntnis, dass die nachhaltige Bewältigung der Pandemie nur durch Zusammenarbeit über Sektoren und Nationen hinweg gelingen kann. Durch gemeinsames Handeln der Staatengemeinschaft, den mit der Gesundheitskrise betrauten internationalen Organisationen und in Partnerschaft mit dem Privatsektor haben wir eine Chance, diese Krise erfolgreich zu bewältigen, zu lernen und damit besser vorbereitet zu sein.

Klaus Feurstein
08.11.2021

Aufregende Zeiten erleben wir derzeit, auch in...

Aufregende Zeiten erleben wir derzeit, auch in Österreich. Eine Pandemie, die die ganze Welt in Atmen hält, in vielen Bereichen des täglichen Lebens zu gravierenden Einschnitten und auch zu unterschiedlichen Ansichten führt. Maskenpflicht ja oder nein, brauchen wir eine Impfpflicht, wie sinnvoll sind alle die unterschiedlichen Maßnahmen. Dies führt zu Diskussionen mit Freunden und in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Die unterschiedlichen Maßnahmen führen zu vielen gesellschaftlichen Einschränkungen und spalten die Gesellschaft. Diese Einschränkungen sind erforderlich und werden von den demokratischen, durch Wahlen legitimierten Institutionen mehrheitlich beschlossen.
Voraussetzung für die Akzeptanz dieser Einschränkungen und überhaupt für unsere Demokratie ist ein gewisses Maß an Vertrauen, dass die Bevölkerung diesen Institutionen und unseren PolitikerInnen entgegenbringt. Die Ereignisse in letzter Zeit – angefangen von Ibiza 2019, Hausdurchsuchungen bis zu den nun bekannt geworden Chatverläufen – tragen nicht dazu bei, dieses wichtige Gut „Vertrauen“ zu bewahren. Umso wichtiger für unser Zusammenleben und das Funktionieren einer Gesellschaft sind deshalb unabhängige, weisungsfreie und selbstbestimmte Kontrolleinrichtungen, wie auch die der Landesvolksanwaltschaft. 
Eine unabhängige Kontrolle von Entscheidungen, das Übersetzen und Erklären von Entscheidungen und die Möglichkeit, schlichtend einzugreifen, hilft, die vielen Gräben, die entstehen, zumindest ein wenig zuzuschütten und manchmal sogar ganz zu beseitigen. Moderne, durch Volksvertretungen legitimierte Kontrolleinrichtungen, die weisungsfrei und als Mittler zwischen Bürger und Staat agieren, können neben den gerichtlichen Kontrolleinrichtungen gerade diesen wertvollen Beitrag für unser gesellschaftliches Zusammenleben leisten.

Angela Jäger
08.11.2021

Wie sehr wir Gemeinschaft brauchen, wird uns...

Wie sehr wir Gemeinschaft brauchen, wird uns besonders klar, wenn wir sie nicht mehr frei suchen und leben können. Parallel zur Tatsache, dass Quartiere immer anonymer werden – wer kennt noch seine Nachbarn, Singlehaushalte zunehmen und es immer weniger Kinder gibt, entwickelt sich eine Sehnsucht nach einer neuen Gemeinschaft. Es ist eine Sehnsucht nach einer neuen Sorgekultur, nach einer neuen Denk- und Werthaltung, zielgruppen- und themenübergreifend, also nach einer „Caring Community“. 
Ist „Caring Community“ mit der heutigen Gesellschaft machbar? Das Ehrenamt und die dahinterliegenden, motivierenden Werte haben sich verändert. Uneigennützigkeit weicht der Selbstverwirklichung, die Bereitschaft sich zu engagieren ist eher projektbezogen und zeitlich begrenzt, soll der Persönlichkeitsentwicklung dienen und es muss ein Nutzen erkennbar sein.
„Caring Communities“ müssen heute deshalb mehr sein, als Nachbarschaftshilfe, es muss eine Verknüpfung von Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, bürgerschaftlichem Engagement, Familienarbeit und den Aufgaben des Staates sein. Sorgegemeinschaften brauchen Sorgestruktur. Sozialkompetenz muss früh gelernt werden, „Caring Community“ beginnt bereits in der Schule. Auf keinem Fall darf es zu einer Rückentwicklung in der Frauen- und Familienpolitik kommen und zu einer verklärten Nachbarschaftsbetrachtung. Die Eigenverantwortung in der Vorsorge muss gestärkt werden. 
In den Vorarlberger Krankenpflegevereinen wird Sorgekultur täglich gelebt. Menschen aus unterschiedlichsten Professionen übernehmen Verantwortung in der Vereinsführung und machen so Betreuung und Pflege zu einem gesellschaftlich getragenen Thema, sie verbinden Menschen, führen sie zusammen, genau darum geht es.

Heinz Seyringer
08.11.2021

Digitalisierung ist in aller Munde....

Digitalisierung ist in aller Munde. Jahrzehntelang sahen wir, wie sich dem Moore’schen Gesetz folgend die Leistung der Computer alle zwei Jahre verdoppelte. Ermöglicht wurde dies durch den Siegeszug der Halbleitertechnologie und die binäre Darstellung (Strom fließt oder fließt nicht), welche für Chips verwendet wird. Als die Computer immer mehr an ihre physikalischen Grenzen stießen, begann man sich Alternativen zu überlegen, um das Moore’sche Gesetz beibehalten zu können. Inzwischen zeichnen sich aber auch da Grenzen ab und die Notwendigkeit für revolutionäre Technologien rückt immer näher.
Bei der Quantentechnologie zeigte sich schnell, dass sie in vielen Bereichen das Potenzial zur Nachfolgetechnologie hat. Aber das Problem war, dass sie zunächst nur im Labor funktionierte und für Alltagsumgebungen viel zu empfindlich war. Heute hat man in vielen Bereichen diese Probleme überwunden und wir erleben den Einzug der Quantentechnologie in den Alltag. Neben spektakulären Meldungen, die das chinesische Quantenradar Stealth-Jets sichtbar macht, gibt es auch praktische Anwendungen der Quantentechnologie, von denen wir bereits in unserem Alltag profitieren. Glasfasernetzwerke sind heute so schnell, weil man Lichtquanten mit verschiedenen Farben gleichzeitig durch eine Glasfaser schicken kann, ohne dass sie sich gegenseitig stören. Wenn man Lichtquanten mit hundert verschiedenen Farben verwendet, verhundertfacht sich die Übertragungsgeschwindigkeit.
Der nächste Schritt werden die Quantencomputer sein, die zunächst mehr als Co-Prozessoren für die normalen Computer funktionieren werden. Viel spannender werden aber die Möglichkeiten sein, an die heute noch niemand denkt und die durch die exotischeren Aspekte der Quantentechnologie (wie zum Beispiel Teleportation) ermöglicht werden.

Aurelia Ullrich-Schneider
05.11.2021

Die Lehre ist ein wichtiger Baustein im...

Die Lehre ist ein wichtiger Baustein im Bildungssystem. Trotzdem fehlt vielen Betrieben – vor allem kleinen – der Nachwuchs und sie finden keine Fachkräfte. Schülerinnen, Schüler und Eltern sind oft überfordert, wenn sie die richtigen Entscheidungen für den weiteren Bildungsweg der Kinder treffen möchten. Mit einem alpenweiten Projekt haben wir gezeigt, welche Herausforderungen es beim Thema Lehre gibt und wie wir diese lösen können. In Vorarlberg waren im Projekt DuALPlus drei Pilotgebiete mit im Boot: die Landeshauptstadt Bregenz, die grenznahe Gemeinde Lustenau und das ländliche Montafon. 

 

Martina Ott
01.10.2021

Jeder zwölfte Schüler geht nicht gerne in die...

Jeder zwölfte Schüler geht nicht gerne in die Schule und ist dort auch sehr belastet. Zwar fühlt sich ein Großteil der Kinder und Jugendlichen in der Schule wohl, aber eben nicht alle. Um diesen Schülern und Schülerinnen zu helfen, muss man wissen, was ihr Wohlbefinden beeinflusst: Es sind vor allem Lehrpersonen, die hier Einfluss haben. Und ja, einfühlsame und wertschätzende Lehrer und Lehrerinnen tragen zur Schulbesuchsfreude bei. Aber meinen Forschungsergebnissen zufolge schaffen es insbesondere Lehrpersonen, die gerecht sind, den Schülern zu schulischem Erfolgen verhelfen und die verständlich vermitteln, dass sich diese wohler fühlen. 
Daher legen wir an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg einen Fokus darauf, Lehrer bewusst zu machen, welche Schlüsselrolle sie hier einnehmen und mit welchen Verhaltensweisen Wohlbefinden gefördert werden kann. Beispielsweise fühlen sich Mittelschüler wohler, wenn Lehrpersonen ihnen schulische Inhalte so erklären, dass sie das Wichtigste verstehen. Bei Gymnasiasten und Gymnasiastinnen hingegen erhöht sich ihr Wohlbefinden eher durch ein wertschätzendes und lobendes Lehrer­verhalten.
Wir sollten es nicht dem Zufall überlassen, ob eine Lehrperson sich ihren Verhaltensweisen und deren Wirkung bewusst ist, denn dies wäre unseren Kindern und Jugendlichen gegenüber fahrlässig.
Werden Lehrer dahingehend zu diesem sensiblen Umgang aus- und weitergebildet, kann dies Schüler glücklicher machen und die Lernfreude der Schüler über die Schulzeit hinweg erhalten. Schlussendlich kommen dann nämlich die positiven Effekte von hohem Wohlbefinden, wie hohe schulischen Leistungen sowie eine sehr gute psychische und physische Gesundheit, zum Tragen. 

Vaheh Khachatouri
01.10.2021

Was haben eine Boutiquebesitzerin und ein...

Was haben eine Boutiquebesitzerin und ein mittelständisches Industrieunternehmen gemeinsam? Beide haben es mit potenzieller Kundschaft zu tun, die immer häufiger per Mausklick im Internet bestellt, anstatt sich persönlich beraten zu lassen. Es sind längst auch die Anbieter beratungsintensiver Produkte und Dienstleistungen, die im komplexen Vertrieb die voranschreitende Digitalisierung zu spüren bekommen. Selbst bei Kaufentscheidungen von großer Tragweite greifen Verkaufsmethoden, die bis vor wenigen Jahren gut funktioniert haben, immer seltener. Kaufinteressenten informieren sich detailliert im Internet und verschieben den Zeitpunkt des persönlichen Erstkontakts mit den Anbietern – wenn es überhaupt noch zu einem kommt – immer weiter ans Ende des Beschaffungsprozesses. Daher erhalten die Verkäufer kaum noch Möglichkeiten, potenzielle Neukunden zu beraten sowie auf Kundenbedürfnisse und Kaufentscheidung Einfluss zu nehmen.
Der Vertrieb als Unternehmensfunktion ist einem rasanten Wandel unterworfen und damit auch die Anforderungen an erfolgreiche Verkaufsteams. Diese Entwicklung wird in den kommenden Jahren die produzierende Wirtschaft in Vorarlberg unter anderem auch aufgrund ihrer vergleichsweise kleinteiligen Struktur besonders intensiv beschäftigen. Das gilt auch für Hersteller, die ihre Produkte über Zwischenhändler anbieten.
Es wird darauf ankommen, dass Unternehmen wirksame Antworten auf diese Entwicklungen erarbeiten, um schmerzhafte Nachteile im Vertrieb ihrer Produkte abzuwenden. Daher empfiehlt es sich, die Prioritäten richtig zu setzen und strategisch planvoll zu handeln. Dann werden Vorarlberger Unternehmen auch in der aktuellen Entwicklung ihre Produkte weiterhin erfolgreich verkaufen.

Margarita Köh
01.10.2021

Angesichts der Digitalisierung stehen...

Angesichts der Digitalisierung stehen Unternehmen unter immensem Innovationsdruck. Innovation wird dabei vielfach mit technologischen Neuerungen gleichgesetzt, die im Zeichen von Beschleunigung und Effizienzsteigerung stehen. Besonders häufig fällt der Begriff der disruptiven Innovation. Dieser bezeichnet jene Innovationen, welche die Regeln bestehender Märkte auf den Kopf stellen und dadurch eine Disruption des zuvor als normal geltenden Gefüges bewirken. Als Beispiel gilt etwa das Apple iPhone, das nicht nur die Art und Weise revolutionierte, wie wir mit einander und dem Gerät kommunizierten, sondern auch zur Etablierung neuer Produkte und Services führte. Zu oft werden digitale Technologien als Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen betrachtet. Digitalisierung umfasst jedoch weitaus größere Kontexte. So verhält es sich auch mit anderen komplexen Problemlagen wie der Klimakrise. Wachsende Bedeutung erfährt daher ein an ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit ausgerichtetes Verständnis von Innovation. Wie könnten also Innovationen in einem solchen Sinne disruptiv gestaltet werden? Zukunftsorientierte Innovationentwicklung braucht Vielfalt, Experiment und die Offenheit, Bestehendes zu hinterfragen, zu zerlegen und neu zusammen zu setzen. Genau hier greifen Ansätze wie das systemische oder zirkuläre Design, die das Wohl des Menschen und Planeten ins Zentrum stellen. Sie liefern Denkwerkzeuge und Methoden, die helfen, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen in ihrem Zusammenspiel zu verstehen und bewusst zu gestalten. Anstatt durch oberflächliche Behübschung lineare Konsumlogiken zu befeuern, taucht ein, in diesem Sinne „innovatives Design“ tief in die Komplexität aktueller Herausforderungen ein, um durch mehrdimensionale Lösungen nachhaltig zu verändern.

Stefan Köb
01.10.2021

Dass sich unsere Gesellschaft und dadurch auch...

Dass sich unsere Gesellschaft und dadurch auch die Arbeits- und Absatzmärkte im Umbruch befinden, ist keine neue Erkenntnis, jedoch zeigen sich erst jetzt viele Folgen, die durch Corona und die VUCA-Welt entstanden sind. Dies ist sehr drastisch am Arbeitsmarkt der Gastronomie zu erkennen, wo nun nicht nur ein Fachkräftemangel vorherrscht, sondern ein gänzlicher Arbeitskräftemangel. Die Situation fordert ein rasantes Umdenken der Betriebe, um sich langfristig am Markt positionieren zu können – erneut wird aufgezeigt, dass die wichtigste Ressource der Mitarbeiter ist. Diese fordern in der „neuen“ Welt eine Betrachtung ihrer individuellen Bedürfnisse, auch benötigen sie Sicherheit in einem Umfeld, welches sich täglich wandelt. Als entscheidender Erfolgsfaktor gilt es daher, eine Loyalitäts- und Vertrauenskultur zu schaffen.
Um eine solche Kultur im Unternehmen zu implementieren, muss der Fokus der Führung neu ausgerichtet werden, Führungsansätze werden benötigt, bei welchen die Ängste, Motive und Werte der Geführten berücksichtigt werden. Hierbei ist es entscheidend, dass Führungskräfte die Fähigkeit besitzen, nicht nur das Kollektiv zu führen, sondern auch die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter zu erkennen.
Natürlich fordert dies auch ein starkes Umdenken der Unternehmensführung; diese muss Freiräume für Ihre Führungsriege schaffen und einen Rahmen setzen, in welchem Vertrauen an oberster Stelle vorgelebt wird. Ich bin der Überzeugung, dass die Basis von Vertrauen stets Transparenz ist – nur wenn Mitarbeiter wissen wofür sie arbeiten und in die Geschehnisse eingebunden werden, kann auch Vertrauen entstehen. Diese Transparenz, kombiniert mit einer guten Vertrauensbasis, sichert die Erreichung des gemeinsamen Zieles und fördert Loyalität! 

Sarah Bard
02.09.2021

Er hat mir immer eingeredet, dass ich nichts...

Er hat mir immer eingeredet, dass ich nichts kann und nicht mal nach Hause finde und deswegen nicht rausgehen kann.“ Aussagen wie diese klingen zunächst unfassbar. Und doch sind sie weit verbreitet. Gut 40 Prozent aller Frauen sind von Abwertung oder anderen Formen psychischer Gewalt betroffen, was Studien sowohl in Europa, Österreich als auch hier in Vorarlberg zeigen. Damit ist psychische Gewalt die Gewaltform, die Frauen am häufigsten trifft. Nicht nur in der Partnerschaft, auch im sozialen Umfeld oder in der Öffentlichkeit erleben Frauen Erniedrigung, werden lächerlich gemacht oder gar kontrolliert oder bedroht. In der Gesellschaft wird über psychische Gewalt kaum gesprochen. Jedoch steht sie häufig am Beginn der Gewaltspirale und kann Ausgangspunkt für weitere Gewaltformen sein und bis zu den sich kürzlich häufenden Femiziden reichen.

Gewalt an Frauen hat auch gesellschaftliche Zusammenhänge. Was können wir tun? 

Neben Hilfsangeboten für Betroffene durch professionelle Einrichtungen braucht es eine aufgeklärte Gesellschaft, die keine Form der Gewalt toleriert. Darüber hinaus gilt es, gesellschaftliche Strukturen aufzulösen, die Gewalt an Frauen begünstigen. Machtgefälle zwischen Frauen und Männern, die auf vielen Ebenen noch immer bestehen, müssen abgeschafft werden. Diese bringen Abhängigkeiten mit sich und drücken sich häufig durch (psychische) Gewalt aus. Die Gleichstellung von Frauen in allen Lebensbereichen wirkt diesen gesellschaftlichen Ursprüngen von Gewalt entgegen. Dazu gehört unter anderem eine gerechte Aufteilung der unbezahlten Care-Arbeit und der beruflichen Chancen, das Abschaffen des Pay-Gaps und der daraus resultierenden Altersarmut von Frauen. Wir alle können Gewalt an Frauen vorbeugen, indem wir uns für ihre Gleichstellung einsetzen.

Michael Dünser
02.09.2021

Auffallend viel geweint wurde dieses Mal bei...

Auffallend viel geweint wurde dieses Mal bei Olympia. Aus Freude, Erleichterung, Enttäuschung, Wut. Der Sport als Spiegelbild des Lebens: mit Höhen und Tiefen, mit Emotionen und Leidenschaft, mit hartem, aber (meist) fairem Ringen um Sekunden, Zentimeter und Medaillen.
Dieser Mix hat Olympia – mit allen gebotenen Abstrichen – wieder zum faszinierenden Ereignis gemacht. Athleten zum Angreifen und Hineinfühlen haben uns für zwei Wochen den Glauben an den wahren Sport wiedergegeben. Sonst kaum beachtete, aber umso spektakulärere Disziplinen wie Klettern, BMX oder Mountainbike haben uns vergessen lassen, dass die große Sportwelt längsat von Scheichs, Oligarchen, asiatischen Konsortien und TV-Rechten bestimmt ist.
Mittendrin statt nur dabei in Tokio „unsere“ Bettina Plank. Ihre Mischung aus Wille, Ehrgeiz, Dankbarkeit und Stolz hat auch jene beeindruckt, die nicht jedes Wort verstanden haben, als sie über Karate-Bronze erzählt hat – in bestem Vorarlberger Dialekt und so ungekünstelt und ehrlich, dass man sie mit jedem Satz noch mehr ins Herz schließen musste. Ihre Tränen waren dann auch zu 100 Prozent echt. Anders als bei einem Lionel Messi, der zum Opfer eines von ihm selbst maßgeblich geprägten Systems wurde und vermeintlich tieftraurig in Barcelona von dannen ziehen musste. Um einen Tag später in Paris anzuheuern, wo sie sein Jahreseinkommen mit freundlicher Unterstützung aus Katar von 35 auf 41 Millionen Euro (netto) erhöhten. Und dem ärgsten Schmerz mit einer zusätzlichen Einmalzahlung von 40 Millionen Euro Linderung verschafften.
Der Sport schreibt viele Geschichten. Olympia erinnert immer zuverlässig daran, dass es neben den zu Recht verehrten Idolen auch die Kleinen gibt, die ebenfalls unseren Respekt verdient haben. Auch abseits der Großereignisse.

Christian Zoll
02.09.2021

Allmählich kennt man die Argumente, warum man...

Allmählich kennt man die Argumente, warum man wichtige Infrastrukturprojekte wie die S18 in Vorarlberg besser nicht machen sollte. Man müsse in anderen Mobilitätsformen als den Straßenverkehr denken, solle unzählige andere Varianten prüfen. Und die Bevölkerung stehe sowieso nicht dahinter.
Als Befürworter der S18 als Entlastung für die Lustenauer Bevölkerung möchte ich gar nicht auf die Für und Wider des Straßenverkehrs eingehen. Wie gesagt: Man kennt die Argumente. Was mich aktuell mehr beschäftigt ist die Tatsache, dass bestimmte Anrainer-Gruppen immer wieder Großprojekte ins Wanken bringen, von denen Tausende profitieren würden. Natürlich ist es mehr als verständlich und auch gut so, dass sich negativ Betroffene artikulieren. Es ist ihr gutes Recht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um solche Projekte zu verhindern. Die Frage ist viel mehr, wie lange so etwas gut geht.
Die „Not in my backyard“-Mentalität ist nichts Neues. Nicht nur bei Straßenbauprojekten, sondern auch bei Betriebsansiedlungen, Windrädern oder Strommasten. Jeder möchte von der Wertschöpfung, von guten Arbeitsplätzen und hohen Steueraufkommen profitieren, aber die Toleranz für eben diese Projekte in der eigenen Umgebung sind nahe bei null. Ebendiese „Not in my backyard“-Mentalität ist ein Luxus, den wir uns aktuell leisten können, so scheint es zumindest. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem wir als Standort nicht mehr attraktiv sind, wir uns mit Absiedelungen von Betrieben und damit dem Verlust von Arbeitsplätzen und mangelnder Infrastruktur konfrontiert sehen. 
Wenn wir weiter machen wie bisher, werden wir früher oder später den Wohlstandsverlust spüren. „Not in my backyard“ endet dann schneller als man denkt in „Not in our wallet“.

Simon Burtscher-Mathis
02.09.2021

Unsere Kinder mussten im Zuge der Corona-...

Unsere Kinder mussten im Zuge der Corona-Maßnahmen auf Spielplätze, Kindergarten, Schule, Sport- und Freizeitangebote verzichten, um vulnerable Gruppen vor dem Corona-Virus zu schützen. Und sie waren solidarisch. „Wer sich solidarisch verhält, nimmt im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, im langfristigen Eigeninteresse Nachteile in Kauf“, so hat Jürgen Habermas Solidarität treffend definiert. Für ihre Zukunft sind unsere Kinder und Jugendlichen auf unsere Solidarität angewiesen. Der Klimawandel, die soziale Ungleichheit und die Verteilung von Ressourcen zwischen den Generationen sind drei wichtige Handlungsfelder, in denen wir Erwachsenen Verantwortung übernehmen müssen.
Wir brauchen ein solidarisches, generationenübergreifendes Verantwortungsbewusstsein für die gesellschaftliche Entwicklung, das nicht bei unseren Bedürfnissen und unserer Lebenszeit endet und Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglicht. Politik ist immer ein Spiegel von Haltungen in der Bevölkerung. Die Flüchtlings-, Umwelt- und Sozialpolitik spiegelt immer auch die Wertehaltungen von Mehrheiten in der Gesellschaft. Aber Vorsicht, auf die anderen zu zeigen, schützt nicht vor der eigenen Verantwortung. Ghandi schrieb: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt!“ Greta Thunberg und andere Kinder leben es uns vor: Sie haben ein gemeinsames Ziel, das sie verbündet. Ihnen ist bewusst, dass das gemeinsame Ziel einer lebenswerten Welt die Umverteilung von Macht und Ressourcen braucht. Sie haben verstanden: Solidarität von den anderen zu verlangen, ohne selber solidarisch zu sein, ist verantwortungslos. Lasst uns solidarisch sein, soziale und ökologische Chancengerechtigkeit leben und Kindern Perspektiven schenken!

Ruth Swoboda
02.07.2021

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Emotionen...

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Emotionen nicht gelehrt und auch nicht gelernt werden können. Es braucht Wissen, auf dessen Basis Emotionen gebildet werden können. Dieses Wissen muss so vermittelt werden, dass es als Bereicherung für unser Leben wahrgenommen werden kann. Es sind genau diese Emotionen, die uns Menschen in weiterer Folge dabei helfen, uns in Regionen oder in neuen Heimaten zu verwurzeln.
Mit den Erfahrungen rund um die Covid-Krise würde ich noch hinzufügen wollen, dass Emotionen, die auf Basis eines gut vermittelten Mehrwissens entstehen, die Voraussetzung dafür sind, Krisen aktiv und unaufgeregt entgegentreten zu können. Das ist ein wunderschöner Auftrag für uns als Kulturschaffende und weitergedacht, für uns als Gesellschaft.
Wer, wenn nicht wir als Kulturschaffende, können ein Mehr an Wissen über die Natur und Kultur einer Region auf eine besondere Art und Weise vermitteln. Gleichzeitig liegt diese große Verantwortung auf der Art und Weise der Vermittlung. Es gab wohl kaum eine Zeit, in der die Wichtigkeit von qualitativ hochwertiger Vermittlungsarbeit von Daten und Fakten so deutlich in den Vordergrund getreten ist, wie jetzt. Es ist also ein Gebot der Stunde, gute Vermittlungsarbeit anzubieten, einzufordern und auch zu finanzieren. Ressortgrenzen oder Gräben zwischen verschiedenen Disziplinen dürfen dabei keine Rolle spielen. Es gilt die Intelligenz der Vielen über den Lärm von Wenigen zu stellen.

Bernhard Bereuter
02.07.2021

Anfang des Jahres 2020 sind wir noch davon...

Anfang des Jahres 2020 sind wir noch davon ausgegangen, dass die Arbeitslosenzahlen konstant bleiben würden und haben im Jahresdurchschnitt mit rund 9700 arbeitslosen Personen gerechnet. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass die Covid-19-Pandemie den Arbeitsmarkt schlagartig verändern wird. Mit dem ersten Lockdown im März 2020 kam die dramatische Wende am Arbeitsmarkt, die uns mit voller Wucht getroffen hat, und die Zahl der Arbeitslosen ist im April auf 17.928 Personen, einem historischen Höchststand, angestiegen.
Viele sind zu dieser Zeit unverschuldet arbeitslos geworden. Gestern waren sie noch gefragte Mitarbeiter*innen, und heute werden ihre Fähigkeiten und Kompetenzen nicht mehr gebraucht. Unerwartet, unvorhersehbar, nicht geplant – ein Schock für die Betroffenen und ihre Familien. Monate vergingen mit kaum Chancen auf eine Beschäftigung.
Jetzt über ein Jahr später ist eine deutliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt zu spüren, die Personalnachfrage ist wieder angestiegen, und viele Arbeitslose haben einen Job gefunden. Mit 11.518 Arbeitslosen Ende Mai liegt die Zahl aber immer noch um rund 2000 Personen über dem Vorkrisenniveau. Wenn wir das Vorkrisenniveau wieder erreichen wollen, ist eine Voraussetzung, dass die Unternehmen bei der Personalsuche aus dem gesamten Arbeitskräftepotential schöpfen und sich nicht einschränken. Jene Personen sollen eine Chance auf Bewerbungsgespräch erhalten, die bereits über ein Jahr auf Jobsuche sind, also zu Beginn der Corona-Krise arbeitslos wurden. Es ist wichtig, dass diese Menschen wieder arbeiten können, weil sonst ihre Fähigkeiten verloren gehen. Je mehr sie ihre Fähigkeiten verlieren, desto schwieriger wird es, wieder einen Job zu bekommen. Gleichzeitig müssen sie ihre Arbeitsleistung auch den Unternehmen anbieten. Der Arbeitsmarkt ist eben ein besonderer Markt!

Eva Häfele
02.07.2021

Kulturraum Vorarlberg 2025+. Eine...

Kulturraum Vorarlberg 2025+. Eine kulturbewusste Strategie für den Tourismus in Vorarlberg“ öffnet einen Zugang, abhängig von der Perspektive, der Neugierde und der Offenheit der hier lebenden Menschen und der Gäste. Das Kapital des Unvermuteten zeigt sich in den zentralen und peripheren Räumen gleichermaßen. 
Ein relevanter Aspekt eines kulturbewussten Tourismus ist der soziale Wirk­raum, der sich in den Destinationen entfaltet. Ein sozialer Wirkraum entsteht, indem vielfältige Beziehungs-, Kommunikations- und Netzwerkstrukturen fruchtbar werden und sich gegenseitig beeinflussen. Die Gäste verbringen ihren Urlaub in Vorarlberg nicht in sozial abgeschotteten Lokalitäten, wie in den „All-inclusive“-Anlagen, sondern in komplexen Lebensräumen. Dort treten die Reisenden mit den (dauerhaft) hier lebenden Menschen, den sozialen und kulturellen Strukturen und folglich mit der Lebenskultur in Kontakt und in einen lebendigen Austausch. Sie werden zu „Einheimischen auf Zeit“.
Dieser „Social Impact“, die Wirkung auf die Menschen – auf die Reisenden und die Besuchten – wird in den Nächtigungsstatistiken oder in den Besucherzahlen von Festivals und kulturellen Veranstaltungen nicht unmittelbar sichtbar. Die Restriktionen, die im Zuge der Covid-19-Pandemie ausgelöst wurden, führten deutlich vor Augen, dass die Konzentration auf die ökonomischen Aspekte das soziale Element und die kommunikative Ebene des Tourismus ausblendet. 
In Hinkunft wird es deswegen mehr denn je notwendig sein, den „Social Impact“ des Tourismus aufzuzeigen und damit seinen Wert jenseits ökonomischer Kennzahlen darzulegen. Wenn dies aufgegriffen würde, dann wäre das eine positive Folge der Krisenbewältigung und würde dem (Kultur)Tourismus im Lebensraum einen höheren sozialen Stellenwert verschaffen.

René Ponudic
02.07.2021

Viele Leute spüren in letzter Zeit, dass...

Viele Leute spüren in letzter Zeit, dass irgendetwas mit unserem Geld nicht ganz stimmen kann. Explodierende Immobilienpreise, Strafzinsen für Einlagen auf der Bank, die beispiellose Erhöhung der Staatsschulden oder die einfache Tatsache, dass Zentralbanken auf der ganzen Welt Billionen aus dem Nichts zaubern, ist ein Beweis dafür, wie weit unser Geldsystem von der Realität entkoppelt ist.
Bitcoin ist eine einmalige Chance, ein solides Geldsystem zu etablieren, das völlig dezentral ist und ohne zentrale Autorität auskommt. Bitcoin hat das Potenzial, Milliarden von Menschen Zugang zum Finanzsystem zu ermöglichen und sie gleichzeitig vor dem Zugriff durch autoritäre Systeme und der willkürlichen Inflation der Geldmenge zu schützen.
Auch technologisch ist Bitcoin dem jetzigen Geldsystem weit voraus: Programmierbares Geld kann in beliebiger Menge innerhalb von Sekundenbruchteilen um die ganze Welt gesendet werden. Völlig ohne Mittelsmänner, hohe Gebühren oder lange Wartezeiten. 
Als Digitalunternehmen sind wir der Überzeugung, dass Technologien einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft leisten. Unserer Ansicht nach ist Bitcoin auf dem besten Weg, eine ebensolche gesellschaftlich relevante Technologie zu werden. Deshalb wollen wir erkunden, wie auch unser unmittelbares Umfeld in Vorarlberg davon profitieren kann. Wir möchten unser Wissen aktiv teilen, Chancen aufzeigen und uns offen mit der Kritik am System (Energieverbrauch, illegitime Zahlungen usw.) auseinandersetzen. 
Wir möchten dazu beitragen, dass unser zukünftiges Geldsystem offen, grenzenlos, stabil, dezentral und für jeden zugänglich ist. Bitcoin ist für uns die Hoffnung auf ein solches System: Es lohnt sich, sich genauer damit auseinanderzusetzen. Nicht nur finanziell.

Autoren & Redaktion