Kurt Bereuter

geboren 1963, studierte BWL, Philosophie und Politikwissenschaften. Organisationsberater und -entwickler, freier Journalist und Moderator, betreibt in Alberschwende das Vorholz-Institut für praktische Philosophie.

„Vom Tellerwäscher zum Millionär? Das war einmal“

Juli 2026

Günter Bischof wurde 1953 in Mellau geboren, studierte in Innsbruck, New Orleans und an der Harvard University Geschichte und wurde an der Universität New Orleans zum Professor mit dem Schwerpunkt der „Marshall-Plan-Hilfen“ berufen. Ende Juni besuchte er seine Heimat – und referierte über österreichische Immigranten in die USA, von Beginn des 18. Jahrhunderts bis heute.  

Während im 18. Jahrhundert vor allem Salzburger Protestanten nach Georgia auswanderten, waren es im 19. Jahrhundert auch Österreicher aus den anderen Bundesländern, die in den USA ihre Zukunft suchten. Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren die Alt-Österreicher aus der Monarchie sogar einmal die stärkste Einwanderergruppe in die USA, erzählte Günter Bischof. Zwei Vorarlberger brachten es zu großem wirtschaftlichem Erfolg: Franz Martin Drexel als Bankier und Johann Michael Kohler als Händler für Emailwaren. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich emigrierten viele österreichische Juden in die USA, aber auch Austrofaschisten, erklärte Bischof. Die beiden letzten Auswanderer aus Österreich in die USA, die Bischof erwähnte, waren Arnold Schwarzenegger – und der Mellauer Norbert Bischofberger, der es als Pharma-Wissenschaftler zu Weltruhm brachte. Bischofberger hätte auch in der Schweiz tätig werden können, hätte aber dort wohl nicht so viel Erfolg und Geld verdient, ist Bischof überzeugt.

„Vom Tellerwäscher zum Millionär“
Das war einmal, sagt Günter Bischof. Geändert habe sich das durch eine veränderte Einwanderungspolitik. Es seien auch in der Vergangenheit nicht alle begrüßt worden, aber heute würden ihnen Prügel zwischen die Füße geworfen. Die umstrittene ICE-Behörde (United States Immigration and Customs Enforcement) spiele hier eine Rolle. Aber deren Brutalität ging auch den Amerikanern zu weit, sagt Bischof. Heute sei diese Behörde für viele ein rotes Tuch und es gebe ja auch friedliche Proteste gegen die ICE und die von ihr betriebenen Auffanglager. Aber die ICE hat schon noch einen Einfluss, werde aber kritisch beobachtet. Und immer wieder würden Menschen dort angehalten, die nicht dorthin gehörten. Diese immigrationsfeindlichen Strömungen gebe es auch in Europa, in der EU, vor allem mit Immigranten aus dem Nahen Osten, die in Auffanglager außerhalb Europas verbracht werden sollen. 

Maga-Bewegung
Die Maga-Bewegung von Präsident Trump ist für Günter Bischof ein Rätsel, aber es gebe dort den religiösen Einfluss der Evangelikalen genauso wie jenen der wirtschaftsliberalen Denker mit österreichischer Abstammung, also Hayek und Co, die österreichischen Nationalökonomen, die ebenso in die USA auswanderten und ihre Lehre bis heute in einer eigenen „Schule“ verbreiten, die einen starken Einfluss in diesen Kreisen habe. Vor allem bei Anhängern im Tech-Bereich, die wiederum gut mit den Regierungskreisen vernetzt seien.

Ist die Demokratie gefährdet?
Bischof meint nicht, denn die amerikanische Verfassung sei resilient genug, auch diese Krise zu überstehen. Die Verfassung habe ein sehr austariertes System von Checks and Balances und dieses funktioniere bisher. Und überdies sei Trump auch für europäische Verhältnisse keine Ausnahmeerscheinung, es gebe auch in Europa den Ruck nach rechts. Aber ja, überall wo rechtslastige Parteien das Sagen hätten, sei die Demokratie in Gefahr. Insofern wären oder sind auch die europäischen Demokratien gefährdet, wie wir unter Orban in Ungarn gesehen hätten. Alle rechten Parteien stellten die Demokratie in ihrer liberalen Form in Frage und wollten sie zu ihren Gunsten verändern. Für die Wahlen im Herbst will er keine Prognose abgeben, auch wenn die Sympathie für Trump massiv gesunken sei. Die Republikaner hätten im großen Stil Wahlbezirke zu ihren Gunsten verändert und das Wahlergebnis werde stark vom Zugang zu den Wahlen abhängen. Letztlich sei immer die dann aktuelle ökonomische Situation entscheidend, vor allem, was dann das Benzin kostet. (Schmunzelt)

Schulbildung bis 18 Jahre
Dass das Bildungssystem in den USA schlechter als bei uns ist, glaubt Bischof nicht. Eher sei der Bildungsanspruch höher. So sollte jede/r bis 18 zur Schule gehen und einen Abschluss erreichen, ähnlich unserer Matura. Fast jede/r erreiche einen High-School-Abschluss und die demokratischen Werte würden schon in der Schule gelehrt und implementiert. Aber wenn die Demokratie schwächelt, ist auch die Bildung gefährdet. Probleme gebe es beim Handwerk, das keinen hohen sozialen Stellenwert genieße, auch nicht in der Maga-Bewegung. Das Handwerk habe in den USA auch nicht diesen goldenen Boden wie bei uns. Dafür sei öfter zu lesen, dass die College-Absolventen nicht mehr dieselben Job-Chancen haben und nicht mehr so leicht unterkommen. Auf der anderen Seite wisse er, dass Vorarlberger Firmen, wie Blum und Grass, in den USA ihre Lehrlinge selbst ausbilden, um den Nachwuchs in ihren Firmen in den USA zu sichern.

Die Rolle der Religion
Einen religionsfernen Spitzenpolitiker in den USA kennt Bischof nicht. Die Religion spiele in den USA eine ungleich stärkere Rolle als in Europa. Bischof: „Ohne Religion geht nichts, da wird schon beobachtet, wer am Sonntag in die Kirche geht und die Kirchen leisten auch wertvolle soziale Dienste in den Gemeinden.“ Trump werde sehr stark von den Evangelikalen unterstützt und Vance sei zu den Katholiken konvertiert und befinde sich in guter Gesellschaft mit Peter Thiel, der sich auch als Christ bezeichnet. Ja, Peter Thiel sei in den USA bekannt, weil er in vielen Bereichen einen Einfluss habe, seinen wirtschaftlichen Erfolg strategisch einsetze und eben auch die Nähe zur regierenden Politik nütze, was aber für alle Tech-Giganten gelte. Über Donald Trump will Günter Bischof nicht sprechen, denn man wisse nie, „wer einem aufs Maul schaue“, auch im Ausland. So viel zum Einwanderungsland USA heute. 

www.uno.edu/profile/faculty/gunter_bischof

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