Gerald A. Matt

Kunstmanager, Publizist und Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien

„Der Weg zum Erfolg war eine kontinuierliche Anstrengung“

April 2026

Ulrike Haslauer ist Geschäftsführerin und Eigentümerin von Compact Electric, einem mittelständischen Unternehmen, und eine der wenigen Frauen, die sich in der österreichischen Elektrobranche erfolgreich behauptet haben. Haslauer hat mit nicht einmal 20 Jahren, 1989, den Betrieb des plötzlich verstorbenen Vaters übernommen. Ulrike Haslauer hat ihre Firma 2025 an Herbert Klenk von Klenk & Meder verkauft und ist dort nun CEO. Gerald A. Matt traf die erfolgreiche Unternehmerin zu einem Gespräch.

Sie haben sich selbst einmal als Schrankbäuerin bezeichnet. Das klingt nach Landwirtschaft. Können Sie kurz erklären, was Sie eigentlich machen? 
Ja, gerne. Ich habe mit 80 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen einen Verteilerbau im Süden von Wien. Auf 3800 Quadratmetern werden Verteilerschränke geplant, projektiert für die Gebäudeautomatisierungstechnik. Also es wird zentral gesteuert aus dem Schaltschrank heraus, Software, Hardware, die Klimaanlage, die Entlüftung, Belüftung, also alles, was man braucht.

Worin liegen die Stärken Ihres Unternehmens?
In der Qualität, in der beständigen Dienstleistung, in der Flexibilität, in der Zuverlässigkeit. Und unsere Techniker sind hervorragend. Wir stecken wirklich fast in jedem zweiten Gebäude in Wien, zum Beispiel in der Hofburg, im Hotel Sacher. Mit meinen Schränken.

Können Sie etwas über Ihre Sozialisation erzählen? Was hat Sie geprägt?
Ich war in der Familie das einzige Mädchen und musste mich gleich mal mit meinem Bruder und ein paar Cousins auseinandersetzen. Daraus habe ich meine Lehren gezogen. Also im Endeffekt war es so, dass dann alle das machen mussten, was ich sagte.

Sie haben ja auch den Betrieb übernommen. Und nicht der Bruder?
Der ist Mediziner geworden.

Was war Ihr Traum als Kind? Schrankbäuerin ist ja nicht unbedingt das Erste, was einem Kind einfällt.
Ich bin ja auch nicht im Betrieb aufgewachsen. Mein Vater hat das Unternehmen 1986 gekauft. Anfangs wusste ich gar nicht, was er da macht. Ich wollte auf die Bühne, Schauspielerin werden, Tänzerin, Sängerin werden, was ich ja immer noch mache.

Sie treten ja immer noch in einer Band auf.
Ja, stimmt. Ich habe mir die Bühne wieder geholt.

Sie haben ja den Job am Anfang Ihres betriebswirtschaftlichen Studiums schon angetreten.
Also ich habe gearbeitet und nebenbei an der Wirtschaftsuni Wien studiert. So war die Studentenzeit etwas anders, als ich es mir vorgestellt hätte. Aber im Grunde gab es die Praxis durch das Unternehmen.

Was hat Sie veranlasst, nach dem plötzlichen Tod Ihres Vaters wirklich in den Betrieb einzutreten?
Da kannte ich die Firma schon, ich war schon Werkstudentin. Und das war letztlich ein Vorteil, weil alle Mitarbeiter mich und meine Mutter, die auch im Betrieb war, schon kannten. Und die Elektrotechnik, das Mathematische, das machte mir schon Spaß.

Also es interessiert Sie nicht nur das Managen, die Unternehmensführung, sondern auch die Elektronik, die Technik.
Ja, wir haben ja nicht nur den Verteiler. Wir haben auch eine Elektronikabteilung, eine Entwicklungsabteilung, in der wir beispielsweise im Bereich der Energieversorgung Forschung und Entwicklung betreiben. Da geht es um technische Kreativität und Innovation. Da kann ich meinen technischen Verwirklichungsdrang auch ausleben.

Würden Sie dennoch sagen, aller Anfang war schwer?
Ich habe darüber nicht nachgedacht. Nein, ich habe mich einfach in seinen Sessel gesetzt. Papas Tod mit nur 46 Jahren war ein Riesenschock für uns. Wir mussten zwei Millionen Schilling zurückzahlen auf zehn Jahre. Das war eine Riesenherausforderung, aber ich wollte es einfach machen.

Elektronik ist ja immer noch eine Männerdomäne, ein MINT-Beruf.
Ja, aber die Elektronik ist leider nicht der einzige männerlastige Beruf. Und darüber habe ich nie nachgedacht. Man muss mit Wissen und Überzeugung an die Sache herangehen, ja, und vielleicht einen Tick mehr überzeugen als Frau.

Wie haben die Mitarbeiter darauf reagiert, als sie plötzlich eine Chefin hatten und so eine junge Chefin mit wenig Erfahrung?
Das war wirklich großartig. Wir hatten damals an die 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, waren also noch ein sehr kleiner gewachsener Betrieb. Wir ziehen, wie damals auch heute, alle noch an einem Strang. Und das ist das Wichtigste.

Was, würden Sie sagen, hat sich durch Ihre Führung verändert und was war vielleicht auch Ihr erster großer Erfolg?
Der Weg zum Erfolg war eine kontinuierliche Anstrengung. Heute beschäftigen wir mehr als 80 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Da bin ich auch sehr stolz darauf, dass wir uns auch in weniger rosigen Zeiten behaupten, ja stetig wachsen konnten.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie anders führen als Ihr Vater?
Ja, ich kannte ihn als starken Patriarchen. Die Generation, die bis Mitternacht nicht losgelassen hat und den Betrieb immer nach Hause geholt hat. Ich habe auch ein Leben über die Arbeit hinaus.

Wenn Sie an die Entwicklung allgemein der Wirtschaft in Österreich in den vergangenen Jahren denken. Was hat sich für Sie und für Ihr Unternehmen verändert?
Die Rahmenbedingungen für Unternehmen ändern sich ständig. Mit der Corona-Pandemie war es natürlich wirklich sehr schwierig. Da wusste ich von heute auf morgen nicht, kann ich meinen Betrieb weiterführen? Und wir waren sehr erfinderisch. Wir haben aus Behälterhüllen Masken gemacht, die wir an Schutzbrillen angetackert haben, um weiterarbeiten zu können. Und so hatten wir keinen Tag geschlossen. Dann kam die Materialkrise, die Energiekrise. Da dachte ich mir schon, was kommt denn jetzt noch?

Ist nicht die Überregulierung auch ein großes Problem?
Ja, gerade die Technik wird durch harmonisierte Normen in der EU sehr reguliert und bürokratisiert. Zum einen ist das natürlich gut für die Qualität in Europa, aber es ist natürlich auch ein Hemmnis international, weil andere Länder das entspannter sehen.

Schumpeter hat den Unternehmer maßgeblich als Innovator gesehen, er sprach dabei von einer schöpferischen Zerstörung. Wie sehen Sie das?
In der Elektronik gilt das Daniel-Düsentrieb-Prinzip, wir produzieren, erfinden ständig Neues und neue Lösungen. Zerstörung dort, wo eingefahrene Strukturen erneuert werden müssen. Aber niemals den Menschen gegenüber. Neuschöpfung bedarf vor allem Kreativität. Und Kreativität bedarf motivierter und zuverlässiger Mitarbeiter.

Sie sind Unternehmerin, Sie sind aber auch Sozialdemokratin.
Das passt für mich auch zusammen.

Ist aber selten. Wie können Sie das vereinen?
Mir geht es um die Gemeinsamkeit, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, ob das der Arbeiter, der Angestellte, der Unternehmer ist. Ohne einander wären wir nichts. Nur gemeinsam können wir die Welt verändern, nur gemeinsam kann das Unternehmen bestehen. Ich will, dass es meinen Mitarbeitern gut geht, wie sie mir auch wünschen, dass es mir gut geht, weil ich an diesem Schiff halt am Steuerrad stehe. Das Miteinander in der Wirtschaft mit dem Ziel, dass es allen gut geht, das ist für mich sozialdemokratisch.

Neulich bei der Wirtschaftskammerwahl haben sie auch kandidiert, wie sehen Sie die Wirtschaftskammer heute? 
Ich habe mich zum ersten Mal tatsächlich engagiert, bin auch zweite Landesinnungsmeister-Stellvertreterin der Sparte Mechatronik geworden. Natürlich gibt es viel zu tun, aber das heißt nicht abschaffen, sondern reformieren. Und das ist nicht zuletzt auch ein Grund, warum ich kandidiert habe. Ich konnte jedenfalls sehr, sehr gute Erfahrungen auch mit der Außenwirtschaftskammer machen. So wurde ich in Malaysia in Kuala Lumpur hervorragend betreut, schnell und kompetent mit wirtschaftlichen Partnern zusammengebracht. Allein wäre das nicht möglich gewesen.

Wie sehen Sie die Lohnnebenkosten, ein negativer Wettbewerbsfaktor?
Ja, absolut. Also das ist tatsächlich eine extreme Belastung für die Unternehmer. Und es wird seit Jahren, fast seit Jahrzehnten darüber gesprochen, da etwas zu ändern und in der Struktur der Einnahmen des Staates Erleichterungen zu finden, um die Unternehmer zu unterstützen. Es hat mittlerweile ein Ausmaß angenommen, das ruinös ist für Österreich, finde ich. Weil große Industriebetriebe natürlich abwandern können, andere Produktionsstätten, andere Produktionsländer finden, wo die Lohnstruktur eine ganz andere ist. Die zögern nicht. Es wird sehr, sehr viel ruiniert für den Standort Österreich. Und da muss jetzt wirklich dringend etwas gemacht werden.

Das heißt, Sie kämpfen auch als Sozialdemokratin für das Absenken der Lohnnebenkosten?
Natürlich, eine Entlastung der Löhne und Gehälter. Wir brauchen die Kaufkraft. Das gehört gestützt. Das ist ein Thema, das gemeinschaftlich angegriffen werden muss. Da ist eine Lösung zu finden.

Glauben Sie, die jetzige Regierung wird das tun?
Ich bin immer Optimistin.

Mich fasziniert, dass eine junge Frau so erfolgreich ein Unternehmen übernommen hat und dies in einem Bereich, den man nicht unbedingt mit Frauen verbindet. Wie sehen Sie die Rolle der Frauen in der Wirtschaft? Ist die Gleichstellung oder Gleichberechtigung inzwischen erreicht oder gibt es noch die gläserne Decke?
Diskriminierung in einem Ausmaß wie noch vor 40, 50 Jahren gibt es in Österreich oder in Europa nicht mehr. Da sind wir im Vergleich zu anderen Teilen der Welt geradezu eine Insel der Seligen. Dennoch gibt es noch viel zu tun, von gleichem Verdienst für gleiche Arbeit bis hin zur Kinderbetreuung und Aufteilung der gemeinsamen Aufgaben zwischen Mann und Frau.

Haben Sie jemals etwa in Verhandlungen Diskriminierungen erlebt?
In der Technik geht es primär um sachlich fundierte Themen. Da ist es egal, wer verhandelt, ob männlich oder weiblich. Wichtig ist auch, dass Gleichberechtigung auch von der Führung gelebt wird. Dass Männer mehr verdienen und Frauen für den gleichen Job weniger, das geht für mich und in meinem Betrieb gar nicht.

Gibt es bei Ihnen Frauen auf der mittleren Führungsebene?
Leider nein, weil meine Managementpositionen mit hoher technischer Expertise besetzt sind, da fehlen leider Frauen. Ich suche wirklich händeringend nach Technikerinnen.

Woran liegt es, dass Frauen so wenig in diese technischen Bereiche gehen?
Sie trauen sich zu wenig zu. Da muss man den Frauen den Rücken stärken, sie auch immer wieder ermuntern, dass sie Mathematik, Physik studieren oder auf eine einschlägige Schule gehen. Das verlangt nachhaltige Veränderungen der Einstellung, auch in der Familie. Es ist leider sogar eine Retrobewegung zu erkennen, dass sie wieder in traditionell weiblich besetzte Berufe gehen.

Haben Sie das Gefühl, dass es für Frauen fast schwieriger ist, in mittelständischen Unternehmen in Führungspositionen zu kommen als in großen, auf Genderausgleich bedachten Konzernen?
Ja, natürlich ist es ungewöhnlich noch für Frauen, mittelständische Unternehmen zu übernehmen. Aber auch das wird sich ändern.

Sarah Wagenknecht hat in Deutschland immer wieder reine auf Gendern ausgerichtete Symbolpolitik kritisiert und zuerst gleiche Löhne und gleiche Chancen gefordert.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist wohl selbstverständlich. Aber Frauen sind immer noch mit sehr viel zusätzlicher Arbeit belastet. Sie erziehen die Kinder, sie schauen, dass der Haushalt funktioniert, und gehen in Fulltime-Jobs arbeiten.

Was müsste man da ändern, dass Frauen auch die Zeit und die Kraft haben, sich so wie Männer im Beruf zu engagieren?
Ganz einfach. Man müsste die Männer nachhaltig, auch gesetzlich, motivieren, dass sie den familiären Bereich auch als ihre Aufgabe ansehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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