Berufsbildung bleibt wichtig!

Digitalisierung und Automatisierung verändern die Arbeitswelt. Von einem „Ende der Arbeit“, wie manche Studien prognostizieren, sind wir allerdings weit entfernt. Viel wahrscheinlicher ist, dass neue Tätigkeiten entstehen und vor allem, dass sich bestehende Berufe verändern. Einfache manuelle Tätigkeiten werden weniger, während in mehr Jobs höhere kognitive, soziale und technologische Fähigkeiten benötigt werden. So weit, so nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist der bildungspolitische Schluss, unter „Höherqualifizierung“ primär die Notwendigkeit einer Erhöhung der Maturanten- und Hochschulabsolventenquoten zu verstehen. Tatsächlich zeigt der internationale Vergleich, dass jene Staaten, die vor allem auf den Ausbau ihrer Hochschulsysteme setzen und die Berufsbildung zurückgefahren haben, heute mit (Jugend-)Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel konfrontiert sind.

Für Österreich zeigt eine aktuelle Studie (ibw-Fachkräfteradar), dass es für Handwerks-, Technik- und Tourismusberufe den größten ungedeckten Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern gibt. Vor allem bei Personen mit Lehrabschluss gibt es einen Engpass, für alle anderen Bildungsabschlüsse gibt es so gut wie keinen (AHS, HAK, Uni) oder einen deutlich geringeren Mangel (HTL und Fachschulen, FH). Berufsbildung auf mittlerem (Lehre) und höherem Niveau (Meister, Fachakademie und andere) bleibt wichtig. Notwendig ist, diese Qualifizierungsangebote zu stärken und im Einklang mit den neuen Anforderungen weiterzuentwickeln. Die am 20. September erfolgte Einstufung der Meisterprüfung im Nationalen Qualifikationsrahmen auf der gleichen Niveaustufe wie der Bachelor ist jedenfalls ein wichtiges Signal dafür, dass es auch in der Berufsbildung „höhere Qualifikationen“ gibt.