Martin Hundertpfund

Leiter Marketing Wirtschaftskammer Vorarlberg

Die digitale Revolution und ihre Folgen

März 2015

Kommunikationswissenschaftlerin Vera Steinhäuser sagt, dass die rasante technologische Entwicklung Menschen bisher auch überfordert habe. Künftig aber würden Medien den Menschen helfen können, das soziale Gefüge am Leben zu erhalten.

Ist der digitale Wandel Fluch oder Segen?

Es ist ein beruhigendes Zeichen, dass wir uns als Gesellschaft mit diesen Fragen auseinandersetzen. Jede Form der Entwicklung sollte bewusst wahrgenommen werden, sei sie auf persönlicher Ebene oder in größeren sozialen Strukturen. Diese Form der Reflexion ist wiederum Basis für jede Form von Fortschritt.

Nichtsdestotrotz ist das eine wenig zielführende Fragestellung, die darauf abzielt, etwas als „gut“ oder „böse“ zu kategorisieren. Wie fast alles hat auch diese gesellschaftliche Bewegung Vor- und Nachteile.

Entscheidend ist, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, mit den Folge­erscheinungen des Fortschritts umzugehen. Schaffen wir es, die Möglichkeiten, die der digitale Wandel mit sich bringt, so zu nutzen, dass es zum Wohle der gesamten Gesellschaft ist, haben wir das Ziel erreicht.

Vereinsamen Menschen in der virtuellen Welt, besteht die Gefahr der sozialen Isolation?    

Noch bis vor nicht allzu langer Zeit haben wir den Terminus „Neue Medien“ sehr häufig gebraucht. Und wenn wir mal genau überlegen, ist es tatsächlich noch nicht so lange her, dass die Büros dieser Welt zum Beispiel durch Faxgeräte mehr schlecht als recht miteinander verbunden waren.

Die Entwicklung in den letzten 20 Jahren war rasant und hat in jedem Fall dazu geführt, dass wir Menschen teilweise überfordert waren und das zum Teil immer noch sind. Der Lernprozess im Zusammenhang mit den digitalen Kommunikationskanälen, der irgendwann zu einer gewissen „media literacy“ führen wird, ist noch lange nicht abgeschlossen.

Aber ich bin überzeugt davon, dass wir lernen werden, mit den Medien so umzugehen, dass sie uns in unseren verschiedenen Lebensabschnitten dienlich sein werden. Dann wird es möglich sein, dass uns Medien sogar helfen können, soziale Gefüge am Leben zu halten. Teilweise findet dies heute bereits statt, und dieser Aspekt wird in Zukunft noch stärker zum Tragen kommen. Lebensabschnitte, die geprägt sind von wenig sozialem Austausch, können durch digitale Tools sogar bereichert werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Jungmütter, die durch das Internet einerseits ein Fenster zur Außenwelt erhalten, andererseits über soziale Plattformen ganz einfach in Kontakt mit Gleichgesinnten treten können.

Nach Aussagen des deutschen Philosophen Richard David Precht steht die Revolution unserer Gesellschaft durch den rasanten digitalen Fortschritt erst am Anfang. Er wird das Leben und die Arbeitswelt radikal verändern. Wie wird die neue Arbeitswelt in Zeiten der digitalen Revolution von morgen aussehen?

Die ersten Anzeichen dieses Wandels sind bereits zu erkennen. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren bereits stark verändert. Strukturen werden flexibler, Hierarchien flacher, Zusammenarbeit ist heute schon viel mehr projektorientiert als langfristig definiert. Die Digitalisierung ist hier eher Enabler und Beschleuniger als Verursacher. Auch hier kann man zwei gegensätzliche Interpretationsstandpunkte einnehmen. Einerseits lässt sich ein Horrorszenario entwerfen, das geprägt ist von immer weniger sozialer Verantwortung seitens der Auftraggeber und den damit einhergehenden Problemen. Andererseits kann diese neue Arbeitswelt auch positiv betrachtet werden, ausgezeichnet durch mehr Flexibilität, mehr Eigenverantwortung, mehr Selbstbestimmung, weniger Druck für Auftragnehmer.

Ob man nun das Glas halb voll oder lieber halb leer betrachten möchte, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist jedoch, dass „life long learning“ tatsächlich eintreten wird. Und zwar nicht mehr als Teil der Selbstverwirklichung, sondern vielmehr als Maßnahme der Existenz­sicherung.

Müssen die Menschen Angst um ihre Arbeitsplätze haben?

Berufe verschwinden nicht, sie verändern sich. Know-how und Kompetenzen sind im stetigen Wandel, und lebenslanges Lernen wird Grundvoraussetzung sein, um beruflich am Ball zu bleiben. Anpassungsfähigkeit, geistige Beweglichkeit und der Mut zur Veränderung werden die relevanten Soft Skills der Zukunft sein.

Was zeichnet die Generation Z aus? Aus welchen Ressourcen kann sie schöpfen, um die Welt von morgen zu gestalten und womöglich zu verbessern?

Diese Generation war von Babytagen an mit digitalen Medien konfrontiert und hat damit als erste Generation die Chance, alle digitalen Werkzeuge, die wir heute bereits kennen, vollkommen unverkrampft und gänzlich natürlich einzusetzen. Besonderes Augenmerk muss man darauf setzen, dass diese Generation gewohnt ist, jede Information, die benötigt wird, jederzeit und überall zugänglich zu wissen. Dieser Umstand führt dazu, dass Lernen für diese Generation eine komplett neue Bedeutung hat und haben wird. Situatives, zweckgebundenes Lernen wird auch in unseren Bildungssystemen an Bedeutung gewinnen müssen.

Glaubt man ersten Modellen dieser Generation Z, wird diese stark individualistisch und auf hohem Aktions­niveau sehr persönliche Ziele verfolgen und dazu alle Instrumente der digitalisierten Welt nutzen. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Kombination von technologischer Möglichkeit und aufgeklärter, weltoffener Geisteshaltung diese Generation unseren Planeten noch lebenswerter gestalten wird.

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