Zitate

Autoritarismus spricht Menschen an, die keine Komplexität aushalten.

Anne Applebaum, US-Historikerin

Identitätspolitik verengt die Welt.

Robert Treichler, Journalist

Kleingeister leiden naturgemäß an Größenwahn.

Harald Schmid, Aphoristiker

Individuelle Freiheit kann es nur geben, wenn das Allgemeinwohl funktioniert.

Anders Indset, Wirtschaftsphilosoph

Menschen sind intellektuell in der Lage, Falschmeldungen zu erkennen – nur sollte man sie daran erinnern.

Ingrid Brodnig, Publizistin

Wir feiern das angeblich Messbare, weil uns die Maßstäbe abhandengekommen sind.

Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler

Wenn jemand besonders glänzend auftritt, dann versuche ich das Lächerliche daran zu sehen.

Wolf Haas, Schriftsteller

Die moderne Gesellschaft ist vor allem eine Publikumsgesellschaft.

Andreas Reckwitz, Soziologe

Stereotype verschwinden nicht, wenn man Wörter ändert.

Philipp Hübl, Philosoph

Es gibt für mich zwei Prinzipien: ruhig bleiben, spottend bleiben.

Lukas Resetarits, Kabarettist

in den Mund gelegt

Quergedacht

Michael Rauch
07.05.2021

Covid-19 und die damit verbundenen...

Covid-19 und die damit verbundenen Einschränkungen haben auch für junge Menschen dramatische Auswirkungen – je länger, desto mehr. Auch deren Eltern sind mit vielfältigen Herausforderungen, Doppelbelastungen und auch Entscheidungen konfrontiert. Oft stellt sich die Frage nach dem kleineren Übel, wie beispielsweise einer Masken- und Testpflicht zuzustimmen, um einen Schulbesuch ganz oder teilweise zu ermöglichen. Die Unsicherheit ist nicht zuletzt durch eine fehlende Perspektive und häufig wechselnde Vorschriften und Regelungen groß. Vor dem Hintergrund, dass Kinder und Jugendliche besonders stark und auch am längsten betroffen sind, braucht es eine ständige Auseinandersetzung, ob die gesetzten Maßnahmen angemessen, wirksam und verhältnis­mäßig sind.
Die in den letzten Wochen vorgenommen Öffnungsschritte bei Sportvereinen oder der offenen und verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit waren daher nicht nur richtig, sondern auch dringend notwendig. Es muss neben der Einschätzung der Entwicklung von Inzidenzzahlen und Bettenbelegung besser gelingen, auch die Auswirkungen von getroffenen Maßnahmen auf die körperliche und psychische Gesundheit insbesondere der jungen Generation zu beachten. Ebenso dringlich sind Maßnahmen und Programme zur Bewältigung bereits sichtbarer Folgen der gesetzten Maßnahmen. In der Wirtschaft würde man von Wiederaufbauplänen und Konjunkturprogrammen sprechen, bei Kindern und Jugendlichen geht es unter anderem um das Aufholen von Bildungsrückständen, Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und die Nutzung von Spiel- und Freiräumen.
Artikel 8 der Landesverfassung ist gerade jetzt aktueller denn je: „Bei allen Maßnahmen des Landes, die Kinder betreffen, ist das Wohl der Kinder vorrangig zu berücksichtigen.“

Monika Rauch
07.05.2021

Während in einem durchschnittlich laufenden...

Während in einem durchschnittlich laufenden Geschäftsjahr kaum Zeit bleibt, die Mitarbeitenden neben ihrem Arbeitspensum unternehmens­orientiert aus- und weiterzubilden, bietet die Covid-19 Pandemie eine riesige Chance. Unternehmen können sich neu oder klarer definieren und herausfinden, welche Kompetenzen den Mitarbeitenden fehlen, um nach der Krise gut aufgestellt zu sein, dem Wettbewerb Stand zu halten und die Verluste wieder hereinzuholen.
Was Studien belegen, konnte bereits in der Wirtschaftskrise 2008 beobachtet werden. Arbeitnehmer*innen, die ihre Zeit zu Hause verbrachten, waren nach einer längeren Phase der Kurzarbeit weniger belastbar und bereits erworbenes Wissen ging sukzessive verloren. Unternehmen jedoch, die in ihre Mitarbeitenden investierten, konnten sich Wettbewerbsvorteile erarbeiten. Hierzu ist jede Weiterbildung recht, vor allem jene, die die Selbst- und Sozialkompetenzen fördern. Dies ist besonders bei Weiterbildungen der Fall, die freiwillig gewählt werden und die im privaten Interesse der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers liegen. Hier sind diese intrinsisch motiviert dazu bereit, sich über das erlernte Gebiet hinaus mit einem Thema zu beschäftigen und mögliche Problemstellungen selbstständig zu bearbeiten. Fachliche Inhalte, die heute gelehrt werden, sind morgen bereits veraltet, da gestern bereits neuere Technologien entwickelt wurden. Zudem werden die Aufgaben immer komplexer und spezialisierter. Daher kann der einzige richtige Weg nur sein, den Mitarbeitenden beizubringen, wie sie sich die Lösungen für ihre Problemstellungen selbst erarbeiten.
Covid-19 kann als Weckruf für vielen Unternehmen bezeichnet werden. Nutzt diese Chance und investiert in die Bildung der Mitarbeitenden.

Michael Zangerl
07.05.2021

Es ist unbestritten und durch zahlreiche...

Es ist unbestritten und durch zahlreiche Studien belegt, welchen positiven Einfluss regelmäßige Bewegung auf unsere Gesundheit hat. Die WHO empfiehlt 2,5 Stunden Bewegung pro Woche für Erwachsene, eine Stunde pro Tag für Kinder. Vielfach ist der Antrieb für Bewegung negativ konnotiert, zur Beseitigung eines Mangels. „Ich sollte abnehmen“, „Ich sollte mein Herz-/Kreislaufsystem stärken“, „Ich sollte die Ausdauerfähigkeit steigern“. Das bedeutet Zwang und Mühsal.

Verbinden Sie dagegen Bewegung mit Freude und hören Sie einfach auf Ihren Körper und Ihre Seele, die genau wissen, was Ihnen guttut! Genießen Sie das Laufen, das Radfahren, das Ballspielen, das Wandern – für sich alleine oder mit Familie und Freunden, ohne Uhr und ohne Leistungsdruck!

Entwickeln Sie eine regelmäßige Routine für freudvolle Bewegung und ich verspreche Ihnen Folgendes:

  • Sie empfinden mehr Lebensfreude,
  • Sie steigern Ihre kognitiven Fähigkeiten,
  • Sie sind entspannter,
  • Sie werden glücklicher.

 

Das ist zugegebenermaßen ein großes Versprechen. Viele individuelle Erfahrungen beweisen, dass dies zutrifft.
Ein stärkeres Immunsystem, bessere Kondition und ähnliches sind dabei angenehme Nebenwirkungen.
Wenn Sie Ihren Kindern ein Geschenk fürs Leben machen wollen, dann seien Sie ein Vorbild für Bewegung und lassen Sie sie an der freudvollen Erfahrung teilhaben! Der Grundstein für die Bewegungskarriere wird im Kindesalter gelegt.
Die ersten Schritte sind die schwierigsten. Vorarlberg >>bewegt bietet zahlreiche Impulse und Programme, die Ihnen den Einstieg erleichtern. Das Team von Vorarlberg >>bewegt gibt Ihnen gerne einen Überblick. Die Verantwortung liegt allerdings bei Ihnen. Sie sind Ihres eigenen Glückes Schmied.

Brigitta Soraperra
07.05.2021

Dieser winzig kleine Virus, der sich nicht und...

Dieser winzig kleine Virus, der sich nicht und nicht von uns unterkriegen lassen will, hat so ziemlich alles auf den Kopf gestellt, was unsere Vorstellungen von Welt und Wertigkeiten ausgemacht hat. Wir haben im vergangenen Frühjahr «gelernt», welches die «wahrhaft wichtigen», die «absolut notwendigen», weil «systemrelevanten» Berufe und Bereiche in unserer Gesellschaft sind. Wir haben «gelernt», dass wir Menschen reine Grundbedürfnismaschinen sind, die einzig arbeiten, essen und aufs Klo gehen müssen.
Wir haben aber auch gelernt, dass unser System nicht bereit ist, diese von ihm selbst ausgerufene Relevanz mit angemessenen Löhnen zu honorieren (aber das steht auf einem anderen Blatt). Und dann kamen Lockdown 2 und 3, und all die grundbedürfnisbefriedigten Menschen sind eingegangen wie Primeln, die zu viel Wasser abbekommen haben. Denn es wurde bei aller Relevanz übersehen, dass wir Menschen nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für Geist und Seele benötigen, so wie Primeln nun mal auch von der Sonne abhängig sind. Dass wir kreative Impulse und unkonventionelle Lösungsansätze brauchen, um Zuversicht für die Zukunft gewinnen und gesund bleiben zu können. Dass wir kritische Korrektive brauchen, um der systemimmanenten Hybris zu entkommen, die ignoriert, dass Mensch und Natur in direkter Beziehung stehen und voneinander abhängig sind. Und dass wir ab und zu einfach auch mal in Traumwelten flüchten können müssen, um Geduld und Ausdauer für den Pandemiemarathon aufzubringen.
Da stellt sich plötzlich erneut die Frage, was denn relevant fürs System ist. Ich wünsche diesem System die Lernfähigkeit zu erkennen, wie relevant Kunst und Kultur gerade in Zeiten einer Pandemie sind, denn sie bilden die Basis für ein gutes Miteinander und die Zukunft danach.

Michael Jonas
02.04.2021

In Vorarlberg gibt es derzeit bei Arztbesuchen...

In Vorarlberg gibt es derzeit bei Arztbesuchen meistens nur ein brennendes Thema – die COVID-19-Impfung. Tagtäglich sind Ärztinnen und Ärzte damit beschäftigt, Fragen wie „Welcher Impfstoff ist für mich der richtige?“, „Ist Impfen überhaupt sinnvoll?“ oder „Welchen Gefahren setze ich mich aus?“ zu beantworten. Die sich hartnäckig haltende Skepsis ist nachzuvollziehen, fällt es doch mittlerweile sehr schwer, zu erkennen, welche Aussagen auf Fakten beruhen und welche nicht. Die Informationsflut ist immens, und den Überblick zu behalten ist kaum möglich.
Daher ist es eine unserer zentralen Aufgaben, Patientinnen und Patienten über die Impfung aufzuklären und Sorgen sowie Skepsis zu besprechen und auszuräumen. Mittlerweile wurden weltweit mehr als 300.000.000 Menschen geimpft. Veröffentlichte Studien und die gewonnenen Erfahrungswerte zeigen, dass die Impfstoffe sicher sind, die Impfung wirkt und wir der Normalität mit jedem Tag näher kommen. Es ist Fakt, dass die Impfung der einzige Weg aus der Pandemie ist und wir nur so das Leben im Lockdown hinter uns lassen können. 
Wir sind noch nicht am Ziel, es braucht nach wie vor Klarheit und eine vertrauensvolle Kommunikation, damit sich genügend Menschen impfen lassen. Die Vorarlberger Ärzteschaft ist jederzeit dazu bereit, persönlich, transparent und authentisch die Bevölkerung mit belegbaren Fakten und Informationen zu versorgen. Firmen, Gemeinden, Vereine sowie Schulen können sich bei der Ärztekammer melden und mit uns gemeinsam persönliche Online-Veranstaltungen organisieren, bei denen Experten aus der Ärzteschaft informieren und Fragen beantworten. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Möglichkeit Unklarheiten und Gerüchte aus dem Weg räumen und so einen wichtigen Impuls in die richtige Richtung setzen können.

Belinda Rukschcio
02.04.2021

Das World Wide Web wurde 1998 erfunden, fünf...

Das World Wide Web wurde 1998 erfunden, fünf Jahre nach Beginn meines Architekturstudiums. Das Erlangen von Wissen nahm damals viel Platz ein. In der Wohnung befanden sich ein großer Zeichentisch und viele Modelle. Den größten Platz nahm eine stetig wachsende Anzahl an Fachliteratur im Bücherregal in Beschlag. Heute ist ein Laptop mit CAD-Programm ausreichend. Durch die Digitalisierung sind physische Wissensvermittler inzwischen nicht mehr zwingend notwendig. Im Internet sind Bücher, Archive und Bibliotheken zu finden. Virtuelle Touren machen Gebäude weltweit zugängig. Nach dem Prinzip sharing is caring wird Wissen gerne öffentlich geteilt und gleichzeitig zur Markenbildung genutzt. Bekanntestes Beispiel einer kollaborativen Wissensverbreitung ist die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, auf der inzwischen knapp 56 Millionen Artikel in 300 Sprachen veröffentlicht wurden.
Wissen setzt sich jedoch immer aus zwei Komponenten zusammen: Information und Erfahrung. Erst durch Anwendung wird Wissen tatsächlich erworben. Das ist einer der Grundsätze im Handwerk. Zeit, Beobachtung und Handlung sind dabei feste Parameter. Zum Beispiel wird man in Japan erst nach 30 Jahren oder 60.000 Arbeitsstunden zum Takumi-Meister. Fällt die Erfahrung durch Anwendung im Handwerk weg, geht das spezifische Wissen unweigerlich verloren. Es kann nicht mehr erlernt werden.
Darin zeigt sich die Gleichzeitigkeit ungleicher Entwicklungen: Die Anzahl an frei verfügbaren Informationen und Daten wächst, während in der Handwerkskultur relevantes Wissen durch den Wegfall von Anwendungsmöglichkeiten verloren geht. Daher kommen der Wissensteilung und Zusammenarbeit im Handwerk, aktuell in der Ausstellung im Werkraum Bregenzerwald zu sehen, so eine große Bedeutung zu.

Peter Fischer
02.04.2021

Pandemie-bedingt zeigt sich der grassierende...

Pandemie-bedingt zeigt sich der grassierende Virus im Bildungssystem mehr denn je. Die von Wirtschaft, Eltern, Schüler*innen, Pädagog*innen und nicht zuletzt von vielen Bildungswissenschaftler*innen seit Jahrzehnten geforderten Reformen in unserem verkrusteten Bildungssystem finden einfach nicht statt, wenn, dann nur kosmetisch.
Unser Schulsystem wird von zwei grundsätzlichen Übeln beherrscht. Die viel zu frühe Trennung der Kinder in der 4. Klasse Volksschule in Gymnasium- und Mittelschul-Reife ist pädagogisch und sozial völlig sinnlos, weil in diesem Alter kaum Lebenslaufbahnprognosen möglich sind. Die Segregation ist hauptsächlich von der Sozioökonomie und vom Bildungsstand der Eltern abhängig. Ein öffentliches Schulsystem muss vom Gesetz her allen Kindern und Jugendlichen, unabhängig von Herkunft, Ethnie und Religion, gleiche Bildungschancen ermöglichen.
Der Run aufs Gymnasium liegt nicht an der besseren Pädagogik an den Gymnasien. Der Hauptgrund liegt für mich im besseren Renommee des Gymnasiums. Das ist im höchsten Maße ungerecht, denn die Volks- und Mittelschullehrer*innen sind durch die Unterschiedlichkeit ihrer Schüler*innen bei Weitem mehr gefordert als Gymnasiallehrer*innen. Das nicht sehr aussagekräftige Ziffernnotensystem ist das nächste, kaum hinterfragte Übel. Dieses ist der erste Auslöser des Segregationsdilemmas, das durch die Pandemie-bedingten Umstände noch mehr zu einer Beurteilungslotterie verkommen ist.
Die Sequenzierung des Bildungsvirus‘ führt mich zur sozialen Segregations­ideologie von türkis-schwarzen Politiker*innen, die seit jeher das Schulsystem dominiert. Leider gibt es dagegen keine Impfung. Deshalb sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Langzeitschäden unermesslich.

Susanne Dörflinger
02.04.2021

Der Auftrag unserer Branche heißt, „Gäste zu...

Der Auftrag unserer Branche heißt, „Gäste zu verwöhnen“ – sei es im Alltag im Restaurant oder in der Urlaubs­zeit im Hotel. Jetzt ist die Freude groß, dass wir in Vorarlberg Gästen wieder eine schöne Zeit im Restaurant oder im Café bieten dürfen. Was unsere Branche besonders in dieser Zeit begeistert, ist die Bereitschaft der Gäste, die Rahmenbedingung, wie vor allem den Covid-Test im Vorfeld und die Ausgangssperre bis 20 Uhr in Kauf zu nehmen. Die Freude der Gäste über den Restaurant-Besuch ist groß, wir hoffen, dass diese Bereitschaft auch anhält, damit wir ein sicheres Umfeld in dieser Zeit der Krise für alle Gäste anbieten können. Wir sehen uns im Vergleich zu Österreich privilegiert. Ich bin der Meinung, wir können das schaffen und ein gutes Vorbild sein, dass ein Covid-Alltag mit Restaurant-Besuch möglich ist.
Die Situation erfordert von uns allen Anpassung. Die Restaurants im ganzen Land reagieren mit früherem Küchenstart ab 17 Uhr darauf, damit die Gäste auch Zeit für die Auszeit und das Verwöhnprogramm haben.
Natürlich ist es eine Herausforderung für alle Betriebe, gerade im Abend-Service in diesem verkürzten Zeitraum eine gemütliche Atmosphäre für die Gäste anzubieten. Früher haben sich die Bestellungen für die Küche über den Abend verteilt. Jetzt ist es notwendig, die Speisen für alle Gäste nahezu gleichzeitig zuzubereiten. Die Reservierung durch den Gast hilft auf jeden Fall allen Betrieben, den Ablauf gut zu planen. Hier appellieren wir in ganz Vorarlberg an die Gäste, uns mit einer frühzeitigen Reservierung zu unterstützen.
Auch in anderen Branchen – Frisör oder Kosmetik – ist es ja bereits üblich, früh genug einen Termin zu buchen. Mit all dieser Unterstützung ist die Gastronomie Vorarlbergs bereit für die neue Zeit!

Angelika Simma-Wallinger
04.03.2021

Von Design Thinking bis design driven...

Von Design Thinking bis design driven innovation. Seit gut zehn Jahren kursieren nette Buzzwords, mit denen Artefakte, Prozesse und Denkweisen umschrieben werden, die als positiv, konstruktiv und gut assoziiert werden sollen. Der Begriff „Design“ schmückt natürlich schon vordergründig, aber was hinter einem „designerly way of thinking“ steckt, und wie gut wir diese Haltung für die Lösung komplexer Herausforderungen von Covid bis Planetenrettung brauchen können, das zeigen unsere InterMedia-Studierenden in ihren Arbeiten. Was denn für sie gute Gestaltung sei, habe ich im Masterstudium gefragt. Ein Teil der Antworten steckt in den folgenden fünf Argumenten, wieso wir alle gerade jetzt viel öfter wie Designer:innen denken sollten:
_ Gute Gestaltung – und damit ist Produktgestaltung, Gestaltung von Erlebnissen, Prozessen, unserem Alltag gemeint – investiert mehr Arbeit in das Erkennen des eigentlichen Problems, als in die Suche nach der Lösung.
_ Design ist sinnlich wahrnehmbar und verändert dadurch, was gedacht und getan werden kann. Es geht nicht darum, wie etwas ist, sondern wie etwas sein kann.
_ Feedback ist essentiell. Viele Schleifen sind mühsam, sichern aber die Qualität (danke an Karin Bleiweiss für das konstruktive Ping Pong zu diesem Text). 
_ Wir werden so gut sein, wie wir es verstehen, Lösungsansätze divers und offen zu erarbeiten. Wir brauchen dazu repräsentative Narrative.
_ Folgen wir der Freude und der Magie des Machens – nicht alles, was am Papier steht, muss umgesetzt werden.
Das größte Missverständnis: dass es bei Design ausschließlich um eine Art von Schönheit gehe. Sinnhaft, kritisch, relevant, Probleme lösend oder neue Optionen aufzeigend – so sollte Design sein. Schön natürlich auch. Klingt doch nach einem Plan für alle denkbaren Zukünfte!

Gebhard Flatz
04.03.2021

Nicht erst seit der Corona-Krise hat bei...

Nicht erst seit der Corona-Krise hat bei vielen Konsumentinnen und Konsumenten der Wunsch nach regionalen, bäuerlichen Lebensmitteln zugenommen. Dies bestätigen Wachstumszahlen im Bereich der bäuerlichen Direktvermarktung, ganz besonders seit Ausbruch der Pandemie. Was wir auch spüren, ist eine allgemeine Erkenntnis dafür, dass die ständige Verfügbarkeit von Lebens- oder Konsumgütern keine Selbstverständlichkeit ist. Wirtschaftliche Einbrüche oder Grenzschließungen haben deutlich gezeigt, wie schnell Mangel entstehen kann. Plötzlich ist eine regionale Lebensmittelgrundversorgung wieder Thema.
Einerseits gibt es eine hohe Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln, und anderseits bewährt sich die Flexibilität und Kreativität unserer klein­strukturierten Landwirtschaft, auf solche Bedürfnisse rasch reagieren zu können. Der Ausbau des vielfältigen Angebotes, die Vernetzung in Produktion und Vertrieb, die verstärkte Verwendung regionaler Lebensmittel in Gastronomie, Hotellerie und öffentlichen Küchen oder der Ausbau von Partnerschaften mit dem Handel stärken diese Wertschöpfungskette insgesamt. Auch der Klimawandel und das Tierwohl spielen eine immer größere Rolle im Konsumverhalten. Eine regionale, transparente Lebensmittelerzeugung erspart unnötige Transporte und erzeugt durch Kreislaufwirtschaft gesunde Lebensmittel. Tierwohl und naturnahe Bewirtschaftung sind also nicht Möglichkeit, sondern Grundvoraussetzung dafür. Das haben unsere Bauern längst verstanden und trotz Unkenrufen sind sie in Sachen Biodiversität und Tierwohl in Europa führend und verbessern sich weiter.
Dieses landwirtschaftliche Potenzial noch besser zu nutzen, ist eine „Win-win-Chance“ für die ganze Wertschöpfungskette, die ergriffen werden muss. 

Nicole Ohneberg
04.03.2021

Das Jahr 2020 war im Harder Gemeindearchiv und...

Das Jahr 2020 war im Harder Gemeindearchiv und im Textildruckmuseum unbestritten ein herausforderndes mit vielen Ungewissheiten. Das Museum musste geschlossen werden. Führungen, Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen wurden verschoben oder ganz abgesagt. Ein bereits fertig vorbereitetes Jahr wurde im ersten Lockdown sozusagen rückabgewickelt. Zu dieser Zeit war noch völlig unklar, wie es weitergeht und was das Virus neu bewirkt. Diese Phase nutzten viele Harderinnen und Harder, um zu Hause, in ihren Büros, auf Dachböden oder in Kellerräumen klar Schiff zu machen, was unmittelbare Auswirkung aufs Archiv hatte. Zahlreiche Anrufe und Mails im März und April waren die Folge. Viele fragten sich, wann das Archiv denn wieder öffne, man hätte aufgeräumt, und es könnte etwas fürs Archiv dabei sein. So gelangten wertvolle Bestände wie Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg, 800 Musterentwürfe (1900–1914) für den Textildruck, Musterbücher, historische Fotos und zahlreiche Dokumente zu uns ins Gemeindearchiv.
Nachdem der Ansturm auf das Archiv über den Sommer etwas abgeklungen war, nutzten wir die Veranstaltungspause vermehrt für konservatorische Maßnahmen, fürs Verzeichnen, Erschließen und Digitalisieren. Im Rahmen unseres seit Jahren laufenden Digitalisierungsprojektes konnten wir so letztes Jahr hunderte Fotos erfassen und online stellen (www.hard.at/de/fotoarchiv/), viele historische Pläne erschließen und den etwa 30.000 Dokumente umfassenden Nachlass von Samuel Schindler-Bodmer weiter aufarbeiten.
Auch heuer werden wir aus der Situation das Beste machen und unsere knappen Ressourcen für vermehrte Basisarbeit nutzen und hoffentlich die verschobene Ausstellung des „Museums für Lebensgeschichte“ doch noch eröffnen können.

Markus Schmidgall
04.03.2021

Nicht zuletzt durch die wohlwollende Duldung...

Nicht zuletzt durch die wohlwollende Duldung oder sogar gezielte Streuung eines ehemaligen US-Präsidenten erfreuen sich „alternative Fakten“ seit geraumer Zeit immer größerer Beliebtheit und Verbreitung. Nun ist ein Diskurs über vermeintliche Unklarheiten und über unbekannte Tatsachen gerade in einem wissenschaftlichen Kontext keine Seltenheit und an sich auch erwünscht. In (Corona-)Zeiten wie diesen erlebt die Wissenschaft aber eine ganz neue Herausforderung abseits einer nach wissenschaftlichen Standards definierten Auseinandersetzung. Vielfach werden einerseits Ergebnisse der Forschung an sich angezweifelt und zwangsläufig mit einer politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Zielsetzung in Zusammenhang gebracht. Andererseits werden Debatten und Diskussionen und die verschiedenen Zugänge und Zielsetzungen eines wissenschaftlichen Diskurses als Zeichen von absichtlicher Unklarheit und schließlich auch als „Fake News“ angesehen und grundsätzlich abgelehnt.
Diese zwiespältige Auseinandersetzung mit (der) Wissenschaft ist umso erstaunlicher im Angesicht der Tatsache, dass in Krisenzeiten wie diesen selbst die vielfach entrückte Politik sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und den damit vorausgegangenen Diskurs ein- und verlassen muss. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler avancieren daher vielfach zu medialen Popstars – und ecken doch oft mit unangenehmen Wahrheiten an. Die Wissenschaft und ihre Exponenten tun aber gut daran, nicht über diese neue Machtfülle allzu laut zu jubeln. Vielmehr sollte sie weiterhin den Weg aus der Krise weisen – aber getreu dem Motto von Tacitus: „Sine ira et studio“. 

Hanno Schuster
05.02.2021

In der Marketingwelt gibt es einen Märchenwald...

In der Marketingwelt gibt es einen Märchenwald, bevölkert von Ideen aus Zuckerguss und schwerem Wein. Das ist der Ort, an dem die Wirklichkeit gegen den Glauben an die neuesten Trends eingetauscht wird, mögen sie auch noch so platt sein. Überzeugt von der Wirkkraft des trendigen Zufalls, applaudiert man dort begeistert den bunten Trendraketen, lernt die hippen Keywords der Frohbotschafter auswendig und schlafwandelt in den Zukunft-Workshops. „Hätte“, „Müsste“, „Würde“ sind hier König, bestimmen die Tonalität der Unterhaltung und erwarten Anbetung. Orientierung wird hier verwechselt mit dem Herbeireden von neuen Zeiten, in denen die Anstrengung professioneller Markenführung keine allzu große Bedeutung mehr hat. 
Hier fühlen sich auch Influencer wohl. Das ist die Sorte leibhaftiger Menschen, die auf Social-Media-Kanälen eifrig Megabits wohltemperierter Unterhaltung produzieren. Influencer sind der banale Ausweis dafür, in welchem Maße manche Marken ihre Orientierung verlieren, ihre Kraft an ein Setting aus uneinlösbaren Versprechen und „trendiger Coolness“ abgeben.
Und warum das alles? Geblendet von Follower-Zahlen der Influencer-Performance, sieht man die Marke „neu und schick eingekleidet“. In Wahrheit sind die neuen Kleider jedoch nur der Wunschgedanke und die Einbildung, auf die Erarbeitung einer konsistenten Markenstrategie verzichten zu können.
Der Preis für das kurzzeitige Rauschen im Netz ist das nachhaltige Verbrennen der Markenwerte. Die Markenerzählung wird an eine virtuelle Existenz im Netz ausgelagert. In diesem Kanal aber ist der Influencer die Marke. Die Produkte sind Beiwerk und abhängig von seiner Performance.
Die Marke wird zur Fassade und bleibt nackt zurück.

Hans Wolff
05.02.2021

Seit mittlerweile fast einem Jahr leben...

Seit mittlerweile fast einem Jahr leben Vorarlbergs Händler in ständiger Sorge um ihre Existenz. Mühsam wurden über Jahre hinweg regionale Geschäftsideen entwickelt. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen und den Kunden neue Anreize zu schaffen. Die Pandemie hat dem einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Es gibt derzeit keine Planungssicherheit, Löhne müssen trotz fehlender Einnahmen bezahlt werden, vielen eigentlich erfolgreichen Inhabern steht das Wasser plötzlich bis zum Hals.
Dennoch lässt sich der Handel nicht unterkriegen! So ein Wandel kann schließlich auch durchaus positive Seiten hervorrufen. Auch wenn die Ladentüren zu sind, wird dahinter eifrig getüftelt und gearbeitet. Das Geschäft wird auf Vordermann gebracht, das Sortiment für die Zukunft gestrafft, die bisher gut funktionierende Einkaufspolitik neu überdacht. Das Online-Geschäft der regionalen Anbieter hat einen komplett neuen Stellenwert bekommen – „Click & Collect“ wird gut angenommen. Auch die fehlende Beratung kann teilweise durch Telefonate, SMS oder E-Mails ersetzt werden. 
Das Einkaufsverhalten hat sich in den vergangenen Monaten enorm verändert, eine Rückkehr zur alten Normalität wird wohl nur mehr teilweise möglich sein. Gerade deshalb sind wir stolz auf unsere Kunden, die uns tatkräftig unterstützen und nicht auf große Online-Riesen zurückgreifen. Die Regionalität zählt definitiv zu den Gewinnern der Krise. Ortsgebundene Gutscheine gewinnen an Bedeutung. So konnte beispielsweise die Hofsteigkarte ihren Umsatz auf mehr als drei Millionen Euro steigern. Das zeigt, dass die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sowie verschiedenste heimische Unternehmen hinter dem Handel stehen. Das baut in dieser schweren Zeit auf, motiviert weiterzumachen und vor allem durchzuhalten.

Thomas Neubacher
05.02.2021

Ein Mensch alleine kann keinen Airbus A380...

Ein Mensch alleine kann keinen Airbus A380 erfinden und bauen und auch keinen Impfstoff gegen COVID-19 entwickeln und herstellen. Das geht nur gemeinsam und in Kooperation. Zusammenarbeit und Zusammenhalt in einer Gesellschaft sind die fundamentalen Voraussetzungen für sozialen Frieden und bilden somit auch die Basis für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Dieser soziale Frieden ist bei uns immer mehr in Gefahr.
Der größte Feind für Zusammenhalt und sozialen Frieden in einer Gesellschaft ist der, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Das sorgt für sozialen Sprengstoff und das hält eine Gemeinschaft auf Dauer nicht lange aus. In Österreich ist dies derzeit der Fall, laut neuesten Zahlen entfallen 39 Prozent des Gesamtvermögens auf das oberste Prozent der Bevölkerung, bisher ist man von 23 Prozent ausgegangen. Zur Einordnung: Das österreichische Privatvermögen wird von Ökonomen wie Jakob Kapeller, Professor an der Universität Duisburg-Essen, auf 1249 Milliarden Euro geschätzt. Die reichsten fünf Prozent teilen sich demnach bereits mehr als den halben Kuchen. Sie besitzen zusammen 55 Prozent des Gesamtvermögens im Land. Hier gilt es gegenzusteuern. Historisch gesehen haben bisher drei Modelle zur gesellschaftlichen Umverteilung von Vermögen geführt, nämlich: Kriege, Bürgerkriege und Seuchen. Jedoch mit schrecklichen Folgen. Sie fordern viele Todesopfer, führen zur Zerstörung von Vermögen und Infrastruktur und eine solche Umverteilung ist nicht vernünftig steuerbar.
Wenn wir bisher auch keine anderen Modelle in der Praxis erprobt haben, bin ich mir sicher, dass uns Menschen da vernünftigere Möglichkeiten und Wege einfallen. Die SPÖ hat dazu immerhin das Modell der Reichensteuer ins Spiel gebracht. Freundschaft.

Peter Flatscher
05.02.2021

Obwohl es in fast jedem Unternehmen...

Obwohl es in fast jedem Unternehmen anzutreffen ist, versteht es sich in der Regel geschickt zu tarnen. Es meidet tunlichst die Bühne und versteckt sich gerne hinter schicker Büroausstattung, neuen Gleitzeitregelungen, Kicker-Tischen, Firmenevents und Hochglanzprospekten. Die Beschäftigung ganzer Abteilungen mit solchen Belanglosigkeiten kann durchaus lange gut gehen. Aber spätestens, wenn Probleme auftauchen, die auch die Geschäftsleitung nachts nicht schlafen lassen, wird es doch enttarnt. Die Rede ist vom „Alten Denken im neuen Gewand“.
Glücklicherweise gibt es aber die eine Kollegin aus der Finanz, die aufzeigt, dass die bestehenden Prozesse und Dienstanweisungen doch nicht so gut mit dem Homeoffice harmonieren. Oder den neuen Vertriebsmitarbeiter, der höflich, aber schonungslos hinterfragt, ob es für die geplante Produktinnovation überhaupt einen Markt gibt. Diese Menschen gelten dann schnell als unbequem und rebellisch. Dabei werden ihre Impulse doch so dringend benötigt.
Organisationen stehen unter steigendem Innovationsdruck und brauchen mehr denn je unternehmerisch denkende und hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese wohlwollenden Querulanten sind Entrepreneure ohne eigenes Unternehmen. Sie suchen Lernräume innerhalb und außerhalb der betrieblichen Struktur, in denen sie ihre Talente bestmöglich einbringen und entfalten können.
Intrapreneure ticken diesbezüglich nämlich genau wie ihre selbständigen Projektpartner und Freelancer. Sie haben eine ausgeprägte Funktionslust, suchen stets nach Chancen, sind neugierig – und wenn man sie lässt, tun sie am liebsten das, was sie am besten können: echte Probleme lösen. 

Walter Buschta
03.12.2020

Die meisten Leser und New Yorker haben eine...

Die meisten Leser und New Yorker haben eine Gemeinsamkeit: Kopfschütteln, über vieles, was hier in den USA vor sich geht. Der Umgang mit der Corona-Pandemie, Proteste, Polizeigewalt, den mehr als fragwürdigen Noch-Präsidenten, um nur ein paar Themen zu nennen. Das Land ist tief gespalten, zwischen den sehr wohlhabenden und besser ausgebildeten Küsten und dem „Flieg-drüber-Land“. Beide Lager sind so weit voneinander entfernt und haben ein so unterschiedliches Verständnis und eine andere Lebenseinstellung, dass einem das „United“ in den United States of America als eine Farce vorkommt. Die Stadt New York ist anders als große Teile der USA: Kulturell vielfältig, tolerant, weltoffen und mit einer veritablen Verachtung gegenüber dem Ex-New Yorker Donald Trump. Wir waren sehr früh und sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen. Mit hunderten Toten pro Tag in einer Stadt, die ungefähr so viele Einwohner wie Österreich hat, ist man vorsichtiger geworden. Praktisch jeder trägt eine Maske, und obwohl Restaurants eine gewisse Anzahl an Gästen drinnen bedienen dürfen, sieht man viel mehr Leute beim neu geschaffenen Outdoor-Dining – auch bei sinkenden Temperaturen. Als vor wenigen Wochen Joe Biden an einem Samstagmorgen zum neugewählten Präsidenten ausgerufen wurde, konnte man überall in der Stadt Jubel und Hupkonzerte hören. Ich persönlich denke, es kann nach Trump nur besser werden. Biden ist zwar im gehobenen Alter, aber doch empathisch, immer noch smart und nicht soweit linksorientiert, wie andere Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Ich habe die Hoffnung, dass sich generell sehr Vieles normalisieren wird, das Land langsam wieder zusammenfindet und der Isolationismus zu einem Ende kommt … auch wenn das seine Zeit brauchen wird.
[Walter Buschta stammt aus Feldkirch und lebt seit zehn Jahren in New York]

Ulli Laine-Valentini
03.12.2020

Wissenschaftler warnen, dass sich die...

Wissenschaftler warnen, dass sich die Lockdowns für Schüler*innen in einer niedrigeren Bildungsrendite und Einkommensnachteilen niederschlagen könnten. Was dies für die Innovationskraft, den sozialen Frieden und Wohlstand einer Gesellschaft bedeutet, ist da noch gar nicht eingepreist.
Einen ähnlichen Effekt sehe ich beim derzeitigen Bildungssystem. Von der „Modellregion Vorarlberg“ oder der gemeinsamen Schule für die 6- bis 14-Jährigen spricht niemand mehr, wir haben Reformbedarf bei der Inklusion, dafür wird auf einem Nebenschauplatz die Wiedereinführung der Notenpflicht auf dem Rücken von Volksschulkindern ausgetragen. 
Wir dürfen die Zukunftsfähigkeit unserer Kinder nicht verspielen! Unterstützen wir die Schulen endlich, sich zu verändern, ohne ständig eingebremst zu werden. Geben wir ihnen Autonomie, ausreichend pädagogische und psychologische Mitarbeiter*innen und das gestrichene Verwaltungspersonal wieder zurück.
Gute Pädagog*innen denken von den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen her: Individualität und Gemeinschaft. Dieselbe Haltung muss sich im System manifestieren. Jedes Kind, egal welcher Herkunft, egal mit welchen Ressourcen ausgestattet, hat ein Recht auf individuelle Entwicklung. Mit dem Ziel, ein selbstbestimmter, freier Mensch zu werden, als solcher ein glückliches Leben zu führen und Verantwortung für sich, andere und die Welt zu übernehmen.
Ein schwieriges Jahr neigt sich dem Ende zu, die Pandemie ist noch nicht gebändigt, die Klimakrise macht keine Pause und die Unmenschlichkeit beim Thema Migration lässt verzweifeln. Die Welt braucht dringend junge Menschen, die das Wissen und den Willen haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und auf die großen Herausforderungen der Zukunft neue, humane Antworten zu finden.

Christof Thöny
03.12.2020

Landläufig wird mit dem Begriff...

Landläufig wird mit dem Begriff Kulturlandschaft eine dauerhaft von Menschen geprägte Landschaft beschrieben – im Gegensatz zur Naturlandschaft, die jedoch in unseren Breiten sehr selten geworden ist. In den ländlichen Regionen verstehen wir darunter meist die von Bäuerinnen und Bauern kultivierten Gebiete. Deren Tätigkeitsbereich umfasste weite Bereiche vom Talboden bis zu alpinen Regionen, in denen Alpwirtschaft und Bergmahd betrieben wurde. Heute müssen wir den Begriff natürlich weiter fassen, auch touristisch gestaltete Landschaft kann Kulturlandschaft sein. Nach dem Graubündner Architekten Gion Caminada verlangt der Begriff jedoch nach einer gewissen Qualität, sonst erübrigt er sich.
Mein Interesse gilt derzeit (und immer wiederkehrend in unterschiedlicher Ausprägung) den historisch gewachsenen Strukturen der bäuerlichen Kulturlandschaft. Sichtbare Zeugnisse einer Welt, die noch für meine Großeltern selbstverständlich war, sind Maisäße, Ställe und Heubargen. Die Landwirtschaft hat sich aus diesen Gebäuden größtenteils zurückgezogen, und viele von ihnen sind durch den Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte unwiederbringlich verloren gegangen.
Für mich sind die alten Ställe aber mehr als nur Reste einer Welt früherer Generationen. Sie sind bis heute reizvolle Elemente der Kulturlandschaft und nicht zuletzt deshalb auch Motive der Tourismuswerbung. Meist gehören sie zu Magerwiesen, die einen wichtigen Beitrag für die ökologische Vielfalt leisten. Deshalb sollten wir sie nicht aus den Augen verlieren und auch im offenen Raum die landschaftliche Vielfalt erhalten. Dazu gehört eine umfassende Kenntnis der gewachsenen Strukturen, denn nur so können wir verstehen, wie unsere Landschaft zu dem geworden ist, was sie heute ist.

Ralf Stoffers
03.12.2020

Wir erleben einen Advent und ein...

Wir erleben einen Advent und ein Weihnachtsfest unter besonderen Umständen – so viel steht fest. Das ist aber auch schon (beinahe) alles, was feststeht. Niemand weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt, was wie werden wird. Viele Planungen wurden über den Haufen geworfen: Märkte, Feierlichkeiten, kirchliche Veranstaltungen sind abgesagt, Geschäfte zugesperrt. Wer zu Weihnachten wen besuchen darf, wie wir Weihnachten feiern werden, ohne einander gesundheitlich zu gefährden … keiner weiß es.
Das verunsichert, strengt an, macht traurig. Kein Wunder, dass wir uns nach Sicherheit, Stabilität und guten Nachrichten sehnen. Vielleicht aber entwickelt sich aus dieser Spannung auch eine Chance. Mitunter sind Advent und Weihnachten ja so mit Terminen und Aktivitäten angefüllt, dass wir Gefahr laufen, den eigentlichen, unverletzlichen Kern des Festes, die Essenz von Weihnachten, aus den Augen zu verlieren. 
„Alle Jahre wieder …“ erinnern wir uns daran, dass auf Gottes Nähe Verlass ist. Im Kind in der Krippe kommt Gott uns Menschen so nah wie nur irgend möglich – und Corona spielt dabei keine Rolle, denn für und bei Gott gibt es keine Abstandsregeln. Weihnachten geschieht – unabhängig von den jeweiligen Umständen und doch mittendrin. 
Denn Christus wird nicht nur im Stall von Bethlehem geboren, sondern‚ „in Dir, in mir, in uns“, wie es der Arzt, Mystiker und Dichter Angelus Silesius („der schlesische Engel“; 1624 – 1677) formuliert hat. In unserem ungewohnten und verletzlichen Alltag können und werden wir das Himmlische aufblitzen sehen. Auch und gerade unter den momentan so besonderen Umständen. Deshalb gilt gerade auch in diesen Tagen: „Fürchtet Euch nicht!“

Andrea Kaufmann
08.11.2020

Dass wir uns in einer besonders...

Dass wir uns in einer besonders herausfordernden Zeit befinden, ist nichts Neues. Auch wir stellen fest, dass es immer schwieriger wird, eine positive Stimmung aufrecht zu erhalten. Aber genau diese werden wir benötigen, um diese Krise zu bewältigen und uns auf die Zeit danach vorzubereiten. Der Blick in die Zukunft ist wichtig, um den Standort weiter zu entwickeln. Die Vorarlberger Unternehmen tun dies. Der aktuelle Wirtschaftsbarometer zeigt positive Tendenzen. Die Unterstützung der öffentlichen Hand soll die Wirtschaft und damit die gesellschaftliche Entwicklung nachhaltig absichern, soweit dies möglich ist.
In den Städten und Gemeinden sind innovative Lösungen gefragt. Die sinkenden Einnahmen aus den Ertragsanteilen und den Steuern tun weh, weil sie einen wichtigen Kreislauf verlangsamen: Aus den Steuermitteln werden nämlich über die öffentliche Hand großteils wieder Investitionen generiert, die in der regionalen Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen. Die Budgets der kommenden Jahre werden geringer ausfallen. Dennoch wird es wichtig sein, in Projekte zu investieren. Damit sind nicht nur Bauprojekte gemeint; Verwaltung und Bürgerservice müssen effizienter werden und noch näher an die Menschen geführt werden. Die Digitalisierung – sie ist weit mehr als nur ein Schlagwort – ist dabei ein wichtiges Instrument. Nachhaltig und zukunftsorientiert werden wir auch dem Klimaschutz begegnen müssen.
Für beides gilt: Mit gezielten Investitionen in diese Bereiche schaffen wir Wissen und damit verbunden neue, hochwertige Arbeitsplätze. Die Menschen in unserem Land sind bekannt dafür, dass sie neue Aufgaben engagiert und intelligent anpacken. Die Unternehmen entwickeln daraus Innovationen und neue Produkte. Dafür benötigen wir das Engagement aller und vor allem einen positiven Blick in die Zukunft, den uns die aktuelle Situation nicht verstellen sollte.

Franz Rous
08.11.2020

Nun ist sie wieder da, die Diskussion, welche...

Nun ist sie wieder da, die Diskussion, welche unsere Gesellschaft spaltet. Die einen sagen, das Virus sei nicht existent. Die anderen haben Angst, sie fürchten sich vor Ansteckung. Wir vom Roten Kreuz wissen, dass es das Virus gibt, wir spüren es arbeitstechnisch bis in die Knochen. Die Pandemie wird uns noch länger begleiten, es gibt ja derzeit weder ein Medikament noch eine Impfung. Aktuell bleibt uns nur der Selbstschutz durch das Tragen der Maske, Abstand zu halten, Hände zu waschen und zu desinfizieren sowie im Erkrankungsfall zu Hause zu bleiben. Wir überlegen uns genau, ob und in welchem Rahmen familiäre Feiern stattfinden. Große Veranstaltungen ohne Mund-Nasen-Schutz meiden wir. Eigenverantwortung, Hausverstand und Disziplin sind gefragt. Im Rettungsdienst sind wir gut gerüstet. Patiententransporte, bei denen Verdacht auf Corona besteht, haben strenge Richtlinien. Für die Rettungssanitäter gibt es einen klar definierten Hygieneleitfaden. Dies beinhaltet unter anderem Schutzbrillen, Hygiene-Schutzkleidung und FFP2-Masken. Nach jedem Transport werden die Rettungsfahrzeuge einer Grundreinigung unterzogen. Was sich hier so leicht liest, ist ein Arbeitsaufwand von rund 90 Minuten. Nach jedem Transport und rund 15 bis 20 mal im Land pro Tag. Zudem sind besondere Vorschriften im personellen Bereich notwendig. Jedes Symptom der Mitarbeiter führt zur sofortigen Quarantäne und zu einem Gang nach Röthis zum Test.
Neue Dienstpläne und Mannschaftseinteilungen gehören zur täglichen Arbeit. Besonders jetzt im Herbst und kurz vor der kalten Jahreszeit, wo Erkältungen und Infekte an der Tagesordnung sind, macht es das Arbeiten nicht einfacher. Wir hoffen auf baldige Schnelltests, die innert dreißig Minuten ein Ergebnis liefern können. Bis dahin sind Schutzmaßnahmen weiterhin das Gebot der Stunde. Sie gelten auch als Zeichen des Respekts.

Christoph Schindegger
08.11.2020

Als Leiter einer Schule für Erwachsene mache...

Als Leiter einer Schule für Erwachsene mache ich in dieser Krise wertvolle Erfahrungen, auch wenn mir lieber wäre, ich müsste sie nicht auf so schmerzliche Weise erleben.
››    Welche der vielen Dienstleistungen, die wir planen und erbringen, haben nicht Priorität 1 und können – zumindest bis auf Weiteres – abgesagt werden?
››    Welche Annahmen, unter denen wir in normalen Zeiten arbeiten, stimmen wirklich? Begrenzen uns bestimmte Annahmen nicht viel mehr, weil sie uns von vornherein auf das Altbewährte festlegen?
››    Wie viel Platz brauche ich als Lehrender? Wie viel Platz brauchen Studierende mindestens, damit sie an ihrem Arbeitsplatz sicher sein können, sich nicht anzustecken?
››    Wie viel Verantwortung für die Gesundheit habe ich als Leiter einer Schule für Erwachsene? Wie viel Eigenverantwortung haben die Studierenden?
››    Welche sozialen Formen finden wir, um Begrüßung, Abschied, Nähe und Distanz in Coronazeiten auszudrücken?
››    Wie viel Grundspannung ist zu spüren, die ich und andere in jede Situation schon mitbringen? 
››    Wie vorsichtig gehen wir miteinander um, wenn der allgemeine Druck und die Belastung für alle erheblich größer sind?
››    Welche Copingstrategien entwickeln meine Organisation und ich, um mit dem Druck in diesen Zeiten besser umzugehen?
Ich habe diese Erfahrungen in Fragen formuliert, weil ich noch nicht auf alle eine Antwort weiß, und auch deshalb, weil es nicht eine richtige Antwort auf diese Fragen gibt. Fragen eröffnen neue Denk- und Spielräume. Genau das ist es, was es in dieser freiheitsbeschränkenden Zeit braucht: mehr Denkspielraum, gerade weil der Handlungsspielraum momentan stark eingeschränkt ist.

Hubert Schatz
08.11.2020

Der Wolf gilt in der Wildökologie als eine...

Der Wolf gilt in der Wildökologie als eine Schlüsselart, die trotz ihrer geringen Populationsdichte einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Vielfalt der Lebensgemeinschaften ausüben kann. Die jüngsten Nachweise von einzelnen Wolfsindividuen sowohl aus der Alpenpopulation als auch aus der nördlichen Tieflandpopulation in Vorarlberg zeigen, dass der Wolf weiter im Vormarsch ist. Um Probleme mit „Isegrim“ in unserer ausgeprägten Kulturlandschaft möglichst gering zu halten, braucht es eine breite Informationsschiene. Wo möglich und sinnvoll sind entsprechende Schutzmaßnahmen, wie Zäunungen und Behirtung und allenfalls der Einsatz von Herdenschutzhunden zu ergreifen. Außerdem braucht es neben einer Aus- und Weiterbildung der Tierhalter auch Fördermaßnahmen und eine unbürokratische und schnelle Entschädigung für gerissene Tiere. Es kann aber auch notwendig werden, „Problemwölfe“, die sich im unmittelbaren Lebensbereich des Menschen aufhalten oder trotz Schutzmaßnahmen immer wieder Nutztiere reißen, gezielt zu vergrämen und wenn notwendig auch zu entnehmen. Das Land Vorarlberg hat mit dem „Aktionsplan Wolf“ bereits frühzeitig begonnen, entsprechende Grundlagen zu schaffen. Die rasante Zunahme der europäischen Wolfspopulationen in den vergangenen zehn Jahren erfordert eine Neubewertung der Ausgangssituation sowie des Schutzstatus des Wolfes auf der Europa- bzw. Populationsebene. Aus meiner persönlichen Sicht könnte Vorarlberg eine wichtige Korridorfunktion für den genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Wolfspopulationen erfüllen. Für eine fixe Ansiedelung von Wölfen mit Bildung von Rudeln ist bei uns vor allem wegen fehlender Rückzugsgebiete und der überaus hohen Konfliktträchtigkeit in unserer vielbeanspruchten Kulturlandschaft jedoch kein Lebensraum vorhanden. 

Markus Ilg
02.10.2020

Die FH Vorarlberg hat die Corona-Krise gut...

Die FH Vorarlberg hat die Corona-Krise gut gemeistert! Dies bestätigt eine aktuelle Erhebung: Im CHE-Ranking attestieren uns sensationelle 96 Prozent der befragten Studierenden einen guten bis sehr guten Umgang mit der Corona-Krise. Trotz dieses Erfolgs freuten sich Studierende und Lehrende auf ein Wintersemester im Präsenzbetrieb.
Die Entwicklung der Corona-Infektionen schaltete die Corona-Ampel an der FH nun auf Orange: damit ist die überwiegende Zahl der Lehrveranstaltungen online durchzuführen. Online-Unterricht kostet jedoch einen hohen Preis: Wir verlieren die direkte Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden, Diskussionen können nur in eingeschränktem Umfang gut geführt werden, etablierte Prüfungsformen sind zu ändern. Der Unterricht ist für Lehrende wie Studierende oft deutlich anstrengender im Vergleich zum Präsenzunterricht. Das für den Studienerfolg wichtige Wir-Gefühl eines Jahrgangs entwickelt sich online nicht und für Gaststudierende ist es besonders schwierig, Kontakte zu knüpfen – um nur einige Herausforderungen zu nennen.
Die Situation enthält aber auch Chancen. Durch die heutigen technischen Möglichkeiten und durch die Bereitschaft von Lehrenden wie Studierenden, sich auf die Situation einzulassen, schließen unsere Studierenden wie geplant ihr Studium ab. In kürzester Zeit wurden zahlreiche innovative Lehrprojekte vorangebracht und viele Lehrende haben neue Instrumente für ihren Unterricht entdeckt, erprobt und ihre Didaktik weiterentwickelt. 
Für eine Hochschule der Zukunft müssen wir nun noch einen Schritt weitergehen und unseren Studierenden Antworten auf die durch die Pandemie veränderten ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geben: durch organisatorische und inhaltliche Weiterentwicklung unserer Studienangebote!

Claudia Ströhle
02.10.2020

Beim Lesen des Beitrags „Technikland...

Beim Lesen des Beitrags „Technikland Vorarlberg“ in der letzten Ausgabe, kam mir – als Marketing Managerin in einem Handwerksbetrieb und Blasmusikantin – zum Thema Frauen in technischen Berufen unwillkürlich der Gedanke: „Genau das hat die Blasmusik doch in den letzten 25 Jahren gemeistert.“ Die Blasmusikszene heute: Im Alter bis 30 Jahre sind mehr Frauen in Vorarlberger Blasmusikvereinen aktiv als Männer. Viele Vereine haben eigene Frauentrachten eingeführt. Frauen sind in den Vorstandschaften vertreten und auch einige Obfrauen sind zu finden.
Vor 25 Jahren war das Bild gänzlich anders. Die Blasmusikvereine waren aus Tradition Männervereine. Was hat die Veränderungen bewirkt? Vielleicht war es die flächendeckende Einführung von Musikschulen, die allen den Zugang zur Musik ermöglicht hat? Vielleicht waren es die ersten Vorreiterinnen, die einfach wie der Bruder mit dem Vater zum Musikverein wollten? Vielleicht war es das immer umfangreichere Angebot von immer mehr Vereinen in den Gemeinden, das die Vereine zu einer aktiven Jugendarbeit zwang?
Vielleicht war es der Umstand, dass irgendwann eine kritische Größe an Musikantinnen erreicht war, die der nächsten Generation als Vorbild diente? Wahrscheinlich waren es all diese Umstände zusammen, die ganz natürlich, ohne gesetzliche Vorgaben von außen, dazu geführt haben, dass Frauen in Musikvereinen Einzug gehalten haben.
Das wünsche ich mir für die technischen Berufe auch. Ich wünsche mir, dass wir bald eine kritische Größe erreichen, die der nächsten Generation als Vorbild dient. Ich wünsche mir, dass junge Mädchen in technischen Ausbildungen in einer Berufsschulklasse nicht alleine sitzen, und ich wünsche mir, dass das ganz natürlich passiert, die Zeit ist reif!

Thomas Blank
02.10.2020

Wer hat nicht in den schönen Sommermonaten...

Wer hat nicht in den schönen Sommermonaten einen sprudelnden Bergbach fotografiert, ein Foto vom Sonnenuntergang am Bodensee versendet oder geliked? So viele Wasser-Bilder wie in diesem speziellen Sommer gab es noch nie! Zu Werbefotos oder Urlaubs-Posts mit Kitschfaktor gehören selbstverständlich Wasser, Bäche, Flüsse und Seen.
Wir leben und wirtschaften in einer sehr wasserreichen Gegend: Die Lage am Nordstau der Alpen und in der Westwindzone bringt Regen in Hülle und Fülle. Das gibt es in Europa nur in sehr wenigen Regionen. Die großen Wassermengen sind ein nicht wirklich von uns beeinflussbares Geschenk des Himmels. Manchmal – wenn es tagelang regnet und die Bäche Hochwasser führen – bekommen wir sogar zu viel des Guten … 
Sehr wohl beeinflussbar ist, wie wir mit dem vielen Wasser umgehen, wie wir es verwenden und wieder in den Kreislauf zurückgeben. Der gute Umgang mit diesem Schatz ist nicht selbstverständlich. Das zeigt ein Blick in andere Welt-Regionen oder in die jüngere Geschichte Vorarlbergs. Die Weltwasserkonferenzen berichten von der globalen Wasserkrise: von Verschmutzung, Verschwendung, keinem Zugang zu Trinkwasser. 
Auch bei uns gab es bis in die 1980er-Jahre Badeverbot in Bächen oder am Bodensee. Wer kann sich noch an farbige Bäche oder das schäumende Bodenseeufer erinnern? Zum Glück ist das vorbei. Rund um den Bodensee wurde in den letzten 70 Jahren über vier Milliarden Euro investiert in Kanalisation und Kläranlagen in allen Landesteilen. Dank dieses gemeinsamen Kraftakts haben wir heute saubere Gewässer für Mensch und Natur, das Badewasser hat ausgezeichnete Qualität. Wir müssen unsere Gewässer schützen und mit vereinten Kräften tun wir das auch. Für eine gute Zukunft in unserem wasserreichen Land Vorarlberg!

Kriemhild Büchel-Kapeller
02.10.2020

Albert Einstein sagte, wenn er eine Stunde...

Albert Einstein sagte, wenn er eine Stunde Zeit hat, um ein Problem zu lösen, würde er 55 Minuten für die richtigen Fragen aufwenden und fünf Minuten, um diese zu beantworten. Es gilt, die wesentlichen Fragen zu schärfen und keine Nebenschauplätze zu bespielen. Die größten Hemmnisse für unsere Zukunftsfähigkeit sind Gier, Egoismus und Gleichgültigkeit. Bin ich Teil des Problems oder Teil der Lösung? Wir haben es in der Hand. Jetzt.
››    Warum jetzt in eine neue Normalität, weil die Normalität vor Corona auch nicht normal war?
››    Warum jetzt mehr Beteiligung und Engagement, weil alles in ihrem Wirkungsbereich wichtig ist?
››    Warum jetzt systemrelevante Berufe mehr brauchen als Applaus, weil der tägliche Bedarf gedeckt werden muss?
››    Warum jetzt Empathie gefragt ist, weil die Frage berechtigt ist, wenn jede/r an sich denkt, ist dann wirklich an alle gedacht?
››    Warum jetzt Verschwörungstheorien so nachgefragt sind, weil die Angst in unsicheren Zeiten wächst?
››    Warum jetzt mehr und nicht weniger Diversität, weil blinde Flecken aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden müssen?
››    Warum jetzt mehr Lebens-Biotope und Spielräume im Alltag gefragt sind, weil Komplexität nicht verringert werden kann?
››    Warum jetzt die Lust an mehr Regionalität ohne Scheuklappen wächst, weil die Turbo-Globalisierung uns verletzlich macht?
››    Warum jetzt noch mehr Krisenfestigkeit (Resilienz) wichtig ist, weil es keine Sicherheiten mehr gibt?

Christiane Mähr
04.09.2020

Wir sind vernetzt und ständig erreichbar. Und...

Wir sind vernetzt und ständig erreichbar. Und doch kommunizieren wir weniger denn je. Insbesondere für den Small Talk zwischendurch bleibt oft keine Zeit, weil to-do’s erledigt gehören oder der nächste Termin schon wieder ansteht. Dabei wäre es so wichtig, sich zwischendurch einfach mal ein paar Minuten zu nehmen, um über dies und das zu reden. Ja, auch im Unternehmen, zwischen Arbeitskollegen und Geschäftspartnern. Nicht nur in der Freizeit, die ja mitunter schon derart durchgetaktet ist, dass man Erholung und Ruhe regelrecht einplanen muss. 
Der Mensch ist ein soziales Wesen, der den Dialog und Gedankenaustausch braucht wie die Luft zum Atmen. Dies wurde vielen womöglich erst in den vergangenen Corona-Monaten so richtig bewusst, nachdem sie Wochen im Homeoffice verbracht hatten. Da uns die Heimarbeit wahrscheinlich erhalten bleibt – zumindest teilweise –, gilt es umso mehr, einen Weg zu finden, sich auszutauschen und miteinander zu vernetzen. Sei es in der Kaffeeküche oder auf dem Gang, wenn man doch mal im Office ist. Sei es beim Videochat oder „old school“ am Telefon. Und dabei muss es nicht ausschließlich um berufliche Themen gehen, sondern genauso um das, was abseits vom Job passiert.
Natürlich redet man nicht mit jedem darüber, was einen im Innersten beschäftigt. Und das muss gar nicht sein. Denn auch die vermeintlich kleinen, schönen Dinge des Alltags wollen erwähnt werden. Mehr noch: Sie zeigen uns, dass das Leben aus weit mehr als Corona und sonstigen Herausforderungen, To-Do-Listen, Gewinnmaximierung und Karriere besteht. 
Jeder hat Geschichten, die erzählt gehören. Und viele tragen dazu bei, dass das Miteinander (noch) besser funktioniert. Also lasst uns einfach mal wieder reden!

Albert Lingg
04.09.2020

„Muss nur noch kurz die Welt retten…“ Dieser...

„Muss nur noch kurz die Welt retten…“ Dieser eingängige Song kam mir im Austausch mit Maturanten in den Sinn, die sich in diesem Jahr besondere Gedanken um ihre Berufswahl machten. Hatte manchem doch erst die Seuche vor Augen geführt, wie weit unsere Normalität ja schon lange keine normale, sondern eine letale (Markus Gabriel) war, angesichts Klimakrise, schamloser Ausbeutung von Ressourcen, sozialer Ungleichheit, Massentourismus etc. Was tut not? In der Corona-Debatte setzt nun wieder die Mehrheit auf die MINT-Fächer, verlangt mehr Naturwissenschaftler, Virologen, Pharmakologen; setzen viele auf technische Lösungen (Impfung, Alarm-Apps) in der Illusion auf ein Weiterleben und Wirtschaften wie gehabt. Das nächste Virus, woher auch immer, oder Umweltkatastrophen werden die Weltgemeinschaft so erneut ins Schlingern bringen. Es sei denn, wir lernen aus der gegenwärtigen Krise nicht nur mit Seuchen besser umzugehen, sondern fassen auch Mut, in der Krise aufgedeckte Fehlentwicklungen anzugehen. Was braucht es noch? Bedenklich, dass unser Bildungssystem mehr und mehr an die Anforderungen der Wirtschaft angepasst wird – heißt AUSBILDUNG statt BILDUNG – also um den Preis, dass jene Fächer ins Hintertreffen geraten, die mit Bildung zu tun haben und den jungen Menschen die Fähigkeit kritischen Denkens vermitteln – dies vor allem auch in Zeiten alternativer Wahrheiten und Fake News und immer mehr beklagter sozialer Kälte! Eine komplexe Welt braucht komplexes Denken – KNOW-HOW muss auf KNOW-WHY treffen! Wir benötigen natürlich weiter technologische Innovationen, aber auch jemanden, der uns die heutigen Krisen erklärt und psychologisches Einfühlungsvermögen und moralische Sensibilität fördert. Ein Plädoyer übrigens für ein Pflichtfach Ethik – schon ab der Grundschule!

Manuel Kirisits-Steinparzer
04.09.2020

Vor mittlerweile über 30 Jahren waren es...

Vor mittlerweile über 30 Jahren waren es mutige Pioniere, die sich nicht nur einer alternativen Landwirtschaftsform verschrieben hatten, sondern auch erkannten, dass das gemeinsame Tun und Handeln einer Bewegung zu deren Stärke und Strahlkraft führen kann – es war die Geburtsstunde der BIO AUSTRIA Vorarlberg. Aktueller denn je sind die damaligen Themen heute. Egal, ob es um das Schließen von Kreisläufen, um das Tierwohl, die Biodiversität, den Klimaschutz, Vorsorge durch Chemie- und Gentechnikverzicht oder qualitativ hochwertige regionale Lebensmittel geht, unsere Biobäuerinnen und Biobauern liefern seit Jahrzehnten profunde Antworten – auch in Krisenzeiten und auch bei zunehmenden Herausforderungen. 
Die ökologische Belastungsgrenze scheint jedoch erreicht – ein gesellschaftliches „Weiter wie bisher“ gefährdet unsere aller Lebensgrundlage. Wertvolle Lebensmittel nur als Produkte zu sehen, Kosten der Produktion zu externalisieren und auf die Gemeinschaft abzuwälzen, beste Böden in ungeheurer Geschwindigkeit zu versiegeln, die Importabhängigkeit munter weiter zu befeuern und ein noch nie dagewesenes Artensterben einfach hinzunehmen, wird wohl kaum der Weg in eine gedeihliche Zukunft sein.
Unsere regionale Biolandwirtschaft ist Teil einer Lösungsstrategie. Biologisch zu wirtschaften, bedeutet, an die Zukunft zu denken. Geschlossene Kreisläufe führen zu einer gesunden Umwelt, welche uns gesunde Lebensmittel liefert und einen intakten Lebensraum für Mensch und Tier schafft. Eine solch intakte (Um-)Welt stellt die ideale Basis für ein gutes Leben und sinngebendes Wirtschaften dar. 
Nutzen wir die in Corona-Zeiten entstandene Nachdenklichkeit für ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit! Stärken wir unser gemeinsames Tun für eine nachhaltige Zukunft! 

Benjamin Bildstein
04.09.2020

Als Segelsportler reise ich für Regatten um...

Als Segelsportler reise ich für Regatten um den gesamten Globus, wie Brasilien, Argentinien oder Japan … Dabei sehe ich viel von der Welt, eben auch Armut. Und wer möchte dann nicht etwas Wirksames dagegen tun? Eine gute Möglichkeit dazu habe ich mit Oiko­credit gefunden, wo direkt in den von Armut betroffenen Ländern Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Geld, das ich als Rücklage zur Verfügung habe, wird dabei ethisch sinnvoll angelegt und arbeitet für eine gerechtere Welt. Oikocredit finanziert Mikrokreditprogramme, um einkommensschwache Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu unterstützen und Jobs zu schaffen.
Menschen, die normalerweise von keiner Bank einen Kredit bekommen, können damit zum Beispiel eine Geschäftsidee verwirklichen, mit der sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie sichern. Der Einfallsreichtum ist groß, um mit einem Kleinkredit eine eigene Existenz aufzubauen: etwas Saatgut, um das eigene Stückchen Land zu bebauen, eine Nähmaschine als Basis eines Reparaturshops, ein Werkzeugset, um eine Fahrradwerkstatt zu betreiben oder eine Grundausstattung für einen Marktstand. 
Wenn ich auf solche Weise in Menschen investiere, auf ihre Fähigkeiten vertraue, so kann das ungeahnte Kräfte mobilisieren. Nicht umsonst liegt die Rückzahlungsrate bei fast 100 Prozent. Dieses Erfolgsrezept basiert auch auf einer intensiven Beratung und Begleitung der Menschen und ihrer Projekte durch einheimische Fachkräfte, die den wirtschaftlichen Erfolg der mitfinanzierten Vorhaben sichern helfen. Besonders verlässliche Finanzpartner sind Frauen, sie machen 86 Prozent der Kunden von Oiko­credit-Partnern aus. Mikrokredite sind eine partnerschaftliche Kooperation auf Augenhöhe. Sie stärken Eigeninitiative, Selbstverantwortung und den Gerechtigkeitssinn.

Cornelia Matt
06.07.2020

Die COVID-19-Pandemie und ihre Auswirkungen...

Die COVID-19-Pandemie und ihre Auswirkungen beherrschen seit Wochen unser Leben. Der Shutdown hat dazu geführt, dass sich die Erkrankungszahlen stabilisiert haben. Die große Gesundheitskrise scheint abgewendet. Nun kämpfen wir mit den Folgen einer immensen Wirtschaftskrise. Milliardenpakete fließen, um die heimische Wirtschaft über Wasser zu halten. Wir erleben im Moment Arbeitslosenzahlen, wie wir sie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr hatten. Während in der Kurzarbeit das Einkommen auf 80 bis 90 Prozent des Letzteinkommens sinkt, reduziert sich das Einkommen bei einer Kündigung durch den Bezug von Arbeitslosengeld auf circa 55 Prozent. Da gehen vielen Menschen rasch die Mittel aus. In Österreich waren 2018 17,5 Prozent Personen armutsgefährdet, das sind mehr als 1,5 Millionen Menschen. Und das noch vor der COVID- 19-Pandemie. Nun sind es nicht nur sie, sondern auch zusätzlich eben noch gut situierte Menschen, Angestellte, Unternehmer, Kulturschaffende und Selbstständige, die um Unterstützung ansuchen müssen, damit sie ihre Familien ernähren und ihre Wohnungen erhalten können.
Deshalb ist es in dieser Phase besonders wichtig, dass das Sozial- und Gesundheitswesen dabei nicht auf der Strecke bleibt. Gerade jetzt sind diese Einrichtungen für viele Menschen notwendiger denn je. Sie sind zudem ein wichtiger, starker Job-Motor für die Konjunktur. 
Und hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, Sparprogramme der öffentlichen Hand ausgerechnet bei den Schwächsten der Gesellschaft anzusetzen, es wird sich zeigen, wie wichtig ein funktionierender Sozialstaat gerade in solchen Zeiten der Krise ist. Erste Schritte dazu wären deutliche höhere Mindestlöhne in zahlreichen Branchen, eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und der Sozialhilfe sowie leistbare Wohnungen. Jetzt gilt es, neue solidarische Wege zu finden!

Norbert Häfele
06.07.2020

Technik-gläubig kommt nicht gut an: Es ist...

Technik-gläubig kommt nicht gut an: Es ist abwertend. Einerseits: „Ach, du weißt nichts über die Gefahren der Technik, ihre un-menschliche Seite“. Der Betroffene: „Ich glaube nicht an die Technik. Ich weiß genug, um ihr vertrauen zu können.“
In den letzten Wochen wurden wir sehr herausgefordert. Unser Vertrauen wurde strapaziert, und zwar bis an unser aller Existenz. Zuerst ist mir aufgefallen, wie oft der Schweizer Chef-Epidemiologe Althaus (bei der NZZ am Sonntag) „as bitzeli“ oder ähnlich behutsame Formulierungen gebraucht hat. Und auch Drosten bei Armin Wolf: „mich wirklich auch ein bisschen frage“. Er weiß, dass er niemals „de facto sicher“ sagen würde, aber …
Jedem Wissen geht ein Glaube an die Basis des jeweiligen Wissens voraus. Man vertraut darauf, dass man weiß. So viel zum abgesicherten Wissen der Epidemiologen, der Experten. Auf die sich die Entscheider berufen. Und diese wissen, dass dieses Bitzeli-Wissen nicht ausreicht. Nicht für das Vertrauen, das sie zu ihren Entscheidungen einfordern. Daher: „Die Wahrheit ist …“ Wenn jemand seine Botschaft mit „In Wahrheit“ anfängt, weiß er, dass er keine Wahrheit verbreitet, sondern das, was man für die Wahrheit halten soll und somit ihnen, den Entscheidern, vertrauen soll.
Und ja mit Bildern unterlegen: Die Macht der Bilder! Das wissen wir alle. Und dann dazu den Slogan = Handlungsaufforderung: Schau auf dich/mich. In allen, wirklich allen relevanten Medien gleich und sofort geschaltet. „Durch Rückkopplung und Steuerung wird alles in Informationen übersetzt, das führt dazu, dass der Mensch nirgends existiert.“ (Gert Scobel im Oktober 2019 zu Armin Nassehi, sinngemäß)
So erspart man den Gläubigen das Nachdenken: Über Glauben und Wissen. Weil sonst könnten sie ja weiter denken.

Simone Naphegyi
06.07.2020

Regelmäßig nach jeder nationalen oder...

Regelmäßig nach jeder nationalen oder internationalen Schulleistungsmessung, bei der die Lesekompetenz von Lernenden im Pflichtschulalter erhoben wird, folgen Pressemeldungen, die ein dystopisches Bild der Lesekompetenz und des Leseverhaltens von Kindern und Jugendlichen zeichnen. Man könnte meinen, die Kulturtechnik Lesen drohe auszusterben.
Schaut man sich jedoch die tatsächlichen Lesezeiten von Kindern und Jugendlichen an, die diese mit dem analogen und vor allem mit dem digitalen Lesen täglich verbringen, dann zeigt sich, dass diese Zielgruppe noch nie so viel gelesen hat wie zur heutigen Zeit. Vielleicht ist es die Wahrnehmung der noch vom analogen Bücherlesen geprägten Erwachsenen, die diese verzerrte Sichtweise herbeiführt. Denn das Leseverhalten verschiebt sich wie auch das menschliche Kommunikationsverhalten ganz deutlich vom analogen zum digitalen Lesen. Optimalerweise schaffen wir es zukünftig vermehrt und auf breiter Basis, die Verbindung dieser beiden Lebens- und Lesewelten herzustellen. Der indische Forscher Brij Kothari konnte in einer großangelegten Studie zeigen, welche positiven und nachhaltigen Effekte das Untertiteln von Fernseh- und Musiksendungen auf die Lesekompetenz von Lernenden hat. Auch die europäischen Länder mit den besten Lesekompetenzergebnissen bei den Messungen im Erwachsenenalter (PIAAC) sind Länder, in denen fremdsprachige Filme nicht synchronisiert, sondern untertitelt werden. 
Möglicherweise stecken die zukünftigen Potenziale zur Steigerung und Förderung der Lesekompetenz in der vermehrten und breit angelegten Verbindung und Vernetzung von Schrift und digitalen Filmmedien, um so die Brücke zwischen diesen beiden Lebens- und Lesewelten von Kindern und Jugendlichen zu schlagen.

Ricardo Schobel
06.07.2020

Während des (vorläufigen) Höhepunkts der...

Während des (vorläufigen) Höhepunkts der Corona-Krise haben sich engagierte Enthusiasten in Windeseile dazu aufgemacht, verschiedene Online-Marktplätze aus der Taufe zu heben. Das noble Ziel: Die Unterstützung von regionalen Händlern und Dienstleistern und der damit einhergehende Erhalt der Kaufkraft im Land. Doch so schnell die Lösungen mit großer Zustimmung im Netz vorgestellt wurden, waren sie auch schon wieder vergessen. 
Bei der Spurensuche nach den Gründen für die begrenzte Akzeptanz solcher Marktplätze wird klar: Es handelt sich um komplexe Geschäftsmodelle mit niedrigen Margen, die nur mit hohem finanziellem Aufwand umgesetzt werden können. Einfache Bedienung, ein breites Produktportfolio und aktuelle Rezensionen werden von den Kunden auch noch gefordert. 
Die Corona-Krise hat vielen Unternehmen beispiellos vor Augen geführt, dass die digitale Sichtbarkeit von Produkten und Dienstleistungen heute oft die entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Nur Unternehmen, die auf diesen Kanälen omnipräsent sind, haben die Chance, dort Umsätze zu machen. Auf dem Weg zurück in die Normalität ist es nun verlockend (und in vielen Fällen auch notwendig), Investitionen hintenanzustellen und digitale Innovationen ein weiteres Mal zu verschieben. 
Doch genau diese Entwicklung birgt eine große Gefahr: Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt schläft nicht. Irgendwo wird gerade am revolutionären Marktplatz für lokale Händler gefeilt. Die Chancen stehen hoch, dass dieses „irgendwo“ nicht in Europa zu finden ist. Digitale Bildung, mutige Gründer und Investitionen von privater und öffentlicher Hand sind jetzt notwendiger denn je, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Philipp Ott
05.06.2020

Faulpelze, Schmarotzertum, Mafiastaaten –...

Faulpelze, Schmarotzertum, Mafiastaaten – dieser Art sind die wenig schmeichelhaften Zuschreibungen, die von den Boulevardmedien der „Sparsamen Vier“ aktuell gegen eine Vergesellschaftung europäischer Schulden zugunsten der von der Coronakrise am stärksten betroffenen südeuropäischen Länder ins Feld geführt werden. Der Logik dieser – übrigens auch empirisch nicht mehr haltbaren – Zuschreibungen folgt auch das Agieren der Regierungschefs Österreichs, Dänemarks, Schwedens und der Niederlande.
Zum Ausdruck kommt darin ein Politikverständnis, das – soweit es aufrichtig ist und nicht politisches Kleingeld aus der Krise schlagen soll, beides spielt eine Rolle – Politik mit angewandter Gesinnungsethik verwechselt. Komplexe Situationen und Zusammenhänge werden dekontextualisiert und anhand moralisierender Maßstäbe bewertet. Der britische Philosoph Raymond Geuss hat in Anlehnung an den deutschen Begriff der „Realpolitik“ eine alternative Auffassung von Politik entworfen, in der Interessen klar definiert und benannt werden und anschließend die jeweils rationalsten Handlungen zur Umsetzung dieser Ziele gesetzt werden.
Selbstverständlich kommt auch dieses Politikverständnis nicht ohne moralischen Gehalt, ohne handlungsleitende Wertvorstellungen aus – aber am richtigen Platz: in der Festlegung langfristig orientierter gesellschaftlicher Zielsetzungen, nicht als moralinsaure Handlungsschablonen. Österreich hat ein vitales Interesse an der Stabilität der Südstaaten – einerseits als gerade im Falle Italiens wichtiger Exportmärkte, andererseits, um den drohenden Zusammenbruch der für Österreich auch wirtschaftlich hochprofitablen EU zu verhindern. Es bleibt zu hoffen, dass der „Imperativ der Sachlichkeit“ (Edgar Zilsel) sich durchsetzen wird.

Martin Hebertinger
05.06.2020

Im Rhythmus von Quartalsabschlüssen schauten...

Im Rhythmus von Quartalsabschlüssen schauten wir bislang auf Gewinne, Earn­ings before this and that, auf Working und Invested Capital und auf die damit definierten Renditen. Der Shareholder, dessen Value zu optimieren war, dürstete nach steter Mehrung der Effizienz, Beratung und Wissenschaft lieferten die Konzepte. Was messbar ist, muss objektiv sein, und so stellt kaum einer die Richtigkeit in Frage.
Wer nicht mitmachte, war gestrig oder konnte es sich einfach „leisten“. Belächelt als in Traditionen hängende Familienunternehmen, denen der Generationswechsel die „Effizienzierung“ ihrer ungenutzten Kapitalpolster einpflanzen wird. Die Ebbe zeigt, wer keine Badehose trägt. Das Coronavirus legt offen, wer binnen weniger Tage oder Wochen des Lock-down „nackt“ dasteht, wessen Wertschöpfungskette reißt, wessen Eigenkapital zu knapp ist.
Doppelte Lieferketten, Pufferbestände, lokale Lieferanten kosten kurzfristig mehr. Doch wer in der Vergangenheit dem Druck von Kapitalgebern widerstehen konnte, wer ein paar Prozentpunkte hergegeben hat, profitiert jetzt davon. Auch in solchen Unternehmen bebt der Boden. Aber es stürzt (noch) nichts ein.
Seit der Finanzkrise 2008 bröckelt das Primat des Shareholder Value. 2019 ließen 200 prominente amerikanische CEOs aufhorchen, die sich von der Effizienzmaxime distanzierten. Und spätestens jetzt ist klar, dass Gewinn und Rendite keine dauerhaften Fundamente einer Strategie sind. Die Realwirtschaft schafft den Wert, den man verteilen kann: an Kapitalgeber, an die Beschäftigten, an den Fiskus. Die Finanzwirtschaft, sie dient nur.
Die lokale Wirtschaft hat den rein finanzwirtschaftlichen Weg – jedenfalls überwiegend und auf Dauer – nie vollends eingeschlagen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch weniger Pleiten sehen werden als anderswo.

Patrizia Böhler
05.06.2020

Sehr viele Menschen erzählen davon, dass sie...

Sehr viele Menschen erzählen davon, dass sie erst durch den Lockdown wahrgenommen haben, wie anstrengend ihr Leben davor war. Wie viel Stress und Belastungen sie täglich ausgesetzt waren. Das Hetzen von Tag zu Tag, bis endlich das Wochenende, ein Feiertag oder Urlaub angesagt war. Auch die Freizeit ließ oftmals nicht viel Raum für Erholung zu. Doch auch durch die „unfreiwillige Entschleunigung“ gab es keine Entspannung, denn die Angst vor Krankheit, Jobverlust und finanziellen Einbußen hatte uns gleich im Griff. All diese Ängste waren aber bereits vor Corona schon ein ständiger Begleiter von uns.
Meiner Ansicht nach hat sich, wenn es um die Angst geht, für viele nur eines geändert. Und zwar, dass die Existenzangst jetzt eine tatsächliche Berechtigung hat. Davor wurde uns ständig Druck gemacht. Immer schneller, immer besser, immer mehr … – und dieses Streben vermittelte uns ein Gefühl von Sicherheit. Das hat ja auch super geklappt, denn wir haben fleißig gearbeitet und reichlich konsumiert. Aber haben wir uns wirklich sicher gefühlt? Ich frage mich: Ist dies das Leben, ständig von Angst angetrieben zu sein? Wollen wir wirklich in unser „normales Leben“ zurück? Wäre es jetzt nicht an der Zeit zu reflektieren und nicht gleich nach Normalität zu rufen? Was soll unser nächster Antrieb sein? Wie wäre es mit Vertrauen, Mut und Liebe? Der Mensch besteht nicht nur aus Hirn, es gibt auch noch ein Herz. 
Lassen wir uns doch auf das Fühlen und nicht nur auf das Denken ein! Wir haben so viel auf unseren Verstand, unsere Vernunft und unser Wissen gesetzt, trotzdem aber sind viele von uns mit ihrer Weisheit am Ende. Ich vertraue darauf, dass das Leben es gut mit uns meint. Jede/r von uns kann in der Krise an Mut wachsen und jede/r kann für sich erkennen, dass das Wesentliche im Leben die Liebe ist.

Wolfgang Weber
05.06.2020

Im Schatten von Corona beantwortete...

Im Schatten von Corona beantwortete Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) im März erst eine parlamentarische Anfrage der SPÖ, dann der Grünen zum selben Sachverhalt. Beide Parteien hatten von ihm Auskunft über die Zahl rechtsextremer Straftaten in Österreich im Jahr 2019 eingefordert. Sie stiegen im Vergleich zu 2018 um 8,8 Prozent. Im selben Zeitraum gab es auch ein Mehr von 18 Prozent an Anzeigen nach dem Verbotsgesetz. Mit diesem wurden 1945 die NSDAP und ihre Gliederungen sowie eine Tätigkeit für sie verboten. Die Anzeigen wegen NS-Wiederbetätigung steigen seit 2006 kontinuierlich. Diese Entwicklung konnte auch die von vielen gelobte Bundesregierung aus Verwaltungsexpert*innen 2019 nicht aufhalten. Das ist eine Schlussfolgerung aus der Anfragebeantwortung.
Grüne und SPÖ ziehen weitere und fordern mehr staatliche Maßnahmen gegen Verhetzung im Internet, mehr Gerichtsverhandlungen und Verurteilungen, mehr Personal beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sowie einen jährlichen Rechtsextremismus-Bericht.
Tatsächlich helfen wird ein Mehr an Prävention. Sicherlich helfen wird ein Mehr an Aufmerksamkeit, wohin die Gesellschaft als Ganzes politisch rückt. Denn im Schatten von Corona publiziert eine Vorarlberger Wochenzeitung am zweiten Maisonntag ein Interview mit dem Mitglied der Geschäftsführung eines großen Sozialvereins, in dem dieser festhält, dass es eine gemeinsame Schnittmenge von Links und Rechts beim Schutz von Menschenrechten gebe; und in einer Vorarlberger Kulturzeitschrift werden im März zwei Biographien von NS-Opfern mit dem Resümee einander gegenübergestellt, dass jenes Opfer, welches sieben Jahre KZ-Haft überlebte, privilegiert war, da es im Unterschied zum anderen nicht geköpft worden war. Geht das?

Ingrid Hofer
01.05.2020

In warmen Sommernächten sitze ich draußen auf...

In warmen Sommernächten sitze ich draußen auf der Terrasse und warte auf ihre Ankunft. Wie ein heller Stern taucht sie plötzlich am Firmament auf und gleitet auf unsichtbaren Schienen im Orbit. Lautlos zieht sie ihre Bahn über den sternenübersäten Nachthimmel und leuchtet dabei am hellsten von allen. Kein Blinken, nur dieser kleine strahlende Punkt in seiner Bahn. Ohne Abweichung, ohne Aussicht auf ein Ankommen und trotzdem immer dem Ziel entgegen.
Seit 22 Jahren kreist sie täglich 16-mal um die Erde, seit 20 Jahren in Begleitung von zwei bis sechs Menschen. Manchmal sogar neun. Klingt nach Weltraum-Party! Die Handy-App kennt ihren Weg. Vorgestern tauchte sie über London auf, gestern über Paris. 20:59 Uhr. Meine Augen suchen den winzigen Punkt. Da ist sie. 408 Kilometer über dem Erdboden. Paris scheint zum Greifen nah. Ich bleibe bei ihr, bin aufs Neue fasziniert, denke an die Menschen da oben. Was sie wohl gerade erforschen? Was gab es zum Abendessen? Feiern sie Ostern? Wird denen nie schlecht?
Ich schaue ihm nach, dem kleinen, leuchtenden Punkt, bis er über Split verschwindet. Split! Liegt das wirklich in dieser Richtung? Ich denke an den Kroatienurlaub vor zehn Jahren, an das kristallklare Meerwasser, gegrillte Krustentiere im kleinen Fischerlokal. Den Duft des frisch gebackenen Brotes von damals in der Nase, denke ich wieder an den leuchtenden Punkt. Er ist verschwunden. Taucht in eineinhalb Stunden aber zuverlässig wieder auf, um mich erneut zu faszinieren.
Der Sommer ist noch fern, aber die Aprilabende können seit neuestem einiges. Meine Handy-App sagt mir, wann sie wiederkommt. „Sorry, there are no visible passes in the next 10 days.“ Ich warte auf sie. Die ISS. Der momentan sicherste Ort. Völlig losgelöst von der Erde.

Thomas Metzler
01.05.2020

Was der Klimawandel nicht vermochte, gelingt...

Was der Klimawandel nicht vermochte, gelingt einem Virus namens Sars-CoV-2. Die Schaffung einer neuen Wirklichkeit, die unser Weltverhältnis nachhaltig beeinflussen wird. Was wir vor kurzem noch für selbstverständlich gehalten haben, uns mit Freunden auf ein Glas Bier zu treffen, unsere Kinder zur Schule zu bringen oder ein Fußballspiel zu besuchen, rückt in die Sphäre des Unverfügbaren.
Was moderne Gesellschaften auszeichnet, ist die permanente Expansion, die auf Geschwindigkeit und der Dynamisierung von Prozessen basiert. Was wir derzeit erleben, ist eine Phase der totalen Entschleunigung, eine weitgehende Lahmlegung von eingeübten sozialen, politischen und ökonomischen Diskursen. Dieser partielle Stillstand lässt uns erfahren, wie schnell gewohnte Muster aufbrechen und existenzielle Parameter sich ändern. Die Sehnsucht der Moderne galt der Vorstellung, die Welt in Reichweite zu bringen und die Dinge beherrschbar zu machen. Doch das Leben fügt sich nicht unseren Optimierungsstrategien, Kontingenz und Unbeständigkeit bleiben auch weiterhin Konstanten unseres Daseins. Wir können uns gesund ernähren, Sport machen, uns medizinisch versorgen, doch über Krankheit und Tod können wir nicht nach Belieben verfügen. Auch die technische Entwicklung mit ihren digitalen Verheißungen ist kein Garant für Sicherheit, der Zwang zur ökonomischen Steigerung kein Weg, unsere Weltbeziehung zu vertiefen. Zudem engt das Streben nach völliger Planbarkeit den Horizont möglicher Erfahrungen ein, macht aus einer lustvollen Weltbegegnung ein steriles Verhältnis zu uns selbst und unserer Umwelt.
Die Erfahrung der Ungewissheit ist somit auch eine Chance, unsere Selbstbilder zu erforschen, Selbstwirksamkeit zu erfahren und eine neue Form der Lebendigkeit zu kultivieren.

Anita Fröwis
01.05.2020

Wir atmen 24 Stunden durchgehend, eine...

Wir atmen 24 Stunden durchgehend, eine lebenswichtige Körperfunktion. Aber wie bewusst nehmen wir dieses essenzielle Tun wirklich wahr? Es läuft sozusagen nebenher, ein unbewusster Automatismus. Sportler arbeiten mit Atemtechnik oder aber auch wir, wenn wir krank sind und es uns vielleicht schwerer fällt zu atmen.
In diesen und ähnlichen Situationen liegt der Fokus zeitweise auf dem Atem. Aber der Atem, die Atmung, kann soviel mehr. Was es dazu braucht, ist lediglich etwas Achtsamkeit, Bewusstsein, etwas Übung. Hierfür gibt es viele Möglichkeiten, und das Ergebnis kann wunderbar sein. Atmung heilt, hilft bei Stress, erdet, beruhigt, entspannt, hilft uns ins Hier und Jetzt, in unsere Mitte, gibt Energie … Im Grunde ein sehr altes Wissen. Es ist ein Thema, mit dem ich mich viel auseinandersetze, das in meinem Alltag präsent ist.
Und ich finde es gerade zu dieser Zeit sehr passend, da wir die Atmung und den Umgang damit mit dem Leben, der Welt und dem Umgang mit ihr, gut vergleichen können. Zumindest ist das mein Empfinden. Ich denke, die Menschen und auch die Welt haben zu dieser Zeit besonders – natürlich auch sonst – die Möglichkeit bekommen, zu atmen, anzukommen, sich zu erden, zu entspannen, ins Hier und Jetzt zu kommen. Es braucht nur etwas Achtsamkeit.

Mirjam Steinbock
01.05.2020

Die Kulturszene Vorarlbergs, die aus...

Die Kulturszene Vorarlbergs, die aus freischaffenden Einzelakteur*innen, Engagierten, Vereinen und Institutionen besteht, bietet eine große Programmvielfalt.
Das Kulturschaffen prägt und trägt unser gesellschaftliches Leben in all seinen Formen. Viele Menschen beteiligen sich daran, arbeiten, lernen, fragen, diskutieren und forschen. Die Beziehungen untereinander werden permanent gepflegt und kultiviert, es ist wie in einer großen Familie.
Zurzeit geht es den meisten unserer Familienmitglieder nicht gut. So viele Kulturschaffende und Vereine sind aktuell gefährdet. Darunter junge und bestens ausgebildete Künstler*innen, die als Einzelunternehmer*innen mit Aufträgen im In- und Ausland ihrer Zukunft entgegenblickten. Das alles scheint nach heutigem Stand längerfristig nicht möglich zu sein.
Der Kunst- und Kulturbetrieb wurde inmitten dieses sonnigen Frühlings unter strengen Auflagen quasi auf Eis gelegt, und wir spüren alle täglich, was das bedeutet.
In anderen Bereichen werden inzwischen öffnende Möglichkeiten geschaffen, die ich mir für die Kulturfamilie auch wünschen würde. Sie hat es verdient, da sie ein wesentlicher Teil der größeren Familienstruktur ist. Sie soll daher mitbedacht bei systemerhaltenden Maßnahmen und einbezogen werden in Gespräche auf Augenhöhe, bei denen wesentliche Fragen im Raum stehen. „Wie geht es dir und was brauchst du jetzt?“ Diese Frage würde aus meiner Sicht ein konstruktives Zusammenwirken verschiedener Bereiche aus Wirtschaft, Kultur und Gesundheit begünstigen. Trotz körperlicher Distanz könnte das eine unmittelbare Nähe schaffen, und diese ließe das familiäre Miteinander aufblühen und sicher auch den mutigen Blick in die Zukunft. 

Andreas Dünser
04.04.2020

Verhaltensökonom Matthias Sutter, in Hard...

Verhaltensökonom Matthias Sutter, in Hard geboren und in Deutschland beruflich tätig, geht mit der deutschen Spitzenpolitik aktuell hart ins Gericht. Die habe sich in der Corona-Krise lange in „fatalen Verharmlosungen und in unfassbaren Zynismen“ geübt, während die österreichische Bundesregierung frühzeitig und „glaubhaft die Dramatik erklärt und einen vernünftigen Weg eingeschlagen hat“. Kanzler und Vizekanzler machen derzeit einen tollen Job. Da hat Sutter recht. Nur passt das halt hierzulande auch nicht jedem, und den Bundes-Blauen schon gar nicht. Die werden selbst in dieser Zeit, die mehr statt weniger Gemeinsamkeit erfordert, nicht müde, der Regierung zu unterstellen, sie inszeniere sich jeden Tag auf noch dreistere Art und Weise – und das bei einem „Erkenntnisgewinn gleich null“. Klar. Vergleichen wir noch schnell zwei Schlagzeilen? Am 18. März kündigt Kurz das 38 Milliarden Euro schwere Hilfspaket an, unter dem Motto „koste es, was es wolle“, eine Woche später teilt die Bundes-FPÖ im Namen von Kickl mit: „Die Regierung bricht mit ihrer Almosenpolitik der Wirtschaft das Rückgrat.“ So viel zum „Erkenntnisgewinn gleich Null“. Und zur Solidarität. Die sind einfach gut drauf, die bundesblauen Jungs. Auch in der Krise.

Gudrun Diem
04.04.2020

Glück an der Schule, glückliche Schüler*innen...

Glück an der Schule, glückliche Schüler*innen? Geht das überhaupt? 

An der HAK/HAS Lustenau haben meine Kollegin Bianka Hellbert und ich begonnen, Glück zu „säen“. Und zwar in Form von Glücksunterricht. Damit ist die HAK/HAS Lustenau die erste Oberstufe, die in Vorarlberg das Schulfach „Glück“ anbietet. 
Konkret geht es in dem Schulfach Glück nicht um das „Zufallsglück“, sondern um das langfristige Wohlbefinden. Zwar hat die Forschung herausgefunden, dass jeder Mensch eine genetische Disposition hat, ob er eher ein glücklicher oder unglücklicher Mensch ist. Das ist jedoch keine Aufforderung dazu, sein Glück nicht selbst in die Hand zu nehmen.
Worum geht es im Schulfach Glück? Ein wichtiger Punkt ist, dass man sich selbst gut kennt. Sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen und diese auch annimmt. Vor allem in der Schule ist der Rotstiftfaktor nach wie vor hoch. Im Glücksunterricht hingegen drehen wir den Spieß um und gehen bei unseren Schülern auf Schatzsuche.
Auch geht es darum, in Krisensituationen auf seine eigenen Stärken zu vertrauen und Problemlösungsstrategien zu entwickeln, sodass man in einer Krise wieder zurück in die Stabilität findet.
Man weiß heute ganz genau, wie Menschen ihr Wohlbefinden beeinflussen können. Dieses Wissen wird mit den Jugendlichen anhand praktischer Übungen trainiert. Mit dem Glücksunterricht sollen sie zu mehr Lebenskompetenz und mehr Lebensfreude finden und lernen, ihr Leben und ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Peter Heiler
04.04.2020

Der weltbekannte Geiger Daniel Hope erhielt...

Der weltbekannte Geiger Daniel Hope erhielt vor ein paar Jahren ein besonderes Angebot einer Dame aus Hamburg: „Wir möchten gern ein Instrument kaufen und es ihnen zur Verfügung stellen. Wir würden es gern als Investition erwerben. Suchen sie sich eins aus.“ Er antwortete ihr: „Ich habe bereits eine sehr gute Geige, und wenn ich sie weglegen soll, brauche ich das beste Instrument, das ich finden kann. Das hat einen gewissen Preis.“ Sie sagte: „Das ist mir klar, Hauptsache, sie mögen das Instrument. Wenn sie es mögen, werden sie es viel spielen. Wenn sie es viel spielen, wird der Wert steigen.“
Eine kühle Kalkulation für etwas, an dessen Anfang der Wertschöpfungskette etwas ganz und gar Gegensätzliches stand: Klangsinn, Kreativität, Leidenschaft, Kontemplation und Meditation, sich ausdrücken, beeindruckt, gar berührt sein. Und es steckt ein großes Maß an Vertrauen in dieser Kalkulation, in den Künstler und vor allem in die Musik, ein Vertrauen in ein menschliches Grundbedürfnis, eine Sehnsucht, das weit mehr Stabilität bewirkt als bloße Spekulation. Das, worauf der Wert sich begründet sind allesamt immaterielle Qualitäten, die wir im üblichen Sprachgebrauch wohl wertvoll nennen mögen, gedacht aber meist nur im ideellen Sinn und weniger im geldwerten Sinn. Wir in Vorarlberg haben viel Vertrauen in die Kraft der Kultur und insbesondere in die Musik. Auf kleinem Raum passieren große Dinge von Weltrang und es bestehen unzählige Gelegenheiten für Menschen mit unterschiedlichsten Interessen und Möglichkeiten sich kulturell zu bilden und zu beteiligen. Die Menschen hier tun es sehr oft, weil sie es mögen, weil sie es gern tun. Gut investiert, weil Werte geschaffen wurden in jenem wie in diesem Sinn, für den Einzelnen, für die Gemeinschaft wie auch für den Standort Vorarlberg. Vertrauen wir auch in Zukunft in diese Wertanlage, gerade auch in schwierigeren Zeiten. Eine sichere Kalkulation!

Claudia Endrich­
04.04.2020

Die meisten Vorarlberger*innen sind gern im...

Die meisten Vorarlberger*innen sind gern im Ländle „dahoam“. Sie schauen sich aber auch gerne anderswo um: 82 Prozent sind 2018 mindestens einmal auf Urlaub gefahren. „Zwei Flugreisen im Jahr sind nicht ungewöhnlich“, so ein Branchenvertreter. Wenn nur die Hälfte der Urlaubenden 2018 mit dem Flugzeug unterwegs war, sind das immer noch 41 Prozent der Bevölkerung im Ländle, während im Jahr 2017 nur drei Prozent der Weltbevölkerung geflogen sind. Fazit: Es geht uns gut, wir nutzen unseren Wohlstand – auch auf Kosten der Umwelt. Aber Reisen bildet, sagt man, macht toleranter. Reiseerfahrung ist zum Statussymbol geworden, etwas, das man stolz vor sich herträgt und online wie offline präsentiert. Das stürzt uns in Zeiten von „Flugscham“ in ein großes Dilemma.
Ich selbst war in den letzten Jahren regelmäßig in der Welt unterwegs und habe mich gleichzeitig meines großen ökologischen Fußabdrucks sehr geschämt. Die offene Frage blieb: Welchen Zweck erfüllt unsere unbändige Reiselust? Macht sie unseren Planeten wirklich zu einem besseren Ort? Mit dieser Frage habe ich, noch während ich unterwegs war, viele Menschen konfrontiert, allen voran mich selbst. Aus den Gesprächen und Begegnungen ist dabei das Buch „Das nächste Mal bleib ich daheim“ entstanden. Zurück in Österreich habe ich mir also vorgenommen, so lange wie möglich kein Flugzeug mehr zu besteigen. Ein hehres Ziel? Die jüngsten Ereignisse zeigen, was machbar ist, wenn es sein muss. Und plötzlich haben wir Zeit, all die Bücher zu lesen, die wir schon so lange lesen wollten, die Wanderung im Bregenzerwald zu machen, von der wir schon so lange reden, und, und, und. Wenn alle daheimbleiben, muss niemand mehr mit den Erlebnissen anderer mithalten. Das klingt ja mal wirklich entspannend!

Autoren & Redaktion