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Ein ambitionierter Prozess

Der Startschuss ist erfolgt, die Arbeiten unter Begleitung von Experte Klaus-Dieter Koch haben begonnen: Innerhalb der nächsten Monate soll das regionale Wertegerüst unseres Landes zu einer „Marke Vorarlberg“ verdichtet werden, die nach außen hin wirbt und nach innen hin verbindet. Markenmacher Koch sagte, dass vieles im Land zwar gut gelungen sei, die Vielschichtigkeit des Landes auf kleinstem Raum aber doch eine Herausforderung darstelle: „Es gibt genauso Industrie wie Handwerk, es gibt 17 Weltmarktführer, die aber aus unterschiedlichen Branchen kommen, es gibt Natur, Kultur und Freizeitmöglichkeiten in unterschiedlichsten Ausprägungen, man ist hier gerne bescheiden, aber genauso steht man dank exportstarker Wirtschaft für Weltoffenheit.“

Bescheiden. Und weltoffen. Es sind ja bei Weitem nicht nur die Gemeinsamkeiten, die Vorarlberg beschreiben, es sind auch Gegensätze; der Markenprozess hat die Urbanität des Landes genauso zu berücksichtigen wie seine Dörflichkeit und die exportorientierte Industrie genauso zu berühren wie das traditionelle Handwerk. Und da sind gesellschaftliche Neuerungen und Verwerfungen noch nicht einmal andiskutiert. Aus der Vielfalt des Landes das zu definieren, was uns eint, das zu finden, was die Menschen über die Grenzen der eigenen Lebensbereiche hinaus verbindet, wird Aufgabe dieses ambitionierten Prozesses sein.

Doch der Nutzen des Projektes wird noch ein ganz anderer sein – wenn in den kommenden Monaten in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert wird. Denn in einer Zeit, in der Negatives gerne überbetont und Positives mitunter geflissentlich ignoriert wird, ist es gar nicht hoch genug einzuschätzen, dass auch einmal über Vorzüge eines Landes gesprochen wird; wichtig, weil damit auch einem Paradoxon der heutigen Zeit etwas entgegengesetzt wird: Dem Wohlstandspessimismus, vieles zu haben und mit kaum etwas zufrieden zu sein. Matthias Horx, der renommierte Zukunftsforscher, hat das in einem Interview einmal so ausgedrückt: „Mitten im stabilen Wohlstand fürchtet man sich schrecklich und fühlt sich eigentlich ziemlich wohl dabei.“ Das heißt ausdrücklich nicht, Herausforderungen nicht zu thematisieren, auch das muss geschehen, auch da gibt es genug zu bereden. Wenn aber am Ende einer sachlichen Debatte um die „Marke Vorarlberg“ vielleicht auch nur ein tieferes Bewusstsein für Land und Leute und für künftige Herausforderungen Resultat sein mag, ist viel gewonnen.

07.04.2018

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Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

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