Leidenschaft braucht Struktur

Freiwilliges Engagement macht glücklich – das ist keine Floskel, sondern gut belegt. Studien zur Glücksforschung zeigen seit Jahren, dass Helfen das Wohlbefinden steigert und Einsamkeit entgegenwirkt. Der aktuelle Österreichische Freiwilligenbericht bestätigt das: Knapp die Hälfte der Bevölkerung ab 15 Jahren engagiert sich regelmäßig, im Schnitt sechs Stunden pro Woche, insgesamt rund 3,7 Millionen Menschen. Vorarlberg liegt dabei sogar an der Spitze aller Bundesländer – nirgendwo sonst engagieren sich anteilig mehr Menschen. 
Aber dieses Glück ist verwundbar, und wir behandeln es zu sorglos. Wer durch Vorarlbergs Gemeinden fährt, sieht zwar eine intakte Vereinslandschaft mit rund 6000 aktiven Vereinen – doch wer genauer hinschaut, erkennt: Mitmachen wollen viele, ein Funktionärsamt übernehmen immer weniger.
Laut Freiwilligenbericht 2025 haben nur rund 15 Prozent der Organisationen Schwierigkeiten damit, Menschen für ausführende Aufgaben zu gewinnen – fast die Hälfte (47 Prozent) tut sich jedoch schwer, jemanden für eine Vorstandsfunktion zu finden. Es fehlt also nicht die Lust am Helfen, sondern die Bereitschaft zu längerfristiger Verantwortung.
Hält dieser Trend an, drohen ausgerechnet jene Vereine zu zerbrechen, die heute noch als selbstverständlich gelten – mit Folgen für die Gesellschaft.
Was vielen Vorständen fehlt: klare Rollen, verlässliche Abläufe, digitale Vorlagen statt Zettelwirtschaft und zentrale Beratungsstellen für Ehrenamtliche. Die Novelle des Freiwilligengesetzes 2023 hat gezeigt, dass bessere Rahmenbedingungen möglich sind.
Wer das Glück des Ehrenamts erhalten will, muss anfangen, es zu organisieren. Leidenschaft braucht Struktur – nicht um sie einzuengen, sondern um sie zu schützen. 

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