Daniela Vonbun-Häusle

Redakteurin Thema Vorarlberg (daniela.vonbun@themavorarlberg.at)

Vorarlberg ist gut versorgt

Mai 2026

Vorarlbergs Nahversorger bieten ein gutes Netz und eine hohe Qualität mit einer guten Erreichbarkeit von 79 Prozent. Dennoch zeigen sich erste Lücken.

Wer in Vorarlberg Lebensmittel einkauft, profitiert von einer Nahversorgung, die im Bundesvergleich hervorragend aufgestellt ist. Das zeigt die aktuelle Strukturerhebung des Vorarlberger Lebensmitteleinzelhandels deutlich: Trotz einzelner Herausforderungen funktioniert die Versorgung im Land flächendeckend und auf hohem Niveau.
Eine zentrale Botschaft vorweg: Weniger als zehn Prozent der Bevölkerung leben in Gemeinden ohne Lebensmittelhändler im eigenen Wohnort. Damit liegt Vorarlberg österreichweit in einer Spitzenposition. Zum Vergleich: Im Burgenland betrifft das mehr als 30 Prozent der Bevölkerung, in Tirol und Salzburg jeweils über 20 Prozent. Diese Zahlen zeigen, wie gut die Lebensmittel-Nahversorgung im Land nach wie vor funktioniert. Vorarlberger Gemeinden ohne Lebensmittelgeschäft: Eichenberg, Möggers, Reuthe, Dünserberg, Fraxern, Röns, Lorüns, Stallehr, St. Anton im Montafon, Laterns, Bildstein und Hohenweiler. Zwölf an der Zahl. Die Zahl der Gemeinden ist gegenüber den Vorjahren gestiegen und wird aufmerksam beobachtet. Gleichzeitig verfügen 44 der insgesamt 96 politisch selbständigen Gemeinden über genau ein Lebensmittelgeschäft. In diesen Orten wird das Angebot durch Metzgereien, Bäckereien oder auch Tankstellen ergänzt. Gerade solche Einzelbetriebe übernehmen eine besonders wichtige Funktion: Sie sichern Versorgung, stärken Ortskerne und sind vielerorts sozialer Treffpunkt.
 
Hohe Erreichbarkeit – Stärke Vorarlbergs
Die Erreichbarkeit von Lebensmittelgeschäften ist weiterhin auf einem sehr hohen Niveau: Für 79 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung ist ein Geschäft innerhalb von einem Kilometer beziehungsweise zwölf Gehminuten erreichbar. Mit dem Fahrrad erhöht sich dieser Anteil auf 98 Prozent. 416.136 Einwohnern stehen somit wohnortnah Lebensmittelhändler zur Verfügung – ein dichtes Netz, das sich über alle Regionen des Landes spannt. Besonders hoch ist die Versorgungsdichte in den Ballungsräumen, während ländliche Regionen zunehmend unter Druck geraten. Sichtbar wird das in den Talschaften: Im Rheintal sichern 129 Lebensmittelhändler – inklusive Diskonter – die Versorgung, im Bregenzerwald sind es 30, im Walgau 22 und im Montafon 14. Jeweils sieben Geschäfte bestehen im Großen Walsertal und im Leiblachtal, je fünf im Brandnertal und im Kleinwalsertal. Im Klostertal sorgen vier Standorte für Versorgung, im Arlberggebiet drei. Diese regionale Verteilung zeigt: Auch in topografisch anspruchsvollen Räumen ist Nahversorgung in Vorarlberg keine Selbstverständlichkeit, sondern gelebte Realität. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Bezirksebene: 82 Geschäfte gibt es im Bezirk Bregenz, 55 im Bezirk Feldkirch, 47 im Bezirk Bludenz und 42 im Bezirk Dornbirn. Dahinter steht nicht nur ein leistungsfähiger Handel, sondern auch ein bewährtes Zusammenspiel aus privaten Betrieben, regionaler Verankerung und gezielter Unterstützung für besonders wichtige Nahversorgungsstandorte.
 
Orte des sozialen Lebens
Die Strukturerhebung macht aber auch deutlich: Versorgung bedeutet heute mehr als reine Standortzahlen. Gerade kleinere Geschäfte in Gemeinden mit nur einem Anbieter übernehmen oft weit mehr als eine wirtschaftliche Funktion. Sie sind soziale Infrastruktur, sichern Lebensqualität und tragen dazu bei, dass Gemeinden attraktiv und lebendig bleiben. Auch deshalb ist der Vorarlberger Lebensmittelhandel mehr als nur Nahversorger. Mit seinen Kaufleuten, Märkten und regionalen Strukturen ist er ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gefüges im Land. Dass dieses System funktioniert, zeigt sich vor allem im Österreich-Vergleich. Natürlich gibt es Herausforderungen. Vom Strukturwandel bis zur Sicherung kleiner Standorte in peripheren Lagen. Doch das Grundbild ist erfreulich: Vorarlberg verfügt weiterhin über eine starke, breit aufgestellte und im Bundesvergleich überdurchschnittlich gute Lebensmittel-Nahversorgung. Oder anders gesagt: Wir können in Vorarlberg zufrieden sein. Die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert – flächendeckend, regional verankert und nah bei den Menschen. Gerade in Zeiten, in denen Versorgungssicherheit wieder stärker ins Bewusstsein rückt, ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern ein großer Standortvorteil.

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