Julia Weger

Büro „Wegweiser“ – Büro für nachhaltige Ideen. Leidenschaftliche Kommunikations- und Nachhaltigkeitsberaterin. Weger wohnt und arbeitet in Schwarzenberg.

Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Mai 2024

Ohne gute Mitarbeiter funktioniert nichts. Auch in der IT-Branche nicht. Aber auch hier ist der Fachkräftemangel eine der drängendsten Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Wer aktuell beim AMS nach einem Job in der IT sucht, findet knapp 1000 offene Stellen. Gründe dafür gibt es viele, Lösungen noch wenige. Die Firma Datenstrom geht indes neue Wege.

Dieser alarmierende Mangel an qualifizierten Fachkräften spiegelt sich nicht nur in der Vielzahl unbesetzter Stellen wider,  sondern auch in den Herausforderungen bei der Ausbildung und Rekrutierung von Talenten. Die Durchfallquote bei den Lehrabschlussprüfungen der Informationstechnologie ist ein weiteres Indiz für die Schwierigkeiten, mit denen die Branche konfrontiert ist. Im Jahr 2022 lag diese bei etwa 45 Prozent, was bedeutet, dass sich fast die Hälfte der Lehrlinge nicht qualifizieren konnte. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit und Komplexität des Problems, das es zu lösen gilt. 
Um Fachkräfte zu bekommen, geht Gregor Oliver Kolb, CTO und Gesellschafter des IT-Dienstleistungsunternehmens Datenstrom in Koblach, eigene Wege, neue Wege. „Wir wissen aus erster Hand, wie wichtig es ist, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, um Fachkräfte anzuziehen und zu halten“, sagt Kolb. Das Unternehmen Datenstrom bietet seinen Mitarbeitern deswegen „moderne Arbeitsumgebungen“, wie etwa flexible Arbeitszeiten mit der – in Österreich höchst kontrovers diskutierten – Vier-Tage-Woche. Auch soll am Firmensitz in Koblach eine eigene Feel-Good-Managerin für ein angenehmes Arbeitsklima sorgen. Zudem wird Neueinsteigern ein betriebsinterner Mentor zur Verfügung gestellt. Die Ausbildung bleibt diesen – den Wünschen der Generation Z geschuldeten Neuerungen – aber vorangestellt, und sie wird professionell betrieben, wie Kolb erklärt: „Wir haben bereits vor Jahren beschlossen, diesen entscheidenden Schritt selbst in die Hand zu nehmen, wir investieren ganz bewusst in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.“ Der hohe Druck und die Arbeitslast würden oft eine umfassende Ausbildung erschweren, berichtet der IT-Experte: „Daher müssen sich noch mehr Ausbildungsbetriebe dafür einsetzen, dass Mitarbeitern ausreichend Zeit und Ressourcen zur Verfügung stehen, um sich weiterzuentwickeln und ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können.“ 
Bei Datenstrom, betont der 34-Jährige, habe man sich für „Qualität vor Quantität“ entschieden: „Damit wir uns ausreichend Zeit für die Ausbildung nehmen können, ist die Anzahl der Lehrlinge, die wir aufnehmen, beschränkt.“ Zwei Lehrlinge werden dort aktuell ausgebildet.
In einer hauseigenen Akademie werden die Nachwuchskräfte wöchentlich in aktuellen Themen geschult, praktische Übungen sollen eine praxisnahe Ausbildung gewährleisten, die den Anforderungen der Branche gerecht wird. Durchgeführt wird all das ergänzend zur regulären Berufsschule. Und was ist mit Quereinsteigern? Auch in diesem Bereich – drei betreffende Personen werden dort zurzeit geschult – hat das Koblacher Unternehmen „spezielle Maßnahmen entwickelt“, die den Einstieg erleichtern sollen: „Wir strukturieren unser Team so, dass die Komplexität aufgesplittet wird und kleinere Wissensbereiche gebildet werden, die schnell angelernt werden können.“ Durch diese Aufteilung könne der Einzelne schneller produktiv mitarbeiten; im Laufe der Zeit kann sich dann jeder oder jede auf einen bestimmten Bereich spezialisieren: „Das ist nicht nur für uns als Unternehmen rentabel, sondern bietet auch den Mitarbeitern eine attraktive Perspektive.“ Was aber gilt über sein eigenes Unternehmen hinaus? Kolb zufolge lässt sich im Kampf gegen den steten Fachkräftemangel „nur gemeinsam eine nachhaltige und langfristige Lösung“ finden: „Insbesondere die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen ist hier wesentlich. Denn nicht immer wird an den Schulen das gelehrt, was wir Unternehmer brauchen.“
Gerade analytisches Denken sei für einen Job in der IT ausschlaggebend, sagt der Experte: „Da könnte man aus schulischer Sicht noch nachbessern. Aber das ist bei aktuell nur drei Lehrern in der Berufsschule gar nicht so leicht.“ Laut Kolb braucht es auch ein Anreizsystem und eine Lockerung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit sich Ausbildner aus der IT auch im Schulsystem wiederfinden: „Und es braucht ab dem Grundschulalter eine solide Vermittlung von Digitalisierung. Daher unterstützen wir auch aktiv die Digitalen Initiativen, die mit ihren Programmen genau hier ansetzen.“ Sein Schlusswort: „Ich bin fest davon überzeugt, dass eine starke Aus- und Weiterbildungskultur der Schlüssel zur Bewältigung des Fachkräftemangels in der IT-Branche ist. Indem wir innovative Wege gehen und kontinuierlich an unseren Maßnahmen arbeiten, sind wir nicht nur den Herausforderungen der Branche gewachsen, sondern bleiben auch langfristig erfolgreich.“

Kommentare

To prevent automated spam submissions leave this field empty.