David Stadelmann

Der 1982 geborene David Stadelmann ist in Sibratsgfäll aufgewachsen und hat nach dem Abschluss an der Handelsakademie in Bezau ein Masterstudium der Volkswirtschaftslehre und der Mathematik an der Université de Fribourg (Schweiz) absolviert. 2010 folgte die Promotion zum Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Alter von 29 Jahren wurde Stadelmann von der Universität Bayreuth zum Professor für Volkswirtschaftslehre berufen. Seit 2015 ist er Mitherausgeber der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift „Kyklos“.

 

Die Überalterung als Segen

Juli 2019

Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Auf immer weniger Beitragszahler drohen in Zukunft mehr Pensionsempfänger zu kommen. Oft wird die „Überalterung“ als nahezu unlösbares Problem dargestellt. Stattdessen sollten wir den demographischen Wandel als Segen verstehen und klug handeln. Die Bürger werden älter, weil sie länger körperlich und geistig vital bleiben. Altern heißt heute mehr gesunde Lebensjahre und ein damit verbundenes höheres Produktionspotenzial. Das bietet Chancen für unsere Gesellschaft, die durch mehr Altersarbeit zu ergreifen sind. Dabei dürfen die Alten nicht durch Regulierungen oder gar staatliche diktierte Altenquoten zur Mehrarbeit gezwungen werden. Stattdessen müssen sie für ihre Arbeit im Alter besser belohnt werden. Arbeitnehmer, die das gesetzliche Pensionsalter erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten, sollten beispielsweise nur mehr die halbe Einkommenssteuer zahlen müssen. Eine derartige Steuerreduktion setzt relevante Arbeitsanreize. Damit würde Altersarbeit attraktiver und Ältere würden weiter in berufsorientierte Bildung investieren.
Alte sind wertvolle Arbeitskräfte, wenn sie auf dem Stand der Technik bleiben und diesen mit ihrer Erfahrung kombinieren. Da sie nach Steuersenkung mehr Einkommen zur Verfügung haben, müssten sie nicht einmal mehr Vollzeit arbeiten, sondern könnten ihr Arbeitspensum leicht reduzieren. Vermutlich werden aber viele sogar freiwillig mehr arbeiten wollen. So oder so trägt jede von ihnen zusätzlich geleistete Arbeitsstunde zur Dynamik der Wirtschaft bei. Davon profitieren Alt und Jung. Zudem stiegen die Einnahmen des Staates, weil die Alten ja mehr Steuern und Abgaben leisteten, als wenn sie gar nicht mehr arbeiteten. Die Früchte der Überalterung wollen nur geerntet werden.