Peter Freiberger

Die VEU hat Lust auf mehr

Februar 2015

Neunfacher österreichischer Meister, Gewinner der European Hockey League – die Erfolge der VEU Feldkirch sind legendär. Einige Jahre müht man sich nun schon in der zweitklassigen Inter-National-League (INL) ab. Freilich – die Blickrichtung geht eindeutig nach oben. Der Mythos VEU soll wieder auf höchster Ebene für Furore sorgen.

In Österreichs Eliteliga EBEL geben für Vorarlberg derzeit die Dornbirner Bulldogs den Ton an. Nicht selten schielen die Verantwortlichen der VEU und natürlich deren Fans nach Dornbirn hinunter, wenn dort die absoluten Spitzenteams einlaufen. Mit dem KAC und dem VSV sowie den Klubs aus Graz, Wien und Innsbruck verbindet die VEU eine jahrzehntelange Tradition. Das Trennende zwischen den Traditionsclubs: der Klassenunterschied.

An der Wall of Fame in der Vorarlberghalle hängen sie, die VEU-Helden der vergangenen Jahrzehnte: Kelly Greenbank, vielleicht der „Mister VEU“ überhaupt, Alexandre „Sasha“ Barinev, Konrad Dorn, Karl Heinzle, Rick Nasheim und natürlich die beiden schwedischen Superstars und Weltmeister Bengt-Åke Gustafsson und Thomas Rundquist. Zu den Allzeitgrößen zählen noch Daniel Gauthier, Gerhard Puschnik, Fritz Ganster, Reinhard Divis und Michael Lampert.

Mythos VEU war geboren 

„Verdamp lang her“, um einen bekannten Rocksong zu bemühen, sind  die großen Erfolge der VEU. Trainerguru Ralph Krueger führte die VEU im Finalturnier um die European Hockey League im Jänner 1998 zum Europacupsieg. Die Feldkircher fegten Dynamo Moskau mit 5:3 vom Eis. Der Mythos VEU war endgültig geboren, die Vorarlberghalle avancierte zur Kultstätte. Aus der Saison 1997/1998 datiert zudem der bislang letzte österreichische Meistertitel.

Heute weht der kalte Wind der INL durch die Vorarlberghalle. Auch die Temperaturen selbst sind eisig, der Komfort in der Arena ist nicht mit dem in anderen Hallen in Österreich zu vergleichen. Der Verbundenheit der Anhänger mit ihrem Klub tut dies aber alles keinen Abbruch, die VEU-Fans sorgen nach wie vor für heiße Stimmung. Seit dem Ende der 90er-Jahre wurde die Leidensfähigkeit der Fans mehr als einmal auf eine harte Probe gestellt. Immer wieder haben die Anhänger die Probe bestanden.
Nationalliga und Inter-National-League statt Europacupfinale und Meistertitel in der österreichischen Bundesliga – die Kost, die serviert wurde bzw. wird, stammt(e) nicht vom Nobel-Caterer.

Beinahe unverdaulich für die Fans war der wirtschaftliche Kollaps des Vereins. Auf den Ausgleich im Mai 1999 folgte der Konkurs nach der Saison 1999/2000. Das vorläufige Ende der VEU war besiegelt. Der Nachfolgeverein EHC Feldkirch überlebte wirtschaftlich gerade einmal vier Jahre. Weiter ging’s in der Nationalliga, vor der Saison 2006/2007 erhielt der EHC Feldkirch wieder den Namen VEU. Eine Legende lässt sich eben nicht zerstören.

Und wer sich einmal als VEU-Fan fühlt, bleibt dies wohl für immer – ob der Klub gerade in den Niederungen tieferer Ligen verweilt oder die erste Geige ganz oben spielt. So beleben in der laufenden INL-Saison bei Heimspielen durchschnittlich 2000 Zuschauer die Vorarlberghalle.

Wunsch nach erstklassiger VEU

Zu jenen, die der Legende seit den glorreichen 90er-Jahren treu blieben, zählt Michael Lampert. Der einstige Abwehrrecke und Trainer hat heute als Geschäftsführer die VEU-Zügel in der Hand. Er spürt, dass der Wunsch nach einer erstklassigen VEU nicht nur im Ländle stark ausgeprägt ist. „Auch andere Traditionsvereine in Österreich würden sich über unseren Wiederaufstieg freuen“, weiß der Europacupsieger von 1998.

„Unser klar formuliertes Ziel lautet Wiederaufstieg“, gibt Vorstandsmitglied Daniel Witzani die Parole aus. Fällt die Frage nach dem zeitlichen Horizont dafür, spricht er von „mittelfristig“.

Damit würde der Wunsch der VEU-Fans in Erfüllung gehen. Freilich – bei der Erfüllung von Wünschen wollen die VEU-Verantwortlichen Vorsicht walten lassen. Die wirtschaftlichen Schlamassel der vergangenen Jahre mahnen zu Zurückhaltung. „Das finanzielle Risiko muss überschaubar sein“, nennt Witzani die Basis der Aufstiegsambitionen. Tatsächlich wäre im Fall des Aufstiegs ein schwerer finanzieller Brocken zu stemmen. „Unser derzeitiges Budget beträgt inklusive der Nachwuchsarbeit 750.000 Euro“, sagt Michael Lampert. „Für die EBEL sind zwischen drei und dreieinhalb Millionen notwendig. Und mit diesem Geld könnten wir wohl nur im hinteren Feld mitspielen.“ Vom aktuellen Kader würden jedenfalls maximal eine Handvoll Akteure übrig bleiben. „Rund 80 Prozent der Mannschaft müssten wir austauschen, zehn bis zwölf Ausländer wären nötig.“

Finanzieller Kraftakt

Die Verantwortlichen führen laufend Gespräche mit potenziellen Sponsoren, um den finanziellen Kraftakt „Erste Liga“ auf solider Basis stemmen zu können. Die beträchtliche Zahl an Vereinen aus anderen Sportarten, die ebenfalls um Sponsoren buhlen, stellt die VEU dabei vor eine besondere Herausforderung.

„Die Stadt Feldkirch müsste uns in Sachen Vorarlberghalle unterstützen“, hofft Michael Lampert. „An der Halle scheitert die Erstklassigkeit grundsätzlich zwar nicht, aber es bräuchte doch einige Adaptionen.“

Obwohl auf ausländische Spieler gesetzt werden müsste, würden die VEU-Verantwortlichen weiterhin gleichzeitig auf Vorarlberger Akteure bauen. „Die Innsbrucker Haie haben diesbezüglich einen guten Weg eingeschlagen“, sagt Lampert.

Perspektive für den Nachwuchs

Auch die VEU möchte den Nachwuchsakteuren eine Chance geben und eine Perspektive bieten. So spielt man beispielsweise derzeit mit einem Block aus ausschließlich 16- und 17-Jährigen. Dazu gehört unter anderem Denis Sticha. Der trägt einen in Eishockeykreisen klingenden Namen – Vater Thomas gewann als Spieler den Europapokal. Obwohl Perspektiven vorhanden sind, rutschen der VEU aber immer wieder ganz junge Spieler aus dem Nachwuchsbereich durch die Finger. Schon Zehn- und Elfjährige suchen nämlich ihr Eishockeyglück in der Schweiz. Die sind dann wahrscheinlich nicht dabei, sollte die VEU den Aufstieg in die EBEL wagen, und können die Duelle mit dem KAC, mit Villach und Innsbruck nur von der Tribüne aus verfolgen.

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