Wilfried Hopfner

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber Thema Vorarlberg

Brief des Herausgebers – Wie sichern wir nachhaltig unseren Wirtschaftsstandort?

Mai 2023

Die Zahl der offenen Stellen hat ein Rekordniveau erreicht: Trotz niedrigster Arbeitslosenzahlen ist die Zahl der offenen Stellen österreichweit von 2019 auf 2022 von 128.200 auf 206.500 angestiegen! Eine von der WKÖ in Auftrag gegebene Studie berechnet, dass diese Lücke bis zum Jahr 2040 auf knapp 570.000 ansteigen könnte. Könnte, wenn nicht aktiv und massiv gegengesteuert wird!

Für Vorarlberg würde das bedeuten, dass dann rund 20.000 offene Stellen nicht besetzt werden könnten. Und das Ausschlaggebende dabei ist, dass sich der Arbeitskräftemangel auf alle Bereiche der gewerblichen Wirtschaft, aber auch den öffentlichen Dienst erstreckt. Die Konsequenzen mögen wir uns nicht vorstellen: Dass wir – beispielsweise – bei einem Unfall nicht mehr zeitnah abgeholt und operiert werden könnten, oder dass die Polizei bei einem Einbruch nicht rasch vor Ort sein kann. Genauso wenig sollten wir tatenlos zusehen, wenn das BIP 2040 rund neun Prozent oder rund 50 Milliarden Euro geringer ausfallen würde, als das mit ausreichend Arbeitskräften der Fall wäre.
Aber auch die absehbaren Mindereinnahmen der öffentlichen Hand erzwingen ein konsequentes Handeln. Die Berechnungen zeigen, dass von 2023 bis 2040 in Summe rund 150 Milliarden Euro – zu aktuellen Preisen – an Steuer­einnahmen und Sozialversicherungsabgaben verloren gehen würden. Für Vorarlberg wären das gemäß den Ertragsanteilen im Finanzausgleich rund 1,2 Milliarden Euro.

Die Gründe für die aktuelle Situation sind vielfältig. Primär ist sicherlich die demographische Entwicklung ausschlaggebend, steht dem doch deutlich steigenden Arbeitskräftebedarf eine sinkende Zahl der Erwerbstätigen gegenüber. Die niedrigere Zahl an Erwerbstätigen ist aber auch auf die stark zunehmende Nachfrage nach Teilzeitarbeitsplätzen zurückzuführen.

Das Maßnahmenbündel zur Gegensteuerung ist breit gefächert und muss jetzt konsequent abgearbeitet werden. Stichworte dafür sind: Vereinbarkeit von Familie und Beruf (auch da braucht es qualifizierte Fachkräfte, um die Kinderbetreuung sicherzustellen!); Schaffung von steuerlichen Anreizen (Arbeit muss sich lohnen); Steigerung der Produktivität durch Digitalisierung (vor allem auch in Bereichen, wo dies bisher noch nicht ausreichend erfolgt ist beziehungsweise möglich war); Sicherstellung einer adäquaten Aus- und Weiterbildung und längeres Arbeiten (wo dies möglich und von den Dienstnehmern gewünscht ist) –sowie das Ermöglichen eines qualifizierten Zuzugs von ausländischen Arbeitskräften (beispielsweise über die Rot-Weiß-Rot-Karte).

Setzen wir mutig notwendige Schritte. Alle können und müssen einen Beitrag leisten, damit wir unseren Lebensstandard sowie unseren Lebens- und Wirtschaftsstandort nachhaltig absichern können!

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