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Diese Polemik!

Die Arbeitszeitflexibilisierung nützt den Unternehmern, sie nützt den Mitarbeitern, sie nützt dem Wirtschaftsstandort. Aber warum dann diese Polemik, diese Halb- und Unwahrheiten, diese Schreckensszenarien, die da von Arbeitnehmervertretern gezeichnet werden? Dass die Menschen künftig ständig zwölf Stunden am Tag und 60 Stunden die Woche arbeiten müssten und dass das zur Regel würde! Und völlig verschwiegen wird dabei, dass es das Modell ja schon gibt, dass bestimmte Branchen den Zwölf-Stunden-Tag bereits haben, aber auch bereits existierende Arbeitszeitmodelle lassen ihn zu. Und das hat auch bisher schon gut funktioniert. Weil die Sache eben keine einseitige ist: Es geht vielmehr um ein Geben und ein Nehmen, im gegenseitigen Einverständnis. Nur waren solche Modelle bisher reichlich unflexibel, weil vielfach bürokratisch und daher entsprechend aufwendig.

Gewerkschaften und Betriebsräte fürchten in Wahrheit nicht die neue Flexibilisierung, sie fürchten vielmehr einen Machtverlust. Denn das, was sie nicht verstehen können oder wollen, ist die Tatsache, dass die Arbeitswelt auch ohne ihr Zutun auf betrieblicher Ebene funktioniert. Sie schüren deshalb den Klassenkampf. Und verdrängen dabei auch vollkommen die Tatsache, dass es sich Arbeitgeber in der heutigen Zeit – Stichwort Facharbeitermangel – auf Dauer gar nicht leisten können, nicht auf ihre Mitarbeiter zu schauen! Das ist die reale Arbeitswelt. Man trägt den Anforderungen des 21. Jahrhunderts Rechnung.

Nur die Gewerkschaften leben offenbar noch in einem anderen Zeitalter. Denn sie skizzieren das Bild eines Unternehmers aus längst vergangenen und vergessenen Tagen, der nur eines im Sinn hat: seine Arbeitnehmer auszunützen. Dieses Bild ist, und das ist noch freundlich formuliert, purer Unsinn; gerade auch mit Blick auf Vorarlberg – mit Blick auf den hohen Anteil an Familienbetrieben und die vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Hört man sich dort um, wird die Arbeitszeitflexibilisierung befürwortet: Der Arbeitnehmer kann Arbeit flexibler erledigen, wenn sie ansteht – im Gegenzug für sich dann ergebende längere Freizeitblöcke. Umfragen zufolge sind sich 70 Prozent der Arbeitnehmer bewusst, dass man in der modernen Arbeitswelt auch flexibler arbeiten muss. Fast so viele sagen auch, sie seien flexibel und fallweise bereit, mehr zu arbeiten.

Die Realität hat die Gewerkschaften nicht nur eingeholt. Sie hat sie überholt. In Vorarlberger Medien stand zu lesen, dass von den 80.000, die in Wien gegen die Arbeitszeitflexibilisierung demonstriert hatten, 200 Vorarlberger waren. Nur 200, trotz diverser Aufrufe! Besser lässt sich wohl nicht zeigen, was die hiesigen Beschäftigten von der Sache halten.

07.07.2018

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Christoph Jenny

Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg

(Foto: © Dietmar Walser)

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