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Eine expansive Geldpolitik bringt langfristig mehr Probleme als Vorteile

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Universitätsprofessor Ewald Nowotny, sprach im Rahmen einer Veranstaltung der Initiative „Wir sind Europa“ vor rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmern in Dornbirn über den Euro und die Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion.

Europa befinde sich in einer sehr guten Wirtschaftslage. Das Wohlstandniveau seit 2007 ist bereits wieder überschritten. Auch in den nächsten Jahren könne mit positiven Daten zu rechnen sein. „Wir hatten in Europa eine sehr viel schwerere Krise als in den USA. Somit war der wirtschaftliche Nachholbedarf wesentlich größer. Nun ist neben dem Export auch die Investitionstätigkeit deutlich angestiegen. Dadurch ist die Situation stabiler, und es erhöht sich dadurch das Wachstumspotenzial. Für die nächsten zwei, drei Jahre bin ich sehr optimistisch für die Euro-Zone. Doch alle Erfahrungen zeigen: es gibt keinen ewigen Aufschwung“, sagte OENB-Gouverneur Ewald Nowotny. Sieht man sich laut EZB-Mitglied Nowotny das Wachstum der Euro-Länder seit der Beginn der Krise an, könne man erkennen, dass Österreich seit drei Jahren über dem Wachstum Deutschlands liege.

Expansive Geldpolitik der EZB

Für Ewald Nowotny ist klar: Die Notenbanken haben durch die expansive Geldpolitik eine schwere Wirtschaftskrise verhindert. Die EZB hat die Verpflichtung, sich an der Preisstabilität zu orientieren. Preisstabilität bedeutet für die EZB eine Inflationsrate von nahe zwei Prozent. „Nach unseren Prognosen werden wir diese Rate bis 2020 nicht erreichen. Das erfordert streng gesehen an sich eine expansive Geldpolitik. Man sollte dieses Inflationsziel auf mittlere Sicht erreichen. Die Entwicklung in diese Richtung ist ausschlaggebend. Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft, könnten wir das Anleihekaufprogramm 2018 auslaufen lassen.“ Darüber herrsche innerhalb der EZB Einigkeit, wann einzelne Maßnahmen gesetzt werden, sei allerdings noch nicht klar. Aus aktueller Sicht sei eine expansive Geldpolitik der EZB weiter notwendig. Persönlich glaube er, dass damit langfristig größere Probleme einhergehen, als sich Vorteile ergeben. Die gute wirtschaftliche Entwicklung sollte sich in einer strafferen Geldpolitik widerspiegeln.

Die besondere, asymmetrische Konstruktion der Währungsunion – gemeinsame, einheitliche Geldpolitik bei zugleich nationaler Souveränität in der Finanzpolitik – hat sich als anfällig für Fehlentwicklungen und Krisen erwiesen. Die Bereitschaft, nationale Souveränität zu europäisieren, ist aber nach wie vor sehr gering. Bis auf Weiteres wird es daher bei dieser Asymmetrie bleiben, und es gilt Wege zu finden, wie die Währungsunion auch in diesem Rahmen noch stabiler werden kann. Nowotny: „Unter Ökonomen gibt es aktuell große Diskussionen darüber, ob sich aufgrund tiefgreifender Veränderungen durch Globalisierung und Digitalisierung nicht auch die Entscheidungsspielräume von Notenbanken ändern sollten.“

Zu China

China werde in absehbarer Zeit die Position der größten Volkswirtschaft übernehmen. Noch liege das dortige Pro-Kopf-Einkommen mit etwa 17.000 Dollar deutlich hinter dem der USA (60.000 Dollar) und der EU (41.000 Dollar). „Die Volksrepublik wird aber bald aufholen. Ein reicheres China tut auch Europa gut, denn so entstehen neue Absatzmärkte, auch für österreichische Unternehmen“, betonte der OENB-Gouverneur.

Eine klare Position hat Nowotny auch zu den sogenannten Kryptowährungen: „Bitcoin und Co. sind keine Währungen. Es sind sehr spekulative Anlagen und mit hohem Risiko für den Einzelnen verbunden. Neben einem regulatorischen Rahmen sei aber auch die Finanzbildung wichtig. Aus meiner Sicht muss die Regulierung ergänzt werden durch verstärkte Vermittlung von Finanzwissen. Wer gut Bescheid weiß, trifft auch bessere Entscheidungen. In erster Linie für sich selbst, aber letztlich auch für die Volkswirtschaft“, meint der Gouverneur. So hält er Ausbildung und Erziehung für den wichtigsten Bereich zur Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine hohe Qualifikation der jungen Menschen entscheidend.“

02.06.2018

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