Zitate

Gute Vorurteile erwachsen profunder Ignoranz.

Frank Wisniewski, Informatiker

Information ist schnell. Wahrheit braucht Zeit.

Peter Glaser, Netzphilosoph

Wenn Journalisten ihre Arbeit mit heiterer Gelassenheit angehen und sich um eine schöne Sprache bemühen, gefällt mir das.

Frank A. Meyer, Publizist

Einer der vielen unangenehmen Teile des Erwachsenseins ist, dass man sich das ganze Jahr über benehmen muss.

Sebastian Fellner, Journalist

Klatsch ist die Rache der Feiglinge.

Markus M. Ronner, Theologe

In einer Zeit der glattgebügelten Korrektmeinung sollten wir die Freiheit der Antithese verteidigen.

Ernst Sittinger, Journalist

Wenn ein General zu mir „Idiot“ sagt, ist das nur eine Beleidigung. Im umgekehrten Fall kann das schon der Verrat militärischer Geheimnisse sein.

Volker Pispers, Kabarettist

 

Bequemer ist es, in Schablonen zu denken.

Georg Cavallar, Historiker

 

Es gibt unendlich große Flächen der Ahnungslosigkeit.

Hans Magnus Enzensberger, Schriftsteller

Immer stärker nervt eine seit Jahren stetig größer werdende Gruppe der Gesellschaft, die sich dauersensibel von allem genervt fühlt.

Burkhard Voß, Psychiater und Buchautor

in den Mund gelegt

Quergedacht

Daniela Egger
01.03.2019
Noten als Motivations­bremse

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter...

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein engagierter Mensch mit innovativen Ideen, Sie sind eine der Zugkräfte für die Weiterentwicklung Ihres Bereichs. Das bedeutet, Sie starten Projekte, die manchmal nicht gleich vom Fleck kommen, die aber ein großes Potential besitzen. Sie wollen, dass Ihr Unternehmen zu den Gewinnern gehört und Sie sind selbst eine oder einer davon.

Neuerdings hat aber die Regierung Ihres Landes beschlossen, sich in die Unternehmenspolitik einzumischen und Ziffernnoten statt Mitarbeitergespräche anzuordnen. Sie erhalten also kurz vor Ihrem Sommerurlaub ein Zeugnis mit Noten anstatt des jährlichen Gesprächs. Diese Ziffer beschäftigt Sie, während Sie am Strand liegen. Sie haben hart gearbeitet und viel geleistet, fast alles ist gelungen, manches nicht – und Sie wissen sehr genau, warum eines der Projekte nicht funktioniert hat. Im Jahr davor haben Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten darüber ausgetauscht, welche Maßnahmen man allgemein ergreifen könnte, Sie haben von ihm gehört, dass er Ihre Anstrengung gesehen hat und dass er Ihren Wert kennt.

Diesmal haben Sie eine DREI erhalten, kein Gespräch. Ihr Vorgesetzter wird demnächst in Pension gehen, sein Nachfolger wird sich die Unterlagen ansehen und die DREI zur Kenntnis nehmen. Sie wissen gleichzeitig, dass der Kollege nebenan, der nie im Leben etwas Innovatives entwickeln wird, eine EINS bekam. Er hat ja auch nichts riskiert. Der Nachfolger ihres Vorgesetzten wird die beiden Noten vergleichen, und Ihr Sommer­urlaub wird immer mehr zu einem Strategieworkshop. Sie werden eventuell auf der Strandliege beschließen, im nächsten Jahr lieber kein Risiko mehr einzugehen und es Ihrem Kollegen gleichzutun – schließlich möchten Sie Ihren Job behalten. Vorerst.

www.prim-online.at

Johann Punzenberger
01.03.2019
KlimaCent – Sinn oder Unsinn von Zahlungen

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“...

Wenn eine CO2-Kompensation kein „Freikaufen“ oder billiger Schuldenablass sein soll, braucht es zwei gesicherte Wirkungen: Einerseits gilt es, eine Dynamik im Aufbau einer regionalen CO2-neutralen Wirtschaft zu sichern, andererseits ist der Druck für die politischen Rahmenbedingungen zum Ausstieg aus der atomaren/fossilen Energieversorgung zu stärken. Der KlimaCent der AEEV kombiniert beide Anliegen.

Freiwillige Ersatzzahlungen für selbst verursachte CO2-Emissionen sind derzeit in Mode, fallen jedoch unter die Kategorie „greenwashing“: Mit teilweise lächerlichen Geldbeträgen wird der Eindruck vermittelt, dass man alle „Hausaufgaben“ erfüllt habe. Über Zertifikate mit verschiedenen „Qualitätssiegeln“ werden Zahlungen für teilweise fragwürdige Projekte im Ausland geleistet, anstatt die Energiewende vor Ort zu beschleunigen.

Die Plattform KlimaCent geht einen wirkungsvolleren Weg: regional, innovativ und ehrlich. Es gilt, vorrangig die wirtschaftliche Grundlage für regionale Klimaschutzprojekte zu verbessern – und gleichzeitig eine politische Getragenheit für die Beseitigung der Marktverzerrungen zu schaffen: Denn noch immer werden Atomkraftwerke ohne Haftpflichtversicherung betrieben – und noch immer werden 50-mal mehr öffentliche Steuergelder für Öl/Gas/Kohle ausgeschüttet als für die Förderung von erneuerbarer Energie. Wenn die Innovationskraft und die Dynamik der Wirtschaft für den Klimaschutz aktiviert werden soll, dann brauchten wir nur eines: echte und große Schritte zur Kostenwahrheit. Wir brauchen keine Förderprogramme, sondern einen fairen Wettbewerb. Der Markt schafft ganz von alleine das effektivste und effizienteste Energiesystem. Dann wird die Eigenversorgung mit regionaler erneuerbarer Energie der logische und kostengünstige Selbstläufer.

www.klimacent.at

Ulrike Willam–Kinz
01.03.2019
Was steht denn da?

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das...

Nach ein paar Bildern gebe ich auf. Nicht das Betrachten. Das nah Hingehen und Hinunterbeugen zu dem Text in wuzikleiner Schrift, der mir sagt, wer das Bild gemalt hat und wie es heißt. Die 1A-Brille hilft da leider auch nicht. Schaue ich mich im Raum um, stelle ich fest, dass auch andere Museumsbesucher vor den Texten in die Knie gehen und mit der Nase fast daran anstoßen. Vor allem jene, die halt nicht mehr ganz so jung sind. 

Mir ist klar, dass Ausstellungsgestaltende um Ästhetik bemüht sind. Kleine Texte oder Schildchen, rechts oder links unten neben dem Bild wirken elegant. Aber muss die Schrift so klein sein, muss der Text so platziert sein, dass sich das Auge mit dem Fokussieren schwer tut? An einer Führung teilzunehmen geht sich nicht immer aus. Man könnte sich auch alles erzählen lassen, vom Audioguide oder von der Museums-App. Ungern. Viel netter ist es doch, sich mit seiner Begleitung beim Anschauen der Exponate auszutauschen. Leise, versteht sich.
Es ist einfach so, mit 50+ lassen Sehkraft und Sehschärfe nach. Das trifft nahezu alle Menschen, auf der ganzen Welt, sagt der Augenarzt. Auch die beste Brille kann das nicht mehr ausgleichen. Leider hat sich dieses Faktum bei vielen Ausstellungsgestaltenden noch nicht herumgesprochen. Bei einigen Zeitungs- und Magazinmachenden übrigens auch nicht. 

Egal? Nein! Wir 50+ sind die Baby­Boomer-Generation. Wir sind ganz viele. Viele von uns sind reisefreudig, kulturinteressiert. Einige von uns gehen bald in Pension oder sind es schon. Dann haben wir noch mehr Zeit, zum Beispiel für Museumsbesuche. Also bitte, werte Ausstellungsgestaltende: Denkt an uns, brieft eure Grafiker. Mit größeren, auf Sichthöhe angebrachten Bildbeschriftungen erleichtert ihr uns den Kunstgenuss ungemein!

Bettina Steindl
01.03.2019
Europa wir kommen! Kulturhauptstadt 2024

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht...

Wir haben schon alles. Wir brauchen das nicht, Frau Steindl.“ Diesen Satz habe ich im letzten Jahr ständig gehört. Ich bin anderer Meinung. Ich denke anders über das Haben nach, über das Können und das Wollen. Ich finde, der einzelne Mensch und die Gesellschaft sollten sich noch viel mehr mit Kunst und Kultur auseinandersetzen. Dabei geht es uns im Bewerbungsprozess vor allem um die Alltagskulturen. Die Kultur des miteinander Lebens, Arbeitens, Redens und Seins zum Beispiel. Eine Kultur der Wissensvermittlung zwischen den Generationen, die offen mit Themen wie Integration, Migration, Diversität und Nachhaltigkeit umgeht.

Gestern wurde mir die Frage gestellt, wann ich in meinem Beruf diesen ganz besonderen Glücks- und Zufriedenheitsmoment erlebe. Immer dann, wenn ich umsetzen kann, was ich während meines Wirtschaftsstudiums als USP meiner selbst definiert habe: Ich erkenne und spüre den Sinn von Kunst und Kultur deutlich und kann ihn für andere übersetzen. Die positiven Kennzahlen, die Kulturwirtschaft für Städte, Regionen, Länder, Institutionen, Vereine und letztlich jeder und jedem Einzelnen bringen, sind wissenschaftlich erhoben. Sie belegen, was wir im Rahmen unserer Bewerbung behaupten: Kunst und Kultur sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, wenn es darum geht, Lebensraum zu schaffen, Zukunft zu gestalten, einen Standort zu positionieren und letztlich auf der großen Bühne Europas eine Rolle zu spielen. Deshalb und aus vielen weiteren Gründen stehe ich mit voller Überzeugung, mit Tatendrang und Mut persönlich und als Professionalistin hinter der Bewerbung von Dornbirn plus Feldkirch, Hohenems und dem Bregenzerwald als Kulturhauptstadt Europas 2024: Begehen wir gemeinsam einen „Outburst of Courage“! Zeigen wir Europa, dass wir unsere Zukunft aktiv gestalten – über und mit den Mitteln der Kunst! Europa, wir kommen!

Manfred Hämmerle
04.02.2019
Samra macht ihren Weg

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der...

Samra, eine Schülerin einer vierten Klasse der HAK Bregenz, erhielt kürzlich von der Nationalbank 1000 Euro, weil sie fleißig, zielstrebig und sozial engagiert ist. Eine Lehrperson aus der Mittelschule Lochau empfahl ihr damals, die Handels­akademie zu besuchen. Darüber ist sie froh, denn sie hätte sich das nicht zugetraut.

Jetzt beginnt wieder die Anmeldezeit für weiterführende Schulen. Insbesondere für Eltern, deren Kinder die vierte Klasse Volksschule besuchen, ist diese Zeit mit einem gewissen Stress verbunden. „Wird es mein Kind ins Gymnasium schaffen?“, ist die Frage. Dabei zeigen die Daten der Berufsbildenden Schulen, dass diese Frage überschätzt wird. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen sind wie Samra: Sie bewähren sich in unseren Schulen und sie haben – bei entsprechenden Noten – die Möglichkeit, in alle Oberstufenformen Vorarlbergs zu wechseln. Man kann also die Zehnjährigen mit gutem Gewissen in ihrer bewährten Umgebung eine gute Mittelschule besuchen lassen. Es ist wichtig für diese Schulen, dass sie Zugpferde in der Klasse haben. Die Politik hat die Verantwortung, die Mittelschulen zu stärken und nicht durch zusätzliche Angebote weitere Konkurrenz zu schaffen.

Übrigens: Samras Vater ist aus Bosnien zugezogen. Er arbeitet seit vielen Jahren in einem Vorarlberger Industriebetrieb. Man darf zusätzlich noch von einer gelungenen Integrationsgeschichte erzählen und außerdem berichten, dass viele junge Menschen mit Migrationshintergrund den Weg Neue Mittelschule und dann BHS wählen. Und das ist gut so, weil Samra und alle anderen einen Beruf erlernen und zusätzlich eine höhere Bildung erhalten. Durch die neue Reife- und Diplomprüfung ist die Vergleichbarkeit mit Absolventinnen und Absolventen der AHS garantiert.

Marion Kaufer
04.02.2019
Digitalisierungs– = Bibliotheks–Offensive?

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt...

Die „Digitale Agenda Vorarlberg“ zeigt umfassend die Mechanismen der digitalen Transformation sowie geplante Strategien und Ziele auf. Gesellschaft und Wirtschaft gilt es auf den Medienwandel, disruptive Technologien und anstehende Änderungen vorzubereiten. Ich sehe in dem Strategiepapier an vielen Stellen die ausdrücklichen Kompetenzen von Bibliotheken angesprochen – lese das Wort aber nicht ein einziges Mal.

Bibliotheken traf und trifft der Medienwandel unmittelbar und allumfassend. Die hybride Bibliothek fasst digitale und analoge Angebote unter einem virtuellen wie physischen Dach zusammen. Datenverarbeitung und -aufbereitung sind wesentliche Fertigkeiten von Bibliotheken. Es ist das ureigenste Aufgabengebiet von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, sich der Sammlung, Strukturierung, Hierarchisierung, Präzisierung und Auswertung von Daten zu widmen. Bibliotheken leisteten bereits seit Anfang der 1980er-Jahre beispielsweise mit ersten Datenbankabfragen Pionierarbeit im Bereich der Digitalisierung.

Allerdings erscheinen Bibliotheken als Nachzügler in puncto Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit an AHS ist die Vorarlberger Landesbibliothek beispielsweise im Lehrplan verankert – offensichtlich aber nicht in den Köpfen. In meinen Augen kann eine Digitalisierungsoffensive nur dann gelingen, wenn sie alle Ressourcen im Lande fördert und fordert. Gerade Bibliotheken können zur Verbesserung der Medienkompetenz, zum Umgang und zur Bewertung digitaler Informationen, zur Befähigung einer Übersicht, Filterung und Strukturierung der Datenflut beitragen. Insofern sollte die Digitalisierungsoffensive auch zu einer Bibliotheksoffensive werden – die Kompetenzen von Bibliotheken nutzend und ihre Infrastruktur fördernd.

Armin Paul
04.02.2019
Ist weniger mehr?

Macht Besitz glücklich oder ist es eine...

Macht Besitz glücklich oder ist es eine Illusion? Die Frage nach dem Verhältnis zu Konsum und Besitz ist in unserer Wohlstandsgesellschaft nach wie vor aktuell. Laut Medienberichten können sich immer mehr Menschen viel mehr leisten, sie werden aber dadurch nicht zufriedener. Im Gegenteil: Seelische Erkrankungen werden unter anderem auf übermäßigen Konsum zurückgeführt. Fordert die Erfüllung unserer materiellen Wünsche ihren Tribut? Auf das soeben gestillte Bedürfnis folgt der nächste Wunsch. Unweigerlich setzt sich eine Spirale nach immer mehr und mehr in Gang. Übrig bleibt oft nur eine Leere.

Als Kind konnte ich mit dem Märchen „Hans im Glück“ der Brüder Grimm nichts anfangen. Für mich war Hans ein Tölpel, der sich von jedem über den Tisch ziehen lässt. Dabei musste Hans doch recht klug gewesen sein – hätte ihn sein Herr sonst so reichlich mit einem großen Goldstück belohnt? Hans tauschte bis ans Ende der Geschichte jeden Gegenstand gegen einen wertminderen, bis er nur noch zwei Steine hatte, die er scheinbar durch Ungeschicklichkeit verlor. Danach fühlte er sich glücklich und befreit, als er zu seiner Mutter nach Hause heimkehrte.
Heute sehe ich Hans anders. Er erkennt, dass Besitz allein nicht glücklich macht. Vor lauter kaufen verliert sich der Blick auf das Wesentliche: Familie, Freunde, Freiräume. Hans spürte, dass wenig Besitz und Bedürfnisreduktion auch Wohlempfinden verursachen können.

Gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft fällt uns Verzichten, einen Wunsch aufgeben, vielleicht besonders schwer. Wenn wir lernen, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu kontrollieren, kann diese Befreiung auch bei uns Glücksgefühle auslösen. Denn gute Gefühle lassen sich nicht „erkaufen“, indem wir was bekommen, sondern durch die Zuwendung zu anderen Menschen.

Manfred Tschaikner
04.02.2019
Warum der Funken so heißt

Keine Sorge, ich schreibe nicht wieder gegen...

Keine Sorge, ich schreibe nicht wieder gegen die Verbrennungen von Hexen auf den Funken, obwohl man sie in Kürze auch heuer auf gewohnt pietät- und geschmacklose Weise zelebrieren wird. Nein, hier soll vielmehr erklärt werden, wie der bedeutendste Vorarlberger Brauch eigentlich zu seinem Namen kam, denn laut Duden sind Funken erstens glühende Teilchen, die bei der Verbrennung durch die Luft fliegen, und zweitens Figuren beim Kölner Karneval. Kein Wunder also, dass man in weiten Teilen des deutschen Sprachraums nicht einmal versteht, was in Vorarlberg Funken sind.

Hierzulande bezog sich dieser Begriff ursprünglich auf die Fackeln. Dem Funkenbrennen als einem Fackelschwingen kam in der Fasnacht bis ins 19. Jahrhundert hohe Bedeutung zu. Das wilde Treiben mit dem bewegten Feuer passt gut zur ersten Wortbedeutung, die der Duden anführt. Es blieb allerdings nicht bei diesem Wortsinn, denn im Laufe der Zeit setzte sich der Begriff „Fackel“ durch.
Zuvor aber bezeichnete man in Vorarl­berg auch die militärischen Kreifeuer als „Funken“, da sie einer übergroßen Fackel glichen. Damit konnte durch Lichtsignale über weite Strecken hinweg vor drohender Feindesgefahr gewarnt werden, indem man von Burg zu Burg oder von Anhöhe zu Anhöhe „funkte“, wie die Informationsübertragung damals genannt wurde. 

Als dieses Alarmierungssystem seine Bedeutung verloren hatte, ging die Bezeichnung „Funken“ im 18. Jahrhundert schließlich auch auf die – den Kreifeuern ähnlich sehenden – Fasnachtsfeuer über, denn sie bestanden ursprünglich nicht aus hohen Holztürmen, sondern stets aus dürren Bäumen mit beigegebenem Brennmaterial. Außerdem brannten sie im Gefolge einer Kalenderreform gar nicht mehr in der Fasnacht, sondern zum Missfallen der Kirche am ersten Sonntag in der Fastenzeit. 

Benno Elbs
29.11.2018
Die einzelnen Teile und ihre Summe

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment....

Fünf Minuten reichen für dieses Experiment. Alles, was man dafür braucht, ist eine Straße. Dort stelle man sich an den Gehsteig und beobachte. Fünf Minuten lang. Rasant und zügig sind die meisten unterwegs. Sie müssen irgendwo hin. Sie haben ein Ziel. Ernst wirken sie. Andere telefonieren gerade. Hektisch wird eine Fußgängerin über den Zebrastreifen gewinkt. Dann ist die kleine Feldstudie auch schon wieder vorbei. Was fällt auf? Das Tempo ist schneller geworden, der Ton schärfer und das Rücksichtnehmen auf den oder die andere/n ist eine schöne Tugend, die aber oft auf der Strecke geblieben ist. 

Ich bin kein Pessimist, was unsere Zeit und unsere Gesellschaft betrifft. Und doch frage ich mich, was es denn heute wohl ist, das diese Welt im Innersten noch zusammenhält. Was macht das Zusammenleben denn wirklich aus? Ganz egal, welche Schleife ich dann in meine Gedankengänge auch einlege, immer wieder stoße ich auf ein und dasselbe Prinzip: Empathie, das Sich-Kümmern, das „Mir ist nicht egal, wie es den anderen geht“. 

Das klingt heute, wo Selbstoptimierung und Ich-Marketing die beherrschenden Begriffe sind, vielleicht altbacken. Wie viel leichter sagt es sich da, dass jeder nur an sich denken muss, damit an alle gedacht ist. Und wie viel schneller erleidet man damit Schiffbruch. Das Ganze ist immer mehr als die Summe der einzelnen Teile. Egal, welchen Namen man dem Kind auch gibt: Die einen nennen es Solidarität, die anderen Rücksichtnahme, ich nenne es Nächstenliebe. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Und eines kommt für mich noch dazu: Gott, der größer ist als unsere kleine Welt und unsere Augen öffnet für die Not anderer. 

Deshalb: Rufen wir in unseren „Ich AGs“ doch einfach einmal Betriebsurlaub aus. Ich bin gespannt, was dann passiert.

Robert Merz
29.11.2018
Schöne neue Welt

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben...

Ich bin ein moderner Mensch. Meine Dinge haben Internet. Das ist toll. Mein Kühlschrank schreibt mir täglich eine E-Mail und erzählt, was in meinem Haus so los ist. Und er mined Bitcoins, kühlen tut er nicht mehr. Mein Rasenroboter postet Fotos auf Facebook, wie er mit der Katze des Nachbarn spielt. Das macht er, um den Staubsauger meines besten Freundes zu ärgern. Dessen Katze ist schon zu alt und spielt nicht mehr so gerne. Meine Waschmaschine hat dies geliked. Die hat einen Blog und ist Influencerin für Waschmittel und Weichspüler. Neulich hat mein Kühlschrank versucht, mich dringend zu erreichen, ich war verhindert. Mein neuer Roboter hat dann mit ihm geskyped und mir in Gestensprache erklärt, was der Kühlschrank wollte. Eigentlich spricht der Roboter Java, damit er hoch komplexe Aufgaben lösen kann. Das versteh ich nicht, da muss ich erst ein Informatikstudium und eine vierwöchige Einschulung machen. Bis dahin kommunizieren der Roboter und ich mit einfacheren Mitteln. Oder vielleicht kaufe ich eine Kaffeemaschine, die sich mit ihm beschäftigen kann. Jedenfalls bekommt mein Kühlschrank jetzt zu wenig Strom, seit mein Elektroauto das Autopiloten-Upgrade bestellt, sich selbstständig gemacht und einen Exklusivvertrag mit der Photovoltaikanlage abgeschlossen hat. Mein Auto ist jetzt Taxiunternehmer. Mit eigener Steuernummer. Auch wenn keiner mehr am Steuer sitzt. Ich hoffe, dass mein Auto bald die ganze Familie ernähren wird. Mein Reisepass ist jetzt auch online und chattet mit seinen Kollegen. Ich habe gleich alle personenbezogenen Daten geschwärzt, verpixelt und verschlüsselt. Einfach nur aus Vorsicht. Nur damit nix passieren kann. Ich will ja keine Probleme mit der Datenschutzbehörde bekommen. Willkommen in einer schönen, neuen Welt.

Autoren & Redaktion