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Energiezukunft Vorarlberg - Ein fernes Ziel

Vor acht Jahren hat sich Vorarlberg das Ziel gesetzt, bis 2050 in Energiefragen selbstbestimmt zu sein. Eine Zwischenbilanz zeigt erste Erfolge und gleichzeitig, wie beschwerlich dieser lange Weg ist.

Im Juli 2009 hat sich der Vorarlberger Landtag mit einem einstimmigen Beschluss ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Bis zum Jahr 2050 soll Vorarlberg die Energieautonomie erreicht haben. Erneuerbar statt nuklear lautete die Devise des damaligen Landeshauptmannes Herbert Sausgruber. Sein Energielandesrat Erich Schwärzler drückte es in seiner bodenständigen Art noch kämpferischer aus: „Weder die Russen noch die Ölmultis können uns die Sonne oder das Holz abdrehen.“ Energieautonomie heißt kurz gesagt, dass sich der jährliche Energieverbrauch und die Erzeugung aus erneuerbaren Energieträgern die Waage halten.

Schon in den Jahren zuvor konnte Vorarlberg trotz überdurchschnittlich hoher Wirtschaftskraft den Energieverbrauch unter dem österreichischen Mittelwert halten. Doch dann ging man einen Schritt weiter, einen wesentlichen Schritt! „Unser Ziel der Energieautonomie 2050 wird eine Kraftanstrengung. Aber man braucht ja auch große Ziele, damit man die Politik darauf ausrichtet, entsprechend ambitionierte Maßnahmen zu treffen“, sagte 2007 der damalige Landesrat Karlheinz Rüdisser. Über 40 Jahre bis zum Showdown – für eine politische Zielsetzung eine elendslange Zeit. Fraglich, wer letztendlich die Verantwortung für die Ergebnisse, die im Jahr 2050 vorliegen, trägt. Fehlprognosen werden den Treibern von damals in 33 Jahren sicher nicht mehr um die Ohren fliegen.

Unabhängig von Energieimporten zu werden: Diese Vision übt auf viele Regionen eine starke Faszination aus. Autarkie ist „in“. Kern der Konzepte ist es, den Bedarf durch regionale, erneuerbare Energieträger zu decken, Energie zu sparen und sie effizienter zu nutzen. Wer diesen Weg konsequent beschreitet, verändert das Gesicht und die Strukturen seiner Region maßgeblich. So wollen es auch die Kümmerer der Energieautonomie 2050, die auf einen völligen Verzicht fossiler Energieimporte abzielen. Dies ist in etwa gleichbedeutend mit den Zielen des Pariser Übereinkommens zum Klimaschutz des Jahres 2015, welches das Ende des fossilen Zeitalters eingeläutet hat.

Dem Beschluss in Vorarlberg ging ein Visionsprozess voraus. Über 100 Personen beteiligten sich daran und fragten sich: „Wie können wir das aktuelle Komfort-, Dienstleistungs- und Produktionsniveau in Vorarlberg erhalten, wenn das Angebot an billigen Energieträgern abnimmt und der globale Klimawandel eine massive Reduktion der CO2-Emissionen verlangt?“ Basis des Visionsprozesses war also, Vorarlbergs Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger zu stützen und weitestgehend zu dekarbonisieren. Zwar wurde eruiert, dass die Energieautonomie mit den bereits 2007 verfügbaren Technologien grundsätzlich möglich wäre, doch schnell wurde klar, dass dies nicht reichen wird, vielmehr musste an der Haltung der Menschen gegenüber der Umwelt und den Ressourcen gearbeitet werden. Maßnahmen wie die Energiesparoffensive, der Aufbau einer Modellregion für Elektromobilität oder Tauschaktionen für alte Heizsysteme und Elektrogräte liefen parallel zum eigentlichen Prozess.

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima war eben erst passiert. Diese bestärkte die Politik im Lande zwei Jahre nach dem Landtagsbeschluss, eine regionale, eigenverantwortliche Antwort auf globale Geschehnisse zu geben. Aufbauend auf den Ergebnissen des Visionsprozesses und dem Landtagsbeschluss zur Energieautonomie fanden sich in den Jahren 2010 und 2011 rund 60 Experten zur Maßnahmenplanung der Energieautonomie zusammen. In vier Arbeitsgruppen zu den Themen Erneuerbare Energie, Industrie und Gewerbe, Gebäude sowie Mobilität und Raumplanung wurden 101 enkeltaugliche Maßnahmen mit einem Umsetzungshorizont bis 2020 erarbeitet. „Dieser Maßnahmenplan befindet sich im Moment in Umsetzung und wurde ebenfalls vom Landtag einstimmig beschlossen. Ein weiterer einstimmiger Landtagsbeschluss bezüglich Ausbau der Wasserkraft wurde ebenfalls beschlossen“, erklärt Christian Vögel, Leiter des Fachbereichs Energie und Klimaschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung, und sagt weiter: „Vorarl­berg war mit dem Beschluss der Energieautonomie Vorreiter. Das Pariser Abkommen, das im CO2-Bereich praktisch auf dieselben Ziele hinausläuft, wurde von der Staatengemeinschaft deutlich später beschlossen.“

Eckpunkte aus dem Maßnahmenpaket (jeweils im Jahr 2020 gegenüber dem Basisjahr 2005) lauteten wie folgt: Bis 2020 sollen der Radanteil an den Wegen bis zehn Kilometer auf 20 Prozent und der Schienenanteil im Ziel- und Quellverkehr von 22 auf 30 Prozent gesteigert werden. Produzierende Industrie und Gewerbe bekannten sich zu einer jährlichen Effizienzsteigerung um ein Prozent. Die Gebäudesanierungsrate von rund drei Prozent soll gehalten werden, was einer Reduzierung des Energieverbrauchs für Raumwärme um durchschnittlich 20 Prozent bedeuten würde. Bis 2020 will man zusätzlich 35 Gigawattstunden Strom aus Photovoltaik erzeugen. Gesamt gesehen sollten bis 2020 der Energieverbrauch um insgesamt 15 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden. Die CO2-Emissionen sollten in diesem Zeitraum um 18 Prozent sinken. Den Anteil der erneuerbaren Energieträger um etwa 18 Prozent auszubauen, war eine weitere Zielvorgabe.

Zwischenstand 2017

Mittels jährlichem Monitoring erfolgte die quantitative Verfolgung der Ziele. Heute, 2017, weiß man nun schon mehr, ob die Zielsetzungen realistisch oder einfach nur utopisch waren. Gemäß neuesten verfügbaren Energiedaten nahm der Endenergieverbrauch von 9486 Gigawattstunden im Ausgangsjahr der Energieautonomie 2005 auf 9555 Gigawattstunden im Jahr 2015 minimal zu – um 0,7 Prozent. Größter Verbraucher 2015 war der Gebäudebereich (39 Prozent), gefolgt vom Verkehr (29 Prozent) und der Industrie (24 Prozent).

Damit konnte der Endenergieverbrauch zwar einigermaßen stabilisiert, aber nicht wie erhofft gesenkt werden. Bedenkt man aber die dynamische Entwicklung von 2005 bis 2015 des Landes, ist das Ergebnis beim Verbrauch gar nicht mal so schlecht. Um 5,2 Prozent wuchs die Bevölkerung, die gesamte Gebäudefläche um elf Prozent, gar um 14 Prozent die Wohnfläche. Die Anzahl der Pkw stieg um 20 Prozent von rund 170.000 auf über 200.000. Und auch Vor­arlbergs Wirtschaft legte zu: Sie konnte ihre Bruttowertschöpfung – das ist der Gesamtwert aller produzierten Waren und Dienstleistungen abzüglich der sogenannten Vorleistungen (alle Waren und Dienstleistungen, die während der Produktion verarbeitet oder verbraucht wurden) – von 10,2 auf 14,3 Milliarden Euro steigern. Anders ausgedrückt, die Wirtschaft produziert heute um ein Drittel effizienter als noch vor zehn Jahren. Der Energieverbrauch des Sektors Industrie und Gewerbe nahm im Zeitraum 2005 bis 2015 zwar um fünf Prozent zu, unter Berücksichtigung der überproportionalen Steigerung des Produktionsindex wurde das angepeilte Ziel aber eingehalten. Man mag der Wirtschaft nun vorwerfen, sich eher bescheidene Ziele gesetzt zu haben, aber zumindest waren sie im Gegensatz zu anderen Bereichen realistisch und nicht illusorisch.

Im Beobachtungszeitraum wurde der Einsatz von Öl fast halbiert, Kohle hat praktisch keine Bedeutung mehr, während der Einsatz von Erdgas konstant blieb. Dafür stieg der Anteil erneuerbarer Energie (laut EU-Definition) von rund 30 auf fast 40 Prozent. Dies gelang insbesondere durch den Ausbau der biogenen Fernwärmenetze sowie der Photovoltaik und Solarthermie. Vorarlberg ist mit diesem Wert im europäischen Vergleich ganz vorne dabei. Österreichweit liegt der Anteil bei 33, der viertbeste Wert innerhalb der EU. Nur Lettland (37,6 Prozent), Finnland (39,3 Prozent) und Schweden mit über 50 Prozent schneiden besser ab. Als Folge des massiven Rückgangs beim Öl und dessen Ersatz durch erneuerbare Energieträger haben die Energiebedingten CO2-Emissionen in Vorarlberg im Zeitraum von 2005 bis 2015 um 10,6 Prozent abgenommen – von 1,69 auf 1,51 Millionen Tonnen pro Jahr. So beträgt der Anteil an den gesamten nationalen Treibhausgas-Emissionen trotz der überaus dynamischen Wirtschaftsentwicklung lediglich zwei Prozent. 43 Prozent der CO2-Emissionen stammen vom Bereich Mobilität, 35 Prozent vom Sektor Gebäude und 20 Prozent werden von der Industrie verursacht. Maßnahmen zu verbesserten Gebäudedämmung zahlen sich nun aus.
Beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Senkung des CO2-Ausstoßes konnten die Etappenziele der Energieautonomie Vorarlberg bisher erreicht werden. Verfehlt wurden sie beim Energieverbrauch und vor allem beim Sorgenkind Nummer eins, dem Bereich Mobilität. Soweit die nackten Zahlen.

Mit Blick auf die Klimaziele von Paris und der Energieautonomie 2050 hat das Umweltbundesamt die Maßnahmen der Energieautonomie auf ihre Wirksamkeit bis 2020 überprüft. „Gemäß den Szenarien des Umweltbundesamts sind die für das Jahr 2020 angepeilten CO2-Ziele voraussichtlich erreichbar, während eine tatsächliche Senkung des Energieverbrauchs zusätzliche Maßnahmen erfordert. Eine große Herausforderung ist und bleibt der Sektor Mobilität. Hier haben sowohl der Energieverbrauch und – als einziger Bereich – auch der CO2-Ausstoß weiter zugenommen“, weiß Vögel zum einen um mögliche Zielrealisierungen und zum anderen um die Problemfelder. „Der Schlüssel liegt in diesem Bereich in einer Kombination aus Verhaltensänderung, Verlagerung auf den ÖPNV und neuen Technologien wie der Elektromobilität.“

Exkurs Elektromobilität

Bei einem Traumauto denken viele Menschen an Beschleunigung, Design oder vielleicht möglichst geringen Spritverbrauch. Spezialisten kommt aber anderes in den Sinn: die Batterie. Sie ist eine Schlüsselfunktion in der Elektromobilität von morgen. Akribisch wird weltweit an besseren Akku-Modellen gearbeitet. Seit 2009 hat sich die Reichweite der Elektrofahrzeuge von 180 auf über 400 Kilometer erhöht. Unser Land arbeitet auch hier konsequent an seinem Status. 2008 wurde Vorarlberg mit Unterstützung des Klima- und Energiefonds zu Österreichs erster Modellregion für E-Mobilität und Vorzeigeregion in ganz Europa. 2,4 beträgt inzwischen der Anteil an den Gesamtzulassungen 2017. Das ist, auch wenn es sich noch recht bescheiden darstellt, mit gehörigem Abstand der höchste Wert in ganz Österreich. Salzburg folgt mit 1,5 Prozent auf Platz zwei.

Bis Ende 2017 soll der Fahrzeugbestand an Elektrofahrzeugen in Vorarlberg jedenfalls deutlich erhöht werden. Ziel bleiben 10.000 Fahrzeuge im Jahr 2020. Dazu wären pro Jahr rund 20 Gigawattstunden zusätzlicher Strom erforderlich. Zum Vergleich: Das neue Kraftwerk Illspitz erzeugt 28 Gigawattstunden pro Jahr. Von 2015 auf 2016 konnte die Anzahl der Neuzulassungen von 100 auf 350 mehr als verdreifacht werden. Seit März 2017 werden im Rahmen der Bundesförderung österreichweit neue Mittel in Höhe von 72 Millionen Euro für die Elektromobilität zur Verfügung gestellt. Landesrat Erich Schwärzler möchte von diesen Mitteln möglichst viel nach Vorarlberg holen: „2017 erhoffen wir uns annähernd eine Verdoppelung der Zulassungszahlen von 350 auf 700 und wir wollen die Praxistauglichkeit der Elektromobilität noch weiter erhöhen.“ Würden alle 200.000 Pkw in Vorarlberg elektrisch fahren, ergebe dies ein Plus an Stromverbrauch von 15 Prozent. Ein Plus, das sich anderswo wieder rechnet, denn im Vergleich zu einem herkömmlichen Pkw verbraucht ein Elektroauto nur rund ein Drittel der Energie eines vergleichbaren Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor.

„Erreichen wir die Energieautonomie“, meint Energieexperte Vögel, „leisten wir auch unseren Beitrag zum Pariser Abkommen.“ Aus diesem sind die EU-Ziele und daraus die nationalen Ziele abgeleitet. Grundlage für die Berechnung der weltweiten Ziele beziehungsweise „Absenkpfade“ sind die Ergebnisse der Klimaforschung. Zur weltweiten Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels darf nur noch eine bestimmte Menge CO2 in der Atmosphäre „deponiert“ werden („weltweites CO2-Budget“ rund 800 Gigatonnen CO2). „Wird diese Menge überschritten, kann die Zwei-Grad-Grenze nicht gehalten werden“, sagt Christian Vögel.

Liegt die Zukunft im Strom?

Seit Langem wird dem Strom eine große Zukunft vorhergesagt. Heute sind viele aus der „Energiewende-Bewegung“ überzeugt, dass die gar nicht so ferne Zukunft eine „All-elektrische“ sein werde. Möglich, und – unter der Voraussetzung, dass der Strom fast nur aus erneuerbaren Quellen kommt – auch wünschenswert. Aber ist das realistisch beziehungsweise gar ein Selbstläufer? Energiegewinnung durch Sonne und Wind ist jedenfalls nicht steuerbar. Deshalb gelten Pumpspeicherkraftwerke als beste Lösung, um Energieüberschuss und -knappheit auszugleichen. Damit hat Österreich als Wasserkraftland die Chance, als „Speicher“ für einen europäischen Energieraum zu fungieren. Doch selbst der Ausbau der Wasserkraft, ein klares Bestreben im Rahmen der Energieautonomie, hat seine Kehrseite. Die Bewirtschaftung eines Großteils der Vorarlberger Gewässer zur Energiegewinnung greift nachteilig in sensible Ökosysteme ein. Auch Windenergieanlagen kann man nicht verstecken. Seit Jahren regt sich in Politik und Bevölkerung Widerstand etwa gegen das geplante Windkraft-Projekt am Pfänderrücken. Weil die Eingriffe ins Landschaftsbild gravierend sind und die Rentabilität der Anlagen eher gering ist, gibt es viele kritische Stimmen.

Und es sind die sozialen Aspekte, die beim gepriesenen Energiewandel gerne missachtet werden. Erneuerbare Energien und energetische Sanierung haben ihren Preis. Eine Dämmung will vorgenommen, die zugigen Altbaufenster müssen ausgetauscht, die Durchlauferhitzer durch energiesparende Alternativen ersetzt werden – unter anderem. Das kann schon ins Geld gehen. Schon jetzt sehen sich die Kunden durch die Implementierung kostenintensiver Stromproduktionstechnologien (vor allem Photovoltaik und Windkraft), die für eine Markteinführung Förderungen benötigen, mit höheren Ausgaben für ihren Stromverbrauch konfrontiert. Auch die Forcierung des Ausbaus dezentraler Stromproduktionsanlagen sowie der dadurch erforderliche Netzausbau müssen finanziert werden. Höchst dubios kommt allerdings aktuell eine Petition von elf Vorarlberger Gemeinden daher, die eine Energie- und CO2-Abgabe für die leistungsgebundenen Energieträger Strom und Gas fordern. Im Endeffekt nichts anderes als eine weitere versteckte Steuer. Zugegebenermaßen werden in solchen Diskussionen indirekte Effekte wie Umwelt- oder Gesundheitsauswirkungen oder eine geringere Verletzlichkeit gegenüber steigenden Preisen fossiler Energieträger meist vernachlässigt.
Natürlich können wir alle, abgesehen von Steuerleistungen, etwas beitragen. Auch kleine Schritte haben in Summe großes Einsparungspotenzial: Das Senken der Raumtemperatur um ein Grad kann die Heizkosten um etwa sechs Prozent senken. Am meisten kann durch thermische Sanierungsmaßnahmen von älteren Wohnungen sowie Eigenheimen und natürlich durch unser mobiles Verhalten eingespart werden. Die Krux dabei: die geringen Energiepreise. Sie sind aktuell kein Anreiz, um Energie zu sparen.

Energie und Strom haben uns frei gemacht von schwerer körperlicher Arbeit und manueller Stumpfsinnigkeit, sie haben geholfen, die Produktivität und damit unseren materiellen Wohlstand zu steigern. Elektrische Energie wurde zum Motor eines Wirtschaftswunders, Symbol für Fortschritt, Wohlstand und gesunde Lebensumstände. Noch heute ist eine preisgünstige und zuverlässige Stromversorgung der Garant für wirtschaftliches Vorankommen. Doch es zeigt sich immer mehr, dass ein kompletter Umstieg auf regenerative Energien wiederum nur mit weiterem Wachstum möglich ist, was die Kritiker von Wirtschaftswachstum an sich gern ignorieren. „Effizienz alleine genügt nicht! Es geht um absolute Verbrauchsreduktionen! Ob das mit dem Wirtschaftswachstum vereinbar ist? Bisher ist in noch keinem Land mit relevantem BIP-Wachstum der Energie- oder Rohstoff- oder Bodenverbrauch tatsächlich absolut gesunken“, schreibt Michael Cerveny vom „Energy Center Wien“ in einem Kommentar für das Vorarlberger Energieinstitut.
Der Energieanalyst des Deutschen Arbeitgeberverbandes, Björn Peter, hält dagegen: „Besonders problematisch ist die Idee, dass wir die Energiewende retten könnten, indem wir künftigen Generationen vorschreiben, dass sie nur noch die Hälfte der Energie verbrauchen dürfen, die wir für uns in Anspruch nehmen. Dieses Konzept speist sich aus der zutreffenden Erkenntnis, dass die Energiewende mit Solar- und Windenergie nicht zu bewerkstelligen ist. Nun wird nach neuen Ideen gesucht.“

Die Forderung nach einer drastischen Einschränkung des Energieverbrauchs würde also bedeuten, dass spätere Generationen von Chancen aus künftigen technologischen Entwicklungen abgeschnitten würden. Peters: „Woher nehmen wir aber das Recht, unseren Enkeln solche Einschränkungen ihrer Art zu leben aufzubürden? Hoimar von Ditfurths Glaube, dass sich die Menschheit zu anderen Sternen aufmachen wird, wird sich ohne die Erschließung neuer Energiequellen nicht umsetzen lassen. Machen wir uns auf die Suche.“

 

Sichtbare Erfolge Energieautonomie:

Photovoltaik: Seit 2009 wurden rund 365.000 m2 Photovoltaikfläche installiert bzw. durchschnittlich 60.000 m2 pro Jahr

Solarwärme: Von 2005 bis 2015 wurden insgesamt rund 200.000 m2 an Solarkollektor-Fläche neu gebaut. Im Jahr 2015 betrug die Solarkollektorfläche in Vorarlberg insgesamt rund 350.000 m2 bzw. 0,93 m2 pro Kopf.

Wasserkraft: Seit 2009 wurden 18 Wasserkraftwerke mit einem Regelarbeitsvermögen von 96 GWh genehmigt.

Biomasse-Nahwärme: In Vorarlberg sind rund 125 Biomasse-Heizkraftwerke in Betrieb, welche insgesamt mehr als 4000 Objekte mit umweltfreundlicher Wärme versorgen.

Im Jahr 2015 waren im Bereich der Strom­produktion aus heimischen erneuerbaren Energiequellen rund 5000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 2,2 Gigawatt in Betrieb.

04.11.2017

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