Herbert Motter

Digitale Innovation – eine Chance für den Standort

November 2018

Digitale Entwicklungen und Realisierungen brauchen ein innovatives Umfeld, ein Ökosystem, das digitale Experten anzieht und neue Bildungswege eröffnet.

In allen Branchen hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten, wenngleich der Grad ihrer Durchdringung noch sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Viele erkennen diese Entwicklung jedoch mehr und mehr als Chance, die es zu nutzen gilt. Ein komplettes Ignorieren dieses Megatrends wäre für Vorarlberg höchst fahrlässig, so jedenfalls die branchenübergreifende Erkenntnis. Das Ausloten von Chancen und Risiken für den jeweiligen Betrieb ist längst das Gebot der Stunde. „Als hoch entwickelte Wirtschaftsregion mit gut ausgebildeten Menschen müssen wir dieser Herausforderung aktiv und verschränkend über die Unternehmens- und Organisationsgrenzen hinweg begegnen und die daraus sich ergebenden Chancen nutzen. Sonst geraten wir ins Hintertreffen und es droht ein massiver Wettbewerbsverlust“, erklärt Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, warum dieses Thema beim Strategieprozess Dis.Kurs Zukunft einen zentralen Stellenwert einnimmt. „Veränderungsprozesse werden generell immer kürzer, wir müssen uns kontinuierlich verändern, denn dranzubleiben ist wichtig“, betont auch Udo Filzmaier, Geschäftsführer der System Industrie Electronic Holding AG.

Doch noch ist der Austausch zwischen der „alten“ und „neuen“ Welt ein zurückhaltender. Der Mangel an Fachkräften im digitalen Bereich, ein fehlendes Ökosystem als Standortfaktor und noch zu wenig ausgeprägte Strukturen kennzeichnen derzeit noch das Land in Sachen Digitalisierung. Im Rahmen des Strategieprozesses Dis.Kurs Zukunft wurde intensiv in Arbeitsgruppen an digitalen Schwerpunkten für Vorarlberg gearbeitet. Schlüsselthema ist dabei in allen Diskussionen und Workshops die digitale Bildung. Wie kommen wir zu den richtigen innovativen Fachleuten, wie halten wir sie im Land, welche Perspektiven bieten wir ihnen beruflich wie privat? Stichwort Infrastruktur: Wie stellen wir günstigen Wohnraum und Räume für digitale Innovationen zur Verfügung, wie fördern wie grenzüberschreitende Mobilität? Als Vision wurde die „Schaffung eines Ökosystems, das 10.000 ,digital experts‘ anzieht, um digitale Innovationen zu leben“ definiert. Digitale Initiativen wie Hackathons, um gemeinsam nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte herzustellen beziehungsweise allgemeine Lösungen für gegebene Probleme zu finden, oder spezielle Konferenzen gilt es zu forcieren. Zur Förderung der digitalen Szene und Entwicklung einer Start-up-Kultur soll ein digitaler Hub - eine Drehscheibe für Digitalisierung - geschaffen werden, der sowohl physische Anlaufstelle ist als auch die Bündelung digitaler Kompetenzen darstellt und Services des Standorts aufzeigt. Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Start-ups, etwa durch ein Business-Angel-Netzwerk oder ähnlich der Tabakfabrik Linz („Strada del Start-up“) gilt es aufzubauen. Gezielte Kooperationen zwischen Start-ups und industriellen Leitbetrieben müssen stärker gefördert werden. Dabei geht es um Technologien wie Virtual Reality, Blockchain, Machine Learning und künstliche Intelligenz.

Gerade im Unternehmenskontext können digitale Innovationen zu einer Vielzahl an positiven Veränderungen führen. So ermöglicht die Integration digitaler Techniken beispielsweise die Flexibilisierung des gesamten Produktions- und Arbeitsprozesses. Aufgrund interner Effizienzgewinne, aber auch durch die Vernetzung der Wertschöpfungskette, können letztendlich die Bedürfnisse der Kunden schneller und gezielter bedient werden. Oder es können komplett neue Geschäftsfelder und Märkte erschlossen werden, die bis dato aufgrund fehlender (technischer) Möglichkeiten nicht beziehungsweise kaum zugänglich waren. Und auch im Dienstleistungssektor treibt die Digitalisierung den Innovationsprozess stetig voran. Zum einen entstehen gänzlich neue, innovative Services, zum anderen kommt es aber auch zu einer laufenden Modernisierung bestehender Serviceangebote. Zeit- und Effizienzgewinne sind die logische Folge. Erfahrungen mit gesellschaftlichen Umbrüchen und technischen Fortschritten zeigen, dass in der Vergangenheit zwar immer auch Arbeitsplätze weggefallen sind, es dadurch aber keinen gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsrückgang geben hat, denn die Impulse zur Schaffung neuer Arbeitsplätze werden als enorm eingestuft.

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