Andrea Marosi-Kuster

(40), studierte Biologin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation der Vorarlberger Kranken­haus-Betriebsges.m.b.H.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

Schau mir in die Augen …

Juli 2015

Unsere Augen sind Schönheitsmerkmal und Spiegel der Seele. Sie sollen Einblick in unser Inneres gewähren. Unser hochentwickeltes Auge leistet jedoch viel mehr. „Für den Menschen ist der Sehsinn von ganz wesentlicher Bedeutung. Wir nehmen unsere Umwelt zu 80 Prozent durch das Sehen wahr“, unterstreicht Primar Stefan Mennel, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde im LKH Feldkirch, die Relevanz unseres Leitsinnesorgans.

Die Evolution ist kreativ mit der Entwicklung des Sehsinns umgegangen und hat Augen für jeden Bedarf und jedes Lebewesen geschaffen: Hochleistungsorgane und einfache für Hell- Dunkel- Kontraste, Augen für räumliches Sehen und für den Rundumblick. Bereits die einzelligen Augentierchen in unseren Tümpeln haben einen Augenfleck, der es ihnen ermöglicht, sich in Abhängigkeit vom Licht zu bewegen. Das menschliche Linsenauge gestattet uns einiges mehr: Es dient der Wahrnehmung von visuellen Reizen wie Helligkeit, Farbe, Kontrast, Gestalt, Bewegung und Räumlichkeit. „Das Auge war das Organ, womit ich die Welt erfasste“, lautete die Erkenntnis von Johann Wolfgang von Goethe.

Die Kamera, ein Nachbau unseres Auges

Die Iris des menschlichen Auges ist vergleichbar mit der Blende der Fotokamera: Beide dienen der Begrenzung der Lichtmenge. Die schwarze Pupille unseres Auges, die sich je nach Lichteintritt verkleinert oder vergrößert, hat die gleiche Aufgabe wie die Blendenöffnung: Bei hellem Licht kann durch eine kleine Pupille die Sehqualität verbessert werden. Das Licht gelangt durch die Hornhaut, die Pupille und Linse des Auges, um danach auf die Netzhaut zu treffen, wo das Bild erzeugt wird. Die Netzhaut entspricht dem Film im Fotoapparat, bei der Digitalkamera dem Bildsensor. Sie besteht aus differenziertem, sehr sensiblem Nervengewebe: Die Stäbchen sind Fotorezeptoren zuständig für Hell-Dunkel- Sehen, die Zapfen für das Farbsehen. „Genetisch bedingte Veränderungen der Zapfen können verantwortlich für eine Farbsehschwäche sein. Betroffene Personen können je nach Ausfall die Farbe rot, grün oder blau nicht ausreichend wahrnehmen. Neun Prozent der Männer leiden daran, aber nur 0,8 Prozent der Frauen“, erklärt der Vorarlberger Experte Prof. Mennel.

Augenerkrankungen im Fokus

Für die meisten Menschen ist gutes Sehen selbstverständlich. Wenn die Sehkraft nachlässt, eine Erkrankung des Auges diagnostiziert wird oder eine Verletzung eintritt, ändert sich diese Einstellung. „Mit zunehmendem Alter tritt das trockene Auge gehäuft auf. Jeden vierten Patienten plagt ein Fremdkörper- bzw. Trockenheitsgefühl: Die nicht ausreichende Befeuchtung des Auges kann eine Sehverschlechterung zur Folge haben“, erklärt Mennel. Ältere Menschen leiden häufig am Grauen Star (Katarakt). Es handelt sich dabei um eine über die Jahre meist langsam zunehmende Trübung der Augenlinse, die die Sehkraft reduziert. „Im LKH Feldkirch werden jährlich rund 2700 Kataraktoperationen, meist tageschirurgisch, durchgeführt“, sagt Mennel. Beim Grünen Star (Glaukom) wird der Sehnerv aufgrund eines zu hohen Augeninnendrucks geschädigt: Entstandene Schäden können nicht repariert werden, durch Augentropfen oder eine Operation kann jedoch das Voranschreiten der Erkrankung positiv beeinflusst werden. Die altersbedingte Makuladegeneration betrifft die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut: Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer Sehverschlechterung. Eine Behandlung durch Medikamente, die operativ ins Augeninnere eingebracht werden müssen, ist für die feuchte Form heute möglich. Plötzlich auftretende Blitze und bewegte Punkte im Gesichtsfeld können Hinweise auf eine Netzhautablösung sein.

Behalte dein Auge im Auge!

Um das Auge gesund zu halten, muss behutsam damit umgegangen werden, von Kindertagen an: Mit dem vollendeten zweiten Lebensjahr ist im Zuge der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung eine augenärztliche Kontrolle verpflichtend. „Kinder können Sehschwächen ausbilden, ohne dass es für die Umgebung erkennbar ist. Die rechtzeitige Diagnose ist wichtig, da nur bis zum Schuleintritt Schwachsichtigkeiten, bedingt durch Brechkraftänderungen und Augenfehlstellungen (Schielen), therapeutisch korrigiert werden können“, betont Mennel. Auch bei familiär vorkommenden Augenerkrankungen sowie ab einem Alter von 40 Jahren rät Mennel zu regelmäßigen Augenuntersuchungen beim Arzt. „Als Rheuma-, Dia­betes- oder Bluthochdruckpatient hat man zudem grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für Augenerkrankungen“, mahnt der Augenexperte zur Vorsicht.

Hüte deinen Augapfel …

Unser Auge ist ein Wunderwerk der Natur: Es liefert uns Informationen aus der Umwelt, die wir im Gehirn verarbeiten. Manche Tätigkeiten des täglichen Lebens fordern den Sehsinn besonders: Büroarbeit strengt das visuelle Sinnesorgan sehr an. Es sollte auf die nötige Distanz zwischen Arbeitsplatz und PC geachtet werden, extra entwickelte Arbeitsplatzbrillen schonen das Auge. „Während des Arbeitsalltags abwechselnd auch in die Ferne schauen, dies entspannt den Augenmuskel und somit das Auge“, empfiehlt Mennel zum Augentraining. Lesen bei schlechter Beleuchtung kann die Entwicklung der Kurzsichtigkeit verstärken und soll vermieden werden. Nikotinkonsum kann neben den bekannten negativen Auswirkungen auf unseren Körper auch die Makuladegeneration verstärken. Insbesondere muss das Auge bei Sonnenlicht-Exposition geschützt werden: Kurzwelliges Licht und UV-Licht kann krankhafte Veränderungen in der Bindehaut, der Linse und der Netzhaut bewirken. „Bis zum ersten Lebensjahr sollen Kinder nicht der Sonne ausgesetzt werden, danach schützen Schildkappe und Sonnenbrille das Auge“, erklärt der Augenfacharzt.

Augenabteilung im LKH Feldkirch

Primar Stefan Mennel und sein Team bieten ein breites konservatives und operatives Spektrum an: Nach dem Umbau der Augenabteilung stehen zusätzliche Operationsräume, unter anderem ein Eingriffsraum für IVOM-Operationen (Maßnahme zur Behandlung von Makulaerkrankungen), zur Verfügung. In der Sehschule werden alle Formen von Augenbewegungsstörungen und die verschiedensten Arten des Schielens betreut. Eine kindgerechte Ausstattung und dem Kind angepasste Untersuchungsgeräte ermöglichen auch eine optimale Dia­gnostik und Behandlung des Nachwuchses. Augenärzte und speziell dafür ausgebildete Orthoptistinnen kümmern sich um die kleinen und großen Patienten.

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