Klaus Kofler

Zukunftsforscher

Weiter so …

September 2019

Während die einen noch über die Digitalisierung nachdenken, beginnen die anderen sich langsam über die Klimaveränderung ihre Köpfe zu zerbrechen. Allein daran sieht man, wie lange wir brauchen, um das Tempo des Wandels zu verstehen. Die Frage, ob das jetzt mit Nichtkönnen oder Nichtwollen zu tun hat, ist eigentlich egal, denn beide Szenarien führen letztlich in den Abgrund und in den Untergang.
Gerade dieses langsame Fortschreiten ist der eigentliche Wahnsinn. Diese Gangart richtet weit mehr Schaden an als die wahren Herausforderungen, vor denen wir stehen. Allesamt leiden wir unter einem gigantischen Angstkomplex der Erneuerung und einer Art krampfhafter Aufrechterhaltung der Ordnung. Egal wie, es muss weitergehen. Alles haben wir darauf ausgerichtet und dahin ausgelegt. Das Bekannte und Bewährte ist unser Freund, selbst dann noch, wenn schon alles den Bach runter zu gehen droht.
Wann wollen wir endlich ausbrechen aus einer Welt der Zukunftsignoranz? Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten wir bessere Chancen und Möglichkeiten, die Dinge nicht nur grundlegend neu, sondern weitaus besser machen zu können als jemals zuvor. Wie sagte Thomas Straubhaar (Ökonom Uni Hamburg): „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ 
Wir leben in einer neuen Welt, besetzt mit alten Zukunftsbildern. Nein, nicht die Welt steckt in einer Krise. Es sind unsere Konzept-, Strategie- und Mutlosigkeit, die uns lähmen. Dieses unermüdliche Festhalten am Bestehenden, verbunden mit einem konsequenten „Weiter-so“. Wenn’s sein muss, bis zum Kollaps. Früher sagte man, Zukunft ist schwer zu identifizieren. Heute finden wir sie vor unseren Füßen. Vielleicht sollten wir endlich mal lernen, genauer hinzusehen.