Zitate

Ich bin immer gegen Kleidung, die eine Ideologie transportiert. Und die Tracht ist zur Uniform geworden, sie transportiert für mich etwas Reaktionäres.

Andreas Vitasek, Kabarettist

Sobald die Öffentlichkeit zuhört, kriecht wie radioaktiver Nebel die politische Korrektheit in die Diskussionen.

Roger Köppel, Journalist und Politiker

 

Gewisse Jobs sollten von denjenigen gemacht werden, die das Gefühl haben, nicht dafür geeignet zu sein. Sich ein wenig fehl am Platz zu fühlen, hält wach.

Gianrico Carofiglio, Schriftsteller

Wer Medien konsumiert, ohne deren Tendenz zu Bad News zu kennen, muss unablässig das Gefühl haben, ein Glückspilz zu sein, der als Einziger von der Hölle verschont blieb.

Helmut A. Gansterer, Publizist

 

Tradition kann nicht heißen, die Asche anzubeten, sondern die Flamme zu bewahren. Wir Sozialdemo­kraten haben uns sehr lange mit der Anbetung der Asche beschäftigt und wurden von gesellschaftlichen Entwicklungen überrannt.

Christian Kern, Ex-Kanzler

Der Demokratie ist die Sprache abhandengekommen. Debattenkultur, das war einmal. Hinhauen, bis der Gegner nicht mehr aufsteht, das ist jetzt.

Hans-Jörgen Manstein, Verleger

Diese deutsche Comedy-Szene, in der immer alle lustig sind, finde ich furchtbar. Ich weiß nicht, wie die das als Menschen aushalten.

Dirk Stermann, Satiriker

Wenn kritischer Journalismus als „übler Eklat“ bezeichnet wird, ist der Fokus im Land bereits bedenklich verschoben.

Julya Rabinowich, Journalistin

Wer die sozialen Sicherungssysteme für eine gute Sache hält, sollte auch ihre undichten Stellen thematisieren.

Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria 

Auf Twitter sind nur Politiker, Journalisten und Psychopathen.

Dorothee Bär, (deutsche) Ministerin für Digitales

in den Mund gelegt

Quergedacht

Isabella Pipal
01.11.2018
Vertrauen vor Vorurteil

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich...

Als im Ausland lebende Vorarlbergerin habe ich bisher durchwegs positive Erfahrungen gemacht, Menschen unterschiedlicher Kulturen sind mir stets offen und herzlich begegnet. Ich bin fest der Überzeugung, dass meine Aufgeschlossenheit und mein grundsätzliches Vertrauen in das Positive in jedem Menschen wesentlich dazu beigetragen haben.

Oft erlebe ich, dass Menschen dazu neigen, rasche Urteile zu fällen, sie kategorisieren, beurteilen, und machen es dem Gegenüber schwer, der Schublade, der man zugeteilt wurde, wieder zu entschlüpfen. Dabei wird doch insbesondere in Mitteleuropa großer Wert auf individuelle Entfaltung gelegt. In meinem Beruf als Juristin ist es notwendig, jeden Fall einzeln zu beurteilen. Diesen Ansatz sollten wir auch im alltäglichen Leben verfolgen.

Die Akzeptanz, die man sich für sich selbst wünscht, sollte auch den Mitmenschen entgegengebracht werden. Wir wissen nicht, welche Erfahrungen unsere Mitmenschen zu deren Anschauungen oder Handlungen gebracht haben, und wollen selbst auch nicht in jeder Lebenslage einem Urteil unterzogen werden. 

Angst und Neid sind schlechte Ratgeber, ich bin der Meinung, dass negative Erlebnisse oft das Resultat aus einer negativen Erwartungshaltung sind. Gegenseitige Achtung und das Vertrauen darauf, dass mein Gegenüber „es gut mit mir meint“, können uns helfen, die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen. Dazu gehört auch, jeder Person eine Chance zu geben und sie nicht aufgrund ihres Kleidungsstils, ihrer Herkunft oder ihrer Kulturzugehörigkeit vorschnell in eine Schublade zu stecken. Schließlich vertrat schon Immanuel Kant die Meinung: „Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.“

Josef Burtscher
01.11.2018
Fünf Minuten für 20 Prozent weniger

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche...

Wer schneller fährt, muss (für die gleiche Strecke) öfter tanken. Wer öfter tankt, produziert mehr CO2, und zwar direkt proportional mehr. Inklusive Energieaufwand für die Herstellung entstehen bei Diesel pro Liter 3,08 Kilogramm CO2, bei Benzin 2,73. Für die Stickoxide gilt diese lineare Abhängigkeit nicht, denn sie steigen aufgrund der höheren thermischen Belastung beim Kolbenmotor mit zunehmender Leistung überproportional an. Somit können die CO2-Emissionen an der Tankuhr „beobachtet“ werden, die des NOx-Ausstoßes jedoch nicht.

Als leidenschaftlicher Energieoptimierer ist „100 oder 130?“ für mich nicht nur keine Frage, sondern eine Herausforderung: Mit wie wenig Gas (ich fahre Erdgas beziehungsweise Biomethan) schaffe ich die Strecke Hard nach Stallehr (58 Kilometer)? Ich brauche für die Strecke (mit 130 km/h, dort wo es erlaubt ist) 33 Minuten, mit Tempo 100 anstatt 130 exakt fünf Minuten mehr, also 38 Minuten, oder eben 15 Prozent länger. Effekt: eine Sprit- und somit CO2-Einsparung von 20 Prozent. Oder umgekehrt: Würde ich 130 statt 100 fahren, ergäbe das bei mir einen Mehrverbrauch von 25 Prozent und damit auch 25 Prozent CO2-Mehrausstoß bei fünf Prozent kürzerer Fahrzeit. Übrigens: Die fünf Minuten gelten auch, wenn ich von Hohenweiler auf die Bielerhöhe fahre! 

Selbstredend ergeben sich weitere Vorteile bei Tempo 100: Der Abstand zum vorderen Auto vergrößert sich (weil alle schneller fahren), das Einfahren in den Fließverkehr ist leichter und sicherer, die Fahrt ist für mich entspannter, ich steige erholter aus, oft komme ich ohne Verlangsamung und ohne Beschleunigung von Lauterach bis Bings. Abgesehen davon: Rund ein Fünftel meiner Stallehr-Fahrten lege ich mit Zug und Rad zurück. Diese Fahrt dauert exakt 67 Minuten von Tür zu Tür – für meine Gesundheit und die Umwelt die beste Variante.

Katharina Leissing
01.11.2018
Der Kultur ihr Prekariat

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So...

Vorarlberg ist ein Kunst- und Kulturland. So wird es jedenfalls oft verkauft und tatsächlich ist das kulturelle Geschehen hier im Land vergleichbar mit jenem einer Großstadt. Angebote gibt es zahlreiche – vom freien Theater, zeitgenössischen Zirkus über Tanz und Figurentheater, Poetry Slams, bis hin zum Angebot der großen Häuser und Museen.

Damit Kunst und Kultur nicht nur von einer, nennen wir sie mal (kulturellen) Elite konsumiert wird, dafür sorgen vor allem die Kulturinitiativen, die sich unermüdlich darum bemühen, jeder und jedem die Welt der Kunst und Kultur zu eröffnen. Es sind diese Initiativen, die Partizipation auch von sogenannten Randgruppen ermöglichen. Die anders als so manche Politikerinnen und Politiker stets daran arbeiten, unsere Gesellschaft zusammenzuhalten, anstatt einen Keil in die Mitte zu treiben. Damit erweisen sie uns einen großen Dienst, der oft viel zu wenig Anerkennung erfährt. Von finanziellen Mitteln ganz zu schweigen. Prekariat ist in der Kultur Alltag. Und das ist keine Frage von Sparzwängen, es ist keine Budget-, es ist lediglich eine Verteilungsfrage. Unser neoliberales System hat diese klar für sich beantwortet. Es wird eher bei Sozialem, Bildung und Kultur gespart, als etwa leistungsfreies Einkommen wie Erbe zu besteuern. Dass sich dies unter der aktuellen Bundesregierung nicht zum Besseren wenden wird, lässt sich erahnen. Umso wichtiger sind und werden in den kommenden Jahren starke Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und jenen Initiativen und Häusern, die sich um die kulturelle Grundversorgung kümmern. Die Sache ist: Das wissen wir alles schon längst.

Zeigen wir endlich Solidarität und investieren in eine lebenswerte Zukunft. Das wird sich lohnen. Auch oder gerade, weil die Erträge nicht finanzieller Natur sein werden.

Verena Brunner-Loss
01.11.2018
Apple aus – Birne an!

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und...

Lesen ist wichtig. Lesen ist Kern- und Kulturkompetenz. Lesen fördert die Empathie. Buchhandlungen und andere kleine Unternehmen sperren zu, Innenstädte sterben aus. Da passt doch etwas nicht zusammen?

Seit Jahren wird überall die Bedeutung von Lesen für den Einzelnen und von Buchhandlungen für den öffentlichen Raum gesprochen. Getan hingegen wird nichts gegen die Wettbewerbsverzerrung, die durch das unbesteuerte Geschäft von Amazon in Österreich verursacht wird. So führt dieses Unternehmen keine Steuern ab, beschäftigt keine Mitarbeiter in Österreich und macht immer wieder durch seine prekären Arbeitsbedingungen von sich reden. Hier ist eindeutig die Politik gefordert, den wettbewerbsverzerrenden Spielraum einzuschränken, der Amazon und anderen Internetgiganten geboten wird. Die Konsequenzen dieses Missverhältnisses spüren wir jeden Tag: Als geistiger Nahversorger in Vorarlberg bemühen wir uns täglich um jeden einzelnen Kunden. Die Devise lautet: besser sein als die Riesen mit ausgezeichneter Beratung und überragendem Service. Hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszubilden und anzustellen hat für uns Priorität. So wurden wir vergangenes Jahr von der WKV zum „Ausgezeichneten Lehrbetrieb“ gekürt. 

Aber auch hier werden uns Steine in den Weg gelegt: BHS-Absolventen dürfen nur mit einer Sondererlaubnis nur mehr ein Jahr Ausbildung bei uns machen – als ob Bildung eine Strafe wäre. Dabei muss jedem klar sein, dass innerhalb eines Jahres keine solide Ausbildung möglich ist: In einem Jahr hat der Auszubildende vielleicht alles gesehen, aber sein Wissen festigen kann er nur mit Übung und Wiederholung. Wie sonst wollen wir es schaffen, jene Fachkräfte zu entwickeln, die im Moment in jeder Branche so dringend gesucht werden?

Martin Bereuter
08.10.2018
Die Lehre könnte mehr sein

Für eine Lehre muss sich ein Jugend­licher im...

Für eine Lehre muss sich ein Jugend­licher im Alter von 15 Jahren entscheiden. Viele stellen sich nach der Lehrabschlussprüfung mit 18 die Frage nach der weiteren Berufslaufbahn. Da die Meisterprüfung an Attraktivität verloren hat, ist die Lehrabschlussprüfung zum „allgemein gesellschaftlich wahrgenommenen“ Abschluss einer Berufsausbildung geworden. Ein potenzieller Akademiker hat sich erst nach der Matura für sein Studienfach zu entscheiden. Die Anforderungen in der Berufswelt sind beim Großteil der Berufe derart komplex, dass mit dem Lehrabschluss im besten Fall ein Überblick über die möglichen Aufgaben und Anforderungen gegeben ist. Im Idealfall wird man nach einer Einarbeitungsphase von mehreren Jahren mit Überzeugung von sich sagen: „Ich bin Tischler“, „Ich bin Optiker“, „Ich bin Koch“ ... Das Modell „Lehre mit Matura“ kann aktuell auch als Ausweg aus dem „Arbeiterleben“ wahrgenommen werden. Die vielfach geforderte Durchlässigkeit der Bildungssysteme darf nicht zur Einbahn werden. Eine gegenseitige Belebung sollte das Ziel sein. Dazu scheint es notwendig, dem dualen Bildungsweg längeren Atem zu verleihen. Wege zu finden, die Gesellenjahre und die Meisterprüfung vermehrt in den Fokus der Bildungspolitik zu rücken, scheint eine Möglichkeit zu sein, um einerseits langfristige Perspektiven zu schaffen, und gleichzeitig sich einzugestehen, dass es eben auch Zeit benötigt, um ein Handwerk, eine Dienstleistung fundiert ausüben zu können.
Ein junger Mensch sieht sich mit dem Abschluss der Matura, dem Erhalt des Bachelorzeugnisses oder dem Masterdiplom gesellschaftlich breit bestätigt. Dies von den Personalabteilungen in der Wirtschaftswelt gleichermaßen wie vom sozialen Umfeld. Was hindert uns daran, ähnliche Eckpfeiler für eine praxisorientierte Berufslaufbahn zu schlagen? Warum nicht das duale System um einen aufbauenden, zweiten und dritten Teil erweitern?

Robert Sturn
08.10.2018
Warum ist eine Zusammenarbeit so schwer?

Die Welt verändert sich so rasch wie nie zuvor...

Die Welt verändert sich so rasch wie nie zuvor, die Digitalisierung entwickelt sich exponentiell. Die neuesten Entwicklungen sind meist ein Ergebnis vom Zusammenführen von bestehenden Alltäglichkeiten mit der digitalen Welt. Generell gilt es: Was kann wie digitalisiert werden und was bringt das für einen Vorteil für die Kunden? Es wird in Zukunft daher immer wichtiger, die unterschiedlichen Player zusammenzubringen. Vorarlberg war einmal ein großes Textilland und in der Blütezeit hat man es verabsäumt, rechtzeitig auf die Bedrohungen zu reagieren. Vermutlich hätte man es abwenden können, wenn man die Zusammenarbeit gesucht und gemeinsame Entwicklungen vorangetrieben hätte. In der Hochzeit war aber kein Druck vorhanden, etwas zu ändern und dann ging es einfach zu schnell nach unten. Zudem war vermutlich der Wettbewerbsdruck zu groß. Es war einfach das eigene Hemd näher als der Rock. Die jetzige Situation ist ähnlich. Die Wirtschaft brummt. Es besteht eigentlich kein Grund, etwas zu ändern; es ist kein Druck vorhanden. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Digitalisierung alle unsere Bereiche ordentlich verändern wird. Einmal mehr heißt daher das Gebot der Stunde: Zusammenarbeit. Warum ist das aber so schwer? Viele gut gemeinte Initiativen scheitern, weil die Gruppen zu groß sind. Es muss eine Vertrauensbasis mit einer hohen Wertschätzung untereinander geschaffen werden. Die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen, um auf neue Lösungen zu kommen, unterstützt derartige Prozesse ungemein. Wichtig dabei ist, dass das Gemeinsame im Mittelpunkt steht; ein Rosinenpicken funktioniert dabei nicht. Vorarlberg hat durch die „Kleinheit“ den großen Vorteil, dass das Zusammenkommen und das Sich-Verstehen bereits gut funktioniert. Am Rest muss noch gearbeitet werden. Nutzen wir doch gemeinsam die sich bietenden Möglichkeiten.

Thomas Mayr
08.10.2018
Berufsbildung bleibt wichtig!

Digitalisierung und Automatisierung verändern...

Digitalisierung und Automatisierung verändern die Arbeitswelt. Von einem „Ende der Arbeit“, wie manche Studien prognostizieren, sind wir allerdings weit entfernt. Viel wahrscheinlicher ist, dass neue Tätigkeiten entstehen und vor allem, dass sich bestehende Berufe verändern. Einfache manuelle Tätigkeiten werden weniger, während in mehr Jobs höhere kognitive, soziale und technologische Fähigkeiten benötigt werden. So weit, so nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist der bildungspolitische Schluss, unter „Höherqualifizierung“ primär die Notwendigkeit einer Erhöhung der Maturanten- und Hochschulabsolventenquoten zu verstehen. Tatsächlich zeigt der internationale Vergleich, dass jene Staaten, die vor allem auf den Ausbau ihrer Hochschulsysteme setzen und die Berufsbildung zurückgefahren haben, heute mit (Jugend-)Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel konfrontiert sind.

Für Österreich zeigt eine aktuelle Studie (ibw-Fachkräfteradar), dass es für Handwerks-, Technik- und Tourismusberufe den größten ungedeckten Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern gibt. Vor allem bei Personen mit Lehrabschluss gibt es einen Engpass, für alle anderen Bildungsabschlüsse gibt es so gut wie keinen (AHS, HAK, Uni) oder einen deutlich geringeren Mangel (HTL und Fachschulen, FH). Berufsbildung auf mittlerem (Lehre) und höherem Niveau (Meister, Fachakademie und andere) bleibt wichtig. Notwendig ist, diese Qualifizierungsangebote zu stärken und im Einklang mit den neuen Anforderungen weiterzuentwickeln. Die am 20. September erfolgte Einstufung der Meisterprüfung im Nationalen Qualifikationsrahmen auf der gleichen Niveaustufe wie der Bachelor ist jedenfalls ein wichtiges Signal dafür, dass es auch in der Berufsbildung „höhere Qualifikationen“ gibt.

Stephanie Gräve
08.10.2018
Schule der Empathie

Social Acupuncture – diesen Begriff hat der...

Social Acupuncture – diesen Begriff hat der kanadische Künstler Darren O‘Donnell für seine performativen Projekte geprägt. Eine tolle Vorstellung: Kunst als Akupunktur für die Gesellschaft, mit einer winzig kleinen Nadel setzen wir Prozesse der Veränderung in Gang! Mein persönliches Lieblingsprojekt von O‘Donnell heißt „Haircuts by Children“: In einem „Problemstadtteil“ von Toronto wurden Kindern aus migrantischen, aus sozial schwachen Familien die Grundbegriffe des Haareschneidens vermittelt, die kunstaffinen Besucher überließen sich den frisch erworbenen Fähigkeiten der jungen Barbiere – eine für beide Seiten ganz ungewohnte Begegnung. Und eine schöne Übung in Vertrauen.

Wie jeder kulturelle Ort sollte auch das Theater nicht nur hehrer Kunsttempel oder bunte Unterhaltungsbude sein, sondern überdies Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, ein Ort, an dem die drängenden Themen der Menschen verhandelt werden: Tua res agitur. 
Was mir heute, in einer komplexen und komplizierten, uns zunehmend überfordernden Wirklichkeit eine große Gefahr scheint: Dass wir die Fähigkeit zur Empathie verlieren. Abstumpfen angesichts des globalen Entsetzens, uns zurückziehen auf die kleinste Einheit, das ganz Private. Das Theater als Ort des gemeinschaftlichen Erlebens stemmt sich per se schon gegen die Vereinzelung. Und es hat die Chance und somit die Verantwortung, diese besondere Kraft zu nutzen.

Theater kann Schule der Empathie sein, es kann das Publikum berühren und verführen. Zum Mitfühlen, zum Mitdenken. Es kann verführen, eigene Haltungen und scheinbare Gewissheiten kritisch zu hinterfragen und, im idealen Fall: zum Besseren zu verändern.

Andreas Pichler
19.09.2018
Die Kehrseite der Medaille

Italien tickt in vielen Dingen anders, diese...

Italien tickt in vielen Dingen anders, diese Erkenntnis hat der Urlaub dem einen oder anderen sicher auch heuer gebracht. Zu dieser Feststellung gab es diesen Sommer einen weiteren Anlass. Am 1. August ging die Nachricht um die Welt, dass der Italiener Alessio Figalli, Jahrgang 1984, Professor für Mathematik an der ETH in Zürich die Fields-Medaille, eine Art Nobelpreis der Mathematik, gewonnen hat. Er erhielt die Auszeichnung für seine Beiträge zur Theorie des optimalen Transports.

Anstatt den Erfolg ihres compaesanos zu bejubeln, startete die Kampagne der Entrüstung in den Sozialen Medien wenig später – angestachelt von lokalen Polit- Funktionären, die sich ereiferten, wie egoistisch eigentlich diese jungen Forscher seien, die sich in Italien teuer ausbilden lassen, um dann ihr Glück anderswo zu suchen.

Anstatt nun seine Arbeiten einem breiten Publikum vorstellen zu können, musste sich Figalli in den italienischen Medien rechtfertigen, weshalb er eine Karriere außerhalb Italiens angestrebt hatte. Der pasticcio war perfekt, als weitere Politiker eine Bühne erkannten, den Exodus der gut Ausgebildeten (in Italien nennt sich dieser fuga dei cervelli – Flucht der Hirne) dem jeweiligen politischen Gegner und dessen Versäumnissen in die Schuhe zu schieben.

Anstatt sich mit konkreten Maßnahmen zum Beispiel gegen einen unfair zweigeteilten Arbeitsmarkt einzusetzen oder die duale Ausbildung zu forcieren, die parteiübergreifend als großes Manko in Italien anerkannt wird, entzündet sich der Streit nun an jenen, die ihr Glück anderswo suchten.

Eine kurze intensive Diskussion, die aber Bände über die Mischung aus Resignation, Wut und Lähmung spricht, mit denen die Länder im Süden Europas auf die Probleme einer „verlorenen Generation“ junger Menschen reagieren.

Katharina Rhomberg
19.09.2018
Kunststoff versus Plastik

Plastik – in vieler Munde, sehr präsent in den...

Plastik – in vieler Munde, sehr präsent in den Medien, oft mit einer negativen Konnotation. Es wird verbunden mit Müllbergen, die im Meer schwimmen. Dabei sind Diskussionen um das berühmte Plastiksackerl ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf globaler Ebene muss das Problem Littering dringlichst angepackt werden und zwar beim unachtsamen Menschen, der den Müll – auch Glas, Papier und Metall – nicht entsorgt, sondern einfach der freien Natur überlässt.

Nur etwa zwei Prozent des Plastikmülls im Meer sind aus Europa und Nordamerika. Dennoch ist auch eine europäische Strategie zur Vermeidung von Plastik-Einwegartikeln wichtig und richtig, auch wenn in der Ausgestaltung noch einiges fragwürdig bleibt und stets die gesamthafte Ökobilanz betrachtet werden muss. In Europa sind der Mehrwegtrend und ein entsprechendes Umweltbewusstsein seit Längerem auf dem Vormarsch. So kommen etwa bei Veranstaltungen aller Art immer mehr spülbare Pfand-Mehrwegbecher zum Einsatz, um Müllberge an Einweggebinden zu vermeiden.

Genauso wichtig ist die Weiterentwicklung und Forschung im Bereich Recycling und biobasierte Kunststoffe. Wobei wir beim positiv besetzen Wort „Kunststoff“ wären, einem Werkstoff, der sehr viel Potenzial birgt und äußerst vielfältig ist. Kunststoff ist aus unserem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken, weder bei Elektronik noch im Bau oder bei Fahrzeugen, geschweige denn in der Medizin. Dabei dürfen die ökologischen Vorteile wie etwa Haltbarkeit der Lebensmittel oder reduzierter Spritverbrauch durch das reduzierte Gewicht der Autos nicht vergessen werden. Kunststoff ist also nicht das Problem, sondern vielmehr die Lösung für viele Probleme. Ziel muss sein, das Verhalten der Menschheit nachhaltig zu beeinflussen, um einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen auf globaler Ebene zu bewirken.

Autoren & Redaktion