Kurt Bereuter

geboren 1963, studierte BWL, Philosophie und Politikwissenschaften. Organisationsberater und -entwickler, freier Journalist und Moderator, betreibt in Alberschwende das Vorholz-Institut für praktische Philosophie.

Der im Werkraum werkt

Oktober 2026

Cornel Hess ist nun schon vier Jahre Geschäftsführer im Werkraum Bregenzerwald mit dem 13 Jahre alten Werkraumhaus aus der Feder von Peter Zumthor. Die 10. Handwerk+Form ist eröffnet. 

Während seine drei Vorgängerinnen und Vorgänger nach spätestens drei Jahren wieder weg waren, hält sich Cornel Hess und werkt im und am Werkraum. Aber nicht so sehr beim Sägen, Schrauben oder Schleifen – höchstens in einem übertragenen Sinne – sondern an der Zukunft des Werkraumes und des Werkraumhauses. Und da sind tatsächlich gravierende Eingriffe gefordert, wenn das Haus weiter „leben“ und nicht zum Klotz am Bein für die Region oder die Gemeinde werden soll. Daran arbeitet der Verein mit dem Vorstand und dem engagierten Geschäftsführer Cornel Hess. Aktuell gelten alle Gedanken der 10. „Handwerk+Form“, die am 3. Oktober in Andelsbuch startet.

Der Werkraum
Im Bregenzerwald gibt es traditionsgemäß die Handwerkerzünfte, die im 20. Jahrhundert als „Handwerker- und Gewerbevereine“ in den Ortschaften wiederbelebt wurden. Vor 35 Jahren wurde von den Andelsbucher Handwerkern die erste Ausstellung „Handwerk+Form“ präsentiert und zum Erfolg für eine ganze Region. Daneben gab und gibt es die Bregenzerwälder Handwerksausstellung, die sich vor zwei Jahren zum elften Mal präsentierte. 1999 wurde von einer oft als elitär bezeichneten Handwerkergruppe, mit Anton Kaufmann vom damaligen Holzbauwerk Kaufmann an der Seite, ein neuer Verein für das Tal gegründet, um dem Handwerk einen neuen Boden zu bereiten: der Werkraum Bregenzerwald. Eines der Ziele war damals die Schaffung eines permanenten Ausstellungsraumes im Bregenzerwald, der auch zur Heimat der Handwerker werden sollte.

Das Werkraumhaus
Der renommierte Schweizer Architekt Peter Zumthor, der auch das Kunsthaus Bregenz entwarf, erklärte sich bereit, für die Bregenzerwälder Handwerker ein Haus zu entwerfen. Mit einer damals beträchtlichen Förderung durch die öffentliche Hand entstand das heutige Werkraumhaus. 
Kritiker aus dem Bregenzerwald standen dem schon damals skeptisch gegenüber, nicht nur wegen der Materialwahl, auch wegen Kubatur und Architektur. Auch wurde damals schon auf die Kosten eines laufenden Betriebes hingewiesen. Eine jährliche Landesunterstützung von 160.000 Euro ist in Zeiten wie diesen kein Klacks, sichert aber das Überleben des Vereins und des Hauses mehr schlecht als recht. Dabei bekommt der Geschäftsführer Cornel Hess durchaus Lob von seinen Handwerkern und sein engagiertes Werken wird anerkannt. Allein wird er es nicht schaffen, sein Vorstand ist mitgefordert und vor allem auch die Mitglieder, die vom Werkraum profitieren (sollten). 
Ein Dilemma bleibt nämlich: Der Werkraum braucht die Handwerker, aber die Handwerker nicht unbedingt den Werkraum – wenngleich beide Seiten voneinander profitieren: Der Werkraum vom Ruf der Bregenzerwälder Handwerker und die Bregenzerwälder Handwerker vom Ruf des Werkraumes Bregenzerwald, der international zu einer Benchmark wurde. Auch wenn das vielleicht zu wenig Beachtung findet bei den Handwerkern, die nicht Mitglied sind, sowie bei den Gemeinden und in der Bevölkerung der Region. 

10. Handwerk+Form
Die weitum bekannte und sehr gut besuchte Handwerks- und Gestaltungsausstellung „Handwerk+Form“ geht vom 3. bis zum 11. Oktober wieder über die Bühne. Wobei der Ausdruck „Bühne“ nicht ganz korrekt ist. Nachdem sich der Werkraumverein mit der Handwerkerzunft Andelsbuch, die das Copyright auf dieses Ausstellungsformat hatte und hat, wieder auf ein gemeinsames Tun einigen konnte, bilden acht wiederbelebte ehemalige Orte des Arbeitens die Bühnen der Ausstellung, die in einem Rundgang durch das Wälderdorf bestaunt werden können. Gezeigt werden professionelle handwerkliche Arbeiten in Zusammenarbeit mit internationalen Designern, die von einer international besetzten Fachjury bewertet werden. Die Siegerprojekte stehen schon bei Eröffnung fest. Eingebettet sind diese Ausstellung und der Wettbewerb in ein Veranstaltungskorsett von Wälder Kulinarik bis Diskussionsformaten. Cornel Hess: „Ein Format für zeitgenössisches Handwerk als Festival, Wettbewerb und Plattform für fruchtbaren Austausch. Die regionale Praxis steht dort in einem internationalen Kontext.“ 
Hess will weiterhin mit dieser Verschränkung von Design und Handwerk die Bregenzerwälder Handwerkskultur durch Impulse von außen weiterentwickeln und auf der anderen Seite das Bregenzerwälder Handwerk nach außen tragen. 

Junge Talente U21 
Hess ist besonders stolz auf eine neue Wettbewerbskategorie. Während andere über mangelnden Nachwuchs jammern, bietet der Werkraum genau diesem eine Bühne. Im „großen“ Umfeld werden Objekte von jungen Handwerkern aus dem Bregenzerwald gezeigt und die U21 zeigt ihr Können und wohin die Reise vielleicht in Zukunft gehen kann.
Mit 17 Einreichungen von jungen Frauen und Männern würden diese einen Schritt ins Unerwartete machen, auch einen Versuch einer Neudefinition von Qualität wagen und traditionelles Handwerk neu verorten, erklärt Hess. Für diese Kategorie stellte er eine eigene Jury auf, nicht die alten Meister des Handwerks, sondern drei junge Menschen aus dem Bregenzerwald mit Bezug zu Handwerk und Design. Alle Einreichungen erhalten eine Belobigung, aber keine Bewertung. Spannung ist angesagt, bei Besuchern und bei Profis, wie Cornel Hess schmunzelnd erläutert. Nicht weniger spannend dürfte eine Diskussion mit den jungen „Wilden“ am Donnerstag der Ausstellungswoche werden. 
Hess erwartet sich neue Perspektiven zu den Themen unserer Zeit, und darin waren die Bregenzerwälder (Handwerker) immer gut. Vielleicht ist es Zeit für einen Generationenwechsel, dem der Geschäftsführer hiermit den Raum öffnet.

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