Thomas Feurstein

Studium der Germanistik und Geografie, Bibliothekar an der Vorarlberger Landesbibliothek, Schwerpunkte: Landeskunde, Schule und Bibliothek

(Foto: © Gerhard Kresser/Vorarlberger Landesbibliothek)

 

„Pizi fährt den Schlauch“

November 2018

Robert Polak (mit Spitznamen Pizi), ein ausgezeichneter Skifahrer, rast im Tiefschnee den „Schlauch“, die Skiabfahrt vom Pfänder nach Bregenz, hinunter. Von Freunden aufgenommen entstand somit 1963 der erste Polak-Film,
dem in den folgenden Jahrzehnten eine endlos lange Reihe weiterer Produktionen folgen sollte.

Robert Polak wurde am 29. November 1944 in Bregenz geboren, besuchte hier die Volksschule und später das humanistische Gymnasium. Seine Liebe zu Film und Kino motivierte ihn schon 1963, erste Filme im 8mm-Format zu drehen. Die ersten Versuche waren „Pizi fährt den Schlauch“ und „Seegfrörne“, mittlerweile historische Dokumente einer vergangenen Klimaperiode, die nie veröffentlicht wurden und sich noch heute als Ansammlung von Rohmaterial präsentieren. Ein Kameramann machte damals Robert Polak darauf aufmerksam, dass es in Wien die Filmakademie als Ausbildungsstätte für Filmemacher gäbe. Polak überzeugte die Aufnahmekommission mit seinem bereits im Gymnasium entstandenen Krimi „Ikone“, bekam einen der begehrten Studienplätze und konnte vier Jahre später die Ausbildung in den Fächern Regie und Schnitt erfolgreich abschließen. In den 1980er-Jahren produzierte er zahlreiche Filme für die Staatliche Hauptstelle für Bildungsfilm, wobei das inhaltliche Spektrum von Puppentrickfilmen nach Grimm’schen Märchen über Filme mit geografischen und historischen Themen bis zu Dokumentationen über die elektrostatische Luftfilterung und den Einsatz von Maschinen im Werkunterricht reichte. Ein besonderer Schwerpunkt in Polaks Filmschaffen waren bereits damals Künstlerporträts. Dies sollte bis zu seinem Tode auch so bleiben.

Daneben wurde er auch mehrmals vom in Wien lebenden Vorarlberger Filmproduzenten Walter Zupan engagiert, um Dokumentarfilme wie „Beton und Blumen“, wo es um den Bau der Rheintalautobahn geht, oder „Für die Mode der Welt – Stickereien aus Vorarlberg“ zu drehen. Der Film über den Autobahnbau wurde in der Folge sogar als Vorfilm in den Vorarlberger Kinos gezeigt. Durch das filmische Werk Polaks zieht sich wie ein roter Faden die Beschäftigung mit Vorarlberg-Themen, wohl darin begründet, dass Polak, obwohl in Wien wohnend, Vorarlberg und besonders seiner Geburtsstadt Bregenz immer eng verbunden blieb und hier zahlreiche Freundschaften pflegte. So entstand etwa in Zusammenarbeit mit Tone Fink der Film „Johnny Unser“, eine bedrückend humorvolle Beziehungskomödie, die sich in der österreichischen Filmszene schnell zu einem Geheimtipp entwickelte und auch bei der Viennale gezeigt wurde. Über die Qualitäten von Robert Polak schreibt Tone Fink in einem veröffentlichten Nachruf: „Zeitdruck hat er nicht gekannt, und er hat beim Drehen, beim Schnitt oder beim Vertonen nie die Nerven verloren und immer mit schelmischem Humor alle zum Lachen gebracht. Deine selbstlose Hilfsbereitschaft war schon legendär. Du hast Dich immer um die Sache, den Film gekümmert, und nie nach Einkommen gefragt. Die Karriere war Dir sowas von scheißegal, dass wir nur so staunten.“ Auch mit anderen Vorarlberger Künstlern hat Polak eng zusammengearbeitet, etwa mit Wolfgang Mörth und Ulrich Gabriel („Locus Iste“, „Jodeln in Indien“) sowie Benni Bilgeri („Tante Flora“, „Der Berg, der See, die Kuh“, „Auf der Straße zur Kirche HJ“).

Als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann oder als Cutter – vielfach auch in Personalunion – produzierte Polak bis zu seinem plötzlichen Tod 2016 insgesamt mehr als 200 Filme. Sein letzter, eine Langzeitdokumentation über den Vorarl­berger Künstler Erich Smodics, musste von einer engagierten Kollegin vollendet werden. Aufgrund des inhaltlichen Schwerpunkts seines Lebenswerks entschied sich seine Frau, ebenfalls Vorarlbergerin, den Nachlass ihres verstorbenen Mannes der Vorarlberger Landesbibliothek zu übergeben. Hier widmet sich das Radio- und Fernseharchiv der Bibliothek schon lange der Aufgabe, das audiovisuelle Erbe Vorarlbergs zu erhalten. Dazu gehört auch, die Werke Vorarlberger Filmschaffender zu sichern, wenn notwendig zu digitalisieren, zu katalogisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insgesamt besteht der Nachlass von Robert Polak aus 531 Ton- beziehungsweise Tonbildträgern, die seit Kurzem einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher war Robert Polak bis zu seinem Tod auch Pädagoge, der sein Wissen enthusiastisch an die Studierenden weitergab. Seit 1982 unterrichtete er als Referent in der Lehrerfortbildung, wurde später Assistent und 2002 zum außerordentlichen Universitätsprofessor an der Wiener Filmakademie. Schenkt man seinem Kollegen Michael Hudecek Glauben, war er auch ein außergewöhnlicher Lehrer: „Du hattest kein eigenes Büro, das brauchtest Du nicht. Du warst lieber umgeben von den anderen. Wenn dich jemand um Rat gefragt hat, dann konntest du ganze Nachmittage mit den Studierenden im Schneideraum verbringen, um sie in der Montage ihrer Filme zu unterstützen, die notwendige Klarheit und Struktur, das passende Tempo und den geeigneten Rhythmus zu finden – indem du die richtigen Fragen gestellt hast.“

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