Herbert Motter

42,195 Kilometer Wertschöpfung

Oktober 2026

Der Sparkasse 3-Länder-Marathon ist längst mehr als ein Laufevent. Tausende Teilnehmer und Begleitpersonen kommen im Oktober an den Bodensee. Sie übernachten, konsumieren, kaufen ein und entdecken die Region. Damit wird aus einem Sportwochenende ein grenzüberschreitender Wirtschaftsfaktor.

Ein Marathon ist exakt 42,195 Kilometer lang. Der wirtschaftliche Fußabdruck des Sparkasse 3-Länder-Marathons reicht deutlich weiter. Wenn am 11. Oktober 2026 der Startschuss auf der Lindauer Insel fällt, beginnt nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, das Wochenende wird zur regionalen Wertschöpfung.
Die Größenordnung ist beträchtlich: Für heuer werden mehr als 16.000 Teilnehmer erwartet, viele davon aus dem Ausland. Hinzu kommen Partner, Betreuer, Familien, Freunde und Zuschauer. Die wirtschaftliche Wirkung reicht damit weit über die Veranstaltung hinaus: Hotels, Gastronomie, Handel, Verkehr, Freizeitangebote und weitere Dienstleistungen profitieren. Wer bereits am Freitag oder Samstag anreist und bis Montag bleibt, übernachtet, geht essen, nutzt Angebote vor Ort und erkundet die Region.
Für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen bedeutet das zusätzliche Nachfrage im Oktober – also in einer Phase, in der die Sommersaison bereits zu Ende geht und die Wintersaison noch nicht begonnen hat. Gleichzeitig liegt der Termin nahe dem Feiertagswochenende rund um den 3. Oktober in Deutschland. Damit schafft die Veranstaltung zusätzliche Nachfrage in einem Zeitraum, in dem die Auslastung vieler touristischer Betriebe saisonbedingt zurückgeht.
Für die Gastronomie beginnt der Effekt ebenfalls nicht erst am Renntag. Startnummernausgabe, Messe und Rahmenprogramm erzeugen bereits am Freitag und Samstag zusätzliche Frequenz. Ein auswärtiger Läufer kommt vielfach nicht allein. Auf Basis der vorliegenden Annahmen wird für 2026 mit rund 0,8 bis 1,5 Begleitpersonen pro Teilnehmer gerechnet. Bei durchschnittlichen Ausgaben von rund 120 Euro ergibt sich allein daraus ein erheblicher zusätzlicher Konsumeffekt. Insgesamt könnten damit am Marathonwochenende, je nach Abgrenzung, rund 20.000 bis 25.000 zusätzliche Gäste in der Bodenseeregion unterwegs sein.

Eine Modellrechnung mit fünf Millionen Euro
Wie groß dieser Effekt sein kann, lässt sich anhand einer Modellrechnung illustrieren. Ausgangspunkt sind die angenommene Teilnehmerstruktur und durchschnittliche Ausgaben je nach Herkunft und Aufenthaltsdauer. Bei österreichischen Teilnehmern wird überwiegend von Tagesgästen ausgegangen. Für Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz werden ein bis zwei Übernachtungen angesetzt. Internationale Gäste bleiben im Modell zwei bis vier Nächte; in Summe wird mit einer direkten touristischen Wertschöpfung von rund 5,2 Millionen Euro gerechnet.
Bei dieser Modellrechnung auf Basis der genannten Annahmen handelt es sich allerdings nicht um eine wissenschaftlich erhobene volkswirtschaftliche Wirkungsanalyse. Sie zeigt aber die Größenordnung, die sich allein aus Übernachtungen, Gastronomie, Einkäufen, Mobilität und weiteren touristischen Ausgaben ergeben kann.
Auch die Veranstaltung selbst schafft wirtschaftliche Nachfrage. Für 2026 ist ein Budget von rund 800.000 Euro vorgesehen, finanziert durch Startgelder, Sponsoring, Förderungen sowie Kooperationen mit Tourismus und Wirtschaft. Ein erheblicher Teil der Ausgaben bleibt in der Region, etwa für Veranstaltungstechnik, Sicherheitsdienste, Catering, Druck, Werbung, Transport, Zeltbau und Sanitäranlagen. Auch Feuerwehr, Rotes Kreuz und weitere Einsatzorganisationen sind eingebunden und sorgen für einen sicheren Ablauf entlang der Strecke.
Im Medienwert, der internationalen Sichtbarkeit und dem Imageeffekt liegt ein langfristiger wirtschaftlicher Effekt: Für viele auswärtige Teilnehmer wird der Marathon zum Schnupperurlaub am Bodensee. Sie erleben nicht nur die Strecke, sondern auch Bregenz, Lindau, das Rheintal und die Landschaft der Region – und kommen vielleicht als Urlaubsgäste wieder.

Internationales Standortmarketing
Mit dem Sparkasse 3-Länder-Marathon wird die Marke Bodensee über die Grenzen der Region hinaus transportiert; der Veranstalter spricht von Läuferinnen und Läufern aus mehr als 80 Nationen. Dabei ist die Streckenführung selbst ein Marketinginstrument. Ein Teilnehmer läuft innerhalb eines Rennens durch drei Staaten. Die Veranstaltung verkauft damit nicht nur einen sportlichen Wettbewerb. Sie verkauft – bewusst oder unbewusst – ein Bild der Region: international, grenzüberschreitend, landschaftlich attraktiv und verkehrstechnisch miteinander verbunden.
Das Laufevent macht sichtbar, was im Alltag längst Realität ist: Der Bodenseeraum funktioniert wirtschaftlich über Grenzen hinweg. Menschen arbeiten in einem Land und wohnen im anderen. Unternehmen rekrutieren Mitarbeitende über Grenzen. Touristen bewegen sich selbstverständlich zwischen Vorarlberg, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein. Verkehrsverbindungen, Tourismus und Handel enden nicht an den Staatsgrenzen.
Ein weiterer, schwer messbarer Faktor ist das Ehrenamt: Rund 800 freiwillige Helferinnen und Helfer sorgen entlang der Strecke, bei Verpflegungsstellen, Verkehrsmaßnahmen und in der Organisation für die reibungslose Durchführung. Würden diese Leistungen zu marktüblichen Personalkosten eingekauft, würde das Veranstaltungsbudget deutlich steigen. Der wirtschaftliche Wert des Ehrenamts liegt daher, je nach Berechnungsmethode, im hohen sechsstelligen Bereich.

Sponsoring wird zum Netzwerk
Auch für die Wirtschaftspartner ist der Marathon mehr als eine klassische Werbefläche. Ein großes Sportevent bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Marke emotional aufzuladen, Kunden einzuladen, Mitarbeiter zu motivieren und Kontakte zu knüpfen. Hinzu kommt die Gesundheitsdimension. Betriebliche Laufgruppen, Mitarbeiteraktionen und gemeinsame Teilnahmen verbinden Sport und Gesundheitsförderung mit Employer Branding. Der ursprüngliche Anlass – der Marathon – löst damit eine Kette weiterer wirtschaftlicher Aktivitäten aus. Genau darin liegt die sogenannte Umwegrentabilität: Die Veranstaltung schafft Nachfrage, die über die unmittelbaren Einnahmen des Veranstalters hinausgeht.
Der Sparkasse 3-Länder-Marathon ist damit nicht nur eine sportliche Großveranstaltung. Er ist zugleich Tourismusangebot, Standortmarketing und Netzwerkplattform. Und so wird aus 42,195 Kilometern ein regionaler Wirtschaftsfaktor, der weit über die Ziellinie hinausreicht.

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