Thomas Feurstein

* 1964 in Bregenz, Studium der Germanistik und Geografie, Biblio­thekar und Leiter der Abteilung Vorarlbergensien an der Vorarlberger Landes­bibliothek seit 1998.

 

Happy End garantiert

Oktober 2026

In der Welt der „Romance“ ist alles erlaubt – solange die Liebe gewinnt. Eine Vorarlberger Autorin hat dieses Genre perfektioniert und mit ihren Geschichten bereits rund eine Million Bücher verkauft.

Spicy, Dark und Cosy sind keine Teesorten aus dem indischen Hochland, sondern Untergruppen einer Literaturgattung, die man hierzulande als Liebesroman, international als „Romance“ bezeichnet. Dort signalisiert „spicy“, dass die Erzählung mit expliziten Sexszenen garniert ist, „dark“ lockt oder warnt, dass toxische Beziehungen, Gewalt und Drogen vorkommen, während „cosy“ die kuschelweiche, harmonische Liebesgeschichte meint. Weitere Unterteilungen unter vielen sind „gay“: meint gleichgeschlechtliche Beziehungen, „young adult“: die Hauptpersonen sind jung und suchen noch ihren Platz im Berufs- und Liebesleben, während „sports“ die Handlung oftmals in die amerikanische Sportszene (Eishockey, Football, Basketball) versetzt. Alle diese Romane haben gemeinsam, dass sie zu einem überwiegenden Teil von Frauen geschrieben und dann auch vor allem von Frauen gelesen werden.
Auch in Vorarlberg gibt es eine lebendige Szene von Autorinnen, die regelmäßig Liebesromane veröffentlichen. Die bekanntesten Namen sind Lotte Wöss, Julia Krieger, Yvonne Schiffer, Anette Böhler und die bei Weitem erfolgreichste: Christine Troy aus Götzis. Sie begann 2015 eher als Hobby, Geschichten zu schreiben und veröffentlichte zunächst den Fantasyroman „Nibelar“. Schnell wechselte die gelernte Einzelhandelskauffrau und Mutter zweier erwachsener Kinder in das Genre des Liebesromans, in dem sie seither sehr erfolgreich ist und in den vergangenen zehn Jahren etwa 50 Bücher veröffentlichte.
Die Handlung eines typischen Buchs von Christine Troy spielt in der amerikanischen Sportszene, wo eine Liebesgeschichte nach einigen Umwegen in ein Happy End mündet. Bereits im Klappentext wird offensiv mit den typischen „Tropes“ (wiederkehrende Motive oder Handlungsmuster in Büchern, Filmen und Serien, die Erwartungen beim Leser oder Zuschauer wecken) geworben.
Die Liebesromane von Christine Troy unterliegen nicht den Gesetzen des traditionellen Buchmarkts, sondern hier gelten die Regeln des Self-Pub­lishings, wo die Autorin von den Inhalten, über die Grafik – übrigens von ihrem Ehemann gestaltet – bis hin zu Testleserinnen und zum Lektorat alles in Eigenregie erledigt. Algorithmen bestimmen das Geschehen und die Sichtbarkeit auf digitalen Plattformen entscheidet auch in finanzieller Hinsicht über Erfolg und Misserfolg. 
So etwa ist Troy mit vielen Titeln bei Kindle Unlimited gelistet. Das ist die digitale Leihbibliothek von Amazon, die den Zugriff auf Millionen von E-Books gewährleistet, wobei die gleichzeitige Ausleihe von maximal zehn Titeln möglich ist. Quasi ein Flatrate-Angebot von Amazon, bei dem die Autorinnen abhängig von der Anzahl der Downloads honoriert werden. Das gedruckte Taschenbuch, allerdings auch hier nur Print-on-Demand, macht bei steigender Bedeutung von Hörbüchern nur noch etwa zehn Prozent der Verkäufe aus. Wer bei Amazon einen einzelnen Christine-Troy-Titel als E-Book kaufen will, bezahlt 3,99 Euro, ein Preis, der auf dem herkömmlichen Buchmarkt völlig unrealistisch wäre. Die Masse macht in diesem Fall das Geschäft.

Eine Million Bücher verkauft
Christine Troy schätzt die Anzahl ihrer verkauften Bücher auf eine Million. Aber wer sind die Leserinnen, die solch immense Verkaufszahlen generieren? Vielfältige Kontakte und zahlreiche Bewertungen lassen die Autorin wissen, dass die Leserinnen zum Großteil zwischen 30 und 60 Jahren alt sind und noch mehrheitlich im deutschsprachigen Raum zu finden sind. Das könnte sich in Zukunft rasch ändern, denn mehr und mehr werden auch Übersetzungen in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch angeboten. Im Moment sondiert Troy den brasilianischen Markt, der aufgrund der Vorliebe für Telenovelas und andere romantische Geschichten interessant sein könnte. Hingegen ergab die Beobachtung des skandinavischen Markts, dass dort der Liebesroman kaum eine Rolle spielt, sondern Krimis in allen Variationen das Feld dominieren.
Der Erfolg von Christine Troy beruht vor allem auf ihrer unerschöpflichen Kreativität, die es ihr ermöglicht, in regelmäßigen Abständen Bücher zu schreiben, die immer wieder zahlende Leserinnen finden. Bei abnehmender Qualität der Geschichten würden bei der immensen internationalen Konkurrenz die Bücher sehr schnell vom Markt verschwinden. Beweis für eine treue Leserschaft sind zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Skoutz-Award, der ihr auf den großen deutschen Buchmessen verliehen wurde. Eine weitere unerlässliche Eigenschaft ist das virtuose und kontinuierliche Spiel auf den Kanälen unterschiedlichster Social-Media-Plattformen. Da Christine Troy eine Meisterin auf diesem Gebiet ist, ist sie auch gern gesehene Vortragende zu diesen Themen, wo sie angehenden Autorinnen Tipps und Tricks zum Thema Self-Publishing weitergibt.

Romance in der Vorarlberger Landesbibliothek
In der Vorarlberger Landesbibliothek ist nicht nur Literatur von Köhlmeier, Helfer, Geiger, Robert Schneider und anderen anerkannten Autoren und Autorinnen präsent, sondern es werden auch die genannten Liebesromane von Vorarlberger Autorinnen zumindest auszugsweise gesammelt. 
Neben dem Bezug zur Region sind sie Ausdruck einer zunehmend digitalen Medienlandschaft und repräsentieren das dringende Bedürfnis der Leserinnen nach einer heilen Welt, die im realen Alltag von vielfältigen Krisen bedroht ist. Ein Buch von Christine Troy garantiert einen sorglosen, unterhaltsamen Abend, denn ungefähr so lang dauert es, um eine spannende Troy-Romanze zu verschlingen.

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