Wir leben in unsicheren Zeiten. Kriege, die Teuerung und weitere Krisen bergen die Gefahr der sozialen Destabilisierung in sich. Sie erhöhen den Druck auf gesellschaftliche Systeme sowie auf Einzelpersonen. Und bekanntlich stellen zusätzlicher Druck und die damit einhergehenden Unsicherheiten und Ängste Risikofaktoren für das Auftreten von häuslicher Gewalt dar, da sie bereits vorhandene Mechanismen von Gewalt verstärken.
Häusliche Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nach wie vor eng mit den Strukturen der patriarchalen Gesellschaft zusammenhängt. Das Geschlechterverhältnis ist wesentlich durch ein Machtgefälle zwischen Frauen und Männern gekennzeichnet. Dabei dient Gewalt an Frauen der Aufrechterhaltung der Machtungleichheit in Beziehungen. Dem müssen wir entschieden entgegentreten. Um Gewalt möglichst präventiv und nachhaltig zu verhindern, müssen wir uns aktiv für die Gleichstellung der Geschlechter und veränderte Rollenbilder stark machen. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Verpflichtung, eine klare Haltung gegen Gewalt einzunehmen und Machtverhältnisse abzubauen – und hierfür bedarf es der Zusammenarbeit vieler.
Im Kampf gegen Gewalt spielt auch die Arbeit mit (potenziellen) Täter:innen eine zentrale Rolle, denn nur die Täter:innen selbst können ihr Verhalten ändern und damit der Gewalt ein Ende setzen. In der Beratung gilt es, die Klient:innen dabei zu unterstützen, sich kritisch mit ihrem gewalttätigen Verhalten auseinanderzusetzen. Denn nur durch das Herausarbeiten der Eigenverantwortung und die Verantwortungsüberahme für die Gewalttaten kann es gelingen, Verhaltensänderungen zu erzielen und zukünftig auf gewaltfreie Handlungsalternativen zurückzugreifen.
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