
„Hätte positive Effekte für zentrale Bereiche der Vorarlberger Wirtschaft“
Die Wirtschaftskammer Vorarlberg vertritt im UVP-Verfahren als Standortanwalt die öffentlichen Interessen, die für die Verwirklichung des Vorhabens sprechen. WKV-Standortanwältin Laura Brugger-Braun spricht im Interview über die positiven Effekte, die eine Realisierung des Rondo-Reststoffkraftwerks in Frastanz mit sich bringen würde.
Was plant die Rondo Ganahl AG?
Die Rondo Ganahl AG plant die Errichtung und den Betrieb einer Energiezentrale mit einer KWK-Anlage (Kraft-Wärme-Kopplung) sowie einem Reservekessel. Die KWK-Anlage soll als Abfallmitverbrennungsanlage mit einer Gesamtbrennstoffwärmeleistung von maximal 41 MW ausgeführt werden. Die Energiezentrale soll direkt an das Werk angebunden werden und so den innerbetrieblichen Energiebedarf decken. Zudem kann die Energie in Form von Dampf, Strom, Heißwasser und Fernwärme für externe Abnehmer bereitgestellt werden.
Die Papierproduktion ist energieintensiv …
Die Papierherstellung zählt zu den energieintensivsten Industriezweigen und ist daher besonders von den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Energiepreisen betroffen. In Kombination mit den im internationalen Vergleich hohen Arbeitskosten hat sich die Kostenbelastung für energieintensive Branchen in Österreich deutlich verschärft. Diese Entwicklung hat bereits dazu geführt, dass insbesondere im produzierenden Bereich vermehrt Produktionsverlagerungen zu beobachten sind. Auch Betriebsstilllegungen, Produktionseinschränkungen sowie die Abwanderung von Unternehmen oder deren energieintensiven Betriebsteilen sind zunehmend feststellbar und verdeutlichen den wachsenden Anpassungsdruck auf den Industriestandort Österreich, beziehungsweise im konkreten Fall Vorarlberg. Die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes steht also zunehmend unter Druck und die Sicherstellung verlässlicher, planbarer und wettbewerbsfähiger Energiepreise ist zu einem zentralen Standortfaktor geworden.
Rondo will in sein Kraftwerksprojekt 110 Millionen Euro investieren. Was würde dieses Investment dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg an zusätzlicher Bruttowertschöpfung bringen?
Die mit dem Vorhaben verbundenen Investitionen entfalten erhebliche volkswirtschaftliche Effekte. In Vorarlberg werden mit der Realisierung des Vorhabens zusätzliche Wertschöpfungseffekte von rund 20 Millionen Euro generiert, wobei ein wesentlicher Anteil direkt aus dem Projekt stammt und weitere Impulse über Zulieferungen und Konsumausgaben ausgelöst werden. Die positiven Effekte erstrecken sich über zentrale Bereiche der Vorarlberger Wirtschaft, insbesondere auf Industrie, Bau- und Energiesektor. Darüber hinaus profitieren auch kleinere sowie dienstleistungsnahe Branchen und es wird eine breite wirtschaftliche Wirkung im Land erzielt. Im laufenden Betrieb sind die volkswirtschaftlichen Effekte nicht zu unterschätzen: So bringt der Betrieb des Reststoffkraftwerks eine jährliche gesamte Bruttowertschöpfung in Vorarlberg von mehr als 11 Millionen Euro im Energiesektor und die öffentlichen Abgaben und Steuern summieren sich jährlich auf insgesamt über 27 Millionen Euro.
Was ist in Sachen Umwelt- und Klimaschutz zu sagen?
Aus abfallwirtschaftlicher Sicht besteht ein klares öffentliches Interesse an der Realisierung des Vorhabens, auch wenn die Anlage keine gemischten Siedlungsabfälle einsetzen wird. Die thermische Behandlung von vorsortierten gewerblichen Reststoffen in modernen Anlagen gewährleistet eine sichere und umweltgerechte Entsorgung und trägt als Teil der Kreislaufwirtschaft auch zur Energieversorgung bei. Derzeit werden diese Abfälle in erheblicher Menge über weite Distanzen – etwa in die Schweiz oder in östliche Regionen – verbracht. Eine regionale Behandlung reduziert diese Transporte deutlich und trägt auch zur Erfüllung der Anforderungen an die Abfallverbringung bei.
Vielen Dank für das Gespräch!






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