Unser Land gilt seit Jahren als Vorreiter, wenn es um gemeindeübergreifende Zusammenarbeit geht. Ob etwa im Finanzbereich, Baurecht oder in der Abwasserbeseitigung – viele verschiedene Kooperationen je Gemeinde sind längst gelebte Praxis und der Vorarlberger Lösungsweg im Umgang mit kleinteiligen Strukturen. Darauf sind wir zu Recht stolz. Doch genau dieser Erfolg wirft neue Fragen auf: Wenn Zusammenarbeit in so vielen Bereichen funktioniert, warum endet der Mut oft genau dort, wo der nächste logische Schritt beginnen könnte? Wir kommen der Aushöhlung von Gemeinden immer näher. Mit hohem Abstimmungs- und Koordinationsaufwand versuchen wir, Kooperationen zu steuern. Die Gemeindeautonomie bleibt zwar formal bestehen, doch in der Praxis funktioniert die politische Teilhabe oft nicht gut genug. Wir brauchen einfachere Strukturen.
Die Herausforderungen für Gemeinden steigen weiter. Immer höhere Ansprüche müssen mit stagnierenden Einnahmen und begrenzten personellen Ressourcen bewältigt werden. Die Frage ist nicht, ob Reformen nötig sind, sondern welche. Kooperationen sind ein wichtiger Teil der Antwort. Sie stoßen aber teils an Grenzen. Auch Fusionen – immer freiwillig und gut vorbereitet – sind kein Allheilmittel. Aber wer sie von vornherein ausschließt, nimmt sich selbst eine Option. Wer Zusammenarbeit ernst nimmt, sollte auch einen Zusammenschluss zumindest in Betracht ziehen – nicht um gewachsene Identitäten auszulöschen, sondern um sie in neue, tragfähige Strukturen zu überführen. Ein Land, das bei Kooperationen vorangeht, sollte auch den Mut haben, den nächsten Schritt zu denken. Eine moderne Gemeindepolitik darf sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Fusionen zu tabuisieren hilft niemandem. Sie klug zu prüfen, könnte hingegen eine Chance sein.
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