Zitate

Die permanente Wiederholung von Halbwahrheiten und Lügen ist extrem wirksam. Irgendwann werden sie in der Wahrnehmung der Menschen zur Realität.

Giovanni di Lorenzo, Publizist

Es ist wichtig, den Pluralismus und die Toleranz zu retten. Was bloß nervt, rechtfertigt keinen Kulturkampf.

Robert Treichler, Journalist

 

In einer Ära, in der die Solidarität völlig verloren gegangen ist, sind viele damit zufrieden, dass es anderen immerhin noch schlechter geht.

Karl-Markus Gauß, Schriftsteller

 

Ein Grundbedürfnis in unserer depressiven Gesellschaft ist: Hauptsache, es tut sich was.

David Schalko, Regisseur

 

Die Formel für Scheitern ist Wollen minus Können.

Nico Semsrott, Kabarettist

Wie komme ich eigentlich dazu, dass ich den Aussagen von Vollidioten nachrennen muss, um sie vor meinem Publikum zu korrigieren?

Lukas Resetarits, Kabarettist

 

Eifrig, gewissenhaft, dienstbeflissen, strotzend vor Energie. Und unglaubliche Nervensägen. Mit einem Wort: Assistenten.

Paolo Roversi, Schriftsteller

 

Ich halte das Silicon Valley in zunehmendem Maße für eine verdächtige Veranstaltung.

Christoph Waltz, Schauspieler

Gute Vorurteile erwachsen profunder Ignoranz.

Frank Wisniewski, Informatiker

Information ist schnell. Wahrheit braucht Zeit.

Peter Glaser, Netzphilosoph

in den Mund gelegt

Quergedacht

Marion Reichart
05.04.2019
Die Welt erstickt im Müll

Tagtäglich werden wir mit Schreckensbildern...

Tagtäglich werden wir mit Schreckensbildern konfrontiert: Zugemüllte Strände, quadratkilometergroße Plastikteppiche im Meer, qualvoll verendete Meerestiere und Vögel – mittlerweile ist so ziemlich jedem klar, dass uns unser Konsumverhalten in eine brenzlige Lage gebracht hat. Drei Viertel des Abfalls, der in den Meeren treibt, besteht aus Plastik. Derzeit liegt die Jahresproduktionsmenge von Plastikverpackungen bei etwa 78 Millionen Tonnen und obwohl die Gefahr mittlerweile erkannt wurde, ist die Tendenz weiter steigend. Eine einfache Plastikflasche benötigt 450 Jahre, bis sie vollständig zersetzt sein wird, eine Plastiktüte etwas weniger. Experten gehen davon aus, dass der größte Teil des jemals produzierten Kunststoffs noch immer existiert. Auf seinem jahrhundertelangen Weg bis zur vollständigen Zersetzung zerfällt Plastik zu immer kleineren Partikeln, welche man sekundäres Mikroplastik nennt. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Die kleinen Teilchen werden von Meerestieren und Vögeln aufgenommen und stellen eine große Bedrohung für sämtliche marinen Ökosysteme und auch für uns Menschen dar, da sie über die Nahrungskette schließlich auf unseren Tellern landen. Forscher haben mittlerweile Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen gefunden. Ob und wie diese Plastikpartikel in unserem Körper wirken, kann niemand mit Gewissheit sagen. Nachdem China im letzten Jahr beschlossen hat, nicht länger die Müllkippe der Welt sein zu wollen – seit 1992 hat das Land etwa 45 Prozent des weltweiten, recycelbaren Kunststoffmülls aufgenommen –, werden wir in den kommenden Jahren umso mehr gefordert sein, die Plastikflut einzudämmen. Das Fazit muss in jedem Fall lauten: Wir müssen weniger Müll produzieren! Vermeiden, reduzieren und Unvermeidliches konsequent recyceln – jeder einzelne ist gefordert.

Elmar Zech
05.04.2019
Gedanken zur Bürokratie

Jeder von uns ist mit Situationen konfrontiert...

Jeder von uns ist mit Situationen konfrontiert, die er als bürokratisch empfindet. Wenn wir dem begegnen wollen, ist eine wichtige Voraussetzung, das Problem und die Verantwortlichkeit klarzustellen. Wer beispielsweise den Vorwurf erhebt, dass bei einem Betriebsanlagenverfahren zu viele Sachverständige beigezogen sind, ist eingeladen, das direkt der Behörde im konkreten Verfahren mitzuteilen. Der Kreis der Sachverständigen ist sorgfältig gewählt. Eine seriöse Behörde wird aber im Fall einer Beschwerde den gesetzlichen und inhaltlichen Spielraum neuerlich prüfen, die Auswahl begründen oder gegebenenfalls Änderungen vornehmen. 
Zu Recht kritisieren wir die Normenflut. Beispielsweise umfasst allein das Veterinärrecht 72 Gesetze oder Verordnungen. Die aktuelle Kodex-Ausgabe, die nur die Gesetzes- und Verordnungstexte ohne Kommentar enthält, weist 1072 Seiten auf. Hinzu kommen zahlreiche europäische Rechtsvorschriften, die teilweise unmittelbar anzuwenden sind.
Geregelt sind dabei nicht nur die „klassischen“ Themen des Veterinärrechts wie Tierhaltung, Tierschutz, Tiertransporte, Tierseuchenbekämpfung, Tierkennzeichnung und die Fleischuntersuchung. Komplexe Bestimmungen gelten auch für den Umgang mit tierischen Abfällen und regeln die Anforderungen für das internationale und innerstaatliche Inverkehrbringen von Samen, Eizellen und Embryonen. Die Gesetzesflut ist auch Ausdruck unserer komplexen Lebenssachverhalte.
Anregungen an den Gesetzgeber zur Vereinfachung oder Streichung von Normen sind für den Bürger sehr schwer umzusetzen. 
Einen gewissen Trost darf uns die Erkenntnis geben, dass gesetzliche Regelungen der notwendige Preis dafür sind, unser hohes Gut der Rechtsstaatlichkeit sicherzustellen.

Ingrid Böhler
05.04.2019
(K)eine Universität für Vorarlberg

Als im Februar in den Medien zu lesen war,...

Als im Februar in den Medien zu lesen war, dass die Ländle-SPÖ dafür eintritt, Vorarlberg zum Universitätsstandort aufzuwerten, rief dies bei jenen, die mit der jüngeren Geschichte der hiesigen Bildungspolitik vertraut sind, wohl Erinnerungen an frühere Vorstöße wach. Schon in den 1970ern initiierte die SPÖ eine intensive Debatte über die Gründung von Hochschuleinrichtungen. Dass bis auf das Studienzentrum Bregenz, das sehr zum Missfallen der Landesregierung als „Vorposten“ der Fernuni Hagen 1981 seine Türen öffnete, nichts aus dem Plan wurde, universitäre Ausbildungsstätten in Vorarlberg zu etablieren, lag vor allem am Widerstand der ÖVP.
Bekanntermaßen wiederholt sich die Geschichte nicht. Heute argumentiert die SPÖ anders als damals. Sie fordert die Ergänzung der regionalen Bildungslandschaft um ein universitäres Angebot, damit junge dynamische Menschen, die das wirtschaftsstarke Vorarlberg in Zeiten rapiden Wandels benötigt, nicht abwandern. In den 1970ern ging es auch um das Dableiben, aber nicht um das Dableiben-Sollen, sondern das Dableiben-Müssen. Für Jugendliche aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten, für die das kostspielige Studium außerhalb des Landes nicht infrage kam, sollten Möglichkeiten vor Ort geschaffen werden. Dass die Chancengleichheit – damals ein zentraler Bezugspunkt der SPÖ-Konzepte für den Hochschulausbau – nicht mehr ins Treffen geführt wird, liegt nicht zuletzt an einer veränderten Ausgangslage. Seit den 1990ern können an der FHV in Dornbirn und seit 2007 an der PHV in Feldkirch akademische Abschlüsse erworben werden. Da die heutige Konkurrenz- und Ellenbogen-Gesellschaft auch den tertiären Bildungssektor der Kommerzialisierung aussetzt, ist das Thema Chancengleichheit aber weiterhin nicht vom Tisch.

Beate Fetz
05.04.2019
Aufstockung ist alternativlos!

Seit fünf Jahren müssen am Gymnasium Schoren...

Seit fünf Jahren müssen am Gymnasium Schoren Schülerinnen und Schüler in Container ausquartiert werden. Für 36 Klassen stehen 28 Räume zur Verfügung. Der laufende Schulbetrieb kann nur durch etliche Wander- und vier Containerklassen mühevoll aufrechterhalten werden. Die Schule platzt aus allen Nähten, es mangelt an Computerarbeitsplätzen und sie bietet kein räumliches Potenzial für moderne Pädagogik, digitale Unterrichts- oder Prüfungsformen oder Ganztagesmodelle. Man hangelt sich von einem Provisorium zum anderen. Trauriges Detail am Rande: Vorarlberg weist eine extrem hohe Dichte an Containerklassen an Bundesschulen auf.
Etliche Bildungsministerinnen und -minister kamen und gingen, Landesrätinnen und -räte für Bildung ebenso. Die Jahre vergingen. Ich frage jetzt nicht, warum der Bund so lange nicht reagiert hat. Auch nicht, warum die Verantwortlichen im Land sich erst jetzt in aller Deutlichkeit und öffentlich für eine Aufstockung aussprechen, seit wir Eltern fast 800 Unterschriften gesammelt, dem Minister übergeben und medial Druck gemacht haben. Im Gegenteil, es freut mich, dass die Interessen der Schulen jetzt auch im Ministerium verstanden wurden und Bewegung in die Thematik gekommen ist. 
Die bisher diskutierte Clusterschule mit dem Sportgymnasium Dornbirn wird es aus diversen Gründen nicht geben. Deshalb wird unsere jahrelange Forderung nach einer Aufstockung erneut laut. Die Alternative wäre schmerzhaft: Weniger Schülerinnen und Schüler im Gymnasium Schoren. Konkret: Ab September 2019 könnten dann nur mehr drei erste Klassen aufgenommen werden. 
Unser Gymnasium ist eine einzigartige Schule, die sich über Jahre sehr erfolgreich entwickelt hat. Wir Eltern hoffen auf die einzig vernünftige und alternativ­lose Lösung: Eine Aufstockung und Erweiterung am Schoren!​

Daniela Egger
01.03.2019
Noten als Motivations­bremse

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter...

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter Mensch mit innovativen Ideen, Sie sind eine der Zugkräfte für die Weiterentwicklung Ihres Bereichs. Das bedeutet, Sie starten Projekte, die manchmal nicht gleich vom Fleck kommen, die aber ein großes Potential besitzen. Sie wollen, dass Ihr Unternehmen zu den Gewinnern gehört und Sie sind selbst eine oder einer davon.

Neuerdings hat aber die Regierung Ihres Landes beschlossen, sich in die Unternehmenspolitik einzumischen und Ziffernnoten statt Mitarbeitergespräche anzuordnen. Sie erhalten also kurz vor Ihrem Sommerurlaub ein Zeugnis mit Noten anstatt des jährlichen Gesprächs. Diese Ziffer beschäftigt Sie, während Sie am Strand liegen. Sie haben hart gearbeitet und viel geleistet, fast alles ist gelungen, manches nicht – und Sie wissen sehr genau, warum eines der Projekte nicht funktioniert hat. Im Jahr davor haben Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten darüber ausgetauscht, welche Maßnahmen man allgemein ergreifen könnte, Sie haben von ihm gehört, dass er Ihre Anstrengung gesehen hat und dass er Ihren Wert kennt.

Diesmal haben Sie eine DREI erhalten, kein Gespräch. Ihr Vorgesetzter wird demnächst in Pension gehen, sein Nachfolger wird sich die Unterlagen ansehen und die DREI zur Kenntnis nehmen. Sie wissen gleichzeitig, dass der Kollege nebenan, der nie im Leben etwas Innovatives entwickeln wird, eine EINS bekam. Er hat ja auch nichts riskiert. Der Nachfolger ihres Vorgesetzten wird die beiden Noten vergleichen, und Ihr Sommer­urlaub wird immer mehr zu einem Strategieworkshop. Sie werden eventuell auf der Strandliege beschließen, im nächsten Jahr lieber kein Risiko mehr einzugehen und es Ihrem Kollegen gleichzutun – schließlich möchten Sie Ihren Job behalten. Vorerst.

www.prim-online.at

Johann Punzenberger
01.03.2019
KlimaCent – Sinn oder Unsinn von Zahlungen

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“...

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“ oder billiger Schuldenablass sein soll, braucht es zwei gesicherte Wirkungen: Einerseits gilt es, eine Dynamik im Aufbau einer regionalen CO2-neutralen Wirtschaft zu sichern, andererseits ist der Druck für die politischen Rahmenbedingungen zum Ausstieg aus der atomaren/fossilen Energieversorgung zu stärken. Der KlimaCent der AEEV kombiniert beide Anliegen.

Freiwillige Ersatzzahlungen für selbst verursachte CO2-Emissionen sind derzeit in Mode, fallen jedoch unter die Kategorie „greenwashing“: Mit teilweise lächerlichen Geldbeträgen wird der Eindruck vermittelt, dass man alle „Hausaufgaben“ erfüllt habe. Über Zertifikate mit verschiedenen „Qualitätssiegeln“ werden Zahlungen für teilweise fragwürdige Projekte im Ausland geleistet, anstatt die Energiewende vor Ort zu beschleunigen.

Die Plattform KlimaCent geht einen wirkungsvolleren Weg: regional, innovativ und ehrlich. Es gilt, vorrangig die wirtschaftliche Grundlage für regionale Klimaschutzprojekte zu verbessern – und gleichzeitig eine politische Getragenheit für die Beseitigung der Marktverzerrungen zu schaffen: Denn noch immer werden Atomkraftwerke ohne Haftpflichtversicherung betrieben – und noch immer werden 50-mal mehr öffentliche Steuergelder für Öl/Gas/Kohle ausgeschüttet als für die Förderung von erneuerbarer Energie. Wenn die Innovationskraft und die Dynamik der Wirtschaft für den Klimaschutz aktiviert werden soll, dann brauchten wir nur eines: echte und große Schritte zur Kostenwahrheit. Wir brauchen keine Förderprogramme, sondern einen fairen Wettbewerb. Der Markt schafft ganz von alleine das effektivste und effizienteste Energiesystem. Dann wird die Eigenversorgung mit regionaler erneuerbarer Energie der logische und kostengünstige Selbstläufer.

www.klimacent.at

Ulrike Willam–Kinz
01.03.2019
Was steht denn da?

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das...

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das Betrachten. Das nah Hingehen und Hinunterbeugen zu dem Text in wuzikleiner Schrift, der mir sagt, wer das Bild gemalt hat und wie es heißt. Die 1A-Brille hilft da leider auch nicht. Schaue ich mich im Raum um, stelle ich fest, dass auch andere Museumsbesucher vor den Texten in die Knie gehen und mit der Nase fast daran anstoßen. Vor allem jene, die halt nicht mehr ganz so jung sind. 

Mir ist klar, dass Ausstellungsgestaltende um Ästhetik bemüht sind. Kleine Texte oder Schildchen, rechts oder links unten neben dem Bild wirken elegant. Aber muss die Schrift so klein sein, muss der Text so platziert sein, dass sich das Auge mit dem Fokussieren schwer tut? An einer Führung teilzunehmen geht sich nicht immer aus. Man könnte sich auch alles erzählen lassen, vom Audioguide oder von der Museums-App. Ungern. Viel netter ist es doch, sich mit seiner Begleitung beim Anschauen der Exponate auszutauschen. Leise, versteht sich.
Es ist einfach so, mit 50+ lassen Sehkraft und Sehschärfe nach. Das trifft nahezu alle Menschen, auf der ganzen Welt, sagt der Augenarzt. Auch die beste Brille kann das nicht mehr ausgleichen. Leider hat sich dieses Faktum bei vielen Ausstellungsgestaltenden noch nicht herumgesprochen. Bei einigen Zeitungs- und Magazinmachenden übrigens auch nicht. 

Egal? Nein! Wir 50+ sind die Baby­Boomer-Generation. Wir sind ganz viele. Viele von uns sind reisefreudig, kulturinteressiert. Einige von uns gehen bald in Pension oder sind es schon. Dann haben wir noch mehr Zeit, zum Beispiel für Museumsbesuche. Also bitte, werte Ausstellungsgestaltende: Denkt an uns, brieft eure Grafiker. Mit größeren, auf Sichthöhe angebrachten Bildbeschriftungen erleichtert ihr uns den Kunstgenuss ungemein!

Bettina Steindl
01.03.2019
Europa wir kommen! Kulturhauptstadt 2024

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht...

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht, Frau Steindl.“ Diesen Satz habe ich im letzten Jahr ständig gehört. Ich bin anderer Meinung. Ich denke anders über das Haben nach, über das Können und das Wollen. Ich finde, der einzelne Mensch und die Gesellschaft sollten sich noch viel mehr mit Kunst und Kultur auseinandersetzen. Dabei geht es uns im Bewerbungsprozess vor allem um die Alltagskulturen. Die Kultur des miteinander Lebens, Arbeitens, Redens und Seins zum Beispiel. Eine Kultur der Wissensvermittlung zwischen den Generationen, die offen mit Themen wie Integration, Migration, Diversität und Nachhaltigkeit umgeht.

Gestern wurde mir die Frage gestellt, wann ich in meinem Beruf diesen ganz besonderen Glücks- und Zufriedenheitsmoment erlebe. Immer dann, wenn ich umsetzen kann, was ich während meines Wirtschaftsstudiums als USP meiner selbst definiert habe: Ich erkenne und spüre den Sinn von Kunst und Kultur deutlich und kann ihn für andere übersetzen. Die positiven Kennzahlen, die Kulturwirtschaft für Städte, Regionen, Länder, Institutionen, Vereine und letztlich jeder und jedem Einzelnen bringen, sind wissenschaftlich erhoben. Sie belegen, was wir im Rahmen unserer Bewerbung behaupten: Kunst und Kultur sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, wenn es darum geht, Lebensraum zu schaffen, Zukunft zu gestalten, einen Standort zu positionieren und letztlich auf der großen Bühne Europas eine Rolle zu spielen. Deshalb und aus vielen weiteren Gründen stehe ich mit voller Überzeugung, mit Tatendrang und Mut persönlich und als Professionalistin hinter der Bewerbung von Dornbirn plus Feldkirch, Hohenems und dem Bregenzerwald als Kulturhauptstadt Europas 2024: Begehen wir gemeinsam einen „Outburst of Courage“! Zeigen wir Europa, dass wir unsere Zukunft aktiv gestalten – über und mit den Mitteln der Kunst! Europa, wir kommen!

Manfred Hämmerle
04.02.2019
Samra macht ihren Weg

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der...

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der HAK Bregenz, erhielt kürzlich von der Nationalbank 1000 Euro, weil sie fleißig, zielstrebig und sozial engagiert ist. Eine Lehrperson aus der Mittelschule Lochau empfahl ihr damals, die Handels­akademie zu besuchen. Darüber ist sie froh, denn sie hätte sich das nicht zugetraut.

Jetzt beginnt wieder die Anmeldezeit für weiterführende Schulen. Insbesondere für Eltern, deren Kinder die vierte Klasse Volksschule besuchen, ist diese Zeit mit einem gewissen Stress verbunden. „Wird es mein Kind ins Gymnasium schaffen?“, ist die Frage. Dabei zeigen die Daten der Berufsbildenden Schulen, dass diese Frage überschätzt wird. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen sind wie Samra: Sie bewähren sich in unseren Schulen und sie haben – bei entsprechenden Noten – die Möglichkeit, in alle Oberstufenformen Vorarlbergs zu wechseln. Man kann also die Zehnjährigen mit gutem Gewissen in ihrer bewährten Umgebung eine gute Mittelschule besuchen lassen. Es ist wichtig für diese Schulen, dass sie Zugpferde in der Klasse haben. Die Politik hat die Verantwortung, die Mittelschulen zu stärken und nicht durch zusätzliche Angebote weitere Konkurrenz zu schaffen.

Übrigens: Samras Vater ist aus Bosnien zugezogen. Er arbeitet seit vielen Jahren in einem Vorarlberger Industriebetrieb. Man darf zusätzlich noch von einer gelungenen Integrationsgeschichte erzählen und außerdem berichten, dass viele junge Menschen mit Migrationshintergrund den Weg Neue Mittelschule und dann BHS wählen. Und das ist gut so, weil Samra und alle anderen einen Beruf erlernen und zusätzlich eine höhere Bildung erhalten. Durch die neue Reife- und Diplomprüfung ist die Vergleichbarkeit mit Absolventinnen und Absolventen der AHS garantiert.

Marion Kaufer
04.02.2019
Digitalisierungs– = Bibliotheks–Offensive?

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt...

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt umfassend die Mechanismen der digitalen Transformation sowie geplante Strategien und Ziele auf. Gesellschaft und Wirtschaft gilt es auf den Medienwandel, disruptive Technologien und anstehende Änderungen vorzubereiten. Ich sehe in dem Strategiepapier an vielen Stellen die ausdrücklichen Kompetenzen von Bibliotheken angesprochen – lese das Wort aber nicht ein einziges Mal.

Bibliotheken traf und trifft der Medienwandel unmittelbar und allumfassend. Die hybride Bibliothek fasst digitale und analoge Angebote unter einem virtuellen wie physischen Dach zusammen. Datenverarbeitung und -aufbereitung sind wesentliche Fertigkeiten von Bibliotheken. Es ist das ureigenste Aufgabengebiet von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, sich der Sammlung, Strukturierung, Hierarchisierung, Präzisierung und Auswertung von Daten zu widmen. Bibliotheken leisteten bereits seit Anfang der 1980er-Jahre beispielsweise mit ersten Datenbankabfragen Pionierarbeit im Bereich der Digitalisierung.

Allerdings erscheinen Bibliotheken als Nachzügler in puncto Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit an AHS ist die Vorarlberger Landesbibliothek beispielsweise im Lehrplan verankert – offensichtlich aber nicht in den Köpfen. In meinen Augen kann eine Digitalisierungsoffensive nur dann gelingen, wenn sie alle Ressourcen im Lande fördert und fordert. Gerade Bibliotheken können zur Verbesserung der Medienkompetenz, zum Umgang und zur Bewertung digitaler Informationen, zur Befähigung einer Übersicht, Filterung und Strukturierung der Datenflut beitragen. Insofern sollte die Digitalisierungsoffensive auch zu einer Bibliotheksoffensive werden – die Kompetenzen von Bibliotheken nutzend und ihre Infrastruktur fördernd.

Autoren & Redaktion