Daniela Vonbun-Häusle

Redakteurin Thema Vorarlberg (daniela.vonbun@themavorarlberg.at)

Großes Potenzial vor der Haustür

Februar 2026

Freizeit- und Naherholungstourismus in Vorarlberg: Rund 40 bis 50 Prozent der Tagesgäste stammen aus Vorarlberg selbst. Kombi-Angebote werden stark nachgefragt.

Der Freizeit- und Naherholungstourismus spielt für Vorarlberg eine deutlich größere Rolle als bisher angenommen. Rund 7,5 Millionen Tagesgäste sind jährlich im Land unterwegs und geben dabei insgesamt etwa 400 Millionen Euro aus. Das entspricht rund 20 Prozent des gesamten touristischen Konsums. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Vorarlberg Tourismus beauftragte Studie der Universität St. Gallen, die den Tagestourismus erstmals systematisch untersucht hat. Damit erreicht der Freizeit- und Naherholungstourismus nahezu die Dimension des Übernachtungstourismus, der im Jahr 2024 rund 9,3 Millionen Nächtigungen verzeichnete. Auffällig ist dabei die starke regionale Verankerung: Rund 40 bis 50 Prozent der Tagesgäste stammen aus Vorarlberg selbst, weitere 30 Prozent aus Süddeutschland sowie 20 Prozent aus der Ostschweiz und Liechtenstein. Der hohe Anteil einheimischer Gäste unterstreicht die Bedeutung touristischer Angebote nicht nur für Besucher, sondern auch für die Lebensqualität der Bevölkerung.
Aus regionaler Sicht konzentriert sich der Tagestourismus besonders auf die Region Bodensee-Vorarlberg, welche sich geografisch vom Bodensee über das Rheintal bis in den Walgau erstreckt. Auf diese Region entfällt knapp ein Drittel aller Tagesgäste. Insgesamt zeigt sich ein klares Sommerübergewicht: Während im Sommer rund 4,8 Millionen Tagesgäste gezählt werden, sind es im Winter 2,7 Millionen. Die Motive unterscheiden sich entsprechend stark. Im Winter dominiert der Wintersport, im Sommer hingegen verbindet der Tagesgast häufig mehrere Aktivitäten – vom Bergerlebnis über Städtebesuche bis hin zu Kunst, Kultur und Veranstaltungen oder Freizeitangeboten am Bodensee. Besonders stark frequentiert werden Seilbahnen, die im Tourismusjahr 2023/24 insgesamt 5,8 Millionen Fahrgäste beförderten. Der Anteil der Tagesgäste liegt im Winter weit über der Hälfte. Auch Museen, Kultur- und Sportveranstaltungen profitieren in hohem Maß vom Tagestourismus: Bei Museen machen Tagesgäste teils mehr als zwei Drittel der Besucher aus, bei einzelnen Veranstaltungen liegt der Anteil noch deutlich höher. Durch diese Studie lässt sich sehr gut ablesen, in welch hoher Lebensqualität die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger leben. Die hohen Frequenzen der Tagesgäste tragen außerordentlich zur Finanzierung und ganzjährigen Auslastung der touristischen Infrastruktur bei.
Ein zentrales Kriterium für die Wahl des Ausflugsziels ist die Erreichbarkeit. Vor allem Gäste aus Süddeutschland nehmen im Winter Anfahrtszeiten von bis zu zweieinhalb Stunden in Kauf, während Gäste aus der Schweiz kürzere Distanzen bevorzugen. Sie sind zu einer maximalen Anreisezeit von 90 Minuten bereit (in der Studie wurde Zürich als Abreiseort fixiert). Daraus ergeben sich klare Unterschiede in der Marktbearbeitung. Folglich sind Marketingaktivitäten für den Winter in Süddeutschland vielversprechender als auf dem Schweizer Markt. Im Sommer ist Vorarlberg hingegen auch für Schweizer Tagesgäste ein attraktives Ziel. Die Studie identifiziert mehrere Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung: Kombi-Angebote, eine stärkere Verknüpfung von Freizeit- und Mobilitätsangeboten sowie eine ganzjährige Kommunikation können dazu beitragen, die Wertschöpfung zu erhöhen und Besucherströme besser zu steuern. Somit können die Saisonspitzen entzerrt und, wo möglich, die Nebensaisonen besser ausgelastet werden. „Die Kommunikation an Einheimische und an Tagesgäste aus dem Grenzraum ist nicht nur Aufgabe der Tourismusorganisationen, sondern der gesamten Branche“, betont Studienautor Roland Scherer. Insbesondere integrierte Bus- und Bahnangebote spielen dabei eine wichtige Rolle, da Sommergäste häufig mehrere Ziele an einem Tag ansteuern. 
Ein wichtiges Anliegen von Vorarlberg Tourismus ist, die Wertschöpfung in Zukunft zu steigern, nicht jedoch die Besucherzahl. Die Zielgruppen sind bereit, für hochwertige Angebote mehr Geld auszugeben, dazu brauchen sie jedoch Inspiration, Information und Service, was die Legitimation der Kombiangebote unterstützt. Und selbstverständlich müssen diese Angebote digital verfügbar und sichtbar sein. Als Instrument zur zeitlichen und räumlichen Lenkung hat sich die V-Card als Erfolgsprodukt etabliert. Sie umfasst aktuell mehr als 90 Ausflugsziele. Eine mögliche Ausweitung auf das gesamte Jahr wird geprüft. Über die V-Card werden alle Gäste konsequent über die Anreisemöglichkeiten mit Bus und Bahn informiert. Laut Gästebefragungen verfügt Vorarlberg – nach Wien – über das österreichweit beste öffentliche Verkehrsnetz. Damit kann in Vorarlberg gepunktet werden. Ergänzend empfiehlt die Studie, Daten aus unterschiedlichen Quellen systematisch zu sammeln, zu ergänzen und zusammenzuführen, um den Tagestourismus langfristig beobachten und im Sinne der Bevölkerung nachhaltig gestalten zu können.

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