Michael Dünser

 Inhaber einer Kommunikationsagentur in Bregenz

Brand Forum 2023: Marke? Trau dich!

Juli 2023

Es gibt Ideen, die sind so naheliegend, dass man sich fragt: Warum um alles in der Welt findet das Brand Forum des international aufgestellten Brand Clubs in Brand erst zum zweiten Mal statt? Das Konzept ist jedenfalls so bestechend, dass es zu einem jährlichen Fixpunkt wird, wie die Veranstalter um Michael Casagranda von Silberball Brandmanagement aus Bregenz in ihrem Resümee versprachen. Roter Faden war die Überzeugung, dass Marke als Führungsansatz Vertrauen ist, Vertrauen braucht und sich etwas trauen darf. Von Michael Dünser

Wie Univ.-Prof. Kurt Matzler zur Eröffnung des Brand Forums einen Abend lang eine beeindruckende Brücke von der Wissenschaft in die Praxis schlug, wäre schon allein eine Veranstaltung wert gewesen. Der Tiroler ist einer der meistzitierten Strategieprofessoren der Welt. In seiner Arbeit beschäftigt er sich in Theorie und Praxis mit Fragen des langfristigen Erfolgs und wie Unternehmen ihre Geschäftsmodelle erfolgreich innovieren können. 
Den Teilnehmern und Teilnehmerinnen hielt er in Brand eindrucksvoll vor Augen, dass „der Erfolg der Vergangenheit eine der größten Barrieren für notwendige Veränderungen ist“. Und plädierte dafür, disruptive Geschäftsmodelle mit Vertrauen in die kollektive Intelligenz zu entwickeln. Anstatt Widerstände in den eigenen Reihen zu bekämpfen, setzt Matzler auf Diversität und die Intelligenz der Masse. Anders gesagt: Auf offene und transparente Strategieprozesse mit der Einbindung großer Gruppen interner und externer Personen, die normalerweise gar nicht Teil solcher Prozesse sind. Anzahl und Qualität von Ideen erhöhen sich dadurch wie das Commitment zur Strategie signifikant, ist Matzler überzeugt. Denn: „Viele Strategien werden losgelöst von der Basis entwickelt und fertig verpackt verkauft. Ergebnis: Sie werden den Problemen der Umsetzung nicht gerecht, werden nicht verstanden und nicht mitgetragen.“
Strategische Anpassungen verlangen für den Autor mehrerer Erfolgsbücher darüber hinaus immer den Blick nach außen. „90 Prozent der gelungenen Innovationen bei Geschäftsmodellen sind nichts anderes als das Übertragen von erfolgreichen Mustern aus anderen Branchen“, liegt für Matzler der Grund klar auf der Hand. „Wir müssen die Welt nicht neu erfinden.“

Beeindruckendes Ambiente
Matzlers Input war der Auftakt einer zweitägigen Veranstaltung, die internationale Markenexperten und Brand Manager in einem exklusiven Kreis von gut 30 Personen zum Austausch zusammenbrachte. Nicht nur der Veranstaltungsort selbst auf 1700 Meter Höhe in den Berg­restaurants Frööd und Goona ist etwas Besonderes. Auch die Formate brachten jede Menge Abwechslung. Vortrag, moderierter Talk, viel Dialog und vertiefende Fragen in kleineren Sessions, dazu die inspirierende Atmosphäre eines nicht alltäglichen Umfelds inmitten einer traumhaften Natur im Brandnertal, bildeten einen eindrucksvollen Mix mit in jeder Beziehung anderen Perspektiven.

Lamentieren nützt nichts
Für Letztere sorgten auch am zweiten Tag weitere hochspannende Referenten, die aus unterschiedlichen Perspektiven den Blick auf das Thema Marke warfen. Und sich in einem Punkt einig waren: Marke ist Vertrauen. Marke braucht Vertrauen. Marke muss sich etwas trauen. Oder wie es Holger Mayer formulierte: „Steh fest, schau weit und beweg dich!“ Er war 2001 der erste deutsche Mitarbeiter von Google. Seit dem Wechsel in die für ihn damals neue Bankenbranche beschäftigt er sich besonders mit der Frage, wie man die Digitalisierung in eine regionale Bank – in seinem Fall die Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe – bringen kann. Sein aktuelles Zwischenfazit dazu: „Wir sind mittendrin in der Disruption und Transformation. Lasst uns nicht lamentieren, sondern das Beste daraus machen.“ Seine Methode: Von der anderen Seite her denken, kleine strategische Schritte des Ausprobierens gehen und eine offene Kultur möglich machen. 
Ähnlich unkonventionell agierte mit Felipe Gomez de Luis von der Liechtensteiner VP Bank ein zweiter Vertreter der Finanzwelt auf der Brand Forum-Bühne. Schlüssel für „das unerschöpfliche Potential an jedem Touchpoint“ ist für ihn „eine klare Werthaltung, um zur rechten Zeit und an der richtigen Stelle jene Verbesserungen umzusetzen, die das Markenvertrauen stärken“.

Klarer Fokus
Als Local Hero war Clarissa Steurer beim 2. Brand Forum zu Gast. Sie gründete vor fünf Jahren ihr Unternehmen clarissakork, das hochwertig bestickte oder bedruckte Teppiche und Wohnaccessoires aus dem vielseitigen Naturmaterial Kork herstellt. Aus einer teils belächelten Idee wurde ein Millionenbusiness mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Weil wir immer den Fokus auf Kork, unseren guten Riecher für die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden sowie unseren Manufakturansatz mit höchsten Ansprüchen an Qualität und Funktionalität beibehalten haben“, ist die Unternehmerin und zweifache Mutter überzeugt. 
Mario Fürst hat mit dem auf Ingwer Shots spezialisierten Unternehmen Kloster Kitchen seine mittlerweile 40. Firma gegründet. Seine Erkenntnis: „Das Vertrauen der Kunden gewinnt man nicht über Nacht. Der Aufbau einer Marke ist eine extrem anspruchsvolle und langfristige Entdeckungsreise.“ Der Weg seiner mittlerweile sehr erfolgreichen Firma sei geprägt von einem Prozess des Ausprobierens. Entscheidend ist für Fürst – neben Ausdauer, Authentizität und Ehrlichkeit – Vertrauen.
Bleibt der Hinweis, dass das 3. Brand Forum am 20./21. Juni 2024 in Brand stattfinden wird. Ein Fixpunkt für alle, die in einem nicht alltäglichen Ambiente das Thema Markenbildung und -führung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten möchten und dabei den Dialog und echtes Netzwerken suchen.

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