Faktisch ist jeder Lebensmitteleinkauf ein Produktionsauftrag, den jede/jeder persönlich vergibt. Meistens unter Zeitdruck und „werbemanipuliert“ werden die regionalen und globalen Auswirkungen der Auftragsvergabe ausgeblendet. Statistisch wird zu viel und zu teuer eingekauft, und danach werden 30 Prozent im Müll entsorgt. Zynisch ergänzt wird die Ernährungsthematik durch steigende Unverträglichkeiten, den Proteinhype, ultraprozessierte Nahrungsmittel und wachsende Fastfoodketten. Das Thema Ernährung krankt meines Erachtens daran, dass die Gesellschaft den gesunden und natürlichen Zugang zum Essen verliert. Ein Beweis ist, dass nur 11,6 Prozent der Haushaltsausgaben für Lebensmittel ausgegeben werden. Garantiert werden die restlichen 88,4 Prozent für andere lebensnotwendige Anschaffungen verwendet. Zudem steigt der Preisdruck auf die Lebensmittelproduzenten, und dies trifft die Landwirte besonders hart. Über die Folgen eines lokalen Bauernsterbens müssen wir rasch nachdenken! Es scheint, dass wir das gesunde Essen im Alltag nicht mehr als unsere Lebens- und Energiequelle würdigen, sondern unsere Lebensmittel zum seelenlosen Gebrauchsartikel für die schnelle Sättigung degradiert haben. Dadurch entwürdigen wir auch Pflanzen und Tiere, die diesbezüglich als Quelle dienen. Es wäre aber falsch, die Schuld allein der Politik, der Industrie oder den Supermärkten zuzuschieben. Wir alle entscheiden täglich, und könnten uns für die Mahlzeiten und die Auswahl unseres „Treibstoffes“ mehr Zeit nehmen. Wir alle könnten täglich prüfen, ob hochindustrielle Produkte günstiger sind als frische, saisonale, regionale oder selbst zubereitete Lebensmittel. Zugegeben müssten wir mehr Zeit in die Beschaffung und die Bevorratung investieren. Übrigens: Ernährungssicherheit ist eine lokale Verantwortung!
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